IASB und FASB beschließen weiterführende Beratungen zur Annäherung der Klassifizierungs- und Bewertungsvorschriften

Nachdem das IASB bereits im vergangenen Jahr entschieden hat, über geringfügige Änderungen (limited modifications) an den bereits veröffentlichten Regelungen zur Klassifizierung und Bewertung von Finanzinstrumenten nach IFRS 9 zu beraten (vgl. meine Blogbeiträge vom 15.11.2011 und 15.12.2011), haben sich die beiden Boards nun in der Januarsitzung darauf geeinigt, gemeinsam eine Annäherung der jeweiligen Regelungen in Angriff zu nehmen.

Im Vorfeld der Sitzung hatten die Staffs bereits einen Katalog möglicher Themen erarbeitet, die Gegenstand der weiterführenden Beratungen sein sollen:

  1. Klärung, welche Finanzinstrumente zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet werden können bzw. müssen
  2. Analyse der Trennung eingebetteter Derivate bei aktivischen strukturierten Finanzinstrumenten
  3. Analyse der Möglichkeit, finanzielle Schuldtitel GuV-neutral zum fair value zu bewerten (Erfassung der Fair-Value-Änderungen im other comprehensive income)
  4. Folgewirkungen der o.a. Themen

Beratungen zur Behandlung von erworbenen Krediten mit konkreten Ausfallerwartungen gehen weiter

Im Rahmen der Januarsitzung haben die Boards (IASB und FASB) beraten, wie der Three Bucket Approach auf Kredite anzuwenden ist, die aufgrund konkreter Ausfallerwartungen bereits mit einem Abschlag (discount)  auf den Kaufpreis erworben wurden.

Die Boards haben vorläufig entschieden, dass jene erworbenen Kredite bei Zugang direkt den Buckets 2 oder 3 zuzuordnen sind und somit das für die übrigen finanziellen Vermögenswerte anzuwendende relative Kreditrisikomodell (vgl. hierzu meinen Blogbeitrag vom 25.10.2011) durchbrochen wird. Eine Risikovorsorge ist für jene Kredite allerdings erst zu erfassen, wenn es nach Zugang zu einer weiteren Verschlechterung der Kreditqualität kommt. Damit wird auch bei jenen Krediten das Prinzip der Verschlechterung der Kreditqualität (deterioration of credit quality) verfolgt. Hinsichtlich des Anwendungsbereichs für diese Regelungen wurden aufgrund unterschiedlicher Auffassungen noch keine – nicht mal vorläufige –  Entscheidungen getroffen.


Im Falle von Verbesserungen der Kreditqualität von mit konkreten Ausfallerwartungen erworbenen Krediten haben die beiden Boards beschlossen, dass eine Festschreibung des Effektivzinssatzes im Zugangszeitpunkt erfolgt und die zusätzlich erwarteten Cashflows unmittelbar in der GuV als Korrektiv der Risikovorsorge zu erfassen sind. Zusätzliche Anhangangaben sollen im Verlauf der weiteren Beratungen erarbeitet werden, aus denen dieser Effekt abgeleitet werden kann. Bezüglich des Ausweises jener Kredite haben sich die Boards vorläufig für einen Nettoausweis und damit gegen einen Bruttoausweis einschließlich der direkten Bildung einer Risikovorsorge entschieden.

Portfolio Valuation als künftiges Makro Hedge Accounting Modell?

Das IASB hat am 26. Januar 2012 mögliche Alternativen für die Abbildung von makro hedges diskutiert. Hierbei geht es um fair value hedges von sich ändernden Grundgesamtheiten gegen Zinsänderungsrisiken. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf sogenannten offenen Kreditportfolien, d.h. Kreditportfolien mit Bestandsänderungen u.a. durch Neugeschäfte sowie planmäßige und außerplanmäßige Tilgungen.

Das IASB hat das

  • Bodensansatz-Modell (bottom layer approach) und das
  • Portfolio-Bewertungsmodell (portfolio valuation)

mit den derzeitigen Regeln des IAS 39 zum fair value hedge für Zinsrisiken auf Portfolioebene verglichen.

Im Meeting wurde ausschließlich das Portfolio-Bewertungsmodell besprochen.

Beim Portfolio-Bewertungsmodell wird die Nettoposition aus einem abgesicherten (Kredit-)Portfolio und den zugehörigen refinanzierenden Verbindlichkeiten zum fair value bewertet. Offen geblieben ist, ob es sich hierbei um einen full fair value oder einen hedged fair value handelt. Fest steht hingegen, dass Bestandsänderungen nicht gesondert erfasst oder bilanziert werden, sondern in die Veränderung des fair value des Portfolios eingehen.

Positiv zu beurteilen ist an diesem Modell der Wegfall der aufwendigen Fortschreibung des sogenannten separate line item aus dem derzeitigen Modell des IAS 39 zum fair value hedge für Zinsrisiken auf Portfolioebene. Darüber hinaus erlaubt das Portfolio-Bewertungsmodell die Bilanzierung einer abgesicherten Nettoposition wie sie auch in der internen Risikosteuerung üblicherweise verwendet wird. Inwieweit das Portfolio-Bewertungsmodell die interne Risikosteuerung, insbesondere bei Kreditinstituten, in ihrer ganzen Breite abzubilden vermag, wurde von einigen Mitgliedern des IASB kritisch hinterfragt. Eine Entscheidung wurde nicht getroffen, die Diskussion wird im nächsten Board Meeting fortgesetzt.

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