Re-Exposure für Impairment zum Jahresende rückt in weite Ferne

Das IASB wird zwei Agenda Paper zum Thema Impairment im Board Meeting im Oktober diskutieren:

  • Agenda Paper 3A: Originated financial assets at lower credit qualities
  • Agenda Paper 3B: Purchases and business combinations, including those of assets at lower credit qualities

Die genannten Themen wurden im letzten Board Meeting im September identifiziert.

Agenda Paper 3A:

Das IASB Board hat sich im letzten Board Meeting für die weitere Verfolgung des absoluten Kreditrisikomodells ausgesprochen (jetzt als Credit Quality Approach bezeichnet). Der wesentliche Nachteil dieses Ansatzes besteht darin, dass neu ausgegebene Kredite mit niedriger Kreditqualität bei Zugang direkt dem Bucket 2 zugeordnet werden müssten. Die dann zu bildende Risikovorsorge in Höhe des lifetime expected loss würde zu einem day one loss führen.

In dem Agenda Paper werden verschiedene Lösungsalternativen diskutiert:

A: Ausnahmeregelung für Unternehmen, die primär Kredite mit niedriger Kreditqualität vergeben (Wahlrecht oder Verpflichtung zur Anwendung des relativen Kreditrisikomodells – jetzt als Bucket 1 Approach bezeichnet)

B: Verpflichtende Anwendung des Credit Quality Approach für alle Unternehmen

C: Änderung der Risikovorsorge des Bucket 2 auf (mindestens) 24-Monats expected loss

D: Änderung der Zuordnungskriterien für die einzelnen Buckets in Abhängigkeit von der Kreditqualität und der Zielsetzung des Managements

Der Staff spricht sich nicht für eine der genannten Alternativen aus, da jede gewisse Vor- und Nachteile aufweise. Alternative D wird jedoch als zu komplex betrachtet und daher nicht empfohlen.

Agenda Paper 3B:

Im Board Meeting im September wurde darauf hingewiesen, dass eine Verschlechterung der Kreditqualität bei gekauften Krediten durch einen entsprechenden Abschlag vom Kaufpreis berücksichtigt wird. Eine zusätzliche Risikovorsorgebildung ist daher nicht notwendig. Der Staff schlägt in Agenda Paper 3B folgende Lösungsalternativen vor:

Alternative 1:

Keine Unterscheidung der Regelungen für gekaufte oder originär ausgegebene Kredite.

Alternative 2:

Die im Zeitpunkt des Kaufs erwarteten Ausfälle sollen über die Laufzeit des Kredits amortisiert werden. Der Erstansatz erfolgt zum fair value, der sich aus Nominalbetrag, +/− (Dis)Agien und Transaktionskosten, abzüglich Risikovorsorge, zuzüglich anfänglicher Ausfallerwartung ableitet. Hierzu ist der Effektivzins zu ermitteln, der den Barwert der vertraglichen Cashflows auf den Kaufpreis diskontiert. Sowohl (Dis)Agien und Transaktionskosten als auch die anfängliche Ausfallerwartung sind zu amortisieren.

Beispiel:

Ein Kredit über 1000 Nominal ist für 900 gekauft worden. Der Abschlag von 100 setzt sich zusammen aus 30 aufgrund Zinsänderungen und 70 aufgrund Änderungen der Kreditqualität. Der Erstansatz erfolgt zu 900. Die anfängliche Differenz von Kaufpreis und Nominalbetrag von 100 wird effektivzinskonstant auf Grundlage der oben dargestellten Effektivzinsberechnung amortisiert. Darüber hinaus soll die anfängliche Ausfallerwartung von 70 entweder effektivzinskonstant auf Grundlage der erwarteten Cashflows oder linear amortisiert werden (Vgl. Fußnote 12 zu Tz. 61 des Agenda Paper 3B). Ausweis und Anhangangaben hierzu sollen später diskutiert werden.

Alternative 3:

Der Erstansatz gekaufter Kredite soll brutto dargestellt werden, indem die im Kaufzeitpunkt erwarteten Ausfälle als Risikovorsorge in der Bilanz erfasst werden, ohne dass Risikovorsorgeaufwand gebildet wird.

Beispiel:

Ein Kredit über 1000 Nominal ist für 900 gekauft worden. Der Abschlag von 100 setzt sich zusammen aus 30 aufgrund Zinsänderungen und 70 aufgrund Änderungen der Kreditqualität. Der Erstansatz der Forderung erfolgt zu 970. Hiervon ist ein Risikovorsorgebestand in Höhe von 70 offen abzusetzen (brutto). Die Risikovorsorge ist aufwandsneutral zu erfassen. Der Effektivzins ist auf Grundlage der erwarteten Cashflows und dem Kaufpreis zu ermitteln und wird über die Laufzeit konstant gehalten. Es ist somit ein Effektivzins zu ermitteln, der eine Differenz von 30 effektivzinskonstant verteilt (Summe der erwarteten Cashflows beträgt in diesem Beispiel 930, der Kaufpreis 900). Die effektivzinskonstante Verteilung führt zu einer Zuschreibung der Forderung von 970 auf 1000. Änderungen der erwarteten Cashflows führen zur Bildung bzw. Auflösung von Risikovorsorge.

Alternative 4:

Gekaufte Kredite werden im Kaufzeitpunkt mit ihrem fair value angesetzt (netto). Es wird keine Risikovorsorge im Kaufzeitpunkt gebildet. Es ist ein Effektivzins auf Grundlage der erwarteten Cashflows und dem Kaufpreis zu ermitteln. Der Effektivzins wird für die Restlaufzeit konstant gehalten. Änderungen der erwarteten Cashflows sind GuV-wirksam zu erfassen.

Beispiel:

Ein Kredit über 1000 Nominal ist für 900 gekauft worden. Der Abschlag von 100 setzt sich zusammen aus 30 aufgrund Zinsänderungen und 70 aufgrund Änderungen der Kreditqualität. Der Erstansatz erfolgt zu 900. Die Summe der erwarteten Cashflows beträgt in diesem Beispiel 930, der Kaufpreis 900. Die effektivzinskonstante Verteilung der Differenz von 30 führt damit zu einer Zuschreibung der Forderung auf 930, dem erwarteten Rückzahlungsbetrag.

 

Die dargestellten Alternativen werden insgesamt anhand von acht verschiedenen Optionen den drei Buckets zugeordnet und diskutiert. Vom Staff werden vier Optionen präferiert, welche die Alternativen 2-4 in unterschiedlicher Art und Weise auf die 3 Buckets verteilen.
Diese Optionen stellen Ausnahmeregelungen für gekaufte Kredite, die neben den Regelungen für originär ausgegebene Krediten anzuwenden wären.

Fazit:

Aufgrund der Tatsache, dass es keine klare Präferenz für eine Alternative des Agenda Paper 3A gibt sowie der reinen Anzahl an möglichen Optionen bei Agenda Paper 3B, ist mit keiner klaren Entscheidung des Boards zu rechnen. Zudem scheint der Kern-Streitpunkt des 3 Bucket Approach, nämlich die Bucketabgrenzung nicht diskutiert zu werden.

Ein Re-Exposure Draft zum Ende des Jahres ist damit in weite Ferne gerückt.

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