Schlagwort: IFRS 15

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Bekanntgabe von Enforcement-Entscheidungen durch die ESMA

Die europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) hat im April 2020 Enforcement-Entscheidungen nationaler Enforcer bekanntgegeben (sog. Extract from EECS database).

Bzgl. der Realisierung von Umsatzerlösen für eine Rahmenvereinbarung (Decision ref EECS/0120-07) kam der Enforcer im zugrundeliegenden Sachverhalt zu dem Ergebnis, dass der Abschluss eines Rahmenvertrags zwischen einem Automobilzulieferer und einem Automobilhersteller zur Lieferung von Teilen ohne eine vertraglich vereinbarte Mindestabnahmemenge keine durchsetzbaren Rechte und Pflichten der Vertragsparteien begründet. Folglich hatte mangels Vorliegens eines Vertrags i.S.d, IFRS 15.9 bzgl. der Teilelieferungen eine bilanzielle Erfassung zu unterbleiben. Erst mit der zeitlich nachgelagerten konkreten Bestellung von Teilen lagen durchsetzbare Rechte und Pflichten der Vertragsparteien vor, welche zu einer bilanziellen Erfassung der Teilelieferung führen. Betont wurde, dass aus einer reinen Erwartung von Teilebestellungen auf Basis von Erfahrungswerten keine durchsetzbaren Rechte und Pflichten entstehen.

Hinsichtlich der Identifizierung von Komponenten in einem Leasingvertrag für eine Mieteinheit und damit verbundenen Prinzipal-Agenten-Fragestellungen (Decision ref. EECS/0120-08) stellte der Enforcer fest, dass die den operativen Kosten des Gebäudes und der Mieteinheit zugrundeliegenden Dienstleistungen Nicht-Leasingkomponenten darstellen und nach IFRS 15 zu bilanzieren sind. Für die bilanzielle Behandlung der auf den Mieter umgelegten operativen Kosten ist entscheidend, ob das bilanzierende Unternehmen für die damit verbundene Dienstleistung als Prinzipal oder Agent anzusehen ist.

Für die operativen Kosten der Mieteinheit wie bspw. Gas und Strom schlussfolgerte der Enforcer, dass das Unternehmen als Agent anzusehen ist, weil es diese nicht kontrollieren kann, bevor sie auf den Mieter übertragen werden. Folglich sind Umsatzerlöse nur in Höhe der Marge zu realisieren, die das Unternehmen für die Beauftragung der anderen Partei erwartet. Die Indikatoren des IFRS 15.B37 unterstützen nach Ansicht des Enforcers diese Einschätzung. Die bloße Tatsache, dass der Vermieter in einem vorgelagerten Schritt den Versorger auswählen kann, gibt ihm noch keine Kontrolle über das zu liefernde Gas bzw. zu liefernden Strom.

Für die Warmwasserversorgung der Mieteinheit sah der Enforcer im Gegensatz zum bilanzierenden Unternehmen eine Prinzipalstellung, weil das Unternehmen die Energieträger (Öl bzw. Gas) einkauft und hieraus zentral im Gebäude Warmwasser erzeugt, bevor dieses auf den bzw. die Mieter übertragen wird und somit das Warmwasser auch kontrolliert.

Insgesamt bestätigen die Enforcement-Entscheidungen unsere langjährige Hausmeinung. Wir möchten darauf hinweisen, dass sowohl Rahmenvereinbarungen als auch Prinzipal-Agenten-Fragen in diversen Branchen und Konstellationen auftreten und sensibilisieren, die zugrundeliegenden Sachverhalte kritisch zu analysieren.

 

PwC Accounting and Reporting Talks zu den DPR-PrĂĽfungsschwerpunkten 2020 gestartet

Im November hat die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) ihre Prüfungsschwerpunkte für die Saison 2020 veröffentlicht. Dies haben wir zum Anlass genommen, als Folge 6 unserer Webcast-Reihe „PwC Accounting and Reporting Talks“ eine fünfteilige Serie zu veröffentlichen, und zwar zu den folgenden DPR-Themen:

  • Leasingverhältnisse (IFRS 16)
  • Umsatzrealisierung (IFRS 15) und Ertragsteuern (IAS 12, IFRIC 23)
  • Impairment Test (IAS 36)
  • Kreditinstitute: Impairment (IFRS 9) & more
  • Konzernlagebericht & more

Der erste Beitrag zu Leasingverhältnissen (IFRS 16) ist bereits online. In diesem diskutieren Dr. Bernd Kliem und Karsten Ganssauge über ausgewählte Aspekte der neuen Leasingbilanzierung, die die DPR im Fokus hat. Die übrigen Beiträge werden in den nächsten Tagen verfügbar sein.

Neugierig? Dann schauen Sie rein, auf unserer Homepage oder auf YouTube, wie immer nur das Wesentliche, auf den Punkt gebracht.

DPR ergänzt ESMA-Prüfungsschwerpunkte

Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung e.V. (DPR) hat gestern die von der European Securities and Markets Authority (ESMA) bereits angekündigten einheitlichen europäischen Prüfungsschwerpunkte (wir berichteten in unserem Blog am 29. Oktober) übernommen und um zwei nationale Punkte ergänzt.

Damit sind insgesamt folgende Schwerpunkte für die Prüfung der Abschlüsse kapitalmarktorientierter Unternehmen im Rahmen des Enforcement-Verfahrens in Deutschland für das Jahr 2019 einschlägig:

  1. Ausgewählte Anwendungsfragen zur Implementierung von IFRS 15 „Erlöse aus Verträgen mit Kunden“
  2. Ausgewählte Anwendungsfragen zur Implementierung von IFRS 9 „Finanzinstrumente“
  3. Anhangangaben zu den erwarteten Auswirkungen der künftigen Anwendung von FRS 16 „Leasingverhältnisse“
  4. Konzernlagebericht in Bezug auf die Darstellung und Analyse des Geschäftsverlaufs und der Ertragslage entsprechend dem Umfang und der Komplexität der Geschäftstätigkeit (§ 315 Abs. 1 Satz 1 bis 3 HGB)
  5. Segmentberichterstattung unter BerĂĽcksichtigung der unternehmensinternen Berichterstattung und folgender Einzelaspekte
    1. Bestimmung der operativen Segmente (IFRS 8.5) und Zusammenfassung zu berichtspflichtigen Segmenten (IFRS 8.11-9.19) nebst erläuternden Angaben (IFRS 8.22)
    2. Darstellung des Segmentergebnisses, insbesondere bei Verwendung alternativer Leistungskennziffern (IFRS 8.23, IFRS 8.25-8.27)
    3. Differenzierung zwischen Informationen in der Kategorie „alle sonstigen Segmente“ und sonstigen Abstimmungsposten in der Überleitungsrechnung (IFRS 8.16, IFRS 8.28)
    4. Informationen über geografische Gebiete differenziert nach Herkunftsland und Drittländern (IFRS 8.33) sowie über Kundenabhängigkeiten (IFRS 8.34)

Zudem weist die ESMA auf folgende Themen hin, die ebenfalls im Rahmen der PrĂĽfungen beachtet werden sollen:

  •  Bilanzielle Auswirkungen aus der Einstufung von Argentinien als Hochinflationsland
  •  Ausgewählte Aspekte der nichtfinanziellen Berichterstattung
  •  Ausgewählte Aspekte der ESMA-Leitlinien zu alternativen Leistungskennziffern (APM)
  •  Angaben zum Brexit

Die Pressemitteilung der DPR, in der für die europäischen Prüfungsschwerpunkte (Punkt 1.-3.) auf die Darstellung der gemeinsamen europäischen „Enforcement-Prioritäten“ der ESMA verlinkt wird, erreichen Sie unter folgendem Link.

ESMA veröffentlicht Prüfungsschwerpunkte für 2019

Ende letzter Woche hat die European Securities and Markets Authority (ESMA) ihre PrĂĽfungsschwerpunkte fĂĽr die in 2019 durchzufĂĽhrenden PrĂĽfungen verkĂĽndet.

Im Rahmen des Enforcement-Verfahrens wird dabei bei der PrĂĽfung der AbschlĂĽsse und Lageberichte kapitalmarktorientierter Unternehmen besonderes Augenmerk insb. auf folgende Themen gelegt:

  • ausgewählte Anwendungsfragen zur Implementierung von IFRS 15 „Erlöse aus Verträgen mit Kunden“ und von IFRS 9 „Finanzinstrumente“,
  • Anhangangaben zu den erwarteten Auswirkungen der kĂĽnftigen Anwendung von IFRS 16 „Leasingverhältnisse“,
  • bilanzielle Auswirkungen aus der Einstufung von Argentinien als Hochinflationsland,
  • ausgewählte Aspekte der nichtfinanziellen Berichterstattung,
  • ausgewählte Aspekte der ESMA Leitlinien zu alternativen Leistungskennzahlen (APM),
  • Angaben zum Brexit.

Die Themen IFRS 9, 15 und 16 bilden die gemeinsamen europäischen Prüfungsschwerpunkte. Genauen inhaltlichen Einzelheiten können dem Public Statement der ESMA entnommen werden.

In Deutschland wird das Enforcement-Verfahren auf der ersten Stufe durch die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) durchgeführt. Es ist davon auszugehen, dass diese – wie in den Vorjahren – die Prüfungsschwerpunkte der ESMA um eigene ergänzen wird. Unabhängig von den Prüfungsschwerpunkten können auch unternehmensspezifische Themen Gegenstand der Prüfung sein.

Angaben zum Ăśbergang auf IFRS 15 im Zwischenbericht

In der Praxis ist es ĂĽblich, IFRS-Zwischenberichte in verkĂĽrzter Form nach IAS 34 zu erstellen (sog. condensed interim financial statements). FĂĽr diese Zwischenberichte sieht IAS 34 bestimmte verpflichtende Angaben – teilweise durch Verweis auf andere Standards – vor. Weitere Angaben, die fĂĽr jährliche AbschlĂĽsse verpflichtend sind, mĂĽssen im Zwischenabschluss nicht gemacht werden. Die direkten Angabepflichten des IAS 34 sind jedoch teilweise auslegungsbedĂĽrftig. So fordert IAS 34.16A(a), Art und Auswirkung von Ă„nderungen von Rechnungslegungsmethoden zu beschreiben, lässt jedoch offen, in welcher Form und welchem Detaillierungsgrad dies zu erfolgen hat. Die europäische Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA fĂĽhrt hierzu in ihrem Jahresbericht zu Enforcement-Aktivitäten 2017 aus, dass sie bei der erstmaligen Anwendung des IFRS 15 nach der modifiziert retrospektiven Ăśbergangsmethode Angaben nach IFRS 15.C8 in allen Zwischenberichtsperioden, die den Zeitpunkt der erstmaligen Anwendung des IFRS 15 enthalten, erwartet.

Dies sind:

  • fĂĽr jeden einzelnen betroffenen Abschlussposten den aus der erstmaligen Anwendung des IFRS 15 resultierenden Anpassungsbetrag, der sich im Vergleich zu den bisherigen Regeln zur Umsatzrealisierung ergibt und
  • eine Erläuterung der GrĂĽnde fĂĽr die identifizierten wesentlichen Ă„nderungen.

Sollten sich durch den Ăśbergang auf IFRS 15 wesentliche Ă„nderungen ergeben, empfehlen wir, der Forderung der ESMA im Sinne einer sinnvollen Auslegung des IAS 34.16A(a) zu folgen.

 

EU ĂĽbernimmt zahlreiche neue IFRS-Regelungen: Geltung neuer Angabepflichten des IAS 7 bereits in 2017er-AbschlĂĽssen

 

Im Amtsblatt der EU vom 9. November wurden nachfolgende Regelungen des IASB veröffentlicht und damit in EU-Recht übernommen (Endorsement):

Titel und Link auf Amtsblatt Verpflichtender Anwendungszeitpunkt innerhalb der EU
Änderungen an IAS 7 „Kapitalflussrechnungen“ 1. Januar 2017
Ansatz latenter Steueransprüche für nicht realisierte Verluste (Änderungen an IAS 12 „Ertragsteuern“) 1. Januar 2017
Klarstellungen zum IFRS 15 „Erlöse aus Verträgen mit Kunden“ 1. Januar 2018
Anwendung von IFRS 9 „Finanzinstrumente“ gemeinsam mit IFRS 4 „Versicherungsverträge“ (Änderungen an IFRS 4) 1. Januar 2018
IFRS 16 „Leasingverhältnisse“ 1. Januar 2019

Wir möchten darauf hinweisen, dass die EU trotz des erst jetzt erfolgten Endorsements am verpflichtenden Erstanwendungszeitpunkt 1. Januar 2017 sowohl für die Änderungen an IAS 12 (Klarstellungen zur Frage des Ansatzes aktiver latenter Steuern auf temporäre Differenzen aus unrealisierten Verlusten; zu Einzelheiten siehe die Januar 2016-Ausgabe unserer International Accounting News) als auch für die Änderungen an IAS 7 festgehalten hat.
Dies bedeutet, dass die Pflicht zur erweiterten Erläuterung der Entwicklung der Finanzschulden im Anhang (vgl. IAS 7.44A-E) bereits jetzt, in IFRS-Abschlüssen zum 31.12.2017, besteht. Näheres hierzu finden Sie im „In brief – A look at current financial reporting issues” sowie in der Februar 2016-Ausgabe unserer International Accounting News.

Die European Securities and Markets Authority (ESMA) verkĂĽndet ihre PrĂĽfungsschwerpunkte 2017

Die ESMA hat ihre Prüfungsschwerpunkte 2017 veröffentlicht. Im Einzelnen wurden folgende Schwerpunkte festgesetzt:

  • Darstellung der finanziellen Performance: Hervorgehoben wird hier insb. die Notwendigkeit aussagekräftiger Angaben und der Vereinbarkeit der Darstellung mit den Grundsätzen des IAS 1;
  • Klassifizierung von Eigenkapitalinstrumenten und finanziellen Verbindlichkeiten: Verwiesen wird noch mal auf die grundlegenden Regelungen des IAS 32, wonach eine Zahlungsverpflichtung des Emittenten eine Klassifizierung als Fremdkapital zur Folge hat;
  • Angabe der etwaigen Auswirkungen der neuen IFRS Standards (IFRS 9, IFRS 15 und IFRS 16) auf die AbschlĂĽsse: Gefordert wird eine frĂĽhzeitige und umfassende Darstellung der möglichen Auswirkungen, was sowohl qualitative als auch quantitative Informationen umfasst.

Darüber hinaus erwartet die ESMA, dass Unternehmen, soweit sie betroffen sind, die Auswirkungen des Brexit auf ihre Geschäftstätigkeiten in den Notes darstellen.

Prüfungsschwerpunkte, die von der ESMA veröffentlicht werden, gelten auch für die DPR in Deutschland, die diese um ihre eigenen nationalen Schwerpunkte entsprechend erweitert. Die Veröffentlichung der DPR Prüfungsschwerpunkte wird bis Ende November erwartet.

Unsere International Accounting News – Ausgabe November 2016 wird hierzu einen ausführlichen Beitrag enthalten.

Die vollständige Veröffentlichung der EMSA zu ihren Prüfungsschwerpunkten finden Sie hier:

https://www.esma.europa.eu/sites/default/files/library/esma-2016-1528_european_common_enforcement_priorities_for_2016.pdf

ESMA fordert Anhangangaben zur Anwendung des IFRS 15

IFRS 15 (Revenue from Contracts with Customers) ist spätestens in 2018 für IFRS-Abschlüsse anzuwenden. Der Standard regelt detailliert und für viele Aspekte erstmalig, wann und in welcher Höhe Umsatzerlöse zu erfassen sind. Er kann nur richtig umgesetzt werden, wenn die Geschäftsmodelle in den einzelnen Konzerngesellschaften, in allen Ländern mit ihren jeweiligen rechtlichen und wirtschaftlichen Besonderheiten angemessen beurteilt werden. Deshalb ist meines Erachtens –zumindest für einzelne Branchen- die erstmalige Anwendung des Standards in 2018 die größte Herausforderung für die Bilanzierung börsennotierter Konzerne seit der verpflichtenden Anwendung von IFRS in der EU im Jahr 2005.

Auch die ESMA (European Securities and Market Authority) hat jetzt Hinweise zur Umsetzung des Standards veröffentlicht. Diese betreffen unterschiedlichste Aspekte der Anwendung des IFRS 15, wie etwa die Beachtung der Klarstellungen zu IFRS 15, die vorzeitige Anwendung des IFRS 16 (Leases) in Verbindung mit der Anwendung des IFRS 15 oder die Sicherstellung der konzerneinheitlichen Anwendung des IFRS 15.

Im Fokus der Veröffentlichung stehen jedoch ganz klar die gemäß IAS 8.30 geforderten Anhangangaben zu einem neuen, jedoch noch nicht anzuwendenden Standard. Anzugeben sind bekannte bzw. einigermaßen zuverlässig einschätzbare Auswirkungen der erstmaligen Anwendung des neuen Standards auf den Konzernabschluss. Die Angaben sollen möglichst früh und damit bei Vorliegen verlässlich schätzbarer Informationen (etwa aus laufenden Umstellungsprojekten) schon im Abschluss zum 31.12.2016 erfolgen. Die Informationen sind bei fortschreitendem Kenntnisstand zu aktualisieren und zu erweitern, spätestens in den Zwischenabschlüssen 2017 sollten jedoch detaillierte (qualitative wie quantitative) Angaben gemacht werden.

Auch zu Art und Umfang der Angaben enthält die Veröffentlichung konkrete Hinweise und Empfehlungen. So werden für den Fall, dass die Auswirkungen der Anwendung des IFRS 15 als wesentlich eingeschätzt werden, etwa Angaben zur Implementierung der Schlüsselkonzepte des IFRS 15, zu dem zeitlichen Ablaufplan der Implementierung sowie zu der Ausübung von Bilanzierungswahlrechten empfohlen. Auch (quantitative) Angaben zu den Auswirkungen der Anwendung des neuen Standards (bezogen auf Art/Zeitpunkt der Umsatzerlöse) werden den Unternehmen nahegelegt.

Erfolgt eine vorzeitige Anwendung des IFRS 16 in Verbindung mit der Anwendung des IFRS 15, gelten die erwähnten Angabepflichten auch für IFRS 16.

Die Forderung der ESMA nach detaillierten Angaben unterstreicht die Notwendigkeit, sich frühzeitig mit möglichen Auswirkungen einer Anwendung des IFRS 15 (und ggf. auch einer vorzeitigen Anwendung des IFRS 16) auseinanderzusetzen. Die ausdrückliche Aufforderung der ESMA an die in der EU börsennotierten Unternehmen über den Stand ihres Umstellungsprojektes und die Auswirkungen der erstmaligen Anwendung zu berichten, lässt aufhorchen: Sorgt sich die ESMA, ob alle Unternehmen die Herausforderung ernst genug nehmen und ihnen jetzt noch ausreichend Zeit bleibt, um die fachlichen Auswirkungen des Standards zu ermitteln und die notwendigen Anpassungen in allen operativen Systemen des Konzerns noch vornehmen zu können?

Finale Klarstellungen zu IFRS 15 veröffentlicht

Der IASB hat Anfang dieser Woche die aus seiner Sicht finalen Klarstellungen zu IFRS 15 „Umsatzerlöse aus Kundenverträgen“ veröffentlicht, die Folgendes konkretisieren:

  • Identifikation von Leistungsverpflichtungen und PrĂĽfung der Separierbarkeit im Vertragskontext: Es wird hervorgehoben, dass auf die “nature of promise“ abzustellen ist. Dies wird durch die Aufnahme von zusätzlichen Beispielen veranschaulicht.
  • Abgrenzung zwischen einer Prinzipal- oder Agentenstellung: Die Feststellung, ob ein Unternehmen als Prinzipal oder Agent tätig ist, entscheidet darĂĽber, ob Umsatzerlöse brutto (Prinzipal) oder lediglich in Form einer Kommission (Agent) und insofern „netto“ auszuweisen sind. Die Klarstellungen betonen, dass es fĂĽr die Einstufung als Prinzipal darauf ankommt, dass die zu liefernden GĂĽter oder Dienstleistungen vor dem Ăśbergang an den Kunden kontrolliert werden (control principle). Die fĂĽr nicht eindeutige Fälle in IFRS 15 aufgefĂĽhrten Indikatoren fĂĽr das Vorliegen von Kontrolle wurden von fĂĽnf auf drei gekĂĽrzt und geändert. Sie umfassen nunmehr die Faktoren „Primäre Verantwortung fĂĽr die ErfĂĽllung der Lieferverpflichtung“, „Tragen des Vorratsrisikos“ sowie „Preissetzungskompetenz“. Die Indikatoren sind dabei nicht abschlieĂźend zu lesen, sondern im Einzelfall in Abhängigkeit von der Natur eines Guts oder einer Dienstleistung sowie der jeweiligen vertraglichen Konditionen heranzuziehen.
  • Lizenzen: Hierzu wird klargestellt, dass Handlungen des Lizenzgebers wesentliche Auswirkungen auf das dem Vertrag zugrundeliegende geistige Eigentum haben, wenn sie die Form oder Funktionalität des geistigen Eigentums oder den Nutzen, den der Kunde aus diesem ziehen kann, wesentlich beeinflussen (mit der Folge einer zeitraumbezogenen Umsatzrealisation). Ăśbrigens geht US GAAP hier mit einer anderen Abgrenzung einen eigenen Weg.
    Bei umsatz- oder nutzungsbasierten Lizenzentgelten für geistiges Eigentum wird Umsatz immer erst zum späteren Zeitpunkt von tatsächlichem Verkauf oder erfolgter Nutzung durch den Lizenznehmer bzw. Erfüllung der Leistungsverpflichtung, der alle oder ein Teil der umsatz- oder nutzungsbasierten Lizenzgebühren zugeordnet wurden, realisiert. Klargestellt wird, dass die Regel auch angewendet werden darf, wenn das umsatz- oder nutzungsabhängige Lizenzentgelt für mehrere Leistungsverpflichtungen (hybrides Leistungsbündel), jedoch im Wesentlichen für die Lizenzierung geistigen Eigentums gezahlt wird und somit das geistige Eigentum dem Leistungsbündel das Gepräge verleiht (predominant item).

Sehr begrüßenswert sind die neu eingefügten Erleichterungsvorschriften zur Erstanwendung. Diese dürften vor allem bei Unternehmen mit vielen Verträgen und häufigen Vertragsmodifikationen zu einer spürbaren Senkung der Kosten der Erstanwendung führen:

  • Unternehmen, die IFRS 15 vollständig retrospektiv anwenden, erhalten das Wahlrecht, Verträge, die bereits vor Beginn der frĂĽhesten dargestellten Vergleichsperiode nach bisherigen Rechnungslegungsstandards erfĂĽllt wurden, nicht mehr nach
    IFRS 15 neu beurteilen zu mĂĽssen, und
  • Verträge, die vor der frĂĽhesten dargestellten Vergleichsperiode modifiziert wurden, mĂĽssen nicht mehr komplett in ihrer Historie nachvollzogen werden. Stattdessen genĂĽgt es, den aggregierten Effekt aller Modifikationen bis zu diesem Zeitpunkt zu berĂĽcksichtigen. FĂĽr Anwender der modifizierten retrospektiven Anwendung des IFRS 15 darf diese Erleichterung wahlweise auch auf alle Vertragsmodifikationen, die vor dem Beginn der Erstanwendungsperiode stattfanden, angewandt werden, was eine Verbesserung gegenĂĽber den Vorschlägen des Standardentwurfs darstellt.

Weitere Ă„nderungen an IFRS 15 sind laut IASB nicht beabsichtigt.
Der Standard ist – ein noch ausstehendes Endorsement vorausgesetzt – verpflichtend ab dem 1.1.2018 anzuwenden.

IFRS 15: Kundenoptionen zum Erwerb weiterer Leistungen – Spagat zwischen rechtlicher und wirtschaftlicher Sicht – Ausschlag zugunsten der rechtlichen Sicht?

Die TRG tagt am 9. November 2015 erneut zu IFRS 15 – Revenue Recognition from Contracts with Customers und diskutiert auch Kundenoptionen zum Erwerb weiterer Leistungen.

Eine der aus unserer Sicht gegenwärtig zu IFRS 15 intensiv diskutierten Fragen ist:

  • Sind Optionen der Kunden auf den Bezug zusätzlicher GĂĽter oder Dienstleistungen als variable Kaufpreisbestandteile schon von Beginn an zu berĂĽcksichtigen oder
  • erst, wenn der Kunde sie ausgeĂĽbt hat und das Unternehmen dadurch durchsetzbare Rechte und Pflichten erworben hat?

Vertreter der ersten Meinung vertreten in Schritt eins und drei des IFRS 15 eine wirtschaftliche Sicht: „Der Kunde nimmt X Einheiten ab. Das hat er bisher immer …“.

Vertreter der zweiten Meinung fĂĽhren an, dass es nach IFRS 15 um durchsetzbare Rechte und Pflichten geht, die liegen bei Optionen nicht vor.

Der Staff des IASB/FASB hat als Vorbereitung fĂĽr die TRG Sitzung in Paper 48 (abrufbar unter http://www.ifrs.org/Meetings/MeetingDocs/Other%20Meeting/2015/November/TRG/RTRG-48-Customer-options.pdf) dazu folgende Aspekte analysiert:

  • Abgrenzung Kundenoptionen zu variablen Kaufpreisbestandteilen
  • KĂĽndigungsrechte und Vertragsstrafen
  • Wann ist eine Kundenoption eine separate Leistungsverpflichtung

und dazu seine Meinung geäußert. Obwohl sie stark vom jeweiligen einzelnen Sachverhalt abhängt, ist der Tenor des Staff dennoch: Es müssen durchsetzbare Rechte und Pflichten vorliegen, wenn sie in Verträgen nach IFRS 15 zu berücksichtigen sein sollen.

Es darf mit Spannung abgewartet werden, ob am 9. November die Mitglieder der TRG die Sicht des Staff teilen. Wir wĂĽrden dies annehmen.

Letztlich muss allerdings gesehen werden, dass die TRG lediglich ein Gremium ist, dass ins Leben gerufen wurde, um Inkonsistenzen oder Unklarheiten im neuen IFRS 15 zu identifizieren und dem IASB / FASB zur Kenntnis zu bringen. Die Standardsetzung ist nicht seine Aufgabe.

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