IASB veröffentlicht vollständigen IFRS 9 Standard zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten

Das IASB hat heute den endgültigen Standard IFRS 9 veröffentlicht. Dieser löst den derzeit gültigen IAS 39 ab und ist für Geschäftsjahre, die ab dem 1. Januar 2018 beginnen, verpflichtend anzuwenden. Angestoßen durch die Finanzmarktkrise vor mehr als sechs Jahren finden lange Diskussionen und Debatten nun ihren Abschluss. Vor einer Anwendung des IFRS 9 in der EU bleibt jedoch die Übernahme des IFRS 9 in europäisches Recht (Endorsement) abzuwarten.

Der IFRS 9 setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen:

  1. Die Vorschriften zur Klassifizierung und Bewertung, die auf die in den Jahren 2009 und 2010 bereits veröffentlichten Regelungen zurückgehen, diese aber erheblich ändern.
  2. Neue Vorschriften zur Abbildung von Kreditrisiken in Form eines Expected Loss Model, das das nach IAS 39 gültige Incurred Loss Model ablöst.
  3. Die bereits im November veröffentlichten Regelungen zum General Hedge Accounting. Herausgelöst aus dem IFRS 9 sind Vorschriften zum Macro Hedge Accounting, die das IASB derzeit in einem separaten Projekt entwickelt. (Siehe hierzu meinen Blogbeitrag vom 19. November 2013.)

Neue Bewertungskategorie für finanzielle Vermögenswerte

Eine Klassifizierung der finanziellen Vermögenswerte erfolgt nach IFRS 9 in Abhängigkeit des Geschäftsmodells sowie der vertraglichen Ausgestaltung. Gegenüber den vom IASB in den Jahren 2009 bzw. 2010 veröffentlichten Versionen des IFRS 9 enthält nun die endgültige Fassung (wie bereits im Exposure Draft vorgesehen) eine weitere Bewertungskategorie für Schuldinstrumente der Aktivseite. Diese neue Kategorie sieht einen Bilanzausweis in Höhe des Fair Value und eine Erfassung von Fair-Value-Änderungen im Eigenkapital vor.

Erhöhung der Risikovorsorge für finanzielle Vermögenswerte

Das in der Finanzkrise stark kritisierte Incurred Loss Modell wird gemäß IFRS 9 durch ein Expected Loss Modell abgelöst. Dieser neue Ansatz führt ab dem Zugangszeitpunkt zur Bildung einer Risikovorsorge in Höhe des 12-Monats Expected Loss. Im Falle einer signifikanten Erhöhung des Kreditrisikos des Schuldners, ist der über die gesamte Restlaufzeit erwartete Verlust zu berücksichtigen, es sei denn, das Ausfallrisiko ist insgesamt noch gering (low credit risk). Sonderregelungen bestehen für finanzielle Vermögenswerte, die bereits bei bilanziellem Zugang wertgemindert sind sowie für Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und Leasingforderungen.

Umsetzung ist insbesondere für Kreditinstitute eine hohe Herausforderung

Die Erfahrung aus den von PwC begleiteten IFRS 9 Projekten bei einer Vielzahl von Kreditinstituten im In- und Ausland zeigt, dass sich die Regelungen des IFRS 9 nicht nur auf den Bereich Finanzen, sondern darüber hinaus auch auf die Risikosteuerungseinheit und die Marktbereiche auswirkt. Die Umsetzung des IFRS 9 ist häufig nur durch erhebliche Anpassungen und Erweiterungen der bankinternen Prozesse und der IT Systeme möglich. Wir empfehlen Kreditinstituten daher sich frühzeitig mit den neuen Vorschriften und deren Auswirkungen auseinanderzusetzen.

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