Accounting FS Blog

EZB Guidance zu IFRS 9 und Veröffentlichung von makroökonomischen Szenarien

Die EZB hat sich mit ergänzender Guidance im Zusammenhang mit der Schätzung von Expected Credit Losses während der COVID-19 Pandemie geäußert. Diese ist – ähnlich wie die Verlautbarungen anderer Gremien wie ESMA, EBA, IASB – auf die Vermeidung von zu stark prozyklisch wirkender Annahmen gerichtet und geht u.a. auf die

  1. Anwendung der Regelungen zur Beurteilung eines SICR auf Gruppenebene (the collective assessment of the significant increase in credit risk (SICR));
  2. Verwendung von langfristigen makroökonomischen Forecasts (the use of long-term macroeconomic forecasts); und
  3. Verwendung von makroökonomischen Forecasts für bestimmte Jahre (the use of macroeconomic forecasts for specific years) ein.

Die EZB weist darauf hin, dass die Institute ihre eigenen Annahmen und Entscheidungen über die Höhe des erforderlichen IFRS-9-ECL treffen. Sie geht gleichwohl davon aus, dass die Guidance angesichts der erhöhten Unsicherheit und der begrenzten Verfügbarkeit von reasonable & supportable forward-looking Informationen über die Auswirkungen von COVID-19 dabei – auch bereits in Q1 2020 – Berücksichtigung findet.

Darüber hinaus hat die EZB auf ihrer Website makroökonomische Szenarien veröffentlicht: https://www.ecb.europa.eu/pub/projections/html/index.en.html

IASB äußert sich zur ECL-Ermittlung im Zusammenhang mit COVID-19

und ermuntert Bilanzierende die diesbezüglichen Leitlinien der Regulatoren zu berücksichtigen.

Ergänzend zu den Veröffentlichungen verschiedener Regulatoren (wir haben berichtet) hat sich das IASB zur Ermittlung der Risikovorsore nach IFRS 9 im Zusammenhang mit COVID-19 geäußert. Das IASB weist u.a. darauf hin, dass IFRS 9

  • keine ‚bright lines‘ und kein mechanistisches Vorgehen zur Bestimmung ob ein Lifetime ECL zu bilanzieren ist, vorgibt
  • Ermessensentscheidungen erfordert und eine Anpassung der Vorgehensweise zur ECL-Ermittlung gleichermaßen erfordert und erlaubt, wenn geänderte Umstände vorherrschen (z.B. wenn mehrere Annahmen und Zusammenhänge, die bei der IFRS 9-Einführung galten aktuell nichtmehr zutreffend sind)
  • Vorsieht, die Veränderung des Ausfallrisikos (SICR) bezogen auf die erwartete Laufzeit des Finanzinstruments zu beurteilen.

Bilanzierende müssen Schätzungen auf Grundlage der besten verfügbaren Informationen über die Vergangenheit sowie aktuelle und zukünftige Bedingungen vornehmen. Bei der Einschätzung künftiger Rahmenbedingungen sollen sowohl die COVID-19 Auswirkungen als auch die Stützungsmaßnahmen der Regierungen Berücksichtigung finden.

Veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen sollten in den makroökonomischen Szenarien und deren Gewichtung reflektiert werden. Sofern eine Berücksichtigung der COVID-19 Effekte in den Modellen nicht möglich ist, sind ‚post model overlays or adjustments‘ zu erwägen.

Angesichts der relativ hohen Unsicherheit im Rahmen der ECL-Schätzung kommt der Berichterstattung eine wichtige Bedeutung zur Schaffung von Transparenz zu.

Das IASB ermuntert Bilanzierende die in diesem Zusammenhang durch die Regulatoren veröffentlichten Leitlinien zu berücksichtigen.

Den IASB Beitrag können Sie hier einsehen: IFRS 9 ECL and Covid-19

EBA gibt Erklärung zur Anwendung des aufsichtsrechtlichen Rahmenwerkes im Zusammenhang mit COVID-19 Maßnahmen ab

Mit der Erklärung beabsichtigt die EBA zu einer konsistenten Anwendung der Regularien zur Default-Definition, Forbearance und IFRS 9 in der EU beizutragen und ruft zur Nutzung der vollen Flexibilität dieser Regularien auf. 

Nach Auffassung der EBA führen Moratorien, die nicht schuldnerspezifisch, sondern breiter angelegt sind, nicht automatisch zu einer Klassifizierung als forborne bzw. defaulted und nicht notwendigerweise zu einem Stufentransfer im IFRS 9 ECL-Modell.

Es wird betont, dass bei der Beurteilung ob ein signifikanter Anstieg des Ausfallrisikos vorliegt, 

  • die gesamte Laufzeit des Finanzinstruments, 
  • der erwartete Verlauf des Schocks und 
  • die Frage, ob die Kreditwürdigkeit des Schuldners auf lange Sicht durch diese Krise nicht wesentlich beeinträchtigt wird

zu betrachten sind. Zudem gilt es sorgfältig abzuwägen, welche Informationen aktuell als „resonable & supportable“ einzuwerten sind.  

Die Erklärung der EBA finden Sie unter folgendem Link:

EBA – Statement on the application of the prudential framework regarding Default, Forbearance and IFRS9 in light of COVID-19 measures

BFA-Hinweis zu Wertminderungen von Finanzinstrumenten nach IFRS 9 im Quartalsabschluss von Banken zum 31.03.2020

Der IDW Bankenfachausschuss (BFA) hat den unter Mitwirkung des IDW Arbeitskreises Finanzinstrumente nach IFRS erarbeiteten fachlichen Hinweis zu den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf Wertminderungen von Finanzinstrumenten nach IFRS 9 im Quartalsabschluss von Banken zum 31.03.2020 verabschiedet und veröffentlicht.

Der BFA unterstützt die von der ESMA im Rahmen des Public Statements „Accounting implications of the COVID19 outbreak on the calculation of expected credit losses in accordance with IFRS 9” veröffentlichten Auffassungen. 

Wesentliche Aussagen sind: 

  • Staatliche Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft sollen bei der Beurteilung eines signifikanten Anstiegs des Kreditrisikos berücksichtigt werden und sollten nicht bereits alleine dazu führen, dass ein Stufentransfer vorgenommen wird. 
  • Im Falle eines Zahlungsverzugs von größer 30 Tagen ist sorgfältig zu prüfen, ob die Vermutung eines signifikanten Anstiegs des Kreditrisikos widerlegt werden kann.
  • Bei Gewährung eines Zugeständnisses in Folge der Corona-Pandemie ist unter Berücksichtigung aller Fakten und Umstände zu würdigen, ob es sich um eine signifikante Erhöhung des Kreditrisikos handelt oder nur ein temporärer Liquiditätsengpass vorliegt. Im letzteren Fall ist kein Stufentransfer vorzunehmen.
  • Auf langfristige stabile Szenarien soll ein höheres Gewicht gelegt werden und somit kurzfristige Entwicklungen nicht übergewichtet werden.  
  • Öffentliche Garantien: Der Wert von Sicherheiten oder das Schlagendwerden einer Garantie haben keine Auswirkung auf die signifikante Erhöhung des Kreditausfallrisikos. Öffentliche Garantien sind grundsätzlich im Rahmen der Bemessung der erwarteten Verluste zu berücksichtigen. Die konkreten bilanziellen Folgen hängen allerdings von der genauen Ausgestaltung der öffentlichen Garantien ab.
  • Vertragsmodifikationen: Es ist sorgfältig zu analysieren, ob die staatlichen Stabilisierungsmaßnahmen zu einer Modifikation eines Finanzinstruments führen mit der Folge, dass dieses – sofern substanziell – auszubuchen und als neues Finanzinstrument wieder angesetzt werden müsste.

Den fachlichen Hinweis des BFA finden Sie unter folgendem Link: https://www.idw.de/idw/idw-aktuell/auswirkungen-der-coronavirus-pandemie-auf-wertminderungenvon-finanzinstrumenten-nach-ifrs-9-im-quartalsabschluss-von-banken-zum-31-03-2020–fachlicher-hinweis-des-idw-/122896

Die Veröffentlichung der ESMA vom 25. März 2020 erreichen Sie hier: https://www.esma.europa.eu/press-news/esma-news/esma-issues-guidance-accounting-implications-covid-19

 

Ihre Ansprechpartner:

Judith Gehrer
Tel: +49 175 5860054
judith.gehrer@pwc.com

Joachim Krakuhn
Tel: +49 175 9368663
joachim.krakuhn@pwc.com

Peter Schüz
Tel: +49 151 14261208
peter.schuez@pwc.com

 

Auswirkungen von COVID-19 auf Bilanzierung und Berichterstattung

Die COVID-19 Pandemie stellt Unternehmen vor weitreichende Herausforderungen. Für Banken ergeben sich auch wesentliche Auswirkungen auf die Bilanzierung und Berichterstattung.

Im folgenden Beitrag „PwC’s Banking Spotlight“ haben wir die Top 5 Bilanzierungsthemen für Banken beleuchtet:

  • Risikovorsorge-Ermittlung
  • Identifikation eines „significant increase in credit risk“ (SICR)
  • Modifikationen und Forbearance
  • Berichterstattung
  • Stützungsmaßnahmen der Regierung

Sprechen Sie uns an. Gerne erörtern wir die Implikationen für Ihr Haus mit Ihnen.

Ihre Ansprechpartner:

Judith Gehrer
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Die neuen Regelungen des IDW RS BFA 7

Am 8. Februar 2020 hat der Bankenfachausschuss (BFA) des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) die finale Fassung des IDW RS BFA 7 veröffentlicht (BFA 7). Dieser konkretisiert das Vorgehen zur Ermittlung einer Risikovorsorge für vorhersehbare, noch nicht individuell konkretisierte Adressenausfallrisiken im Kreditgeschäft (Pauschalwertberichtigung) im handelsrechtlichen Jahresabschluss von Kreditinstituten. Für die Bilanzierenden stellen sich in diesem Kontext u.a. die nachfolgend aufgeführten Fragen:

  • Wer hat die neuen Regelungen des BFA 7 zu berücksichtigen und ab wann sind sie anzuwenden?

Relevant sind die Vorgaben in erster Linie für Kreditinstitute, die unter die Definitionen des § 1 KWG fallen. Erstmalig anzuwenden ist BFA 7 für Geschäftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2021 beginnen und damit, bei Identität von Kalenderjahr und Geschäftsjahr, erstmalig im FinRep-Reporting zum 31. März 2022. Eine vorzeitige Anwendung ist zulässig.

  • Wie bestimmen sich sachlicher Anwendungsbereich und Bemessungsgrundlage?

Anzuwenden sind die Regelungen auf die Bilanzposten Forderungen an Kreditinstitute und Kunden (§§ 14, 15 RechKredV). Darüber hinaus fallen auch Eventualverbindlichkeiten und andere Verpflichtungen (§§ 26, 27 RechKredV) in den sachlichen Anwendungsbereich, soweit mit ihrer Inanspruchnahme ernsthaft zu rechnen ist.
Die Bemessungsgrundlage für die Berechnung der Pauschalwertberichtigung ist der handelsrechtliche Buchwert bzw. Verpflichtungsumfang der Geschäfte. Stille oder offene Vorsorgereserven für allgemeine Bankrisiken (i.S.d. §§ 340f und 340g HGB) mindern die Bemessungsgrundlage nicht.

  • Welche Regelungen und Vereinfachungen enthält BFA 7? 

BFA 7 stellt zunächst Grundsätze dar, die bei der Ermittlung der Risikovorsorge zu berücksichtigen sind. Ein zentraler Grundsatz besteht darin, dass die Pauschalwertberichtigung die erwarteten Verluste über die gesamte Restlaufzeit (ELL) der im Anwendungsbereich befindlichen Geschäfte berücksichtigen soll. Zu deren Ermittlung beschreibt BFA 7 keine konkrete Methode, sieht aber vor, dass das Vorgehen nicht hinter die im internen Risikomanagement verwendeten Methoden zurückfallen darf. Daneben werden weitere Grundsätze formuliert. 

Sofern der Bilanzierende aus dem Kreditisikomanagement über eindeutig identifizierbare Bonitätsprämien verfügt, muss er diese – sofern das Anrechnungsverfahren zur Anwendung kommt – dem erwarteten Verlust über die Restlaufzeit gegenüberstellen. Es ist zulässig dies zu tun, wenn die Kreditrisikoprämien zwar nicht in der Steuerung verwendet, aber eindeutig ermittelt werden können.

  • Welche Bewertungsvereinfachungen enthält BFA 7? 

Als Bewertungsvereinfachung dürfen die Bilanzierenden auf Basis der Annahme einer Ausgeglichenheit zwischen Bonitätsprämein und erwartetem Verlust im Zugangszeitpunkt vereinfachend den 12-Monats-Expected Loss (12-M-EL) als Pauschalwertberichtigung berücksichtigen. 

Im Rahmen der Folgebewertung muss geprüft werden, ob diese Annahme immer noch Bestand hat bzw. ist nachzuweisen, dass keine deutliche Risikoerhöhung seit Kreditvergabe eingetreten ist. Ist dies nicht erfüllt, ist das Grundmodell anzuwenden; also eine Schätzung des erwarteten Verlust über die Restlaufzeit (ggf. – sofern die Voraussetzungen erfüllt sind – unter Berücksichtigung der Gegenrechnung von Kreditrisikoprämien). Um dies zu gewährleisten muss eine entsprechende Analyse implement werden. Ebenso muss es dem Bilanzierenden möglich sein, das Grundmodell anzuwenden, da a priori nicht bestimmt werden kann, ob die erforderlichen  Nachweise für die Beibehaltung der Bewertungsvereinfachung immer für den gesamten Bestand gelingen. 

Als weitere Bewertungsvereinfachung darf auch die IFRS-9-Methodik für die Stufen 1 und 2  übernommen und auf die HGB-Bemessungsgrundlage angewendet werden. Diese vom IDW als Vereinfachung bezeichnete Methodik dürfte nur für IFRS-Bilanzierer eine Vereinfachung darstellen, auch wenn sie allen Bilanzierenden zugänglich ist. Insgesamt ergeben sich danach die folgenden Ansätze zur Ermittlung der Pauschalwertberichtigung:

  • Ist es möglich, innerhalb eines Instituts auch verschiedene Verfahren anzuwenden?

Ja, BFA 7 gewährt grundsätzlich Methodenfreiheit. Demzufolge kommen auch unterschiedliche Methoden in Betracht, wenn dies entsprechend begründet werden kann.

  • Welche praktischen Auswirkungen ergeben sich? 

Zunächst gilt es zu entscheiden, ob eine der im BFA 7 genannten Bewertungsvereinfachungen oder ein anderes Verfahren (unter Beachtung des Grundmodells) angewendet werden soll. Relevant ist in diesem Kontext u.a. die Frage, ob verlässlich ermittelbare Bonitätsprämien zur Verfügung gestellt werden können. In diesem Fall kommt die Anwendung des Anrechnungsverfahrens in Betracht. Dieses führt erwartungsgemäß zu einer vergleichsweise geringen Pauschalwertberichtigung, stellt aber auch höhere Prozessanforderungen. Für IFRS-Bilanzierer kann auch die Anwendung der IFRS-9-Methodik im HGB-Abschluss relevant sein, um von ähnlichen  Prozessen zu profitieren und die Risikovorsorge nach HGB und IFRS anzugleichen. 

Insgesamt gilt es die folgenden Aspekte gegeneinander abzuwägen und darauf basierend die Entscheidung für ein Umsetzungsvorgehen zu treffen: Implementierungsaufwand, laufende Prozesskosten, Ergebniseffekte und Auswirkungen auf das (regulatorische) Eigenkapital


Eine detaillierte Darstellung der neuen Vorgaben und deren Implikationen haben wir in unserem Beitrag Pauschalwertberichtigungen für latente Adressenausfallrisiken im handelsrechtlichen Jahresabschluss von Kreditinstituten – Die neuen Regelungen des IDW RS BFA 7 vom März 2020 in der IRZ – Zeitschrift für Internationale Rechnungslegung vorgenommen
(IRZ, Heft 3, 2020).

 

 

IDW veröffentlicht BFA 7 zu Pauschalwertberichtigungen bei Kreditinstituten

Der Bankenfachausschuss (BFA) des Instituts der Wirtschaftsprüfer hat am 8. Februar die IDW Stellungnahme zur Rechnungslegung: „Risikovorsorge für vorhersehbare, noch nicht individuell konkretisierte Adressenausfallrisiken im Kreditgeschäft von Kreditinstituten („Pauschalwertberichtigungen“)“ (IDW RS BFA 7) in der Zeitschrift „IDW Life“ veröffentlicht. 

Gegenüber der im November 2019 als Diskussionsgrundlage veröffentlichten Fassung, gab es keine inhaltlichen Änderungen mehr. Ausführungen zu Anhang und Lagebericht wurden ergänzt. Über die Diskussionsgrundlage hatten wir bereits in unserem FS Accounting Blog vom 27. Januar berichtet („Neues zu IDW RS BFA 7„).

  • Die nun veröffentlichte Stellungnahme sieht vor, dass Pauschalwertberichtigungen zukünftig auf Basis eines Modells zu ermitteln sind, das die erwarteten Verluste für die Restlaufzeit berücksichtigt.
  • Die Gegenrechnung von Bonitätsprämien ist grundsätzlich vorgesehen.
  • Soweit sich Bonitätsprämien und erwartete Verluste ausgleichen, ist keine Pauschalwertberichtigung zu bilden.
  • Zur Ermittlung der erwarteten Verluste über die Restlaufzeit gewährt der BFA 7 dem Bilanzierenden Methodenfreiheit.
  • Die Ermittlung ist auf Einzelgeschäfts- oder Portfoliobasis möglich.
  • Als Bewertungsvereinfachung wird bei Erfüllung bestimmter Bedingungen auch die Verwendung der erwarteten Verluste für die kommenden 12 Monate für zulässig erachtet.
  • Auch die Anwendung der IFRS-Methodik für die Stufen 1 und 2 des IFRS 9-Impairment-Modells ist alternativ möglich.

Zu Einzelheiten vgl auch den Beitrag im Accounting Aktuell Blog.

Regierungsentwurf zu ESEF wurde beschlossen

Umsetzungsgesetz zur Transparenzrichtlinie-Änderungsrichtlinie für ein europäisches einheitliches elektronisches Format (ESEF) für Jahresfinanzberichte

Am 22. Januar 2020 wurde der Regierungsentwurf des Gesetzes zur Umsetzung der Transparenzrichtlinie-Änderungsrichtlinie für ein einheitliches elektronisches Berichtsformat (European Single Electronic Format, ESEF) beschlossen. Danach müssen kapitalmarktorientierte Unternehmen ihre Jahresfinanzberichte in einem einheitlichen elektronischen Format veröffentlichen. Die neuen Formatvorgaben sind erstmals auf Jahres- und Konzernabschlüsse sowie Lage- und Konzernlageberichte anzuwenden, die für das nach dem 31. Dezember 2019 beginnende Geschäftsjahr aufgestellt werden.

Am vorangegangenen Referentenentwurf war insbesondere kritisiert worden, dass es sich durch den Bezug zu ESEF in den sogenannten „Aufstellungsparagraphen“ des HGB bei dem neuen Format nicht um ein reines Offenlegungsformat wie in den anderen EU-Ländern handeln würde. Dieser Bezug, sowie die Pflicht zu einer elektronischen Signatur des Formats, wurden im Regierungsentwurf entfernt.

Der Aufstellungsprozess sowie das Verfahren zur Feststellung des Jahresabschlusses und zur Billigung des Konzernabschlusses bleiben somit unberührt, wie es in der Gesetzesbegründung heißt. Gleichwohl wird zukünftig die Prüfung des Offenlegungsformats durch den Abschlussprüfer im Rahmen der Abschlussprüfung verlangt, der darüber in einem gesonderten Abschnitt des Bestätigungsvermerks berichten muss.

Die berichtenden Unternehmen müssen somit eine ESEF-konforme Offenlegung der Abschlüsse und Lageberichte sicherstellen. Die Offenlegung erfolgt im sogenannten XHTML-Format inklusive einer Auszeichnung („Tagging“) der IFRS-Konzernabschlüsse in der iXBRL-Technologie mithilfe der ESEF-Taxonomie. Diese basiert größtenteils auf der IFRS-Taxonomie und wird analog zu dieser regelmäßig aktualisiert.

Handlungsbedarf

Unternehmen müssen jetzt die ESEF-Taxonomie auf ihre bestehenden Gliederungsstrukturen und Darstellungsformen im Konzernabschluss anwenden. Die fachliche Herausforderung liegt hierbei in der Zuordnung der individuellen IFRS-Abschlusselemente zu den Taxonomie-Elementen, insbesondere wenn diese nicht eindeutig ist. Von der Taxonomie abweichende Bilanzstrukturen, zum Beispiel aufgrund von Bank- oder Versicherungsspezifika, die in der Taxonomie nicht berücksichtigt sind, können dazu führen, dass ein Unternehmen sogenannte Erweiterungen (“Extensions”) zur Taxonomie einführen und eine Verankerung auf ein bestehendes Taxonomie-Element durchführen muss.

Zur Erstellung des elektronischen Formats und zur Unterstützung des Taggings sollte rechtzeitig eine unterstützende Software ausgewählt werden und Auswirkungen auf die bestehenden Berichtsprozesse und erforderliche Anpassungen an Tools, die dafür aktuell im Einsatz sind (z.B. Disclosure Management Tools), analysiert und umgesetzt werden.

Auch die ESMA hat das Thema ESEF in den Prüfungsschwerpunkten für die in 2020 durchzuführenden Prüfungen kommuniziert. Sie erwartet, dass die betroffenen Inlandsemittenten alle notwendigen Schritte unternehmen, um die neuen ESEF-Anforderungen zeitnah zu erfüllen.

Prüfungsrisiken können durch frühzeitiges Probetagging und Qualitätssicherung minimiert werden.

Den Gesetzestext finden Sie auf den Seiten des Bundesministerium für Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) https://www.bmjv.de/SharedDocs/Gesetzgebungsverfahren/DE/Format_Jahresfinanzrichtlinie.html

Neues zu IDW RS BFA 7

Die Ermittlung der Risikovorsorge für vorhersehbare, noch nicht individuell konkretisierte Adressenausfallrisiken im handelsrechtlichen Jahres- und Konzernabschluss von Instituten („Pauschalwertberichtigungen“) wird reformiert. Der bisher anzuwendende IDW St/BFA 1/1990 soll durch den IDW RS BFA 7 ersetzt werden, der für Geschäftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2021 beginnen, anzuwenden sein wird. Eine vorzeitige Anwendung ist zulässig.

Das IDW hatte nach der Veröffentlichung des Entwurfs IDW ERS BFA 7 im Dezember 2018 und den hierzu erfolgten Kommentaren ein gegenüber dem Entwurf angepasstes  Diskussionspapier erstellt und am 5. Dezember 2019 öffentlich in einem Fachgespräch diskutiert. Die Eckpunkte der Diskussionsgrundlage sind im Fachgespräch auf Zustimmung gestoßen. Zwischenzeitlich hat das IDW auf seiner Website den Status “endgültig” für den IDW RS BFA 7 veröffentlicht. Inhalte wurden noch nicht dargestellt. Nach der im Fachgespräch vorgestellten Diskussionsgrundlage kann die  Pauschalwertberichtigung wie folgt ermittelt werden: 

  • Anwendung eines Anrechnungsmodells, in dem Pauschalwertberichtigungen auf Basis der erwarteten Verluste über die Restlaufzeit ermittelt und die vertraglich vereinbarten Bonitätsprämien zur Deckung des Adressenausfallrisikos risikomindernd angerechnet werden dürfen, sofern sie hinreichend verlässlich ermittelt werden können
  • Verwendung des 12-Monats-Expected Loss, sofern eine Ausgeglichenheit zwischen Risikoprämien und Risikoerwartung zum Zeitpunkt der Kreditvergabe besteht und sich das Adressenausfallrisiko zum Stichtag nicht deutlich erhöht hat
  • Anwendung der IFRS-9-Methodik unter Berücksichtigung der HGB-Bemessungsgrundlage.

Während die Übernahme der IFRS-9-Methodik für IFRS Bilanzierer ggf. prozessuale Erleichterungen mit sich bringt und zu einer Annäherung der Risikovorsorge nach HGB an IFRS führt, hat diese gegenüber der Verwendung des 12-Monats-Expected Loss (sofern anwendbar) den Nachteil einer höheren Risikovorsorge. Das Anrechnungsmodell kann demgegenüber zu einer weiteren Reduzierung der Risikovorsorge führen, weil für jedes Geschäft dem erwarteten Verlust über die verbleibende Laufzeit die in den Konditionen antizipierten Risiken in Form der Bonitätsprämie gegenübergestellt werden. Insofern bildet das Anrechnungsmodell die Risiken im Portfolio ökonomisch am besten ab.

Die Diskussionsgrundlage für das Fachgespräch kann auf der Website des IDW unter folgendem Link abgerufen werden: https://www.idw.de/blob/120504/76f99631453ea1892cc95ca719a55bdb/diskussionsgrundlage-fachgespraech-data.pdf

Weihnachtsgrüße

Liebe Leserinnen und Leser,

wir wünschen Ihnen und Ihren Familien ein ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest und für das neue Jahr Gesundheit, Glück und Zufriedenheit.

Wir freuen uns schon, Sie im kommenden Jahr weiterhin über aktuelle Themen im Accounting und in der Finanzfunktion zu informieren.

Ihre
Judith Gehrer, Michèle Färber, Peter Flick, Joachim Krakuhn, Sven Meyer und Peter Schüz

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