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European Corporate Reporting Lab@EFRAG: Bericht zur Verbesserung der klimabezogenen Berichterstattung

Im Rahmen des Aktionsplans der EU zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums wurde durch die EFRAG ein Corporate Reporting Lab ins Leben gerufen. Die Arbeitsgruppe fĂŒr klimabezogene Berichterstattung (Project Task Force on Climate-related Reporting – PTF-CRR) veröffentlichte gestern einen ersten umfangreichen Bericht mit dem Titel „How to improve climate-related reporting – A summary of good practices from Europe and beyond“.

Der Bericht enthĂ€lt eine umfangreiche Bestandsaufnahme zu best practice-Beispielen klimabezogener Berichterstattung sowie zur Verwendung von Klimaszenarioanalysen mit einem Fokus auf der europĂ€ischen Berichterstattungspraxis. Auf Basis der erhobenen Informationen und eines umfangreichen Stakeholderdialogs entwickelt die PTF-CRR Empfehlungen zur Steigerung der QualitĂ€t der klimabezogenen Berichterstattung und weist auf grundlegende Fehler hin, die vermieden werden sollten. Dazu werden in zwei Beilagen die Praxisbeispiele dargestellt und analysiert. Neben der Bedeutung eines solchen Beitrags fĂŒr die berichtenden Unternehmen ist zu erwarten, dass die Ergebnisse der PTF-CRR in Verbindung mit dem Nachtrag zur klimabezogenen Berichterstattung zu den unverbindlichen Leitlinien der EuropĂ€ischen Kommission auch in die Überarbeitung der CSR-Richtlinie einfließen werden. Über die bevorstehende Überarbeitung habe ich bereits zu Beginn der Woche an dieser Stelle berichtet.

Die Arbeitsgruppe stellt grundsĂ€tzlich eine kontinuierliche Verbesserung der Klimaberichterstattung in verschiedenen Bereichen fest. Gleichzeitig zeigt sich, dass es kaum Unternehmen bislang gelingt, das gesamte Spektrum der Klimaberichterstattung gleichermaßen fundiert in ihrer Berichterstattung umzusetzen. Die klimabezogene Berichterstattung stellt die Unternehmen weiterhin vor wesentliche Herausforderungen, um den stetig wachsenden InformationsbedĂŒrfnissen der Adressaten gerecht zu werden, dies gilt insbesondere fĂŒr die Nutzung von Szenarioanalysen.

EuropĂ€ische Kommission veröffentlicht Beilage ĂŒber klimabezogene Angaben zu den unverbindlichen Leitlinien fĂŒr die nichtfinanzielle Berichterstattung

Die EuropĂ€ische Kommission hat am 18. Juni 2019 die ErgĂ€nzung der unverbindlichen Leitlinien fĂŒr die nichtfinanzielle Berichterstattung im Sinne der CSR-Richtlinie um klimabezogene Angaben veröffentlicht. Über die geplante Erweiterung der Leitlinien und deren Entwurf habe ich bereits im MĂ€rz berichtet. Zu dem Entwurf gingen 114 Stellungnahmen ein, die von der EuropĂ€ischen Kommission bei der Fertigstellung der ErgĂ€nzung berĂŒcksichtigt wurden. Die unverbindlichen Leitlinien wurden ursprĂŒnglich im Rahmen der Umsetzung der CSR-Richtlinie herausgegeben, um Unternehmen Möglichkeiten fĂŒr eine umfassende, verlĂ€ssliche und vergleichbare nichtfinanzielle Berichterstattung aufzuzeigen. Im Rahmen des Aktionsplans zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums ist die EuropĂ€ische Kommission bestrebt, die Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen weiter zu verbessern. Dazu wurden die Leitlinien unter BerĂŒcksichtigung des Berichts der Technical Expert Group on Sustainable Finance durch eine Beilage zu klimabezogenen Angaben erweitert. Die bisherigen Leitlinien bleiben daneben unverĂ€ndert bestehen.

Die EuropĂ€ische Kommission betont damit die hohe Bedeutung, die sie der Reduzierung der Treibhausgasemissionen sowie der Förderung von erneuerbaren Energien sowie Energieeffizienz im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen sowie der mittel- und langfristigen Strategie der EuropĂ€ischen Union beimisst. Inhaltlich greift die Kommission die Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures („TCFD“) auf, die sich vorrangig auf Angaben zu den finanziellen Auswirkungen des Klimas auf das Unternehmen beziehen. Diese Empfehlungen werden vonseiten der Kommission als eine Verbesserung der bisherigen Praxis der Klimaberichterstattung gesehen und entsprechend gefördert. Die ErgĂ€nzung der Leitlinien um klimabezogene Angaben soll gleichermaßen im Einklang mit den Empfehlungen der TCFD und den Anforderungen der CSR-Richtlinie stehen. Dieser Einklang wird in Anhang II der ĂŒberarbeiteten Leitlinien veranschaulicht.

Inhaltlich fĂŒhrt diese Zielsetzung u.a. dazu, dass die EuropĂ€ische Kommission neben umfangreichen Angaben zu klimabezogenen Risiken auch Angaben zu klimabezogenen Chancen in die unverbindlichen Leitlinien aufgenommen hat. FĂŒr die Identifikation von wesentlichen klimabezogenen Angaben (insbesondere Risiken) betont die Kommission die Bedeutung der beiden Perspektiven der CSR-Richtlinie. D.h. zu berĂŒcksichtigen sind sowohl die Auswirkungen des Klimas auf die GeschĂ€ftsentwicklung, das GeschĂ€ftsergebnis, die Lage des Unternehmens als auch die Auswirkungen der GeschĂ€ftstĂ€tigkeit des Unternehmens (inkl. dessen Lieferkette und Produkte) auf das Klima. So sollten die von der Leitlinie geforderten Angaben bereits erfolgen, wenn das Klima aus einer der beiden Perspektiven als wesentlich eingeschĂ€tzt werden. Dieser Ansatz erweitert insofern die Empfehlungen der TCFD und geht ĂŒber die bisherige Auslegung der CSR-Richtlinie durch den deutschen Gesetzgeber und den DRS 20 hinaus, wonach Informationen wesentlich sind, wenn beide Kriterien zugleich erfĂŒllt sind (vgl. DRS 20.261). Ferner empfiehlt die Kommission fĂŒr klimabezogene Themen einen lĂ€ngeren Zeithorizont zu untersuchen als fĂŒr die finanzielle Berichterstattung. DarĂŒber hinaus enthalten die Leitlinien eine Reihe von empfohlenen Leistungsindikatoren und umfangreiche spezifische Angaben fĂŒr Institute und Versicherungsunternehmen.

Die ErgĂ€nzung der Leitlinien um klimabezogene Angaben sind wie die Leitlinien selbst weiterhin unverbindlich, d.h. aus diesen AusfĂŒhrungen können keine Angabepflichten abgeleitet werden. Allerdings verdeutlicht die umfangreiche ErgĂ€nzung der Leitlinien die Erwartungshaltung der EuropĂ€ischen Kommission an die nichtfinanzielle, klimabezogene Berichterstattung von großen, kapitalmarktorientierten Unternehmen. Entsprechend könnten die Empfehlungen maßgeblich im Rahmen der Nachschau der Umsetzung der CSR-Richtlinie in den Mitgliedstaaten durch die EuropĂ€ische Kommission BerĂŒcksichtigung finden und sich entsprechend auf die darauf aufbauende mögliche Überarbeitung der CSR-Richtlinie auswirken. Vor diesem Hintergrund empfiehlt sich eine frĂŒhzeitige Auseinandersetzung mit der klimabezogenen Berichterstattung und deren Anforderungen an das interne Risikomanagementsystem und die internen Berichtsprozesse.

EuropĂ€ische Kommission stellt Vorschlag zur ErgĂ€nzung der Leitlinien fĂŒr die nichtfinanzielle Berichterstattung um klimabezogene Angaben vor

Als Teil ihres Aktionsplans zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums ĂŒberarbeitet die EuropĂ€ische Kommission die Leitlinien fĂŒr die Berichterstattung ĂŒber nichtfinanzielle Informationen im Sinne der CSR-Richtlinie um klimabezogene Angaben. Durch die Erweiterung der unverbindlichen Leitlinien aus 2017 sollen insbesondere Möglichkeiten fĂŒr eine Berichterstattung zum Thema Klima und Klimawandel aufgezeigt werden, die im Einklang mit den Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures („TCFD“) und dem derzeit entwickelten EU-Klassifikationssystems („Taxonomie“) fĂŒr nachhaltige TĂ€tigkeiten stehen. Die TCFD wurden vom FinanzstabilitĂ€tsrat der G20 Staaten ins Leben gerufen.

Der Vorschlag fĂŒr eine entsprechende ErgĂ€nzung der unverbindlichen Leitlinien enthĂ€lt eine Reihe von Empfehlungen aus dem Bericht der TCFD. So enthĂ€lt der Entwurf bspw. die Empfehlung, die WiderstandsfĂ€higkeit des berichtenden Unternehmens gegen den Klimawandel anhand von verschiedenen Klimaszenarien zu beschreiben. Auch nennt der Entwurf eine Reihe von bedeutsamsten Leistungsindikatoren, die von Unternehmen angegeben werden sollten, darunter unterschiedliche Angaben zu Treibhausgasemissionen. Ferner enthĂ€lt der Entwurf detaillierte AusfĂŒhrungen zu den verschiedenen Risikoarten, die sich aus dem Klimawandel kurz-, mittel- und langfristig fĂŒr Unternehmen ergeben können, und welche Angaben in diesem Zusammenhang in Betracht kommen können. FĂŒr Institute und Versicherungen nennt die EU-Kommission zusĂ€tzlich umfassende spezifische Empfehlungen. Abschließend illustriert die EU-Kommission, wie die weitreichenden VorschlĂ€ge fĂŒr klimabezogene Angaben in die Berichtspflichten der CSR-Richtlinie integriert werden können.

Basierend auf dem deutschen Umsetzungsgesetz der CSR-Richtlinie und den praktischen Erfahrungen aus den ersten Berichtsperioden ist zu beobachten, dass die Empfehlungen sowohl ĂŒber die gesetzlichen Mindestvorgaben als auch die bisherige Berichtspraxis mitunter deutlich hinausgehen. Die EU-Kommission nutzt die Empfehlungen der TCFD um Unternehmen „best practices“ bezĂŒglich der klimabezogenen Berichterstattung an die Hand zu geben. Mitunter scheint die EU-Kommission im vorliegenden Entwurf allerdings auch Angaben vorzuschlagen, die nicht unmittelbar mit der CSR-Richtlinie vereinbar scheinen. So wird die Wesentlichkeitsbeurteilung nicht durchgĂ€ngig konsistent zur Richtlinie beschrieben, wonach die Wesentlichkeit anhand der Bedeutung von Angaben fĂŒr das VerstĂ€ndnis des GeschĂ€ftsverlaufs, des GeschĂ€ftsergebnisses, der Lage des Unternehmens sowie der Auswirkungen seiner TĂ€tigkeiten zu beurteilen ist. Nach dem Vorschlag zur ErgĂ€nzung der Leitlinien können mitunter auch Angaben, die nur eine der beiden Perspektiven genĂŒgen, wesentlich sein. Auch empfiehlt die EU-Kommission im Einklang mit der TCFD eine Berichterstattung ĂŒber klimabezogene Chancen, die nach der CSR-Richtlinie jedoch unbeachtet bleiben. Die Veröffentlichung der finalen Erweiterung der unverbindlichen Leitlinien ist fĂŒr Juni 2019 vorgesehen.

Wenngleich die Leitlinien weiterhin unverbindlich bleiben, ist zu vermuten, dass deren Erweiterung um klimabezogene Inhalte ein Indikator fĂŒr die Erwartungshaltung der EU-Kommission an die Berichterstattung, insbesondere von Unternehmen im Anwendungsbereich der CSR-Richtlinie, d.h. große kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie große Institute und Versicherungen mit ĂŒber 500 Arbeitnehmer, darstellt. Mit den umfassenden Empfehlungen fĂŒr die klimabezogene Unternehmensberichterstattung verfolgt die Kommission weiter ihren Aktionsplan und ihre langfristige Vision einer klimaneutralen Wirtschaft bis 2050.

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