IASB und FASB setzen die Beratungen zu IFRS 9 fort

Klassifizierung und Bewertung: Beratungen zum Geschäftsmodell und zur Trennungspflicht

Das IASB und das FASB haben am Dienstag den 17. April 2012 drei Alternativen für Geschäftsmodelle diskutiert, die im Einklang mit einer Bewertung finanzieller Vermögenswerte zu fortgeführten Anschaffungskosten stehen. Dabei haben sich die Boards vorläufig darauf geeinigt, den derzeit in IFRS 9 enthaltenen Grundsatz beizubehalten. Das bedeutet, dass eine Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten dann möglich ist, wenn die betrachteten Finanzinstrumente in einem Geschäftsmodell gehalten werden, dessen Ziel es ist, die vertraglich vereinbarten Zahlungsströme zu vereinnahmen (Geschäftsmodell „hold to collect“ bzw. „Halten“). Es wurde ebenfalls beschlossen, den Anwendern eine klarere und umfassendere Application Guidance zur Verfügung zu stellen, aus der hervorgeht, welche Verkäufe mit einem solchen Geschäftsmodell vereinbar sind. In der Sitzung wurde nicht über die mögliche Einführung eines weiteren Geschäftsmodells, das eine GuV-neutrale Bewertung der enthaltenen Finanzinstrumente durch das Eigenkapital nach sich zieht, diskutiert. Dies soll in einem künftigen Termin erfolgen.

Darüber hinaus haben die Boards über die Trennungspflicht von finanziellen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten sowie eine mögliche Grundlage für die Trennungspflicht beraten. Hintergrund dessen waren insbesondere die Konvergenzbekundungen aus dem Januar 2012 sowie die Diskussion über das Erfordernis eines symmetrischen Kategorisierungsmodells (Gleichbehandlung von Vermögensgegenständen und Verbindlichkeiten). Das IASB hat sich vorläufig dazu entschieden, die in den Vorschriften des IFRS 9 vorgesehene Logik weiterzuverfolgen. Strukturierte Finanzinstrumente dürfen aus Investorensicht demnach künftig nicht getrennt werden, während dieselben Finanzinstrumente aus Emittentensicht bei Vorliegen der bereits aus IAS 39 bekannten Voraussetzungen zwingend zu trennen sind. Auch das FASB folgt dieser Logik.

Die vorläufigen Entscheidungen zu den beiden betrachteten Themenkomplexen bedeuten keinen Richtungswechsel im Vergleich zum veröffentlichten IFRS 9. Insbesondere aus den Klarstellungen zum Geschäftsmodell können sich im Detail jedoch Änderungen ergeben, die dann zu analysieren sind.

Impairment: Beratungen zur Expected Loss-Ermittlung

Die Boards haben sich auf eine Beschreibung der Vorgehensweise zur Ermittlung von Expected Credit Losses geeinigt. Demnach sind bei der Schätzung der erwarteten Ausfälle folgende Punkte zu berücksichtigen:

  • alle angemessenen und vertretbaren Informationen die hinsichtlich einer prospektiven Schätzung relevant sind
  • eine Range möglicher Ergebnisse, welche die Eintrittswahrscheinlichkeit und Angemessenheit dieser Ergebnisse berĂĽcksichtigen (das heiĂźt, es handelt sich nicht nur um eine Schätzung des wahrscheinlichsten Ergebnisses).
  • der Zeitwert des Geldes

Darüber hinaus wurde über die ökonomische Begründung der Bildung einer Risikovorsorge für jene finanziellen Vermögenswerte beraten, die Bucket 1 zugeordnet sind (zur Darstellung der geplanten Bucketabgrenzung verweise ich auf meinen Blogbeitrag vom 30. Januar 2012). Dabei haben sich die Boards auf folgende Begründung geeinigt: Die Risikovorsorge für Bucket 1 soll die erwarteten Verluste über die gesamte Restlaufzeit für diejenigen finanziellen Vermögenswerte widerspiegeln, für die ein Ausfallereignis in den nächsten zwölf Monaten erwartet wird. Dabei stellten die Boards klar, dass in der Praxis verschiedene Methoden zur Ermittlung der Risikovorsorge für Bucket 1 herangezogen werden können. Zudem haben die Boards den Staff beauftragt, Erläuterungen zu einzelnen Begriffen (z.B. „loss event“, „lifetime“) vorzunehmen.

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