IASB veröffentlicht Re-Exposure Draft zur Bilanzierung von Versicherungsverträgen

Das International Accounting Standards Board (IASB) hat heute einen erneuten Entwurf (Re-Exposure Draft) für die künftige Bilanzierung von Versicherungsverträgen nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) veröffentlicht. Am ersten Vorschlag der Standardsetzer zur Neufassung des IFRS 4 aus dem Jahr 2010 hatte vor allem die Assekuranz umfassende Kritik geäußert. Die Regelungen, die das IASB seinerzeit vorschlug, hätten erhebliche Schwankungen in den Ergebnissen der Versicherungskonzerne bewirkt.

In fünf Kernbereichen hat das IASB seinen ersten Vorschlag aus dem Jahr 2010 überarbeitet, um einer Ablösung des derzeit gültigen IFRS 4 den Weg zu ebnen:

  • Other Comprehensive Income
    Zinsinduzierte Änderungen der versicherungstechnischen Rückstellungen sollen künftig erfolgsneutral erfasst werden; die neuen Vorschriften für die Bilanzierung von Kapitalanlagen nach IFRS 9 wurden entsprechend ergänzt. Dadurch soll das Zusammenspiel von Aktiv- und Passiv-Seite entsprechend dem Geschäftsmodell der Versicherer besser reflektiert und kurzfristige Ergebnisschwankungen vermieden werden.
  • Mirroring
    In diesem Zusammenhang wurde ebenfalls der Vorschlag zur Abbildung des überschussbeteiligten Geschäfts stark diskutiert. Gemäß dem Re-Exposure Draft soll nun der entsprechende Teil der Verpflichtung „gespiegelt“ zu den Kapitalanlagen bewertet werden (sog. „Mirroring“).
  • Unlocking der Contractual Service Margin
    Des Weiteren sieht der Re-Exposure Draft eine Anpassung der Contractual Service Margin (ehemals Residual Margin) bei Schätzänderungen von künftigen Zahlungsflüssen als weitere Maßnahme vor. Die Auflösung der Contractual Service Margin orientiert sich am Schema der Serviceerbringung.
  • Earned Premium Approach
    Im Vergleich zum Margenansatz des Exposure Drafts will das IASB mit dem sogenannten „Earned Premium Approach“ künftig zusätzlich Volumeninformationen in der Gewinn- und Verlustrechnung der Assekuranzen zeigen. Die vorgeschlagene „Earned Premium“ entspricht allerdings nicht den bisher bekannten Kennzahlen der gebuchten Bruttoprämie.
  • Übergangsregelungen
    Der überarbeitete Diskussionsvorschlag des IASB sieht vor, bei der Erstanwendung des finalen Standards das Bewertungsmodell retrosprektiv anzuwenden. Erlaubt werden allerdings Vereinfachungen, um sowohl die Risikomarge als auch die Contractual Service Margin zum Zeitpunkt des Übergangs bestimmen zu können. Zusätzlich soll eine Re-Klassifizierung der Kapitalanlagen nach IFRS 9 möglich sein.

Drei Monate gibt das IASB Zeit für Kommentare und Stellungnahmen zu dem Re-Exposure Draft. Solange haben Versicherer Zeit sich zu äußern, ob die geänderten Vorschläge – auch im Zusammenspiel mit den aufsichtsrechtlichen Anforderungen zur Solvabilität nach Solvency II – praktikabel sind und es ihnen ermöglichen, ihr Geschäftsmodell adäquat in ihren Bilanzen abzubilden.

 

Lesen Sie hierzu auch in unserem Accounting Aktuell Blog

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

/* */