IFRS 17: IASB folgt den Vorschlägen des Staffs

In seinem Meeting vom 14. März 2019 hat das IASB über die letzten noch ausstehenden Themenfelder entschieden.

Das IASB folgte bei allen verbliebenen offenen Themen den Empfehlungen des Staffs:

  • Gruppenbildung („Level of aggregation“)
    Agenda Papers 2A-2C
    Das IASB hat vorläufig entschieden, die Verpflichtung Versicherungsverträge nach IFRS 17 in Jahreskohorten zu gruppieren, beizubehalten. Das Board betonte in seiner Sitzung erneut, dass die Bildung von Jahreskohorten einer der wesentlichen Vorteile des neuen Standards, dessen Ziel es ist die Vergleichbarkeit und Transparenz von Versicherungsunternehmen zu erhöhen, darstellen. Die Bildung von Jahreskohorten erhöht die Transparenz auf die Profitabilität eines Versicherungsunternehmens (frühzeitige Erkennung von Trends) und vermeidet eine Gewinnrealisierung erst nach Ende der Deckungsperiode. Das IASB sieht darin erheblichen Nutzen sowohl für die Anleger als auch für das Management. Hans Hoogervorst wies ergänzend auf die Bedeutung dieses Prinzips als Beitrag zur Finanzstabilität hin.
    Dem Board ist bewusst, dass die Änderungen enorme Implementierungskosten bergen und wies gleichzeitig auf die bereits eingeräumten Zugeständnisse im Hinblick auf die Gruppenbildung hin (z.B. Privatkundenkredite für die es unter IFRS 9 keine Möglichkeit gibt diese zusammen zu fassen). Daneben wies das Board bzgl. des illustrierten Beispiels zur Mutualisierung daraufhin hin, dass auch weitere Zahlungsstromallokationsmechanismen für eine Gruppenbildung anwendbar sein können. Ferner ist das IASB der Branche hinsichtlich zusätzlicher Aggregierung bereits durch die vorläufige Entscheidung entgegengekommen, dass Versicherungsverträge zukünftig auf höherer Aggregationsebene als bisher (Portfolien statt Gruppen) getrennt nach Verträgen in Asset-Position und solchen in Liability-Position auszuweisen sind.
  • Kreditkartenversicherungen („Credit cards that provide insurance coverage“)
    Agenda Papers 2D
    Kreditkartenversicherungen, für die das Risiko für den Einzelvertrag nicht individuell bestimmt werden kann, werden vom Anwendungsbereich des IFRS 17 ausgeschlossen. Eine der wesentlichen Gründe für diese Entscheidung, ist die nach IFRS 17 viel stärker vorgesehene Trennung von Versicherungskomponenten und Finanzkomponenten.
  • Änderung der Übergangsvorschriften: Option der Risikominderung („Transition requirements- risk mitigation option“)
    Agenda Paper 2E
    Die Übergangsvorschriften sollen dahingehend geändert werden, dass den Unternehmen die Möglichkeit eröffnet wird, die Option zur Risikominderung prospektiv ab dem Übergangszeitpunkt von IFRS 17 anzuwenden.
    Macht das Unternehmen von der Option zur Risikominderung Gebrauch, hat das Unternehmen zum „Transition date“ die Möglichkeit Verträge mit direkter Überschussbeteiligung, für die der retrospektive Transitionansatz anzuwenden wäre, stattdessen prospektiv zum Fair Value Transitionansatz zu bewerten
  • Darlehen, die ein erhebliches Versicherungsrisiko übertragen („Transition requirements- Loans that transfer significant insurance risk“)
    Agenda Paper 2F
    Die Übergangsvorschriften in IFRS 17 für Darlehen, die ein bedeutendes Versicherungsrisiko übertragen, wenn ein Unternehmen beschließt, die Vorschriften des IFRS 17 auf solche Portfolien anzuwenden, sollen beibehalten werden.
    Die Übergangsvorschriften solche Darlehen nach IFRS 9 zu bewerten, sollen ebenfalls beibehalten werden, soweit die erstmalige Anwendung von IFRS 17 und IFRS 9 zeitlich nicht auseinanderfallen.
    Die Mitarbeiter des IASB sieht jedoch Änderungsbedarf bei den Übergangsvorschriften des IFRS 9, wenn Erstanwendungszeitpunkt von IFRS 17 und IFRS 9 zeitlich auseinanderfallen. Die Änderungsempfehlungen für die Übergangsvorschriften solcher Darlehen in IFRS 9 sind in Agenda Paper 2F erläuternd dargestellt.
  • Änderungen der Angabepflichten („Amendments to disclosure requirements resulting from the Board`s tentative decisions to date“)
    Agenda Paper 2G
    Die Angabepflichten sollen im Hinblick auf eine quantitative Angabe der erwarteten Erfassung in der Gewinn- und Verlustrechnung der am Ende der Berichtsperiode verbleibenden vertraglichen Servicemarge angepasst werden (Wegfall der Möglichkeit nur qualitative Angaben zu machen). Ferner sollen sie um eine spezifische Angabe des Ansatzes zur Bewertung der relativen Gewichtung der Leistungen aus Versicherungsschutz und anlagebezogenen Dienstleistungen oder Renditeerzielungsleistung erweitert werden.
    Darüber hinaus sollen Vermögenswerte, die durch den Erwerb von Versicherungsgeschäften geschaffen wurden und zu Beginn und am Ende der Periode noch nicht in der Bewertung einer Gruppe von Versicherungsverträgen enthalten sind, übergeleitet werden und um eine quantitative Angabe der erwarteten Einbeziehung dieser Erwerbs-Cashflows in die Bewertung von zugehörigen Versicherungsverträgen ergänzt werden, wenn die entsprechenden Versicherungsverträge erfasst werden

Die folgenden Agenda Papiere lagen dem Meeting zugrunde: (https://www.ifrs.org/news-and-events/calendar/2019/march/international-accounting-standards-board/

Im April 2019 will das IASB die Entscheidungen über die Themenfelder als „Gesamtänderungspaket“ überprüfen. Geplant ist noch im ersten Halbjahr 2019 einen Exposure Draft zu veröffentlichen.

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