Schlagwort: nichtfinanzielle Berichterstattung

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European Corporate Reporting Lab@EFRAG: Arbeitsgruppe zur Entwicklung von Empfehlungen fĂŒr europĂ€ische nichtfinanziellen Berichtsstandards benannt

Die EFRAG hat am vergangenen Freitag die Zusammensetzung der Arbeitsgruppe zur Vorbereitung von europÀischen nichtfinanziellen Berichtsstandards (Project Task Force on preparatory work for the elaboration of possible EU non-financial reporting standards) bekanntgegeben. Die Arbeitsgruppe setzt sich aus Experten verschiedenster Stakeholder der nichtfinanziellen Berichterstattung, u.a. Vertretern der Industrie, der Finanzbranche und von Institutionen der EuropÀischen Union, zusammen. Ich freue mich, dass auch Hendrik Fink, Leiter Sustainability Services von PwC Deutschland, Teil der Arbeitsgruppe ist.

Die EuropĂ€ische Kommission hat die EFRAG mit der Entwicklung von Empfehlungen ĂŒber mögliche europĂ€ische nichtfinanzielle Berichtsstandards zur weiteren Umsetzung der CSR-Richtlinie, welche derzeit ĂŒberarbeitet wird, beauftragt (Auftrag). Die dazu eingerichtete Arbeitsgruppe soll insbesondere VorschlĂ€ge fĂŒr den Anwendungsbereich, Inhalt und Struktur europĂ€ischer Berichtsstandards erarbeiten.  Dieser Auftrag deckt sich mit dem Ergebnis im Rahmen der Konsultation zur Überarbeitung der CSR-Richtlinie, nach der sich 81% der Teilnehmer fĂŒr die Anwendung einheitlicher Berichtstandards aussprachen, um die Vergleichbarkeit der nichtfinanziellen Berichterstattung zu erhöhen. Einheitliche Berichtsstandards könnten zudem die VerlĂ€sslichkeit, Relevanz sowie auch die PrĂŒfbarkeit nichtfinanzieller Angaben erhöhen. Über die Konsultation und die Zusammenfassung der RĂŒckmeldungen auf diese habe ich am 21. Februar bzw. am 30. Juli an dieser Stelle informiert.

FĂŒr die Entwicklung europĂ€ischer nichtfinanzieller Berichtsstandards soll die Arbeitsgruppe möglichst nah auf bereits bestehenden und in der Praxis anerkannten Rahmenwerken und Berichtselementen aufsetzen. Konsistent zum Nachtrag zu den unverbindlichen Leitlinien sollen klimabezogene Angabepflichten dabei besondere Beachtung erfahren. Im Einzelnen ĂŒbernimmt die Arbeitsgruppe u.a. folgende Aufgaben:

  • Analyse der bestehenden Rahmenwerke und Standards (u.a. GRI, TCFD, das Practice Statement des IASB zum Management Commentary, SASB) hinsichtlich ihrer Eignung, die Auswirkungen nichtfinanzieller Aspekte auf das Unternehmen sowie die Auswirkungen des GeschĂ€ftsmodells von Unternehmen auf die nichtfinanziellen Aspekte darzustellen.
  • Erarbeitung einer Struktur fĂŒr Standards unter BerĂŒcksichtigung möglicher branchen- oder themenspezifischer Berichtsanforderungen.
  • Beurteilung, inwieweit spezifische Vorgaben fĂŒr Institute zu entwickeln sind.
  • Förderung einer stĂ€rker integrierten Berichterstattung.
  • BerĂŒcksichtigung der Rolle elektronisch bzw. maschinen-lesbarer Informationen.
  • AbwĂ€gung eines modularen, abgestuften Aufbaus der Standards, so dass eine Umsetzung von grundlegenden Anforderungen (bspw. bestimmter Leistungsindikatoren) leichter zugĂ€nglich wird.
  • Beurteilung der Eignung von möglichweise freiwilligen Berichtsstandards fĂŒr KMU, die vergleichsweise niedrigere Anforderungen stellen.

Dieses Arbeitsprogramm ist sowohl inhaltlich als auch zeitlich ambitioniert. Der Abschlussbericht soll bis zum 31. Januar 2021 vorgelegt werden, dem ein vorlĂ€ufiges Arbeitsprogramm fĂŒr die konkrete Ausarbeitung von europĂ€ischen nichtfinanziellen Berichtsstandards beigefĂŒgt werden soll. Dieses soll die Veröffentlichung solcher Standards bis Juni 2022 ermöglichen.

EuropĂ€ische Kommission veröffentlicht Überblick ĂŒber die eingegangenen Stellungnahmen zur Überarbeitung der CSR-Richtlinie

Gestern hat die EU-Kommission eine Zusammenfassung der RĂŒckmeldungen zur öffentlichen Konsultation ĂŒber die Überarbeitung der sog. CSR-Richtlinie (EU-Richtlinie 2014/95/EU) vorgelegt. Der Bericht enthĂ€lt ausdrĂŒcklich keine WĂŒrdigung der Kommission, sondern gibt einen objektiven Überblick ĂŒber die 588 eingegangenen Stellungnahmen.

Das Konsultationsergebnis wird unter diesem Link zum Download zur VerfĂŒgung gestellt. Daraus zeichnet sich folgendes Meinungsbild ab:

  • Die bisherige nichtfinanzielle Berichterstattung weist fĂŒr die Mehrheit der Teilnehmer an der Konsultation insbesondere hinsichtlich der Vergleichbarkeit der Angaben SchwĂ€chen auf (71% Zustimmung). Korrespondierend dazu sprechen sich 82% fĂŒr die verpflichtende Anwendung von einheitlichen Standards aus, um die bestehenden Defizite zu beheben.
  • Zwei Drittel der RĂŒckmeldungen (67%) befĂŒrworten die EinfĂŒhrung einer PrĂŒfungspflicht. Dabei halten sich die Meinungen zur PrĂŒfungstiefe (hinreichende oder begrenzte PrĂŒfungssicherheit) die Waage.
  • Die Teilnehmer sprechen sich mehrheitlich fĂŒr eine Ausweitung des Anwendungsbereichs der nichtfinanziellen Berichtspflicht aus. So befĂŒrworten rund 70%, dass große kapitalmarktorientierte Unternehmen mit Sitz in Europa unabhĂ€ngig vom Ort ihrer Börsenzulassung, sowie große in einem regulierten Markt in Europa notierte Unternehmen unabhĂ€ngig von ihrem Sitz unter die nichtfinanzielle Berichtspflicht fallen sollen. Ferner begrĂŒĂŸen es 70%, auch große nicht-kapitalmarktorientierte Unternehmen in den Anwendungsbereich aufzunehmen.
  • Nur eine knappe Mehrheit der Teilnehmer an der Konsultation sprechen sich dafĂŒr aus, die zulĂ€ssigen Formen der Veröffentlichung zu begrenzen. Lediglich 55% befĂŒrworten die EinfĂŒhrung einer Regelung, dass die nichtfinanzielle Berichterstattung zwingend innerhalb des Lageberichts erfolgen muss, was zur Folge hĂ€tte, dass die Möglichkeit zur Erstellung eines gesonderten nichtfinanziellen Berichts entfĂ€llt.
  • 69% der Teilnehmer befĂŒrworten es, die Anforderungen zur Berichterstattung ĂŒber Umweltbelange an den Vorgaben zu den sechs Umweltzielen der Taxonomie-Verordnung (lesen Sie dazu meine BlogbeitrĂ€ge vom 23. und 18. Juni 2020 sowie vom 20. April 2020) anzupassen. Die Taxonomie-Verordnung stellt zudem die hĂ€ufigste Antwort auf die Frage nach weiteren berichtspflichtigen nichtfinanziellen Belangen dar.

Man darf gespannt sein, inwieweit dieser Meinungsstand Eingang in die Überarbeitung der CSR-Richtlinie finden wird. FĂŒr die Vorbereitung und Entwicklung von einheitlichen nichtfinanziellen Berichtsstandards wurde jĂŒngst die EFRAG mandatiert. Eine dafĂŒr einzurichtende Projektarbeitsgruppe soll bereits im Oktober 2020 einen ersten Fortschrittsbericht und bis Ende Januar 2021 einen Abschlussbericht mit konkreten VorschlĂ€gen veröffentlichen. Der Entwurf der ĂŒberarbeiteten CSR-Richtlinie soll ebenfalls bereits im 1. Quartal 2021 erscheinen.

Ergebnisindikation der Befragung 2020 offenbart erhebliche Defizite bei der Umsetzung der Kernelemente menschenrechtlicher Sorgfalt

Der Nationale Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Leitprinzipien fĂŒr Wirtschaft und Menschenrechte (2016-2020) („NAP“) stellt die Erwartungen der Bundesregierung an die unternehmerische Sorgfalt von Unternehmen hinsichtlich der Achtung der Menschenrechte dar. Die im NAP verankerten Kernelemente sind bislang noch freiwillig. Durch zwei reprĂ€sentative Unternehmensbefragungen in 2019 und 2020 wird fortlaufend ĂŒberprĂŒft, inwieweit Unternehmen ihren menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten nachkommen. Im NAP ist vorgesehen, dass weitere Maßnahmen des Gesetzgebers geprĂŒft werden, wenn nicht mindestens die HĂ€lfte der befragten Unternehmen die Kernelemente umgesetzt haben.

Nachdem die Ergebnisse der Befragung 2019 mit einer Quote von nur rd. 18% sog. ErfĂŒllern bereits ernĂŒchternd ausfielen, zeigt auch die erste Ergebnisindikation der zweiten und letzten Befragung 2020 kein wesentlich besseres Bild. In einer gemeinsamen Pressemitteilung des Bundesministerium fĂŒr Arbeit und Soziales (BMAS) und des Bundesministeriums fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) informierten die Bundesminister Dr. Gerd MĂŒller und Hubertus Heil am 14. Juli 2020 ĂŒber das voraussichtliche Ergebnis. Erneut bleibt die Quote der ErfĂŒller weit hinter den Erwartungen von mind. 50% zurĂŒck.

AnsĂ€tze und Diskussionen ĂŒber ein entsprechendes Lieferketten- oder Sorgfaltspflichtengesetz gab es aus den Ministerien bereits mehrfach, diese wurden jedoch mit Verweis auf die ausstehende Auswertung des NAP-Monitorings bislang stets verschoben. Basierend auf den Erkenntnissen aus der Befragung 2020 steigt nun der Druck auf gesetzgeberische Maßnahmen, um menschenrechtliche Sorgfaltspflichten verpflichtend in den Unternehmensprozessen bis in die Lieferkette zu verankern. Auch auf europĂ€ischer Ebene wird bereits seit einiger Zeit ĂŒber mögliche Optionen zur StĂ€rkung der Unternehmensverantwortung weltweit in den Lieferketten diskutiert. Daher sollten sich Unternehmen fortlaufend damit beschĂ€ftigen, welchen Weg die nationale und europĂ€ische Politik zur StĂ€rkung der Menschenrechte einschlagen wird.

Frist fĂŒr RĂŒckmeldungen zur angestrebten Überarbeitung der CSR-Richtlinie verlĂ€ngert

Im Zuge der anhaltenden Corona-Krise hat die EuropĂ€ische Kommission die Kommentierungsfrist der Konsultation zur Überarbeitung der CSR-Richtlinie (EU-Richtlinie 2014/95/EU) auf den 11. Juni 2020 verlĂ€ngert. UrsprĂŒnglich waren RĂŒckmeldungen auf die insgesamt 45 Fragen bis zum 14. Mai 2020 vorgesehen, wie ich am 21. Februar 2020 gebloggt habe.

Die Kommission sieht unverĂ€ndert vor, bereits bis zum Jahresende die Überarbeitung der Richtlinie abgeschlossen zu haben. Angesichts der sehr breit angelegten Konsultation, die neben den inhaltlichen Angabepflichten u.a. auch die Themen PrĂŒfungspflicht und Anwendungsbereich aufgreift, darf man gespannt bleiben, welchen weiteren Weg die Kommission fĂŒr die nichtfinanzielle Berichterstattung in Europa einschlagen wird. Unternehmen und sonstige Interessierte haben nunmehr gut einen Monat mehr Zeit, sich an der Konsultation zu beteiligen.

Öffentliche Konsultation zur Überarbeitung der CSR-Richtlinie

Am 20. Februar 2020 hat die EU-Kommission eine öffentliche Konsultation zur Überarbeitung der CSR-Richtlinie (EU-Richtlinie 2014/95/EU) gestartet. Bereits am 30. Januar 2020 hatte die EU-Kommission eine erste FolgenabschĂ€tzung zur ÜberprĂŒfung der Regelungen fĂŒr die nichtfinanzielle Berichterstattung veröffentlicht, ĂŒber die ich in meinem Blogbeitrag vom 3. Februar 2020 berichtet habe.

Die Konsultation umfasst insgesamt 45 Fragen, die sich auf die folgenden Themenbereiche beziehen:

  • QualitĂ€t und Umfang der offenzulegenden nichtfinanziellen Informationen,
  • Standardisierung der Berichterstattung,
  • Anwendung des Grundsatzes der Wesentlichkeit,
  • PrĂŒfungspflicht und PrĂŒfungsumfang,
  • Digitalisierung,
  • Format der Berichterstattung (Bestandteil des Lageberichts vs. gesonderter Bericht),
  • Anwendungsbereich der Berichtspflicht,
  • Vereinfachung und Reduzierung des Verwaltungsaufwands fĂŒr die Unternehmen.

RĂŒckmeldungen zur Konsultation sind bis zum 14. Mai 2020 möglich (online Anmeldung erforderlich).

European Corporate Reporting Lab@EFRAG: Bericht zur Verbesserung der klimabezogenen Berichterstattung

Im Rahmen des Aktionsplans der EU zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums wurde durch die EFRAG ein Corporate Reporting Lab ins Leben gerufen. Die Arbeitsgruppe fĂŒr klimabezogene Berichterstattung (Project Task Force on Climate-related Reporting – PTF-CRR) veröffentlichte gestern einen ersten umfangreichen Bericht mit dem Titel „How to improve climate-related reporting – A summary of good practices from Europe and beyond“.

Der Bericht enthĂ€lt eine umfangreiche Bestandsaufnahme zu best practice-Beispielen klimabezogener Berichterstattung sowie zur Verwendung von Klimaszenarioanalysen mit einem Fokus auf der europĂ€ischen Berichterstattungspraxis. Auf Basis der erhobenen Informationen und eines umfangreichen Stakeholderdialogs entwickelt die PTF-CRR Empfehlungen zur Steigerung der QualitĂ€t der klimabezogenen Berichterstattung und weist auf grundlegende Fehler hin, die vermieden werden sollten. Dazu werden in zwei Beilagen die Praxisbeispiele dargestellt und analysiert. Neben der Bedeutung eines solchen Beitrags fĂŒr die berichtenden Unternehmen ist zu erwarten, dass die Ergebnisse der PTF-CRR in Verbindung mit dem Nachtrag zur klimabezogenen Berichterstattung zu den unverbindlichen Leitlinien der EuropĂ€ischen Kommission auch in die Überarbeitung der CSR-Richtlinie einfließen werden. Über die bevorstehende Überarbeitung habe ich bereits zu Beginn der Woche an dieser Stelle berichtet.

Die Arbeitsgruppe stellt grundsĂ€tzlich eine kontinuierliche Verbesserung der Klimaberichterstattung in verschiedenen Bereichen fest. Gleichzeitig zeigt sich, dass es kaum Unternehmen bislang gelingt, das gesamte Spektrum der Klimaberichterstattung gleichermaßen fundiert in ihrer Berichterstattung umzusetzen. Die klimabezogene Berichterstattung stellt die Unternehmen weiterhin vor wesentliche Herausforderungen, um den stetig wachsenden InformationsbedĂŒrfnissen der Adressaten gerecht zu werden, dies gilt insbesondere fĂŒr die Nutzung von Szenarioanalysen.

EU-Kommission: Überarbeitung der Regelungen zur nichtfinanziellen Berichterstattung

Am 30. Januar 2020 hat die EU-Kommission einen Fahrplan zur Überarbeitung der Regelungen zur nichtfinanziellen Berichterstattung angekĂŒndigt.

Hintergrund der geplanten Überarbeitung ist der wachsende Bedarf von Investoren und zivilgesellschaftlichen Organisationen an nichtfinanziellen Informationen, der ĂŒber die bestehenden Berichterstattungspflichten hinausgeht. Derzeit sind bestimmte große Unternehmen mit mehr als 500 Arbeitnehmern aufgrund der CSR-Richtlinie (EU-Richtlinie 2014/95/EU) verpflichtet, Angaben in Bezug auf Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelange, Achtung der Menschenrechte sowie BekĂ€mpfung von Korruption und Bestechung zu machen. Mit der geplanten Überarbeitung sollen zugleich unnötige Belastungen der Unternehmen durch die nichtfinanzielle Berichterstattung reduziert werden. Zur Erreichung dieser Ziele hat die EU-Kommission zunĂ€chst die folgenden Optionen bestimmt:

  1. Ausbau und Erweiterung der bestehenden Leitlinien fĂŒr die Berichterstattung ĂŒber nichtfinanzielle Informationen, Ă€hnlich dem Nachtrag zur klimabezogenen Berichterstattung von 2019, ĂŒber den ich im letzten Jahr berichtet habe;
  2. Entwicklung eines freiwilligen nichtfinanziellen Berichtsstandards;
  3. Überarbeitung der CSR-Richtlinie, u.a. Anpassung des Anwendungsbereichs, genauere Definition der berichtspflichtigen nichtfinanziellen Angaben, verpflichtende Anwendung eines nichtfinanziellen Berichtsstandards, StĂ€rkung des Enforcement-Verfahrens.

Zur UnterstĂŒtzung des weiteren Verfahrens ist eine FolgenabschĂ€tzung in Vorbereitung. In diesem Zusammenhang kann die interessierte Öffentlichkeit bis zum 27. Februar 2020 Feedback zur Initiative der EU-Kommission geben.

Zwischenbericht ĂŒber das Monitoring der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans Wirtschaft und Menschenrechte veröffentlicht

Im Juli wurde der erste Zwischenbericht ĂŒber das Monitoring des Nationalen Aktionsplans zur Umsetzung der Leitprinzipien der Vereinten Nationen fĂŒr Wirtschaft und Menschenrechte (2016-2020) („NAP“) durch das AuswĂ€rtige Amt veröffentlicht. Dieser deutet auf einen derzeit stark unterschiedlichen Umfang und eine heterogene QualitĂ€t der Berichterstattung ĂŒber die Achtung der Menschenrechte hin. Als wesentliche GrĂŒnde wurde der Mangel an konkreten Vorgaben zur Berichterstattung und das Spannungsfeld zwischen der Erwartungshaltung einer transparaten Berichterstattung zum Thema Menschenrechte und den sich dadurch ggf. ergebenden potenziell negativen Reaktionen der Abschlussadressaten genannt.

Der Nationale Aktionsplan zur Umsetzung der Leitprinzipien der Vereinten Nationen fĂŒr Wirtschaft und Menschenrechte (2016-2020) („NAP“) wurde im Dezember 2016 verabschiedet. In ihm sind die Erwartungen der Bundesregierung an die unternehmerische Sorgfalt von Unternehmen – unabhĂ€ngig von GrĂ¶ĂŸe oder Branche – hinsichtlich der Achtung der Menschenrechte festgehalten. Eines der fĂŒnf Kernelemente des NAP ist die Berichterstattung ĂŒber die Auswirkungen der GeschĂ€ftstĂ€tigkeit auf die Menschenrechte. Daneben umfasst der NAP die Einrichtung von Verfahrung zur Identifikation von Risiken fĂŒr Menschenrechtsverletzungen in der Wertschöpfungskette, die Ergreifung von Maßnahmen zur Vermeidung von negativen Auswirkungen der GeschĂ€ftstĂ€tigkeit auf die Menschenrechte und die DurchfĂŒhrung von Wirksamkeitskontrollen, eine von den Unternehmen abzugebende GrundsatzerklĂ€rung sowie die Einrichtung von Beschwerdemechanismen.

Im Rahmen eines Monitoringprozesses wird ĂŒberprĂŒft, inwieweit die Unternehmen den NAP bislang freiwillig umgesetzt haben. In einem ersten Schritt wurden in der sog. explorativen Phase mittels Unternehmensinterviews und StakeholdergesprĂ€chen wesentliche Herausforderungen und AktivitĂ€ten erhoben, die in Verbindung mit den Anforderungen des NAP sowie den Leitprinzipien der Vereinten Nationen zur Erstellung eines Fragebogens verwendet werden. Der nun vorliegende erste Zwischenbericht stellt die Erfahrungen aus der explorativen Phase des NAP-Monitorings dar und enthĂ€lt das vorgesehene Bewertungssystem sowie den Fragebogen fĂŒr die detailliertere Erhebungsphase. Anhand dieses Fragebogens sollen in 2019 und 2020 reprĂ€sentative Erhebungen durchgefĂŒhrt werden, um den Umsetzungsstand des NAP zu ermitteln. Durch das Monitoring soll festgestellt werden, ob im Jahr 2020 mindestens die HĂ€lfte der Unternehmen mit mehr als 500 BeschĂ€ftigten die Kernelemente des NAP in ihre Prozesse integriert haben. Sollten im Rahmen der Auswertung Defizite in der freiwilligen Umsetzung des NAP festgestellt werden, ist mit weitergehenden regulatorischen Maßnahmen zu rechnen. In verschiedenen anderen LĂ€ndern (bspw. Frankreich, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich) gibt es bereits weitergehende nationale Gesetzgebung.

Die Versendung der Fragebögen fĂŒr die Erhebungsphase 2019 soll in den kommenden Wochen erfolgen. Das Thema Menschenrechte und Sorgfaltspflichten in der Lieferkette kann zum einen fĂŒr die nichtfinanzielle Berichterstattung i.S.d. §§ 315b f. und 289b ff. HGB relevant sein. Zum anderen gewinnt das Thema verstĂ€rkt an öffentlicher Aufmerksamkeit, wie die Diskussion ĂŒber einen Entwurf des BMZ fĂŒr weitergehende Gesetzgebung zu den Sorgfaltspflichten von Unternehmen in der Wertschöpfungskette zeigte, der im FrĂŒhjahr durch die Medien kursierte. DarĂŒber hinaus gibt es zahlreiche inhaltliche Überschneidung zwischen den Menschenrechten und den Sustainable Development Goals (SDGs), welche im Zentrum der Agenda 2030 fĂŒr nachhaltige Entwicklung stehen. Zugunsten einer aussagekrĂ€ftigen Auswertung der Umsetzung des NAP ist eine hohe RĂŒcklaufquote und damit eine aktive Teilnahme der befragten Unternehmen wĂŒnschenswert.

EuropĂ€ische Kommission veröffentlicht Beilage ĂŒber klimabezogene Angaben zu den unverbindlichen Leitlinien fĂŒr die nichtfinanzielle Berichterstattung

Die EuropĂ€ische Kommission hat am 18. Juni 2019 die ErgĂ€nzung der unverbindlichen Leitlinien fĂŒr die nichtfinanzielle Berichterstattung im Sinne der CSR-Richtlinie um klimabezogene Angaben veröffentlicht. Über die geplante Erweiterung der Leitlinien und deren Entwurf habe ich bereits im MĂ€rz berichtet. Zu dem Entwurf gingen 114 Stellungnahmen ein, die von der EuropĂ€ischen Kommission bei der Fertigstellung der ErgĂ€nzung berĂŒcksichtigt wurden. Die unverbindlichen Leitlinien wurden ursprĂŒnglich im Rahmen der Umsetzung der CSR-Richtlinie herausgegeben, um Unternehmen Möglichkeiten fĂŒr eine umfassende, verlĂ€ssliche und vergleichbare nichtfinanzielle Berichterstattung aufzuzeigen. Im Rahmen des Aktionsplans zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums ist die EuropĂ€ische Kommission bestrebt, die Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen weiter zu verbessern. Dazu wurden die Leitlinien unter BerĂŒcksichtigung des Berichts der Technical Expert Group on Sustainable Finance durch eine Beilage zu klimabezogenen Angaben erweitert. Die bisherigen Leitlinien bleiben daneben unverĂ€ndert bestehen.

Die EuropĂ€ische Kommission betont damit die hohe Bedeutung, die sie der Reduzierung der Treibhausgasemissionen sowie der Förderung von erneuerbaren Energien sowie Energieeffizienz im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen sowie der mittel- und langfristigen Strategie der EuropĂ€ischen Union beimisst. Inhaltlich greift die Kommission die Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures („TCFD“) auf, die sich vorrangig auf Angaben zu den finanziellen Auswirkungen des Klimas auf das Unternehmen beziehen. Diese Empfehlungen werden vonseiten der Kommission als eine Verbesserung der bisherigen Praxis der Klimaberichterstattung gesehen und entsprechend gefördert. Die ErgĂ€nzung der Leitlinien um klimabezogene Angaben soll gleichermaßen im Einklang mit den Empfehlungen der TCFD und den Anforderungen der CSR-Richtlinie stehen. Dieser Einklang wird in Anhang II der ĂŒberarbeiteten Leitlinien veranschaulicht.

Inhaltlich fĂŒhrt diese Zielsetzung u.a. dazu, dass die EuropĂ€ische Kommission neben umfangreichen Angaben zu klimabezogenen Risiken auch Angaben zu klimabezogenen Chancen in die unverbindlichen Leitlinien aufgenommen hat. FĂŒr die Identifikation von wesentlichen klimabezogenen Angaben (insbesondere Risiken) betont die Kommission die Bedeutung der beiden Perspektiven der CSR-Richtlinie. D.h. zu berĂŒcksichtigen sind sowohl die Auswirkungen des Klimas auf die GeschĂ€ftsentwicklung, das GeschĂ€ftsergebnis, die Lage des Unternehmens als auch die Auswirkungen der GeschĂ€ftstĂ€tigkeit des Unternehmens (inkl. dessen Lieferkette und Produkte) auf das Klima. So sollten die von der Leitlinie geforderten Angaben bereits erfolgen, wenn das Klima aus einer der beiden Perspektiven als wesentlich eingeschĂ€tzt werden. Dieser Ansatz erweitert insofern die Empfehlungen der TCFD und geht ĂŒber die bisherige Auslegung der CSR-Richtlinie durch den deutschen Gesetzgeber und den DRS 20 hinaus, wonach Informationen wesentlich sind, wenn beide Kriterien zugleich erfĂŒllt sind (vgl. DRS 20.261). Ferner empfiehlt die Kommission fĂŒr klimabezogene Themen einen lĂ€ngeren Zeithorizont zu untersuchen als fĂŒr die finanzielle Berichterstattung. DarĂŒber hinaus enthalten die Leitlinien eine Reihe von empfohlenen Leistungsindikatoren und umfangreiche spezifische Angaben fĂŒr Institute und Versicherungsunternehmen.

Die ErgĂ€nzung der Leitlinien um klimabezogene Angaben sind wie die Leitlinien selbst weiterhin unverbindlich, d.h. aus diesen AusfĂŒhrungen können keine Angabepflichten abgeleitet werden. Allerdings verdeutlicht die umfangreiche ErgĂ€nzung der Leitlinien die Erwartungshaltung der EuropĂ€ischen Kommission an die nichtfinanzielle, klimabezogene Berichterstattung von großen, kapitalmarktorientierten Unternehmen. Entsprechend könnten die Empfehlungen maßgeblich im Rahmen der Nachschau der Umsetzung der CSR-Richtlinie in den Mitgliedstaaten durch die EuropĂ€ische Kommission BerĂŒcksichtigung finden und sich entsprechend auf die darauf aufbauende mögliche Überarbeitung der CSR-Richtlinie auswirken. Vor diesem Hintergrund empfiehlt sich eine frĂŒhzeitige Auseinandersetzung mit der klimabezogenen Berichterstattung und deren Anforderungen an das interne Risikomanagementsystem und die internen Berichtsprozesse.

EuropĂ€ische Kommission stellt Vorschlag zur ErgĂ€nzung der Leitlinien fĂŒr die nichtfinanzielle Berichterstattung um klimabezogene Angaben vor

Als Teil ihres Aktionsplans zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums ĂŒberarbeitet die EuropĂ€ische Kommission die Leitlinien fĂŒr die Berichterstattung ĂŒber nichtfinanzielle Informationen im Sinne der CSR-Richtlinie um klimabezogene Angaben. Durch die Erweiterung der unverbindlichen Leitlinien aus 2017 sollen insbesondere Möglichkeiten fĂŒr eine Berichterstattung zum Thema Klima und Klimawandel aufgezeigt werden, die im Einklang mit den Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures („TCFD“) und dem derzeit entwickelten EU-Klassifikationssystems („Taxonomie“) fĂŒr nachhaltige TĂ€tigkeiten stehen. Die TCFD wurden vom FinanzstabilitĂ€tsrat der G20 Staaten ins Leben gerufen.

Der Vorschlag fĂŒr eine entsprechende ErgĂ€nzung der unverbindlichen Leitlinien enthĂ€lt eine Reihe von Empfehlungen aus dem Bericht der TCFD. So enthĂ€lt der Entwurf bspw. die Empfehlung, die WiderstandsfĂ€higkeit des berichtenden Unternehmens gegen den Klimawandel anhand von verschiedenen Klimaszenarien zu beschreiben. Auch nennt der Entwurf eine Reihe von bedeutsamsten Leistungsindikatoren, die von Unternehmen angegeben werden sollten, darunter unterschiedliche Angaben zu Treibhausgasemissionen. Ferner enthĂ€lt der Entwurf detaillierte AusfĂŒhrungen zu den verschiedenen Risikoarten, die sich aus dem Klimawandel kurz-, mittel- und langfristig fĂŒr Unternehmen ergeben können, und welche Angaben in diesem Zusammenhang in Betracht kommen können. FĂŒr Institute und Versicherungen nennt die EU-Kommission zusĂ€tzlich umfassende spezifische Empfehlungen. Abschließend illustriert die EU-Kommission, wie die weitreichenden VorschlĂ€ge fĂŒr klimabezogene Angaben in die Berichtspflichten der CSR-Richtlinie integriert werden können.

Basierend auf dem deutschen Umsetzungsgesetz der CSR-Richtlinie und den praktischen Erfahrungen aus den ersten Berichtsperioden ist zu beobachten, dass die Empfehlungen sowohl ĂŒber die gesetzlichen Mindestvorgaben als auch die bisherige Berichtspraxis mitunter deutlich hinausgehen. Die EU-Kommission nutzt die Empfehlungen der TCFD um Unternehmen „best practices“ bezĂŒglich der klimabezogenen Berichterstattung an die Hand zu geben. Mitunter scheint die EU-Kommission im vorliegenden Entwurf allerdings auch Angaben vorzuschlagen, die nicht unmittelbar mit der CSR-Richtlinie vereinbar scheinen. So wird die Wesentlichkeitsbeurteilung nicht durchgĂ€ngig konsistent zur Richtlinie beschrieben, wonach die Wesentlichkeit anhand der Bedeutung von Angaben fĂŒr das VerstĂ€ndnis des GeschĂ€ftsverlaufs, des GeschĂ€ftsergebnisses, der Lage des Unternehmens sowie der Auswirkungen seiner TĂ€tigkeiten zu beurteilen ist. Nach dem Vorschlag zur ErgĂ€nzung der Leitlinien können mitunter auch Angaben, die nur eine der beiden Perspektiven genĂŒgen, wesentlich sein. Auch empfiehlt die EU-Kommission im Einklang mit der TCFD eine Berichterstattung ĂŒber klimabezogene Chancen, die nach der CSR-Richtlinie jedoch unbeachtet bleiben. Die Veröffentlichung der finalen Erweiterung der unverbindlichen Leitlinien ist fĂŒr Juni 2019 vorgesehen.

Wenngleich die Leitlinien weiterhin unverbindlich bleiben, ist zu vermuten, dass deren Erweiterung um klimabezogene Inhalte ein Indikator fĂŒr die Erwartungshaltung der EU-Kommission an die Berichterstattung, insbesondere von Unternehmen im Anwendungsbereich der CSR-Richtlinie, d.h. große kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie große Institute und Versicherungen mit ĂŒber 500 Arbeitnehmer, darstellt. Mit den umfassenden Empfehlungen fĂŒr die klimabezogene Unternehmensberichterstattung verfolgt die Kommission weiter ihren Aktionsplan und ihre langfristige Vision einer klimaneutralen Wirtschaft bis 2050.

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