Neues Impairment-Modell, neuer IAS 19 und mehr..

Neues Impairment-Modell in Diskussion, neuer IAS 19 und Ergebnisse des Board Meeting Anfang Juni

 

IFRS 9 Impairment

Die Working Group aus IASB und FASB Mitgliedern hat eine alternativen Ansatz fĂĽr Impairment vorgeschlagen. Dieser ist im Agenda Paper 8 des IASB beschrieben, das am 15. Juni dem Board vorgestellt und beschlossen werden soll. Die Ausarbeitung eines Alternativmodells ist vorgesehen, da die Regelungen des Supplements nur wenig Zuspruch gefunden haben.

Das beschriebene Modell versucht den Lebenszyklus von Krediten zu berücksichtigen, bei denen sich im Zeitablauf die Kreditqualität verschlechtert. Hierfür sind drei Gruppen (Buckets) vorgesehen, in die Kredite je nach Kreditqualität zugeordnet werden.

Zuordnung Bucket 1 (Portfoliosicht):

  • Keine beobachtbaren Ereignisse (observable events), mit direkter Auswirkung auf zukĂĽnftig mögliche Ausfälle dieser Kredite.
  • Ă„nderungen in der Ausfallerwartung können sich aufgrund makroökonomischer EinflĂĽsse ergeben, ohne dass eine Zuordnung zu Bucket 2 oder 3 vorgenommen werden muss.
  • Beispiel im Agenda Paper: Allgemeine GDP (Bruttosozialprodukt)-Verschlechterung

Zuordnung Bucket 2 (Portfoliosicht):

  • Es liegen beobachtbare Ereignisse vor, die einen direkten RĂĽckschluss auf die zukĂĽnftigen Ausfälle in dem Kreditportfolio zulassen. Identifizierung einzelner ausfallgefährdeter Kredite ist noch nicht möglich.
  • Beispiel im Agenda Paper: Sinkende Häuserpreise in einer Stadt ABC, die einen direkten RĂĽckschluss auf die Kreditqualität von Hypothekenkrediten dieser Stadt haben.

Zuordnung Bucket 3 (Einzelkreditsicht):

  • Umfasst Kredite, fĂĽr die auf Einzelkreditebene spezifische Informationen ĂĽber erwartete oder bereits eingetretene Ausfälle vorliegen.
  • Beispiel im Agenda Paper: Identifizierung einzelner ausfallgefährdeter oder bereits ausgefallender Hypothekenkredite der Stadt ABC.

Risikovorsorgeermittlung:

In Bucket 2 und 3 muss zum Bilanzstichtag Risikovorsorge in Höhe der erwarteten Verluste über die Gesamtlaufzeit gebildet sein (lifetime expected credit losses). Veränderungen in der Höhe der Risikovorsorge sind sofort zu erfassen.

In Bucket 1 werden drei mögliche Alternativen für die Berechnung der Risikovorsorge aufgezeigt. Danach muss die Risikovorsorge am Bilanzstichtag in folgender Höhe bestehen:

Alternative A: 12 Monats expected loss. Veränderungen in der Höhe des expected loss sind sofort zu erfassen und nicht über die Laufzeit zu verteilen.

Alternative B: Time proportionate amount. Veränderungen in der Höhe des lifetime expected loss sind zeitanteilig über die Laufzeit zu verteilen (zeitanteilige Erfassung des lifetime expected loss)

Alternative C: Anfänglicher 12 Monats expected loss + sofortige Erfassung von Änderungen in der lifetime expected loss-Erwartung. Die anfängliche Risikovorsorge in Höhe des 12 Monats expected loss ist sofort zu erfassen und ist im Zeitablauf nicht anzupassen. Änderungen des lifetime expected loss sind hingegen sofort erfolgswirksam zu erfassen.

Bilanzierung von PensionsrĂĽckstellungen

Im Rahmen des Konvergenzprojektes zwischen dem IASB und dem FASB soll auch die Bilanzierung von Pensionsverpflichtungen verbessert werden. Das IASB hat Anfang Juni 2011 den sogenannten Near Final Draft (NFD) eines grundlegend überarbeiteten Rechnungslegungsstandards zur Bilanzierung von Leistungen an Arbeitnehmer veröffentlicht.

Die Neuregelungen im NFD beziehen sich u.a. auf folgende Bereiche:

  • Wegfall des Korridor-Approach
  • Ermittlung der Nettofinanzkosten nach dem „net interest approach“
  • Aufteilung der leistungsorientierten Nettokosten in Komponenten. Dabei werden der Dienstzeitaufwand und der Nettozinsaufwand (bzw. Nettozinsertrag) aus einem leistungsorientierten Plan in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst. Der Ausweis versicherungsmathematischer Gewinne und Verluste erfolgt im sonstigen Ergebnis.
  • Auswirkungen von Planänderungen, PlankĂĽrzungen und -abgeltungen
  • Angaben zu leistungsorientierten VergĂĽtungsplänen

Die Anwendung des geänderten Standards ist erstmals für Geschäftsjahre, die am 1. Januar 2013 oder danach beginnen, vorgesehen. Eine frühere Anwendung ist möglich.

Das NFD ist fĂĽr registrierte Nutzer auf der IASB-Webseite verfĂĽgbar.

Die Veröffentlichung des geänderten IAS 19 ist für Mitte des Monats geplant.

 

Board Meeting vom 31. Mai bis 2. Juni

Offsetting Financial Assets and Liabilities:

Der im Januar 2011 veröffentlichte Entwurf wurde weiter diskutiert (siehe Blog Beitrag von 19. Mai). In diesem Zusammenhang fand ein Informationsaustausch zwischen Vertretern des IASB/FASB und der ISDA und dem London Clearing House ĂĽber Sicherheitsleistungen fĂĽr OTC Derivate statt. Weitere Untersuchungen sollen zur Frage der verpflichtenden Verrechnung (unconditional netting), dem „Unit of Account“ (Verrechnung auf Cashflow-, Finanzinstrument- oder Portfolio- Ebene) und der Bilanzierung von Sicherheitsleistungen (initial margin versus variation margin) erfolgen.

IFRS 9 Financial Instruments: Hedge Accounting.

Es wurden folgende Themen diskutiert und die folgenden vorläufigen Entscheidungen (‚tentative decissions‘) getroffen:

  • Verwendung von Optionen als Sicherungsinstrumente: Die Bilanzierung der Prämie fĂĽr als Sicherungsinsturment eingesetzte Optionen soll, wie im Entwurf des IFRS 9 Hedge Accounting vorgeschlagen bestehen bleiben. Das heiĂźt, die Optionsprämie ist in Abhängigkeit des abgesicherten Grundgeschäfts zu erfassen. Handelt es sich um Anschaffungsnebenkosten, ist die Optionsprämie als Teil der Anschaffungskosten zu bilanzieren („transaction related“). Wird hingegen ein Risiko ĂĽber die Laufzeit der Hedge-Beziehung abgesicher, ist die Optionsprämie zu verteilen (“ time period related“).
  • Verwendung von geschriebenen Optionen als Sicherungsinstrument: Das IASB ist der Auffassung, dass die Designation (stand alone)-geschriebener Optionen zusammen mit erworbenen Optionen als Sicherungsinstrument zulässig ist, solange die dabei entstehende Nettoposition keine geschriebene Option darstellt. Die Optionen mĂĽssen dabei nicht auf einer einzigen vertraglichen Regelungen beruhen, sondern können sich aus unterschiedlichen Verträgen ergeben. Voraussetzung ist, dass bei der Zulässigkeit die selben Anforderungen erfĂĽllt sein mĂĽssen, wie sie fĂĽr den Verwendung von collars im Rahmen des Hedge Accounting gelten.
  • Rebalancing (siehe mein Blog-Beitrag von 27. Mai): Rebalancing ist die Anpassung der designierten Beträge des Sicherungsinstruments oder Grundgeschäfts (Hedge Ratio). Im Mittelpunkt steht vor allem die Frage der freiwilligen bzw. verpflichtenden Anpassung der Hedge-Ratio. Rebalancing des Hedge Ratios nach IFRS 9 ist verpflichtend, wenn sich die Sicherungsbeziehung im Risikomanagment geändert hat. Ebenso ist die Hedge Ratio anzupassen, wenn fĂĽr Hedge Accounting Zwecke die Ineffektivität optimiert werden muss. In diesem Fall weicht die im Hedge Accounting verwendete Hegde Ratio von der dem Risikomanagement zugrundeliegende Ratio ab. Das sog. proactive Rebalancing ist damit nicht zulässig.
  • Freiwillige Beendigung des Hedge Accounting: (siehe mein Blog-Beitrag von 27. Mai): Eine Sicherungsbeziehung soll nicht freiwillig beendet (de-designiert) werden dĂĽrfen, solange das Risikomanagementziel und die Hedge Accounting-Voraussetzungen weiterhin erfĂĽllt sind. Was das IASB unter Risikomanagement-Strategie bzw. -Ziele versteht, soll anhand von Beispielen erläutert werden.
  • Macro-Hedging: Das IASB hat sich mit verschiedenen Banken ĂĽber Risikomanagement fĂĽr dynamische Portfolien von finanziellen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten ausgetauscht. Es wurde keine Entscheidung getroffen.

Zu den Ă„nderungen des IAS 1 und IAS 19.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

/* */