Schlagwort: IFRS 16

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IFRS IC trifft die ersten drei Entscheidungen in Sachen IFRS 16

Das IFRS IC hat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause erstmals Agenda-Entscheidungen zum gerade in Kraft getretenen neuen Leasingstandard IFRS 16 getroffen.

In seiner endgültigen Entscheidung zum Thema Grunddienstbarkeiten stellte das IFRS IC fest, dass ein Recht, eine Ölpipeline für zwanzig Jahre in einem vertraglich genau definierten, unterirdischen Raum verlegen zu dürfen, ein Leasingverhältnis für diesen unterirdischen Raum darstellt. Die Kernfrage dieses in der Praxis vieldiskutierten Falls ist, ob und in welchem Umfang der unterirdische Raum einen identifizierten Vermögenswert darstellt bzw. was die zu betrachtende Bilanzierungseinheit (sog. „unit of account“) ist. Im an das IFRS IC herangetragenen Sachverhalt war der unterirdische Raum im Vertrag genau bezeichnet und wurde von dem Rechtsinhaber alleine genutzt. Nicht beantwortet werden dagegen von der IFRS IC Entscheidung die in der Praxis häufig anzutreffenden Fälle, in denen die Verträge keine explizite Spezifikation des Raums enthalten oder ein definierter Raum von mehreren Parteien, z.B. Energieversorgern und Telekommunikationsunternehmen gleichermaßen genutzt wird. Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob bzw. in welchen Fällen durch das Verlegen eines Kabels oder einer Leitung der Raum implizit im Sinne des IFRS 16.B13 spezifiziert ist und damit für den durch das Kabel oder die Leitung in Anspruch genommenen Raum ein identifizierter Vermögenswert vorliegt. Wenngleich vom IFRS IC nicht adressiert, ergibt sich meines Erachtens aus dem Standard unmittelbar, dass bei fehlender expliziter Spezifikation zu prüfen ist, ob ein identifizierter Vermögenswert implizit spezifiziert ist.

Weiterhin wurden in der Juni-Sitzung des IFRS IC zwei vorläufige Agenda-Entscheidungen getroffen. Die erste beschäftigt sich mit der Bestimmung der Laufzeit eines Leasingverhältnisses und deren Interaktion mit der Nutzungsdauer von Mietereinbauten. Mit Blick auf die Bestimmung der Laufzeit eines Leasingverhältnisses wurde konkret angefragt, ob beim Vorliegen beidseitiger Kündigungsrechte, deren Ausübung keine vertragliche Strafzahlung nach sich zieht, zusätzlich wirtschaftliche Anreize oder Umstände zu berücksichtigen sind, die eine Vertragsseite, z.B. den Mieter, an einer Kündigung hindern. Ein Beispiel für solche wirtschaftlichen Hemmnisse können Mietereinbauten sein, die nach Ablauf eines Mietvertrags auszubauen und in Folge dessen nicht mehr nutzbar sind. Nach Auffassung des IFRS IC sind solche wirtschaftlichen Umstände, die eine Partei an der Kündigung eines Vertrags hindern, zu berücksichtigen. Der in IFRS 16.B34 verwendete und im Standard nicht definierte Begriff „penalty“ ist nach Ansicht des IFRS IC somit weit auszulegen und nicht ausschließlich auf rein vertragliche Strafzahlungen zu begrenzen. Darüber hinaus stellte das IFRS IC fest, dass die Bestimmung der Nutzungsdauer („useful life“) von Mietereinbauten in engem Zusammenhang mit der Ermittlung der Laufzeit eines Leasingverhältnisses steht. Kommt ein Leasingnehmer zu dem Ergebnis, dass die Laufzeit eines Leasingverhältnisses kürzer ist als die wirtschaftliche Nutzungsdauer („economic life“) seiner Mietereinbauten und kann er aus diesen nach Ende des Mietverhältnisses keinen Nutzen mehr ziehen, ist die Nutzungsdauer der Mietereinbauten für Abschreibungszwecke im Sinne des IAS 16 auf die Laufzeit des Leasingverhältnisses zu beschränken. Zusammengenommen besteht damit zudem eine Wechselwirkung zwischen der Bestimmung der Laufzeit eines Leasingverhältnisses und der Nutzungsdauer von Mietereinbauten.

Die zweite vorläufige Agenda-Entscheidung betrifft die Frage, ob das Zahlungsprofil eines Leasingvertrags, das typischerweise einem Amortisationsdarlehen gleicht, bei der Bestimmung des Grenzfremdkapitalzinssatzes zu berücksichtigen ist. Hierzu stellte das IFRS IC fest, dass ein Zinssatz, der auf demselben Zahlungsprofil wie das des Leasingvertrags beruht, zwar oftmals ein geeigneter Ausgangspunkt für die Ermittlung des Grenzfremdkapitalzinssatzes darstellt, gleichwohl die Definitionskriterien im IFRS 16 für den Grenzfremdkapitalzinssatz das Zahlungsprofil nicht explizit enthalten. Erwähnenswert ist weiterhin die Klarstellung des IFRS IC, dass der Grenzfremdkapitalzinssatz grundsätzlich spezifisch für die jeweiligen einzelnen Leasingverhältnisse zu bestimmen ist („lease-specific rate“). Somit ist die konkrete Ermittlung des Grenzfremdkapitalzinssatzes in vielerlei Hinsicht eine Ermessensentscheidung des Unternehmens. Auch wenn eine Berücksichtigung des Zahlungsprofils des jeweiligen Leasingverhältnisses sicherlich ein sinnvoller Ansatz ist, kann eine zwingende Berücksichtigung des individuellen Zahlungsprofils bei der Ermittlung des Grenzfremdkapitalzinssatzes vor dem Hintergrund der vorstehenden Ausführungen m.E. nicht verlangt werden. In dieser Hinsicht ist somit eine Ermessensentscheidung des Unternehmens erforderlich, bei der nach meiner Auffassung als „Startpunkt“ für die Zinssatzermittlung neben der Zugrundelegung des tatsächlichen Zahlungsprofils (typischerweise vergleichbar zu einem Amortisationsdarlehen) auch die Zugrundelegung eines endfälligen Darlehens oder ein Zinssatz auf Basis einer durchschnittlichen Rückzahlungsdauer vertretbar erscheint. Der so ermittelte Zinssatz ist dann unter Berücksichtigung der übrigen Definitionsmerkmale (z.B. Sicherheit, etc.) für das jeweilige einzelne Leasingverhältnis anzupassen.

Der Wortlaut der IFRS IC Agenda-Entscheidungen ist über folgenden Link zu erreichen. Die Kommentierungsfrist für die beiden vorläufigen Entscheidungen endet am 20. August 2019.

DPR ergänzt ESMA-Prüfungsschwerpunkte

Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung e.V. (DPR) hat gestern die von der European Securities and Markets Authority (ESMA) bereits angekündigten einheitlichen europäischen Prüfungsschwerpunkte (wir berichteten in unserem Blog am 29. Oktober) übernommen und um zwei nationale Punkte ergänzt.

Damit sind insgesamt folgende Schwerpunkte für die Prüfung der Abschlüsse kapitalmarktorientierter Unternehmen im Rahmen des Enforcement-Verfahrens in Deutschland für das Jahr 2019 einschlägig:

  1. Ausgewählte Anwendungsfragen zur Implementierung von IFRS 15 „Erlöse aus Verträgen mit Kunden“
  2. Ausgewählte Anwendungsfragen zur Implementierung von IFRS 9 „Finanzinstrumente“
  3. Anhangangaben zu den erwarteten Auswirkungen der künftigen Anwendung von FRS 16 „Leasingverhältnisse“
  4. Konzernlagebericht in Bezug auf die Darstellung und Analyse des Geschäftsverlaufs und der Ertragslage entsprechend dem Umfang und der Komplexität der Geschäftstätigkeit (§ 315 Abs. 1 Satz 1 bis 3 HGB)
  5. Segmentberichterstattung unter Berücksichtigung der unternehmensinternen Berichterstattung und folgender Einzelaspekte
    1. Bestimmung der operativen Segmente (IFRS 8.5) und Zusammenfassung zu berichtspflichtigen Segmenten (IFRS 8.11-9.19) nebst erläuternden Angaben (IFRS 8.22)
    2. Darstellung des Segmentergebnisses, insbesondere bei Verwendung alternativer Leistungskennziffern (IFRS 8.23, IFRS 8.25-8.27)
    3. Differenzierung zwischen Informationen in der Kategorie „alle sonstigen Segmente“ und sonstigen Abstimmungsposten in der Überleitungsrechnung (IFRS 8.16, IFRS 8.28)
    4. Informationen über geografische Gebiete differenziert nach Herkunftsland und Drittländern (IFRS 8.33) sowie über Kundenabhängigkeiten (IFRS 8.34)

Zudem weist die ESMA auf folgende Themen hin, die ebenfalls im Rahmen der Prüfungen beachtet werden sollen:

  •  Bilanzielle Auswirkungen aus der Einstufung von Argentinien als Hochinflationsland
  •  Ausgewählte Aspekte der nichtfinanziellen Berichterstattung
  •  Ausgewählte Aspekte der ESMA-Leitlinien zu alternativen Leistungskennziffern (APM)
  •  Angaben zum Brexit

Die Pressemitteilung der DPR, in der für die europäischen Prüfungsschwerpunkte (Punkt 1.-3.) auf die Darstellung der gemeinsamen europäischen „Enforcement-Prioritäten“ der ESMA verlinkt wird, erreichen Sie unter folgendem Link.

ESMA veröffentlicht Prüfungsschwerpunkte für 2019

Ende letzter Woche hat die European Securities and Markets Authority (ESMA) ihre Prüfungsschwerpunkte für die in 2019 durchzuführenden Prüfungen verkündet.

Im Rahmen des Enforcement-Verfahrens wird dabei bei der Prüfung der Abschlüsse und Lageberichte kapitalmarktorientierter Unternehmen besonderes Augenmerk insb. auf folgende Themen gelegt:

  • ausgewählte Anwendungsfragen zur Implementierung von IFRS 15 „Erlöse aus Verträgen mit Kunden“ und von IFRS 9 „Finanzinstrumente“,
  • Anhangangaben zu den erwarteten Auswirkungen der künftigen Anwendung von IFRS 16 „Leasingverhältnisse“,
  • bilanzielle Auswirkungen aus der Einstufung von Argentinien als Hochinflationsland,
  • ausgewählte Aspekte der nichtfinanziellen Berichterstattung,
  • ausgewählte Aspekte der ESMA Leitlinien zu alternativen Leistungskennzahlen (APM),
  • Angaben zum Brexit.

Die Themen IFRS 9, 15 und 16 bilden die gemeinsamen europäischen Prüfungsschwerpunkte. Genauen inhaltlichen Einzelheiten können dem Public Statement der ESMA entnommen werden.

In Deutschland wird das Enforcement-Verfahren auf der ersten Stufe durch die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) durchgeführt. Es ist davon auszugehen, dass diese – wie in den Vorjahren – die Prüfungsschwerpunkte der ESMA um eigene ergänzen wird. Unabhängig von den Prüfungsschwerpunkten können auch unternehmensspezifische Themen Gegenstand der Prüfung sein.

EU übernimmt zahlreiche neue IFRS-Regelungen: Geltung neuer Angabepflichten des IAS 7 bereits in 2017er-Abschlüssen

 

Im Amtsblatt der EU vom 9. November wurden nachfolgende Regelungen des IASB veröffentlicht und damit in EU-Recht übernommen (Endorsement):

Titel und Link auf Amtsblatt Verpflichtender Anwendungszeitpunkt innerhalb der EU
Änderungen an IAS 7 „Kapitalflussrechnungen“ 1. Januar 2017
Ansatz latenter Steueransprüche für nicht realisierte Verluste (Änderungen an IAS 12 „Ertragsteuern“) 1. Januar 2017
Klarstellungen zum IFRS 15 „Erlöse aus Verträgen mit Kunden“ 1. Januar 2018
Anwendung von IFRS 9 „Finanzinstrumente“ gemeinsam mit IFRS 4 „Versicherungsverträge“ (Änderungen an IFRS 4) 1. Januar 2018
IFRS 16 „Leasingverhältnisse“ 1. Januar 2019

Wir möchten darauf hinweisen, dass die EU trotz des erst jetzt erfolgten Endorsements am verpflichtenden Erstanwendungszeitpunkt 1. Januar 2017 sowohl für die Änderungen an IAS 12 (Klarstellungen zur Frage des Ansatzes aktiver latenter Steuern auf temporäre Differenzen aus unrealisierten Verlusten; zu Einzelheiten siehe die Januar 2016-Ausgabe unserer International Accounting News) als auch für die Änderungen an IAS 7 festgehalten hat.
Dies bedeutet, dass die Pflicht zur erweiterten Erläuterung der Entwicklung der Finanzschulden im Anhang (vgl. IAS 7.44A-E) bereits jetzt, in IFRS-Abschlüssen zum 31.12.2017, besteht. Näheres hierzu finden Sie im „In brief – A look at current financial reporting issues” sowie in der Februar 2016-Ausgabe unserer International Accounting News.

Neuer Webcast zu Modifikationen nach IFRS 16 angekündigt

Im Rahmen seiner Aktivitäten rund um die Implementierung des neuen Leasingstandards IFRS 16 plant der IASB, im März 2017 einen Webcast zum Thema Modifikationen beim Leasingnehmer zu veröffentlichen. Mit diesem neuen Webcast reagiert der IASB auf Feedback und vermehrten Fragen von Stakeholdern und Anwendern zu diesem komplexen Themenbereich. In einem weiteren für Mai geplanten Webcast stehen die Angabepflichten für Leasingnehmer im Fokus.

Diese und weitere, bereits veröffentlichte Webcasts sowie alle übrigen Aktivitäten und Dokumente des IASB zur Implementierung von IFRS 16 sind auf nachfolgender Webseite erhältlich.

Die European Securities and Markets Authority (ESMA) verkündet ihre Prüfungsschwerpunkte 2017

Die ESMA hat ihre Prüfungsschwerpunkte 2017 veröffentlicht. Im Einzelnen wurden folgende Schwerpunkte festgesetzt:

  • Darstellung der finanziellen Performance: Hervorgehoben wird hier insb. die Notwendigkeit aussagekräftiger Angaben und der Vereinbarkeit der Darstellung mit den Grundsätzen des IAS 1;
  • Klassifizierung von Eigenkapitalinstrumenten und finanziellen Verbindlichkeiten: Verwiesen wird noch mal auf die grundlegenden Regelungen des IAS 32, wonach eine Zahlungsverpflichtung des Emittenten eine Klassifizierung als Fremdkapital zur Folge hat;
  • Angabe der etwaigen Auswirkungen der neuen IFRS Standards (IFRS 9, IFRS 15 und IFRS 16) auf die Abschlüsse: Gefordert wird eine frühzeitige und umfassende Darstellung der möglichen Auswirkungen, was sowohl qualitative als auch quantitative Informationen umfasst.

Darüber hinaus erwartet die ESMA, dass Unternehmen, soweit sie betroffen sind, die Auswirkungen des Brexit auf ihre Geschäftstätigkeiten in den Notes darstellen.

Prüfungsschwerpunkte, die von der ESMA veröffentlicht werden, gelten auch für die DPR in Deutschland, die diese um ihre eigenen nationalen Schwerpunkte entsprechend erweitert. Die Veröffentlichung der DPR Prüfungsschwerpunkte wird bis Ende November erwartet.

Unsere International Accounting News – Ausgabe November 2016 wird hierzu einen ausführlichen Beitrag enthalten.

Die vollständige Veröffentlichung der EMSA zu ihren Prüfungsschwerpunkten finden Sie hier:

https://www.esma.europa.eu/sites/default/files/library/esma-2016-1528_european_common_enforcement_priorities_for_2016.pdf

ESMA fordert Anhangangaben zur Anwendung des IFRS 15

IFRS 15 (Revenue from Contracts with Customers) ist spätestens in 2018 für IFRS-Abschlüsse anzuwenden. Der Standard regelt detailliert und für viele Aspekte erstmalig, wann und in welcher Höhe Umsatzerlöse zu erfassen sind. Er kann nur richtig umgesetzt werden, wenn die Geschäftsmodelle in den einzelnen Konzerngesellschaften, in allen Ländern mit ihren jeweiligen rechtlichen und wirtschaftlichen Besonderheiten angemessen beurteilt werden. Deshalb ist meines Erachtens –zumindest für einzelne Branchen- die erstmalige Anwendung des Standards in 2018 die größte Herausforderung für die Bilanzierung börsennotierter Konzerne seit der verpflichtenden Anwendung von IFRS in der EU im Jahr 2005.

Auch die ESMA (European Securities and Market Authority) hat jetzt Hinweise zur Umsetzung des Standards veröffentlicht. Diese betreffen unterschiedlichste Aspekte der Anwendung des IFRS 15, wie etwa die Beachtung der Klarstellungen zu IFRS 15, die vorzeitige Anwendung des IFRS 16 (Leases) in Verbindung mit der Anwendung des IFRS 15 oder die Sicherstellung der konzerneinheitlichen Anwendung des IFRS 15.

Im Fokus der Veröffentlichung stehen jedoch ganz klar die gemäß IAS 8.30 geforderten Anhangangaben zu einem neuen, jedoch noch nicht anzuwendenden Standard. Anzugeben sind bekannte bzw. einigermaßen zuverlässig einschätzbare Auswirkungen der erstmaligen Anwendung des neuen Standards auf den Konzernabschluss. Die Angaben sollen möglichst früh und damit bei Vorliegen verlässlich schätzbarer Informationen (etwa aus laufenden Umstellungsprojekten) schon im Abschluss zum 31.12.2016 erfolgen. Die Informationen sind bei fortschreitendem Kenntnisstand zu aktualisieren und zu erweitern, spätestens in den Zwischenabschlüssen 2017 sollten jedoch detaillierte (qualitative wie quantitative) Angaben gemacht werden.

Auch zu Art und Umfang der Angaben enthält die Veröffentlichung konkrete Hinweise und Empfehlungen. So werden für den Fall, dass die Auswirkungen der Anwendung des IFRS 15 als wesentlich eingeschätzt werden, etwa Angaben zur Implementierung der Schlüsselkonzepte des IFRS 15, zu dem zeitlichen Ablaufplan der Implementierung sowie zu der Ausübung von Bilanzierungswahlrechten empfohlen. Auch (quantitative) Angaben zu den Auswirkungen der Anwendung des neuen Standards (bezogen auf Art/Zeitpunkt der Umsatzerlöse) werden den Unternehmen nahegelegt.

Erfolgt eine vorzeitige Anwendung des IFRS 16 in Verbindung mit der Anwendung des IFRS 15, gelten die erwähnten Angabepflichten auch für IFRS 16.

Die Forderung der ESMA nach detaillierten Angaben unterstreicht die Notwendigkeit, sich frühzeitig mit möglichen Auswirkungen einer Anwendung des IFRS 15 (und ggf. auch einer vorzeitigen Anwendung des IFRS 16) auseinanderzusetzen. Die ausdrückliche Aufforderung der ESMA an die in der EU börsennotierten Unternehmen über den Stand ihres Umstellungsprojektes und die Auswirkungen der erstmaligen Anwendung zu berichten, lässt aufhorchen: Sorgt sich die ESMA, ob alle Unternehmen die Herausforderung ernst genug nehmen und ihnen jetzt noch ausreichend Zeit bleibt, um die fachlichen Auswirkungen des Standards zu ermitteln und die notwendigen Anpassungen in allen operativen Systemen des Konzerns noch vornehmen zu können?

Implementierung von IFRS 16 „Leasingverhältnisse“

Im Rahmen der Implementierungsphase des neuen Leasingstandards IFRS 16, der erstmals verpflichtend für Geschäftsjahre anzuwenden ist, die am oder nach dem 1. Januar 2019 beginnen, veröffentlicht der IASB verschiedene, über den eigentlichen Standard hinausgehende Materialien und führt Informationsveranstaltungen durch, die dem Anwender die Umsetzung von IFRS 16 erleichtern sollen.

Insbesondere stellt der Board eine Reihe von Webcasts zur Verfügung, die verschiedene Teilbereiche von IFRS 16 erläutern. Neben den bereits im März dargestellten Übergangsregeln wurden kürzlich im April die Vorschriften zur Definition eines Leasingverhältnisses verdeutlicht. Weitere Webcasts sind derzeit zu den Themen Ausnahmen, Bewertung und Angabepflichten beim Leasingnehmer geplant.

Die Webcasts und Informationen zu Veranstaltungen sind auf der neu eingerichteten Implementierungswebseite des IASB unter nachfolgendem Link erhältlich.

 

IFRS 16: Finaler Standard zur Leasingbilanzierung veröffentlicht

Der IASB hat heute, am 13. Januar 2016, nach fast zehn Jahren Projektdauer, einem Diskussionspapier sowie zwei Entwürfen, seinen endgültigen Standard zur künftigen Leasingbilanzierung veröffentlicht. IFRS 16 löst damit die bisherigen Vorschriften des IAS 17 sowie verschiedene Interpretationen ab.

Die neuen Regelungen sehen für Leasingnehmer vor, dass künftig sämtliche Leasingverhältnisse bilanziell in Form eines Nutzungsrechts und einer korrespondierenden Leasingverpflichtung zu erfassen sind. Die Darstellung in der Gewinn- und Verlustrechnung erfolgt in allen Fällen als Finanzierungsvorgang, d. h. das Nutzungsrecht ist im Regelfall linear abzuschreiben und die Leasingverbindlichkeit nach der Effektivzinsmethode fortzuschreiben. Die noch im letzten Entwurf von 2013 vorgesehene Klassifizierung in Abhängigkeit vom Leasinggegenstand für Zwecke der Aufwandserfassung in der Gewinn- und Verlustrechnung wurde zugunsten dieses einheitlichen Modells wieder aufgegeben. Betrachtet man einen einzelnen Leasingvertrag, ergibt sich damit aufgrund des degressiven Verlaufs der Aufwandserfassung der bereits bekannte Front-Load-Effekt, der schon nach Veröffentlichung des ersten Entwurfs von 2010 für erhebliche Kritik sorgte. Von der bilanziellen Erfassung ausgenommen sind lediglich Leasingverträge mit einer Gesamtlaufzeit von maximal zwölf Monaten sowie Leasingverhältnisse über sogenannte geringwertige Vermögenswerte. In diesen Fällen hat der Leasingnehmer die Möglichkeit, eine Bilanzierung vergleichbar dem bisherigen Operating-Leasing zu wählen. Unter geringwertigen Vermögenswerten versteht der IASB in erster Linie IT-Equipment sowie Betriebs- und Geschäftsausstattung mit einem Neuwert von bis zu USD 5.000, solange diese Vermögenswerte nicht in einem engen Zusammenhang mit anderen Vermögenswerten stehen.

Während IFRS 16 von Leasingnehmern grundlegende Änderungen verlangt, konnte sich der Standardsetzer in Bezug auf Leasinggeber letztlich nicht zu einem neuen Bilanzierungsmodell entschließen. Nach mehreren Reformversuchen hat der IASB die Vorschriften des IAS 17 für Leasinggeber fast unverändert in den neuen Standard übernommen. Somit bleibt es für Leasinggeber bei einer Klassifizierung jedes Leasingvertrags unter Risk- and Rewards-Gesichtspunkten sowohl für Zwecke der bilanziellen als auch der ertragsmäßigen Darstellung. In der Konsequenz verlaufen Leasingnehmer- und Leasinggeberbilanzierung künftig nicht mehr spiegelbildlich, was gerade in großen Konzernen eine erhebliche Herausforderung für Systeme und Abläufe bedeuten wird.

Das Erfordernis, sämtliche Leasingverträge beim Leasingnehmer bilanziell zu erfassen, hat im Laufe des Projekts das Thema „Definition eines Leasingverhältnisses“ in den Mittelpunkt der Diskussionen gerückt. Während in der Vergangenheit der Abgrenzung eines Servicevertrags von einem Operating-Leasingvertrag aufgrund der identischen Bilanzierungsweise (d. h. in der Regel lineare Aufwandsverteilung) keine größere Bedeutung zukam, hat die Einstufung eines Vertrags als Leasing nun weitreichende Konsequenzen. Darüber hinaus hat der IASB in IFRS 16 nun erstmals auch das bereits aus IFRS 10 und IFRS 15 bekannte „Control-Prinzip“ etabliert. Entsprechend liegt künftig ein Leasingverhältnis vor, wenn die Erfüllung des Vertrags von der Nutzung eines identifizierten Vermögenswertes abhängt und zugleich der Kunde durch den Vertrag das Recht auf Kontrolle der Nutzung dieses Vermögenswertes erhält. Das Recht auf Kontrolle der Nutzung stellt insbesondere darauf ab, wer von beiden Parteien entscheiden kann, wie und für welchen Zweck der Vermögenswert genutzt wird. Sind derartige Entscheidungen während der Vertragslaufzeit nicht mehr zu treffen, da die Art und der Zweck der Nutzung eines Vermögenswertes bereits durch Vertrag oder Design vorbestimmt ist, kommt die Kontrolle derjenigen Partei zu, die für das Design verantwortlich war oder den Vermögenswert bedient. Hat nicht eine der Vertragsparteien vollständig die entsprechenden Entscheidungsrechte, kann sich die Auslegung der neuen Vorschriften schnell als sehr komplex erweisen. Generell erscheint es aus unserer Sicht empfehlenswert, bei Vertragsverhandlungen die Definitionskriterien für ein Leasingverhältnis künftig stärker als bisher im Blick zu behalten, um diesbezüglich Gestaltungsspielräume zu nutzen.

Weitere Änderungen im Vergleich zu den bisherigen Vorschriften ergeben sich u. a. in Bezug auf Sale- und Leaseback-Transaktionen, bei denen nun stets im ersten Schritt zu beurteilen ist, ob eine Veräußerung nach IFRS 15 vorliegt. Nach IAS 17 sind die Regelungen zur Erlösrealisierung in diesen speziellen Fällen dagegen bislang nicht relevant. Darüber hinaus enthält IFRS 16 geänderte Vorschriften zur Trennung von Leasing- und Servicekomponenten, zur Bilanzierung bei einer Modifikation bestehender Verträge sowie eine erhebliche Ausweitung von Angabepflichten sowohl für Leasinggeber als auch Leasingnehmer.

IFRS 16 ist – vorbehaltlich der noch ausstehenden Übernahme in EU-Recht – erstmals auf Geschäftsjahre anzuwenden, die am oder nach dem 1. Januar 2019 beginnen. Eine frühere Umsetzung ist möglich, verlangt aber die zeitgleiche Anwendung der Vorschriften zur Erlösrealisierung des IFRS 15.

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