Kategorie: Aktuelles

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Zins-Benchmark-Reformen und die Auswirkungen auf die Bilanzierung

Gegenwärtig unterliegen die bisher verwendeten Zins-Benchmarks wie EONIA, EURIBOR und LIBOR einem Reformprozess, an dessen Ende modifizierte und neue Benchmarks sowie eine veränderte Produkt- und Zinsmanagement-Welt stehen werden. Getrieben ist dieser Reformprozess durch die Regulierung (EU-Benchmark-Verordnung mit Ablauf der Übergangsfrist zum 31. Dezember 2019) und die Notwendigkeit, eine Lösung dafür zu finden, dass der unbesicherte Interbanken-Geldmarkt, dessen Renditen die bisherigen Indizes abbilden sollen, nicht mehr hinreichend liquide ist, um ausreichend transaktionsbasierte Daten zu liefern.

Wie der Zielzustand der Produkt- und Zinsmanagement-Welt nach Abschluss der Übergangszeit aussehen wird, ist noch nicht in jeder Hinsicht absehbar, zumal die Anpassungen in den Produktwelten nicht koordiniert erfolgen. Es liegt im Bereich des Möglichen, dass sich in den Märkten für Kassa-Instrumente und derivative Instrumente unterschiedliche Lösungen entwickeln, mit der Folge des Entstehens von Zins-Basisrisiken, wo bisher keine waren.

Im Zusammenhang mit den begonnenen und noch bevorstehenden Veränderungen stellen sich zahlreiche Bilanzierungsfragen:

Bewertungsfragen

  • Wie lange können zinsvariable Cashflows, die auf den alten Indizes basieren, noch ausgerollt, d.h. die nötigen Forward-Zinssätze noch aus liquiden Kurven abgeleitet werden, und wie ist vorzugehen, wenn dies nicht mehr möglich ist?
  • Wie lange sollen die bisher verwendeten Bewertungskurven noch für die Fair-Value-Ermittlung (einschließlich Notes-Fair-Values) verwendet werden bzw. ist ein Wechsel auf neue, liquidere Kurven geboten?
  • Folgefrage: (Wie) kann das Entstehen einer Fair-Value-Sprungstelle im Moment des Wechsels der Kurven vermieden werden? Oder ist eine solche Sprungstelle sachgerecht?
  • Gibt es Bewertungen jenseits der Finanzinstrumente, in denen die Bewertungskurven auszutauschen oder anzupassen sind, weil bisher Swapsätze in diese Bewertungen eingeflossen sind (Rückstellungen, Leasing, etc.).
  • Für Häuser, die in ihrer Finanzberichtserstattung alternative Performance-Measures (Non-GAAP-Financial-Measures) verwenden: Wann werden bezüglich dieser Messgrößen die Bewertungskurven gewechselt und wie gestaltet sich der Umgang mit einer Sprungstelle?

Modifikations-/Abgangs-/Klassifizierungsfragen

  • Wann liegt bei zinsvariablen originären oder derivativen Produkten, die im Zuge der Reformen angepasst werden, bilanziell ein Abgang- und Neuzugang und wann eine Modifikation ohne Abgangsfolge vor?
  • Ändern sich die Einstufungen in der dreistufigen Fair-Value-Hierarchie in Folge der Verringerung der Liquidität bezogen auf alte Kurven von Level 2 auf Level 3?

Hedge-Accounting-Fragen

  • Bei Cash-Flow-Hedges von zinsvariablen Zahlungsströmen, deren Kupons an die alten Indizes geknüpft sind, stellt sich die Frage, wie lange diese Zahlungsströme der Höhe nach noch verlässlich bestimmt werden können bzw. ggf. noch grundsätzlicher die Frage, wie lange diese Zahlungsströme hinsichtlich ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit noch als hochwahrscheinlich eingestuft werden können.
  • Bei Fair-Value-Hedges stellt sich die Frage, ob und wann der Austausch des Hedged Risk von der bisher verwendeten Swapkurve (z.B. 3M- oder 6M-basierte-Swapkurve) zu Gunsten von einer der neuen Kurven erfolgen sollte bzw. muss, mit der Folgefrage, ob ein solcher Wechsel in einer fortlaufenden Hedge-Designation möglich ist oder zwingend eine Neu-Designation erfolgen muss.
  • Sofern produktseitige Anpassungen bei Produkten mit variablen Zinsen (einschließlich Swaps) bilanziell zu einem Abgang und Neuzugang führen, stellt sich die Frage, ob Hedge-Accounting in dieser Situation stetig fortgesetzt werden kann oder ob das Board hierfür eine Ausnahmeregelung schaffen muss (ähnlich wie dies im Jahr 2013 beim Übergang auf das OTC-Clearing geschehen ist).
  • entsteht ein Bedarf an ganz neuen Hedge-Accounting-Lösungen (z.B. für Zins-Basis-Swaps, die als Overlay zu den variablen Legs der Zinsswaps oder Cross-Currency-Swaps gehandelt werden, um Zins-Basisrisiken auszusteuern).

Zinsergebnisvereinnahmungsfragen (Effektivzinsmethode)

  • Wenn in der neuen Produktwelt die Höhe von variablen Zinskupons u.U. erst am Ende der Zinsperiode feststeht (weil beispielsweise in der neuen Welt ein 3-Monats-Zinskupon als Höhe des Durchschnitts der Overnight-Zinsen der Periode ermittelt wird), stellt sich die Frage, wie in diesem Fall die in der Bilanz abzugrenzenden Zinsen der Höhe nach bestimmt werden sollen.
  • Sofern die Anpassung eines zinsvariablen Produkts nicht bilanziell als Neuzugang abgebildet wird, stellt sich die Frage, wie die Effektivzinsmethode anzuwenden ist.

Einige dieser Fragestellungen können schon in der Übergangszeit eine Abschlussrelevanz bekommen, z.B. die Fragestellungen zum Cashflow-Ausrollen bei variabel verzinslichen Produkten, zum Austausch von Bewertungskurven zu Gunsten von neuen liquideren Kurven und zum Wechsel des Hedged Risk, andere Fragestellungen werden erst mit bzw. nach dem Wechsel schlagend.

Vor dem Hintergrund der zuvor beschriebenen Entwicklungen und Fragestellungen hat das IASB in seinem Meeting am 12. Dezember 2018 beschlossen,

  • die IBOR & Reference Rate Reform auf das IASB-Standard-Setting-Programm zu nehmen und
  • die Analyse von denjenigen Aspekten, die bereits eine Abschlussrelevanz vor dem eigentlichen Wechsel haben bzw. bekommen können, zu priorisieren und erst anschließend solche Fragestellungen zu analysieren, die erst mit oder nach dem Zeitpunkt des Wechsels schlagend werden.

Das Board ist sich der hohen Komplexität und Dringlichkeit des Themas bewusst und ist sich zudem darüber einig, dass bei diesem Thema eine proaktive und flexible inhaltliche Analyse unter Einbezug der betroffenen Marktteilnehmer erforderlich ist und als einer der nächsten Schritte auch erfolgen wird.

Unsere Experten unterstützen Sie gerne bei der Vorbereitung auf die anstehenden Änderungen. Sprechen Sie uns an.

Judith Gehrer, Peter Flick, Joachim Krakuhn und Peter Schüz

In the Spotlight – IFRS 9 Expected Credit Loss

Thema ist die Sicherstellung der Fähigkeit des IFRS 9 Expected Credit Loss-Ansatzes zur Abwendung von Krisen

In der Dezember-Ausgabe unserer PwC-Publikation „In the Spotlight“ werden wesentliche Aspekte der Rechnungslegung im Zusammenhang mit der Ermittlung von Expected Credit Losses (ECL) nach IFRS 9 beleuchtet, die bei einem Konjunkturabschwung an Bedeutung gewinnen können. Diese umfassen insbesondere den Einfluss des zeitverzögerten Zugangs zu relevanten Informationen, die möglicherweise eingeschränkten Einsatzmöglichkeiten von Vereinfachungen und Hilfslösungen sowie erforderliche Anpassungen an den verwendeten multiplen ökonomischen Szenarien. Damit bei der ECL-Ermittlung Krisenszenarien angemessen berücksichtigt werden, sind diese Aspekte im Rahmen der IFRS 9 Anwendung zu berücksichtigen und es ist zu prüfen, inwieweit ECL-Prozesse und –Kontrollen angepasst werden sollten.

Unsere Ausführungen enthalten Verlinkungen zum PwC Manual of Accounting, welches unter inform.pwc.com für Registrierte zugänglich ist.

IDW ERS BFA 7 zu Pauschalwertberichtigungen veröffentlicht

Der Bankenfachausschuss (BFA) des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) hat am 10. Dezember 2018 den Entwurf einer Stellungnahme zur Rechnungslegung vorgelegt: „Risikovorsorge für vorhersehbare, noch nicht individuell konkretisierte Adressenausfallrisiken im handelsrechtlichen Jahres- und Konzernabschluss von Instituten“ („Pauschalwertberichtigungen“).  Das dem Entwurf zugrundeliegende Modell legt das in § 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB geregelte Vorsichtsprinzip aus und sieht die Berücksichtigung erwarteter Verluste durch Risikovorsorge in Form von Pauschalwertberichtigungen bzw. Rückstellungen vor. 

Pauschalwertberichtigungen sind auf alle Forderungen an Kreditinstitute und Kunden sowie auf die nach §§ 26, 27 RechKredV unter der Bilanz auszuweisenden Eventualverbindlichkeiten und anderen Verpflichtungen (einschließlich unwiderruflicher Kreditzusagen) zu bilden. Darüber hinaus hält es der BFA für sachgerecht, Schuldverschreibungen und andere festverzinsliche Wertpapiere des Anlagevermögens, die nicht nach dem strengen Niederstwertprinzip bewertet sind, in die Bemessungsgrundlage für die Ermittlung der Pauschalwertberichtigungen einzubeziehen.
 
Zur Ermittlung der Höhe der Pauschalwertberichtigung sind Berechnungsverfahren heranzuziehen, die den erwarteten Verlust auf Basis beobachteter Kreditausfälle der Vergangenheit, aktueller Informationen und der Erwartung für die Zukunft schätzen. In der Regel werden hierbei anerkannte Verfahren auf der Basis mathematisch-statistischer Risikoklassifizierungsmethoden (Ratingverfahren) verwendet, welche die Ermittlung von Ausfallwahrscheinlichkeiten zum Ziel haben. Sofern ein Institut zur internen Risikosteuerung sachgerechte mathematisch-statistische Verfahren einsetzt, sind diese Grundlage des Verfahrens zur Ermittlung der Pauschalwertberichtigung. 
Das Grundmodell des IDW ERS BFA 7 ist ein sog. Anrechnungsmodell, das der Vorgehensweise bei der Ermittlung einer Drohverlustrückstellung vergleichbar ist. Zur Ermittlung der Pauschalwertberichtigung ist den erwarteten Ausfällen der Barwert der im Zins enthaltenen Bonitätsprämie gegenüber zu stellen. Voraussetzung dafür ist, dass die Bonitätsprämie tatsächlich zur Kompensation von bonitätsbedingten Ausfällen zur Verfügung steht und es sich nicht um eine allgemeine Marge z.B. zur Deckung von Verwaltungskosten handelt.
 
Aufgrund der besonderen Bedeutung des Vorsichtsprinzips und der der Forderungsbewertung immanenten erhöhten Unsicherheit, die sich v.a. aus Modellrisiken und dem Risiko des zeitlichen Auseinanderfallens von vereinnahmten Risikoprämien und Kreditausfällen ergibt, kann es notwendig sein, eine Mindestrisikovorsorge anzusetzen. Dafür ist die Orientierung an den in den nächsten zwölf Monaten nach dem Bilanzstichtag erwarteten Ausfällen ohne Gegenrechnung der Bonitätsprämien sachgerecht.
 
Eine Berechnung der Risikovorsorge nach den Vorschriften des IFRS 9 für die Stufen 1 und 2 ist handelsrechtlich nicht zu beanstanden. Voraussetzung ist, dass die IFRS 9-Berechnung in diesem Falle konsistent für die Stufen 1 und 2 angewendet wird.
 
Der Effekt aus der Erstanwendung ist GuV-wirksam zu erfassen.
 
Die Kommentierungsfrist für den Entwurf läuft bis zum 14. Juni 2019.

IFRS 17 – IASB: Erste Analyse der Änderungsvorschläge

Nachdem das IASB im November 2018 vorläufig entschieden hatte, die Erstanwendung von IFRS 17 und IFRS 9 um ein Jahre zu verschieben ist der Standardsetter nun dazu übergegangen, die 25 im Oktober Meeting vorgestellten Themenfelder hinsichtlich möglicher Anpassungen am Standard zu untersuchen.

Für die Sitzung des International Accounting Standard Board (IASB) vom 11. bis 13. Dezember 2018 analysierten die Mitarbeiter des IASB 13 der 25 größten von den Stakeholdern angemeldeten Anliegen und Implementierungsherausforderungen im Zusammenhang mit IFRS 17. Die Ergebnisse der Analyse wurden im Vorfeld des Meetings als Agenda Papiere veröffentlicht. Weitere Informationen hierzu können unseren Blogbeiträgen „IFRS 17 – IASB diskutiert nächste Schritte zur Unterstützung der Implementierung“ und „IFRS 17 – EFRAG TEG Meeting vom 29. November 2018“ entnommen werden.

Die bisher von den Mitarbeitern des IASB analysierten Themen wurden in 6 Gruppen eingestuft:

  1. Ausweis von Versicherungsverträgen in der Bilanz;
  2. Diskontierungszinssätze, Risk Adjustment und OCI Option;
  3. Variable Fee Approach;
  4. Unternehmenszusammenschlüsse;
  5. Zukünftige Cash Flows bei der Bewertung von passiven Rückversicherungsverträgen;
  6. Rechnungslegungsbezogene Schätzungen in Zwischenabschlüssen.

Für nahezu alle oben genannten Themen schlagen die Mitarbeiter des IASB vor, keine Änderungen an IFRS 17 vorzunehmen. Einige der Themen sind nach Einschätzung einiger Versicherer mit hohem Anpassungsbedarf ihrer Prozess- und Systemlandschaften verbunden. Die erhoffte Erleichterung und Kostenersparnis dürfte zunächst nicht auf positive Resonanz stoßen. Ob das Board den Empfehlungen hier in allen Punkten folgend wird, bleibt abzuwarten.

Als einzige Ausnahme empfiehlt das Staff, IFRS 17.78 dahingehend anzupassen, dass Versicherungsverträge nach Portfolien (anstatt nach Gruppen) ausgewiesen werden. Hierdurch entsteht ein stärker aggregierter Ausweis von Versicherungsverträgen in der Bilanz. Der Vorschlag des Staffs stützt sich auf das Feedback der Anwender, dass die aktuelle Systemlandschaft der Versicherer nicht darauf ausgelegt sei, die notwendigen Informationen zu liefern und die Entwicklung und Einführung neuer Systeme signifikante Kosten nach sich ziehen würde, und auch auf das Feedback von Adressaten, dass diese den Verlust von Informationen als nicht wesentlich erachten.

Da bereits zwei Themen (Erstanwendungszeitpunkt von IFRS 17 und Verlängerung der vorübergehenden Befreiung von IFRS 9) vorläufig beschlossen wurden, verbleiben noch 10 Themen, die in zukünftigen Sitzungen des IASB zu diskutieren sein werden. Gemäß erster Analyse durch die Mitarbeiter des IASB könnten die 10 Themen die vom IASB beschlossenen Änderungskriterien erfüllen und ggf. zu einer Anpassung des IFRS 17 führen.

Nachdem alle Einzelthemen geprüft wurden, wird das Board das Änderungspaket als Ganzes dahingehend prüfen, ob der Nutzen der Änderungen die dadurch entstehenden Kosten übersteigt.

Die Analysen der Mitarbeiter des IASB sowie weitere Agendapapiere zu der Dezember-Sitzung des IASB können unter diesem Link abgerufen werden.

IFRS 17 – EFRAG TEG Meeting vom 29. November 2018

Ziel des EFRAG TEG Meetings vom 29. November 2018 war es, ein Update zu den Entwicklungen möglicher Änderungen an IFRS 17 zu geben.

Während des IASB Meetings im Oktober 2018 beriet das Board ein Papier, welches die 25 größten von den Stakeholdern angemeldeten Anliegen und Implementierungsherausforderungen aufzeigte. Weitere Informationen hierzu können unserem Blogbeitrag „IFRS 17 / IASB diskutiert nächste Schritte zur Unterstützung der Implementierung“ entnommen werden.

Die Mitglieder des Accounting Standards Advisory Forums (ASAF) werden während ihres Meetings vom 6. bis 7. Dezember 2018 aufgefordert werden, Vorschläge zu unterbreiten, wie das IASB die Themen so adressieren kann, dass die vom Board festgelegten Kriterien für Änderungen (vgl. o.g. Blogbeitrag) eingehalten werden. Das Agenda Paper für das ASAF Meetings signalisiert, dass das IASB Anpassungen an IFRS 17 hinsichtlich der folgenden Themen untersuchen könnte:

  • Anwendungsbereich von IFRS 17: Darlehen und andere Arten von Krediten, mit denen der Transfer von Versicherungsrisiko einhergeht,
  • Akquisitions-Cash Flows: Cash Flows aus Vertragserneuerungen/-verlängerungen außerhalb der Vertragsgrenzen,
  • Vertragliche Servicemarge (CSM): Coverage Units im General Model,
  • Passive Rückversicherung: Erstansatz, wenn zugrundeliegende (Erst-)Versicherungsverträge „onerous“ sind,
  • Ausweis: Getrennter Ausweis von Gruppen von Vermögenswerten und Gruppen von Verbindlichkeiten und
  • Transition: weitere Modifikationen am modifizierten retrospektiven Ansatz.

Die Mitglieder des EFRAG TEG hatten hierzu keine Kommentare. Das dem Meeting zugrundeliegende Papier kann unter diesem Link gefunden werden. Das nächste IASB Meeting wird im Zeitraum vom 11. bis 13. Dezember 2018 stattfinden.

IFRS 17 – IASB beschließt Verschiebung um ein Jahr

Im November Meeting 2018 hat das IASB beschlossen, die Erstanwendung des IFRS 17 um ein Jahr zu verschieben. Im Einklang mit dieser Entscheidung wurde ebenfalls beschlossen auch die vorübergehende Befreiung von IFRS 9 um ein Jahr auszudehnen. Der (spätest mögliche) Erstanwendungszeitpunkt für Versicherer für beide Standards ist damit nunmehr der 1. Januar 2022.

Für den europäischen Versicherungsmarkt ist nun zu beobachten, wie die EFRAG mit diesem Thema umgehen wird und wann mit einem Endorsement des IFRS 17 und möglicher noch folgender Änderungen zu rechnen ist.

Im Dezember Meeting 2018 plant das Board, die von der Versicherungsbranche adressierten Themen zu untersuchen und das weitere Vorgehen zu erörtern. Zu den hierbei im Raum stehenden Themenstellungen, vgl. unseren Beitrag zum Oktober Meeting 2018.

Alex Bertolotti, IFRS 17 Leader bei PwC sieht die Entwicklung als positives Signal:

“Today’s announcement of a one-year delay to the implementation of IFRS 17  will be welcomed by many in the insurance community. The additional time will help alleviate some risk from existing plans, however many companies still have a lot to do and cannot afford to press pause.


Our message to insurers would be not to stop – there’s so much to do. If you haven’t started, get a move on. To stand still is to fall behind.

Mitschnitte, Aufnahmen und Agendapapiere des November-Meetings des IASB können unter diesem Link eingesehen werden.

EIOPA Analyse zu IFRS 17 Insurance Contracts

Die European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA) veröffentlicht ihren Bericht über ihre Analyse des IFRS 17 Insurance Contracts (EIOPA-18-717 18/10/2018):

https://eiopa.europa.eu/Pages/News/EIOPA-analyses-the-benefits-of-IFRS-17-Insurance-Contracts.aspx

Die EIOPA führte diese Studie unter Berücksichtigung der anstehenden Implementierung von IFRS 17 durch, um zu einem besseren Verständnis der Implikationen und potenziellen Einflüsse des Standards auf europäische Erst- und Rückversicherungsgesellschaften beizutragen sowie um Einblicke in das zukünftige Wechselspiel zwischen der finanziellen und der aufsichtsrechtlichen Berichterstattung der Versicherer zu liefern.

Übergreifend kommt die EIOPA zu dem Ergebnis, dass die durch IFRS 17 erwartungsgemäß erhöhte Transparenz und Vergleichbarkeit der Abschlüsse der Versicherer das Potenzial haben, die Finanzstabilität im Europäischen Wirtschaftsraum zu erhöhen. EIOPA sieht die Implementierung damit als vorteilhaft für das europäische Gemeinwohl an. Die im IFRS 17 verankerte aktuelle, marktnahe und risikosensitive Bewertung von versicherungstechnischen Verpflichtungen reflektiere die ökonomische Realität. Dies unterstütze ein effizientes Risikomanagement und erlaube Stakeholdern Einblicke in das Geschäftsmodell, die Exposures und die Geschäftsentwicklung zu erlangen.

Weiterhin hält EIOPA als Ergebnis ihrer Analyse fest,

  • dass die Anforderungen des IFRS 17 an die Festlegung des Diskontsatzes und des Risk Adjustments ein angemessenes Level an unternehmensspezifischem Input überschritten haben könnten und damit zu deutlich unterschiedlichen und potenziell unvergleichbaren Ergebnissen führen könnten,
  • dass in manchen Bereichen die Lösungen des IFRS 17 nicht optimal ausgestaltet seien und damit zu erhöhter Komplexität der Abschlüsse führen könnten und
  • dass für die letztendliche Implementierung von IFRS 17 wesentliche Effizienzpotentiale aus Input-Größen und Prozessen, die für Solvency II entwickelt wurden, genutzt werden könnten aber in unterschiedlichem Maße Anpassungen bedürfen.

Ihre Ansprechpartner:

WP Michele Färber, CFA
PwC | Director | Financial Services Capital Market Accounting & Advisory Services
Phone: +498957905869 | Mobile: +4915123623919

WP Kristina Stiefel
PwC | Senior Manager | Risk & Regulation Insurance
Phone: +496995852975 | Mobile: +491717640010

Matthias Paul Peitz 
PwC | Manager | M.Sc. | Financial Services Capital Market Accounting & Advisory Services
Phone: +492119811655 | Mobile: +491705624886

 

IFRS 17 – IASB diskutiert nächste Schritte zur Unterstützung der Implementierung

Während des Meetings am 24. Oktober 2018 erörterte das International Accounting Standards Board (Board) das Feedback von Stakeholdern über den neuen Standard für Versicherungsverträge, IFRS 17. Dieses Feedback ermöglichte es dem Board und seinen Mitarbeitern besser zu verstehen, welche Bedenken hinsichtlich der Implementierung des IFRS 17 bestehen und welche weiteren Schritte notwendig sind.

Im Oktober-Meeting hat das Board überlegt, ob auf das erhaltene Feedback geantwortet wird, es wurde aber nicht darum gebeten zu entscheiden, ob Änderungen am Standard vorgeschlagen werden sollen. Das Board hat sich vielmehr einstimmig auf Kriterien geeinigt, die bei der Bewertung möglicher Veränderungen an IFRS 17 herangezogen werden sollen:

  • die Änderungen führen nicht zu einem wesentlichen Verlust an nützlichen Informationen im Vergleich zu denjenigen, die aktuell nach IFRS 17 für Abschlussadressaten bereitgestellt werden,
  • die Änderungen stören die bereits durchgeführten Umsetzungsprozesse nicht übermäßig und
  • riskieren keine unangemessenen Verzögerungen beim Inkrafttreten eines Standards.

Das Board betonte, dass, auch wenn es der Auffassung ist, dass eine mögliche Änderung die Kriterien erfüllt, dies nicht zwingend bedeutet, dass Änderungen vorgenommen werden. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Kriterien eine große Hürde für Änderungen darstellen.

Anhand des erhaltenen Feedbacks zu IFRS 17 identifizierten die Mitarbeiter des Boards 25 Themen. Das Board wird in den nächsten Monaten diskutieren, ob Bedarf für Änderungsvorschläge an IFRS 17 besteht. Aktuell sei es noch zu früh um festzustellen, ob diese Diskussionen in Änderungsvorschlägen resultieren werden. Falls Änderungen vorgeschlagen werden, werde das Board sein ordnungsgemäßes Verfahren für die Standardsetzung einhalten, welches eine Konsultation der Öffentlichkeit beinhaltet.

Eine Zusammenfassung des Meetings finden Sie unter https://www.pwc.com/gx/en/audit-services/ifrs/publications/ifrs-17/evaluating-any-potential-future-amendments-to-ifrs-17.pdf.

Die Aufzeichnung des Meetings, die Agenda und Agenda Papers sowie eine Zusammenfassung sind unter https://www.ifrs.org/news-and-events/calendar/2018/october/international-accounting-standards-board/ verfügbar.

Ergänzung zu IDW RS HFA 48 verabschiedet

Der Hauptfachausschuss des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland (IDW) hat eine Ergänzung bzw. Fortsetzung des IDW RS HFA 48 „Einzelfragen der Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach IFRS 9“ verabschiedet.

Hintergrund für die Ergänzung ist, dass der IFRS 9 die Modifikation von finanziellen Vermögenswerten nur in Teilbereichen regelt und in der Praxis z.T. erheblicher Klärungsbedarf besteht. Daher hat das IDW die Stellungnahme zur Rechnungslegung: Einzelfragen der Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach IFRS 9 (IDW RS HFA 48) um einige Textziffern und einen Anhang ergänzt.

Weitere Informationen zur Verlautbarung finden Sie auf der Homepage des IDW.

Sollten Sie hierzu Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

EBA-Konsultation zur Anpassung der FinRep-Meldevorschriften (Datenmodel 2.9)

Die European Banking Authority (EBA) hat am 28. August 2018 eine Konsultation zur Anpassung der FinRep-Meldevorschriften (Datenmodel 2.9) gestartet. Die vorgeschlagenen Anpassungen beziehen sich auf die Meldung bzw. den Ausweis von Forbearance und Non-Performing Exposure, auf die Darstellung von Positionen in der Gewinn- und Verlustrechnung sowie vereinzelt auf Angaben zu IFRS 16 (Leasing). Ziel der Konsultation ist es die Konsistenz zu weiteren aufsichtlichen Vorschriften zu wahren sowie den zunehmenden Bedürfnissen der Aufsicht zur Risikoeinschätzung und -überwachung Rechnung zu tragen.

Die Konsultationsfrist endet am 27. November. Die erstmalige Meldung nach den angepassten Meldevorschriften ist für den 31. März 2020 geplant. Von den Anpassungen sind sowohl IFRS- Anwender als auch nGAAP-Anwender betroffen.

Mit der Anpassung der Meldeanforderungen zu Forbearance und Non-Performing Exposure zielt die EBA darauf ab, ihre Fähigkeit zur Risikoeinschätzung und -überwachung von ausgefallenen Portfolien zu stärken. Hierzu sieht das aktuelle Konsultationspapier fünf weitere FinRep-Tabellen mit zahlreichen Untertabellen vor:

  • F23 – Loans and advances: additional information
  • F24 – Flows of non performing exposures, impairment & write offs since the end of the last financial year – loans and advances
  • F25 – Collateral obtained by taking possession and execution processes
  • F26 – Forbearance management and quality of forbearance
  • F47 – Average duration and recovery periods

Um den Anforderung an das Proportionalitätsprinzip Rechnung zu tragen, ist aktuell eine Meldepflicht dieser Tabellen nur für Institute mit einem NPL-Ratio von mehr als 5% im Gespräch. Unabhängig von der Höhe der NPL-Ratio ist geplant, die Tabellen F18 (Non-Performing Exposure) und F19 (Forbearance) um Aufgliederungen nach Commercial Real Estates Loans und der LTV-Ratio zu ergänzen und die bereits enthaltenen Überfälligkeitenbänder zu modifizieren.

Zusätzlich ist geplant, die Tabellen zu erhaltenen Sicherheiten (F 13 – Collateral and guarantees received) umfangreich anzupassen und u.a. eine granulare Aufteilung auf Basis der Art der Sicherheit vorzunehmen. Die Anpassungen hinsichtlich GuV-Positionen beziehen sich primär auf administrative Ausgaben. Für IFRS-Anwender ist zusätzlich der Ausweis von Nutzungsrechten nach IFRS 16 gefordert.

Unter folgendem Link finden Sie weitere Informationen zu den vorgeschlagenen Anpassungen der EBA inkl. einer Darstellung der Tabellen: www.eba.europa.eu/regulation-and-policy/supervisory-reporting/its-on-supervisory-reporting-amendments-with-regards-to-finrep

Zusätzlich zu den Anpassungen der FinRep-Meldevorschriften plant die EBA auch die CoRep-Meldevorschriften sowie die CoRep-LCR-Meldevorschriften anzupassen. Auch hierzu wurden Konsultationen gestartet. Weitere Informationen finden Sie unter folgendem Link: www.eba.europa.eu/-/eba-launches-consultations-on-supervisory-reporting-for-the-reporting-framework-2-9-and-prepares-for-its-modular-release