Schlagwort: Klassifizierung

Bleiben Sie auf dem laufenden - der Klassifizierung RSS-Feed

Praktische Anwendungsfragen bei der Implementierung von IFRS 9 – Klassifizierung finanzieller Vermögenswerte

Nachdem der IASB im Juli letzten Jahres die seit langem erwartete finale Fassung des IFRS 9 „Financial Instruments“ veröffentlichte, kommen nun im Rahmen von Projekten zur Implementierung der neuen Regelungen verschiedene Fragestellungen auf.

Insbesondere ist bei der Anwendung der Regelungen zur Klassifizierung und Bewertung von Finanzinstrumenten („Classification and Measurement“) unklar, wie bestimmte Begriffe, die in diesem Zusammenhang verwendet werden, auszulegen sind. Will man beispielsweise den für die Klassifizierung erforderlichen sog. SPPI-Test (solely payments of principal and interest) auf ein Finanzinstrument vornehmen und analysieren, ob die vertraglichen Cashflows nur Tilgung und Zins beinhalten, stellen sich u.a. folgende Fragen:

Welche Cashflows sind als „vertragliche“ Cashflows anzusehen? Sind beispielsweise Cashflows, die aus einem vertraglichen Verweis auf gesetzliche Bestimmungen resultieren, auch vertragliche Cashflows? Wie verhält es sich, wenn gesetzliche Regelungen anwendbar sind und Cashflows daraus resultieren können, aber im Vertrag nicht explizit auf diese gesetzlichen Bestimmungen hingewiesen wird oder wenn beispielsweise der Gesetzgeber bzw. eine Aufsichtsbehörde in den Vertrag eingreifen kann (sog. „bail in clauses“)?

Wenn der Zins durch besondere Vertragsklauseln modifiziert wird und zu analysieren ist, ob die vertraglichen (undiskontierten) Cashflows signifikant von den (undiskontierten) Cashflows eines Instruments ohne modifizierte Features abweichen, stellt sich darüber hinaus die Frage, was in diesem Zusammenhang „signifikant“ bedeutet. Ist dieser Begriff beispielsweise vergleichbar mit dem Begriff „substanziell“, der bei den Regelungen zur Ausbuchung finanzieller Verbindlichkeiten verwendet wird und explizit im Standard mit 10 % quantifiziert wird?

Diese Fragestellungen befinden sich derzeit noch international in Diskussion. Über aktuelle Entwicklungen hierzu halten wir Sie auf dem Laufenden.

Blog-Reihe zu aktuellen IFRS 11-Diskussionen im IFRS IC – Unterschiedliche Klassifizierung von zwei gemeinsamen Vereinbarungen mit ähnlichen Merkmalen

Das IFRS IC hat sich mit der Frage beschäftigt, inwiefern zwei gemeinsame Vereinbarungen (joint arrangements), die, abgesehen von der Tatsache, dass eines mittels einer separaten rechtlichen Einheit strukturiert ist und das andere nicht, ähnliche Merkmale aufweisen, unterschiedlich klassifiziert werden können.

Zu einer unterschiedlichen Klassifizierung kann es kommen, da die rechtliche Hülle einer gemeinsamen Vereinbarung durch vertragliche Regelungen erst überwunden werden muss, um diese als gemeinschaftliche Tätigkeit (joint operation) und nicht als Gemeinschaftsunternehmen (joint venture) zu klassifizieren. Eine gemeinsame Vereinbarung, die hingegen nicht mittels einer separaten rechtlichen Einheit strukturiert wurde, ist entsprechend den Regelungen des IFRS 11 direkt als gemeinschaftliche Tätigkeit zu klassifizieren. Das IFRS IC hat in seiner Diskussion festgehalten, dass es zu dieser unterschiedlichen Klassifizierung, bei ansonsten ähnlichen Merkmalen, kommen kann, da die separate rechtliche Einheit die Rechte und Pflichten der an der gemeinsamen Vereinbarung beteiligten Parteien beeinflusst (siehe auch IFRS 11. B22 sowie BC43).

Das IFRS IC sieht hierin auch keinen Widerspruch zum Grundsatz der wirtschaftlichen Substanz, da – bezogen auf den dem IFRS 11 zugrunde liegenden Ansatz – wirtschaftliche Substanz bedeutet, dass die Klassifizierungsentscheidung die Rechte und Pflichten der Beteiligten widerspiegeln soll. Das Bestehen einer separaten rechtlichen Einheit spielt insofern eine signifikante Rolle bei der Beurteilung der Art von Rechten und Pflichten aus einer gemeinsamen Vereinbarung.

Die bestehenden Regelungen der IFRS sind aus Sicht des IFRS IC ausreichend und bedürfen weder einer Interpretation noch einer Anpassung. Folglich hat das IFRS IC dieses Thema (vorläufig) nicht auf seine Agenda genommen.

Überarbeitung der Klassifizierungs- und Bewertungsvorschriften für Finanzinstrumente abgeschlossen

Der IASB hat heute mit dem Abschluss seines Projekts zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten neben den Regeln zu Wertminderungen auch die überarbeiteten Klassifizierungs- und Bewertungsvorschriften des IFRS 9 veröffentlicht. In der EU ist IFRS 9 in der ursprünglich bereits 2009 erlassenen Version mangels Übernahme noch nicht anwendbar. Außerhalb der EU sind die Vorschriften dagegen in vielen Ländern bereits umgesetzt worden und in Bezug auf ihre praktische Anwendbarkeit auf erhebliche Kritik gestoßen. Folgerichtig sah sich der Standardsetzer gezwungen, Änderungen vorzunehmen. Darüber hinaus bot dies auch die Gelegenheit, stärker als bislang die Zusammenhänge mir den geplanten Bilanzierungsvorschriften für Versicherungen sowie Aspekte der Konvergenz mit US-GAAP zu berücksichtigen.

Kern der Überarbeitung ist die Einführung einer zusätzlichen Bewertungskategorie für Schuldinstrumente. Standen dem Bilanzierenden für die Klassifizierung bisher lediglich die beiden Kategorien „fortgeführte Anschaffungskosten“ und „zum beizulegenden Zeitwert mit Wertänderungen im Gewinn oder Verlust“ zur Verfügung, so ist künftig auch eine Einstufung in die Kategorie „zum beizulegenden Zeitwert mit Wertänderungen im sonstigen Ergebnis (FVOCI)“ möglich. Eine solche Klassifizierung setzt voraus, dass ein Portfolio von Schuldinstrumenten einem Geschäftsmodell unterliegt, das sowohl das Halten zur Erzielung der vertraglichen Zahlungsströme als auch das Verkaufen vorsieht. Zusätzlich ist wie bislang bei der Kategorie „zu fortgeführten Anschaffungskosten“ der sogenannte Cashflow-Test zu erfüllen. Mit der Erfassung der Wertänderungen im sonstigen Ergebnis ist diese neue Kategorie mit der bisherigen Kategorie „zur Veräußerung verfügbar (afs)“ des IAS 39 vergleichbar. Hinsichtlich der Einführung dieser dritten Bewertungskategorie dürfte in der Praxis mit erheblichen Auslegungs- und Abgrenzungsschwierigkeiten zu rechnen sein.

Zudem wurde in diesem Zusammenhang für das Geschäftsmodell „Halten“, das bei bestandenem Cashflow-Test eine Bewertung der Vermögenswerte zu fortgeführten Anschaffungskosten vorsieht, klargestellt, dass Verkäufe nur in Ausnahmefällen mit den Grundprinzipien dieses Modells vereinbar sind. Folglich dürften beispielsweise die Liquiditätsportfolien der Banken künftig typischerweise nicht der Kategorie „zu fortgeführten Anschaffungskosten“, sondern der neuen Kategorie FVOCI zuzuordnen sein.

Weiterhin hat der IASB die Gelegenheit genutzt, den bereits angesprochenen Cashflow-Test in einigen Punkten zu erleichtern. Danach sind nicht mehr alle Elemente eines Instruments schädlich, die eine Modifikation der Zahlungsströme in Form von Zins- und Tilgungszahlungen bewirken. Lediglich solche, die zu einer mehr als wesentlichen Abweichung im Vergleich zu einem Idealinstrument ohne diese Elemente führen, ziehen eine ergebniswirksame Zeitwertbewertung nach sich.

Vergleicht man die nun vorliegenden finalen Klassifizierungs- und Bewertungsvorschriften des IFRS 9 mit denen seines Vorgängerstandards IAS 39, so muss aus unserer Sicht schon kritisch hinterfragt werden, ob der IASB sein ursprüngliches Ziel einer weniger komplexen Bilanzierung von Finanzinstrumenten erreicht hat.

IFRS 9 ist für am oder nach dem 1. Januar 2018 beginnende Geschäftsjahre anzuwenden, eine freiwillige vorzeitige Anwendung ist erlaubt – beides vorbehaltlich einer fristgerechten Übernahme seitens der EU.

 

/* */