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Vorgesehene Änderungen am Due Process bei IFRS IC Agenda-Entscheidungen

Das IFRS IC hat in seiner November-Sitzung seine vorläufige Agenda-Entscheidung aus Juni zur Laufzeit eines Leasingverhältnisses und der Abschreibung von Mietereinbauten finalisiert. Kern des Beschlusses ist die Klarstellung, dass im Falle beidseitiger Kündigungsoptionen „Penalty“ im Sinne des IFRS 16.B34 weit auszulegen ist. Damit sind wirtschaftliche Anreize, ein Leasingverhältnis nicht zu kündigen, bei der Bestimmung von dessen Laufzeit zu berücksichtigen und nicht nur vertraglich vereinbarte Strafzahlungen. Die Entscheidung, den vorläufigen Beschluss fast unverändert beizubehalten, fiel mit einer knappen Mehrheit von sieben zu sechs der anwesenden dreizehn IFRS IC Mitglieder.

Im Zuge dieser knappen Entscheidung haben betroffene Parteien das Due Process Oversight Committee (DPOC) angerufen, um überprüfen zu lassen, ob die Entscheidung dem sogenannten Due Process entspricht.

Das DPOC hat in seiner Dezember-Sitzung entschieden, dass die Vorgehensweise des IFRS IC im Hinblick auf die obige Agenda-Entscheidung dem Due Process entspricht, wie er derzeit in den Regularien des Due Process Handbuchs festgelegt ist.
Gleichwohl ist das DPOC derzeit dabei, dieses Handbuch zu reviewen und gegebenenfalls zu
überarbeiten. In diesem Sinne und auch vor dem Hintergrund der obigen umstrittenen Entscheidung des IFRS IC hat sich das DPOC nun entschlossen, den Due Process in Bezug auf finale IFRS IC Agenda-Entscheidungen anzupassen. Zukünftig sind finale Agenda-Entscheidungen vor einer Veröffentlichung dem IASB vorzulegen. Dieser überprüft sodann, ob der Beschluss des IFRS IC korrekterweise feststellt, dass ein Standard-Setting-Prozess nicht erforderlich ist, und zugleich die vom IFRS IC getroffene Entscheidung die bestehenden Vorschriften eines Standards weder ergänzt noch verändert. Es kommt zu einer Veröffentlichung der Agenda-Entscheidung, wenn nicht mehr als drei Boardmitglieder widersprechen (sog. negative clearance). Andernfalls entscheidet der IASB über das weitere Vorgehen.

IFRS IC Agenda-Entscheidungen waren auch in der Vergangenheit mitunter umstritten, da sie nach Auffassung manch Bilanzierender zum Beispiel Interpretationsspielräume bei der Auslegung eines Standards einschränkten.
Mit der negative clearance erhalten die Betroffenen nun künftig die Gewissheit, dass auch der IASB selbst die betreffenden Entscheidungen des IFRS IC im Ergebnis für sachgerecht erachtet. Dies ist zu begrüßen, da hiermit sowie mit einer ergänzenden Klarstellung im Due Process Handbuch meines Erachtens der Due Process von Agenda-Entscheidungen und damit auch deren Autorität für die Bilanzierenden weiter gestärkt wird.

 

PwC Accounting and Reporting Talks zu den DPR-Prüfungsschwerpunkten 2020 gestartet

Im November hat die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) ihre Prüfungsschwerpunkte für die Saison 2020 veröffentlicht. Dies haben wir zum Anlass genommen, als Folge 6 unserer Webcast-Reihe „PwC Accounting and Reporting Talks“ eine fünfteilige Serie zu veröffentlichen, und zwar zu den folgenden DPR-Themen:

  • Leasingverhältnisse (IFRS 16)
  • Umsatzrealisierung (IFRS 15) und Ertragsteuern (IAS 12, IFRIC 23)
  • Impairment Test (IAS 36)
  • Kreditinstitute: Impairment (IFRS 9) & more
  • Konzernlagebericht & more

Der erste Beitrag zu Leasingverhältnissen (IFRS 16) ist bereits online. In diesem diskutieren Dr. Bernd Kliem und Karsten Ganssauge über ausgewählte Aspekte der neuen Leasingbilanzierung, die die DPR im Fokus hat. Die übrigen Beiträge werden in den nächsten Tagen verfügbar sein.

Neugierig? Dann schauen Sie rein, auf unserer Homepage oder auf YouTube, wie immer nur das Wesentliche, auf den Punkt gebracht.

IFRS IC Agenda-Entscheidung zur Ermittlung des Grenzfremdkapitalzinssatzes unter IFRS 16 finalisiert

Das IFRS IC hat in seiner September-Sitzung seine vorläufige Entscheidung aus dem Juni zur Ermittlung des Grenzfremdkapitalzinssatzes unter IFRS 16 finalisiert. Konkret ging es um die Frage, ob bei der Ermittlung des Grenzfremdkapitalzinssatzes das Zahlungsprofil des Leasingvertrags zu berücksichtigen ist. Das Zahlungsprofil eines Leasingvertrags entspricht typischerweise einem Annuitätendarlehen, so dass gefragt war, ob ein entsprechendes Zahlungsprofil auch bei der Ermittlung des Grenzfremdkapitalzinssatzes zugrunde zu legen ist. Fraglich war insbesondere, ob alternativ auf den Zinssatz für eine endfällige Finanzierung („bullet repayment loan“) zurückgegriffen werden kann.

In seiner finalen Agenda-Entscheidung hat das IFRS IC nun festgestellt, dass die Definition des Grenzfremdkapitalzinssatzes im IFRS 16 nicht explizit die Berücksichtigung des Zahlungsprofils verlangt. Gleichwohl wäre es jedoch konsistent mit der Zielsetzung des IASB, bei der Ermittlung des Grenzfremdkapitalzinssatzes von einem Zinssatz für ein Darlehen auszugehen, das ein vergleichbares Zahlungsprofil aufweist wie der Leasingvertrag. Dies erscheint insb. dann naheliegend, wenn ein solcher Zinssatz ohne Weiteres beobachtbar ist.

Die Ermittlung eines angemessenen Grenzfremdkapitalzinssatzes stellt letztlich in erheblichem Maße eine Ermessensentscheidung des Unternehmens dar. In Ausübung dieses Ermessens sind m.E. die hierzu jeweils vorhandenen Informationen zu berücksichtigen. Liegt einem Unternehmen ein Zinssatz für ein Darlehen vor, das ein vergleichbares Zahlungsprofil aufweist wie der Leasingvertrag, erscheint es m.E. auf Basis der IFRS IC-Entscheidung naheliegend, diesen Zinssatz als Ausgangspunkt zugrunde zu legen. Andernfalls sind vom bilanzierenden Unternehmen im Rahmen eines pflichtgemäßen Ermessens andere sachgerechte Schätzverfahren zur Ableitung eines angemessenen Grenzfremdkapitalzinssatzes festzulegen.

Der Wortlaut der IFRIC-Agenda-Entscheidung ist über folgenden Link zu erreichen.

IFRS IC trifft die ersten drei Entscheidungen in Sachen IFRS 16

Das IFRS IC hat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause erstmals Agenda-Entscheidungen zum gerade in Kraft getretenen neuen Leasingstandard IFRS 16 getroffen.

In seiner endgültigen Entscheidung zum Thema Grunddienstbarkeiten stellte das IFRS IC fest, dass ein Recht, eine Ölpipeline für zwanzig Jahre in einem vertraglich genau definierten, unterirdischen Raum verlegen zu dürfen, ein Leasingverhältnis für diesen unterirdischen Raum darstellt. Die Kernfrage dieses in der Praxis vieldiskutierten Falls ist, ob und in welchem Umfang der unterirdische Raum einen identifizierten Vermögenswert darstellt bzw. was die zu betrachtende Bilanzierungseinheit (sog. „unit of account“) ist. Im an das IFRS IC herangetragenen Sachverhalt war der unterirdische Raum im Vertrag genau bezeichnet und wurde von dem Rechtsinhaber alleine genutzt. Nicht beantwortet werden dagegen von der IFRS IC Entscheidung die in der Praxis häufig anzutreffenden Fälle, in denen die Verträge keine explizite Spezifikation des Raums enthalten oder ein definierter Raum von mehreren Parteien, z.B. Energieversorgern und Telekommunikationsunternehmen gleichermaßen genutzt wird. Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob bzw. in welchen Fällen durch das Verlegen eines Kabels oder einer Leitung der Raum implizit im Sinne des IFRS 16.B13 spezifiziert ist und damit für den durch das Kabel oder die Leitung in Anspruch genommenen Raum ein identifizierter Vermögenswert vorliegt. Wenngleich vom IFRS IC nicht adressiert, ergibt sich meines Erachtens aus dem Standard unmittelbar, dass bei fehlender expliziter Spezifikation zu prüfen ist, ob ein identifizierter Vermögenswert implizit spezifiziert ist.

Weiterhin wurden in der Juni-Sitzung des IFRS IC zwei vorläufige Agenda-Entscheidungen getroffen. Die erste beschäftigt sich mit der Bestimmung der Laufzeit eines Leasingverhältnisses und deren Interaktion mit der Nutzungsdauer von Mietereinbauten. Mit Blick auf die Bestimmung der Laufzeit eines Leasingverhältnisses wurde konkret angefragt, ob beim Vorliegen beidseitiger Kündigungsrechte, deren Ausübung keine vertragliche Strafzahlung nach sich zieht, zusätzlich wirtschaftliche Anreize oder Umstände zu berücksichtigen sind, die eine Vertragsseite, z.B. den Mieter, an einer Kündigung hindern. Ein Beispiel für solche wirtschaftlichen Hemmnisse können Mietereinbauten sein, die nach Ablauf eines Mietvertrags auszubauen und in Folge dessen nicht mehr nutzbar sind. Nach Auffassung des IFRS IC sind solche wirtschaftlichen Umstände, die eine Partei an der Kündigung eines Vertrags hindern, zu berücksichtigen. Der in IFRS 16.B34 verwendete und im Standard nicht definierte Begriff „penalty“ ist nach Ansicht des IFRS IC somit weit auszulegen und nicht ausschließlich auf rein vertragliche Strafzahlungen zu begrenzen. Darüber hinaus stellte das IFRS IC fest, dass die Bestimmung der Nutzungsdauer („useful life“) von Mietereinbauten in engem Zusammenhang mit der Ermittlung der Laufzeit eines Leasingverhältnisses steht. Kommt ein Leasingnehmer zu dem Ergebnis, dass die Laufzeit eines Leasingverhältnisses kürzer ist als die wirtschaftliche Nutzungsdauer („economic life“) seiner Mietereinbauten und kann er aus diesen nach Ende des Mietverhältnisses keinen Nutzen mehr ziehen, ist die Nutzungsdauer der Mietereinbauten für Abschreibungszwecke im Sinne des IAS 16 auf die Laufzeit des Leasingverhältnisses zu beschränken. Zusammengenommen besteht damit zudem eine Wechselwirkung zwischen der Bestimmung der Laufzeit eines Leasingverhältnisses und der Nutzungsdauer von Mietereinbauten.

Die zweite vorläufige Agenda-Entscheidung betrifft die Frage, ob das Zahlungsprofil eines Leasingvertrags, das typischerweise einem Amortisationsdarlehen gleicht, bei der Bestimmung des Grenzfremdkapitalzinssatzes zu berücksichtigen ist. Hierzu stellte das IFRS IC fest, dass ein Zinssatz, der auf demselben Zahlungsprofil wie das des Leasingvertrags beruht, zwar oftmals ein geeigneter Ausgangspunkt für die Ermittlung des Grenzfremdkapitalzinssatzes darstellt, gleichwohl die Definitionskriterien im IFRS 16 für den Grenzfremdkapitalzinssatz das Zahlungsprofil nicht explizit enthalten. Erwähnenswert ist weiterhin die Klarstellung des IFRS IC, dass der Grenzfremdkapitalzinssatz grundsätzlich spezifisch für die jeweiligen einzelnen Leasingverhältnisse zu bestimmen ist („lease-specific rate“). Somit ist die konkrete Ermittlung des Grenzfremdkapitalzinssatzes in vielerlei Hinsicht eine Ermessensentscheidung des Unternehmens. Auch wenn eine Berücksichtigung des Zahlungsprofils des jeweiligen Leasingverhältnisses sicherlich ein sinnvoller Ansatz ist, kann eine zwingende Berücksichtigung des individuellen Zahlungsprofils bei der Ermittlung des Grenzfremdkapitalzinssatzes vor dem Hintergrund der vorstehenden Ausführungen m.E. nicht verlangt werden. In dieser Hinsicht ist somit eine Ermessensentscheidung des Unternehmens erforderlich, bei der nach meiner Auffassung als „Startpunkt“ für die Zinssatzermittlung neben der Zugrundelegung des tatsächlichen Zahlungsprofils (typischerweise vergleichbar zu einem Amortisationsdarlehen) auch die Zugrundelegung eines endfälligen Darlehens oder ein Zinssatz auf Basis einer durchschnittlichen Rückzahlungsdauer vertretbar erscheint. Der so ermittelte Zinssatz ist dann unter Berücksichtigung der übrigen Definitionsmerkmale (z.B. Sicherheit, etc.) für das jeweilige einzelne Leasingverhältnis anzupassen.

Der Wortlaut der IFRS IC Agenda-Entscheidungen ist über folgenden Link zu erreichen. Die Kommentierungsfrist für die beiden vorläufigen Entscheidungen endet am 20. August 2019.

DPR ergänzt ESMA-Prüfungsschwerpunkte

Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung e.V. (DPR) hat gestern die von der European Securities and Markets Authority (ESMA) bereits angekündigten einheitlichen europäischen Prüfungsschwerpunkte (wir berichteten in unserem Blog am 29. Oktober) übernommen und um zwei nationale Punkte ergänzt.

Damit sind insgesamt folgende Schwerpunkte für die Prüfung der Abschlüsse kapitalmarktorientierter Unternehmen im Rahmen des Enforcement-Verfahrens in Deutschland für das Jahr 2019 einschlägig:

  1. Ausgewählte Anwendungsfragen zur Implementierung von IFRS 15 „Erlöse aus Verträgen mit Kunden“
  2. Ausgewählte Anwendungsfragen zur Implementierung von IFRS 9 „Finanzinstrumente“
  3. Anhangangaben zu den erwarteten Auswirkungen der künftigen Anwendung von FRS 16 „Leasingverhältnisse“
  4. Konzernlagebericht in Bezug auf die Darstellung und Analyse des Geschäftsverlaufs und der Ertragslage entsprechend dem Umfang und der Komplexität der Geschäftstätigkeit (§ 315 Abs. 1 Satz 1 bis 3 HGB)
  5. Segmentberichterstattung unter Berücksichtigung der unternehmensinternen Berichterstattung und folgender Einzelaspekte
    1. Bestimmung der operativen Segmente (IFRS 8.5) und Zusammenfassung zu berichtspflichtigen Segmenten (IFRS 8.11-9.19) nebst erläuternden Angaben (IFRS 8.22)
    2. Darstellung des Segmentergebnisses, insbesondere bei Verwendung alternativer Leistungskennziffern (IFRS 8.23, IFRS 8.25-8.27)
    3. Differenzierung zwischen Informationen in der Kategorie „alle sonstigen Segmente“ und sonstigen Abstimmungsposten in der Überleitungsrechnung (IFRS 8.16, IFRS 8.28)
    4. Informationen über geografische Gebiete differenziert nach Herkunftsland und Drittländern (IFRS 8.33) sowie über Kundenabhängigkeiten (IFRS 8.34)

Zudem weist die ESMA auf folgende Themen hin, die ebenfalls im Rahmen der Prüfungen beachtet werden sollen:

  •  Bilanzielle Auswirkungen aus der Einstufung von Argentinien als Hochinflationsland
  •  Ausgewählte Aspekte der nichtfinanziellen Berichterstattung
  •  Ausgewählte Aspekte der ESMA-Leitlinien zu alternativen Leistungskennziffern (APM)
  •  Angaben zum Brexit

Die Pressemitteilung der DPR, in der für die europäischen Prüfungsschwerpunkte (Punkt 1.-3.) auf die Darstellung der gemeinsamen europäischen „Enforcement-Prioritäten“ der ESMA verlinkt wird, erreichen Sie unter folgendem Link.

ESMA veröffentlicht Prüfungsschwerpunkte für 2019

Ende letzter Woche hat die European Securities and Markets Authority (ESMA) ihre Prüfungsschwerpunkte für die in 2019 durchzuführenden Prüfungen verkündet.

Im Rahmen des Enforcement-Verfahrens wird dabei bei der Prüfung der Abschlüsse und Lageberichte kapitalmarktorientierter Unternehmen besonderes Augenmerk insb. auf folgende Themen gelegt:

  • ausgewählte Anwendungsfragen zur Implementierung von IFRS 15 „Erlöse aus Verträgen mit Kunden“ und von IFRS 9 „Finanzinstrumente“,
  • Anhangangaben zu den erwarteten Auswirkungen der künftigen Anwendung von IFRS 16 „Leasingverhältnisse“,
  • bilanzielle Auswirkungen aus der Einstufung von Argentinien als Hochinflationsland,
  • ausgewählte Aspekte der nichtfinanziellen Berichterstattung,
  • ausgewählte Aspekte der ESMA Leitlinien zu alternativen Leistungskennzahlen (APM),
  • Angaben zum Brexit.

Die Themen IFRS 9, 15 und 16 bilden die gemeinsamen europäischen Prüfungsschwerpunkte. Genauen inhaltlichen Einzelheiten können dem Public Statement der ESMA entnommen werden.

In Deutschland wird das Enforcement-Verfahren auf der ersten Stufe durch die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) durchgeführt. Es ist davon auszugehen, dass diese – wie in den Vorjahren – die Prüfungsschwerpunkte der ESMA um eigene ergänzen wird. Unabhängig von den Prüfungsschwerpunkten können auch unternehmensspezifische Themen Gegenstand der Prüfung sein.

EU übernimmt zahlreiche neue IFRS-Regelungen: Geltung neuer Angabepflichten des IAS 7 bereits in 2017er-Abschlüssen

 

Im Amtsblatt der EU vom 9. November wurden nachfolgende Regelungen des IASB veröffentlicht und damit in EU-Recht übernommen (Endorsement):

Titel und Link auf Amtsblatt Verpflichtender Anwendungszeitpunkt innerhalb der EU
Änderungen an IAS 7 „Kapitalflussrechnungen“ 1. Januar 2017
Ansatz latenter Steueransprüche für nicht realisierte Verluste (Änderungen an IAS 12 „Ertragsteuern“) 1. Januar 2017
Klarstellungen zum IFRS 15 „Erlöse aus Verträgen mit Kunden“ 1. Januar 2018
Anwendung von IFRS 9 „Finanzinstrumente“ gemeinsam mit IFRS 4 „Versicherungsverträge“ (Änderungen an IFRS 4) 1. Januar 2018
IFRS 16 „Leasingverhältnisse“ 1. Januar 2019

Wir möchten darauf hinweisen, dass die EU trotz des erst jetzt erfolgten Endorsements am verpflichtenden Erstanwendungszeitpunkt 1. Januar 2017 sowohl für die Änderungen an IAS 12 (Klarstellungen zur Frage des Ansatzes aktiver latenter Steuern auf temporäre Differenzen aus unrealisierten Verlusten; zu Einzelheiten siehe die Januar 2016-Ausgabe unserer International Accounting News) als auch für die Änderungen an IAS 7 festgehalten hat.
Dies bedeutet, dass die Pflicht zur erweiterten Erläuterung der Entwicklung der Finanzschulden im Anhang (vgl. IAS 7.44A-E) bereits jetzt, in IFRS-Abschlüssen zum 31.12.2017, besteht. Näheres hierzu finden Sie im „In brief – A look at current financial reporting issues” sowie in der Februar 2016-Ausgabe unserer International Accounting News.

Neuer Webcast zu Modifikationen nach IFRS 16 angekündigt

Im Rahmen seiner Aktivitäten rund um die Implementierung des neuen Leasingstandards IFRS 16 plant der IASB, im März 2017 einen Webcast zum Thema Modifikationen beim Leasingnehmer zu veröffentlichen. Mit diesem neuen Webcast reagiert der IASB auf Feedback und vermehrten Fragen von Stakeholdern und Anwendern zu diesem komplexen Themenbereich. In einem weiteren für Mai geplanten Webcast stehen die Angabepflichten für Leasingnehmer im Fokus.

Diese und weitere, bereits veröffentlichte Webcasts sowie alle übrigen Aktivitäten und Dokumente des IASB zur Implementierung von IFRS 16 sind auf nachfolgender Webseite erhältlich.

Die European Securities and Markets Authority (ESMA) verkündet ihre Prüfungsschwerpunkte 2017

Die ESMA hat ihre Prüfungsschwerpunkte 2017 veröffentlicht. Im Einzelnen wurden folgende Schwerpunkte festgesetzt:

  • Darstellung der finanziellen Performance: Hervorgehoben wird hier insb. die Notwendigkeit aussagekräftiger Angaben und der Vereinbarkeit der Darstellung mit den Grundsätzen des IAS 1;
  • Klassifizierung von Eigenkapitalinstrumenten und finanziellen Verbindlichkeiten: Verwiesen wird noch mal auf die grundlegenden Regelungen des IAS 32, wonach eine Zahlungsverpflichtung des Emittenten eine Klassifizierung als Fremdkapital zur Folge hat;
  • Angabe der etwaigen Auswirkungen der neuen IFRS Standards (IFRS 9, IFRS 15 und IFRS 16) auf die Abschlüsse: Gefordert wird eine frühzeitige und umfassende Darstellung der möglichen Auswirkungen, was sowohl qualitative als auch quantitative Informationen umfasst.

Darüber hinaus erwartet die ESMA, dass Unternehmen, soweit sie betroffen sind, die Auswirkungen des Brexit auf ihre Geschäftstätigkeiten in den Notes darstellen.

Prüfungsschwerpunkte, die von der ESMA veröffentlicht werden, gelten auch für die DPR in Deutschland, die diese um ihre eigenen nationalen Schwerpunkte entsprechend erweitert. Die Veröffentlichung der DPR Prüfungsschwerpunkte wird bis Ende November erwartet.

Unsere International Accounting News – Ausgabe November 2016 wird hierzu einen ausführlichen Beitrag enthalten.

Die vollständige Veröffentlichung der EMSA zu ihren Prüfungsschwerpunkten finden Sie hier:

https://www.esma.europa.eu/sites/default/files/library/esma-2016-1528_european_common_enforcement_priorities_for_2016.pdf

ESMA fordert Anhangangaben zur Anwendung des IFRS 15

IFRS 15 (Revenue from Contracts with Customers) ist spätestens in 2018 für IFRS-Abschlüsse anzuwenden. Der Standard regelt detailliert und für viele Aspekte erstmalig, wann und in welcher Höhe Umsatzerlöse zu erfassen sind. Er kann nur richtig umgesetzt werden, wenn die Geschäftsmodelle in den einzelnen Konzerngesellschaften, in allen Ländern mit ihren jeweiligen rechtlichen und wirtschaftlichen Besonderheiten angemessen beurteilt werden. Deshalb ist meines Erachtens –zumindest für einzelne Branchen- die erstmalige Anwendung des Standards in 2018 die größte Herausforderung für die Bilanzierung börsennotierter Konzerne seit der verpflichtenden Anwendung von IFRS in der EU im Jahr 2005.

Auch die ESMA (European Securities and Market Authority) hat jetzt Hinweise zur Umsetzung des Standards veröffentlicht. Diese betreffen unterschiedlichste Aspekte der Anwendung des IFRS 15, wie etwa die Beachtung der Klarstellungen zu IFRS 15, die vorzeitige Anwendung des IFRS 16 (Leases) in Verbindung mit der Anwendung des IFRS 15 oder die Sicherstellung der konzerneinheitlichen Anwendung des IFRS 15.

Im Fokus der Veröffentlichung stehen jedoch ganz klar die gemäß IAS 8.30 geforderten Anhangangaben zu einem neuen, jedoch noch nicht anzuwendenden Standard. Anzugeben sind bekannte bzw. einigermaßen zuverlässig einschätzbare Auswirkungen der erstmaligen Anwendung des neuen Standards auf den Konzernabschluss. Die Angaben sollen möglichst früh und damit bei Vorliegen verlässlich schätzbarer Informationen (etwa aus laufenden Umstellungsprojekten) schon im Abschluss zum 31.12.2016 erfolgen. Die Informationen sind bei fortschreitendem Kenntnisstand zu aktualisieren und zu erweitern, spätestens in den Zwischenabschlüssen 2017 sollten jedoch detaillierte (qualitative wie quantitative) Angaben gemacht werden.

Auch zu Art und Umfang der Angaben enthält die Veröffentlichung konkrete Hinweise und Empfehlungen. So werden für den Fall, dass die Auswirkungen der Anwendung des IFRS 15 als wesentlich eingeschätzt werden, etwa Angaben zur Implementierung der Schlüsselkonzepte des IFRS 15, zu dem zeitlichen Ablaufplan der Implementierung sowie zu der Ausübung von Bilanzierungswahlrechten empfohlen. Auch (quantitative) Angaben zu den Auswirkungen der Anwendung des neuen Standards (bezogen auf Art/Zeitpunkt der Umsatzerlöse) werden den Unternehmen nahegelegt.

Erfolgt eine vorzeitige Anwendung des IFRS 16 in Verbindung mit der Anwendung des IFRS 15, gelten die erwähnten Angabepflichten auch für IFRS 16.

Die Forderung der ESMA nach detaillierten Angaben unterstreicht die Notwendigkeit, sich frühzeitig mit möglichen Auswirkungen einer Anwendung des IFRS 15 (und ggf. auch einer vorzeitigen Anwendung des IFRS 16) auseinanderzusetzen. Die ausdrückliche Aufforderung der ESMA an die in der EU börsennotierten Unternehmen über den Stand ihres Umstellungsprojektes und die Auswirkungen der erstmaligen Anwendung zu berichten, lässt aufhorchen: Sorgt sich die ESMA, ob alle Unternehmen die Herausforderung ernst genug nehmen und ihnen jetzt noch ausreichend Zeit bleibt, um die fachlichen Auswirkungen des Standards zu ermitteln und die notwendigen Anpassungen in allen operativen Systemen des Konzerns noch vornehmen zu können?

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