Kategorie: IBOR Reform

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Phase 2 der IBOR-Reform: Implikationen fĂŒr die Praxis

Der Exposure Draft (ED) des IASB zur 2. Phase des IBOR-Projekts (siehe auch den Beitrag im Accounting Aktuell Blog „IBOR-Reform: Exposure Draft zur Phase 2 veröffentlicht“) sieht Änderungen an IFRS 9, IAS 39, IFRS 7, IFRS 4 und IFRS 16 vor.

Gegenstand der geplanten Regelungen ist die Bilanzierung von bestimmten Modifikationen vertraglicher Zahlungsströme, die als direkte Konsequenz aus der IBOR-Reform erforderlich geworden sind. DarĂŒber hinaus sieht der ED Regelungen fĂŒr die Abbildung solcher Anpassungen bei GeschĂ€ften im Hedge Accounting vor.

Nachfolgend werden die VorschlĂ€ge des IASB in Bezug auf Finanzinstrumente und wesentliche Handlungsfelder daraus im Überblick dargestellt:

Modifikationen von Finanzinstrumenten  

Eine Änderung der vertraglichen Zahlungsströme ist nach dem ED dann aufgrund der IBOR-Reform erforderlich geworden, wenn die folgenden beiden Voraussetzungen erfĂŒllt sind:

  1. Die Modifikation ist als direkte Konsequenz aus der IBOR-Reform erforderlich und
  2. die neue und alte Basis (d.h. die Basis unmittelbar vor der Änderung) fĂŒr die Bestimmung der vertraglichen Zahlungsströme sind wirtschaftlich Ă€quivalent.

FĂŒr solche Modifikationen, die entweder durch eine formale Vertragsanpassung oder durch bereits vereinbarte und nunmehr ‚aktivierte‘ Fallback-Klauseln vorgenommen werden, ist als praktische Vereinfachung (practical expedient) die Anwendung der Regelungen des IFRS 9.B5.4.5 (ehem. IAS 39.AG7) vorgesehen. Danach wird kein Modifikationsgewinn oder -verlust erfasst; die Behandlung erfolgt vielmehr analog zu einer Aktualisierung des variablen Referenzzinssatzes bilanziert. D.h. ab dem Zeitpunkt der Zinssatzanpassung ist das Zinsergebnis auf Basis der geĂ€nderten Zinsvereinbarung zu erfassen.

Worauf sollten Sie sich vorbereiten?

  • Beurteilung, ob Änderungen eine „direkte Folge“ der IBOR-Reform sind und auf „wirtschaftlich ausgeglichener“ Basis erfolgen (Ermessensentscheidung);
  • Anwendung des practical expedient zur Vermeidung von Modifikationsergebnissen bei nicht-derivativen Finanzinstrumenten, welche die Voraussetzungen erfĂŒllen;
  • Erfassung von Modifikationsergebnissen fĂŒr andere vertragliche Anpassungen.

Hedge Accounting

Die Ausnahmeregelungen ermöglichen die FortfĂŒhrung von designierten Hedgebeziehungen, auch dann, wenn durch die IBOR-Reform eine erforderliche Anpassung der GrundgeschĂ€fte oder Sicherungsinstrumente erfolgt und dies in der Hedge-Dokumentation angepasst wird (Designation eines neuen Referenzzinssatzes als gesichertes Risiko sowie entsprechende Aktualisierung der Hedge-Dokumentation).

Ein neuer Referenzzinssatz soll als Risikokomponente im Rahmen des Hedge Accountings abgesichert werden können, auch wenn dieser zum Zeitpunkt der Designation nicht das „separately identifiable“-Kriterium erfĂŒllt. Voraussetzung hierfĂŒr ist jedoch, dass das Unternehmen die begrĂŒndete Erwartungshaltung hat, dass der neue Referenzzinssatz binnen 24 Monaten ab seiner Designation als nicht-vertraglich spezifizierte Risikokomponente das „separately identifiable“-Kriterium erfĂŒllen wird. Eine verlĂ€ssliche Bewertbarkeit muss bereits bei Designation gegeben sein.

ZusĂ€tzlich beinhaltet der ED eine weitere Ausnahme, wonach ein Recycling der Cashflow-Hedge-RĂŒcklage in Folge der Änderung vertraglicher Zahlungsströme verhindert werden soll.

Worauf sollten Sie sich vorbereiten?

  • Aktualisierung der bestehenden Hedge-Dokumentation aufgrund der IBOR-Reform;
  • Aufteilung abgesicherter Gruppen von GrundgeschĂ€ften in zwei Teilmengen (i.S.v. Gruppen-Hedges), in AbhĂ€ngigkeit der zugrundeliegenden Risiken (IBOR-Referenzzinssatz vs. neuer Referenzzinssatz);
  • Absicherung einer neuen, noch nicht einzeln identifizierbaren Risikokomponente in Form eines neuen Referenzzinssatzes in bestehenden und neuen Sicherungsbeziehungen, sofern die begrĂŒndete Erwartungshaltung besteht, dass die Einzelidentifizierbarkeit binnen 24 Monaten gegeben sein wird (Ermessensentscheidung);
  • Wiederherstellung von Sicherungsbeziehungen, die vor Inkrafttreten der Amendments aufgrund von Änderungen aufgelöst wurden, die durch die IBOR Reform erforderlich waren.

Offenlegungspflichten

Ziel der qualitativen und quantitativen Angaben ist es, den Abschlussadressaten in die Lage zu versetzen, Art und Umfang der Risiken, die sich aus der IBOR-Reform fĂŒr das Unternehmen ergeben, den Umgang mit diesen Risiken sowie die Fortschritte des Unternehmens beim Übergang auf neue ReferenzzinssĂ€tze, nachvollziehen zu können.

Worauf sollten Sie sich vorbereiten?

  • Analyse des Datenhaushalts und, falls erforderlich, Entwicklung von Best Practices zur Erhebung der Art und des Ausmaßes der Risiken je Art von Finanzinstrument, die sich aus der IBOR-Reform auf das Unternehmen ergeben;
  • Definition von BewertungsmaßstĂ€ben, um zum Berichtszeitpunkt eine belastbare Aussage ĂŒber den Fortschritt des Übergangs auf alternative ReferenzzinssĂ€tze sowie die damit verbundenen Risiken treffen zu können.

 

Die vorgeschlagenen Änderungen des IFRS 4 soll es Versicherern, die IFRS 9 noch nicht anwenden, ermöglichen die Erleichterungen zur Abbildung von Modifikationen von Finanzinstrumenten unter IAS 39 analog anzuwenden.

Das IASB schlĂ€gt vor, dass die Änderungen fĂŒr GeschĂ€ftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2021 beginnen, anzuwenden sind. Eine vorzeitige Anwendung soll zulĂ€ssig sein.

Die Kommentierungsfrist endet am 25. Mai 2020. Die Veröffentlichung der finalen angepassten Standards ist fĂŒr Q3 2020 geplant.

Weitere Informationen sowie den Exposure Draft finden Sie auf der Homepage des IASB unter: https://www.ifrs.org/projects/work-plan/ibor-reform-and-its-effects-on-financial-reporting-phase-2/#current-stage

IASB finalisiert Phase 1 seines Projekts zur „IBOR-Reform“

Das IASB hat Änderungen an IFRS 9, IAS 39 und IFRS 7 veröffentlicht und damit die Phase 1 des Projekts „Interest Rate Benchmark Reform“ abgeschlossen. Die VorschlĂ€ge stehen im Zusammenhang mit der Reform von ReferenzzinssĂ€tzen (z. B. LIBOR), speziell mit der gegenwĂ€rtig bestehenden Unsicherheit darĂŒber, wann und wie die aktuellen ReferenzzinssĂ€tze ersetzt werden.

Die Änderungen an IFRS 9 und IAS 39 haben zur Folge, dass Hedge-Beziehungen, die ansonsten in Folge dieser Unsicherheit zu beenden gewesen wĂ€ren, fortzufĂŒhren sind. Dies wird dadurch erreicht, dass Unternehmen fĂŒr Zwecke bestimmter zukunftsgerichteter Beurteilungen unterstellen sollen, dass der Referenzzinssatz, auf dem ein abgesicherter Zahlungsstrom oder die Zahlungsströme eines Sicherungsinstruments basieren, durch die Reform nicht verĂ€ndert wird. Im Zusammenhang mit den vorgenannten Änderungen an IFRS 9 und IAS 39 wird IFRS 7 um Angabepflichten ergĂ€nzt, die insbesondere Art und Umfang der Betroffenheit des Unternehmens von der Reform der ReferenzzinssĂ€tze betreffen.

Die Änderungen sind ĂŒberwiegend deckungsgleich mit den VorschlĂ€gen in ED/2019/1 „Interest Rate Benchmark Reform“. Im Vergleich zum ED umfassen die finalen Änderungen insbesondere eine zusĂ€tzliche Anpassung an IAS 39, wonach wĂ€hrend der Unsicherheit durch die Reform auch solche Sicherungsbeziehungen weitergefĂŒhrt werden können, deren EffektivitĂ€t außerhalb der 80-125% Bandbreite liegt (wenn alle anderen Voraussetzungen erfĂŒllt sind).
Die Änderungen sind erstmals fĂŒr GeschĂ€ftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2020 beginnen, anzuwenden. Eine freiwillige vorzeitige Anwendung ist möglich.

Die Finalisierung der Änderungen markiert zugleich den Beginn der Phase 2 des Projekts „Interest Rate Benchmark Reform“ (siehe dazu auch unseren Beitrag vom 25.09.2019), wĂ€hrend der sich das IASB mit den potenziellen Auswirkungen der tatsĂ€chlichen Änderung von ReferenzzinssĂ€tzen beschĂ€ftigen und die Notwendigkeit weiterer StandardĂ€nderungen erörtern wird.

IBOR Reform and the Effects on Financial Reporting – Phase 2

Im Fokus des IASB Meetings vom 25. September 2019 standen der vorlĂ€ufige Umfang der in Phase 2 des IBOR Projekts zu behandelnden Fragestellungen im Zusammenhang mit der Umstellung der ReferenzzinssĂ€tze sowie ein indikativer Zeitplan inkl. der wesentlichen Diskussionspunkte fĂŒr zukĂŒnftige IASB Meetings.

Eine inhaltliche und zeitliche Zusammenfassung der 2. Phase kann folgender Tabelle entnommen werden:

Zeitpunkt Themengebiet
Oktober 2019 1.    Klassifizierung und Bewertung von Finanzinstrumenten: Modifikationen, SPPI-Kriterium, GeschÀftsmodell-Kriterium, Eingebettete Derivate
November 2019 2.    Hedge Accounting: Designation von Hedge-Beziehungen
Dezember 2019

3.    Hedge Accounting (Fortsetzung): Ende der Erleichterungsbestimmungen

4.    Weitere IFRS: Potenzielle Auswirkungen auf andere IFRS-Standards

Januar / Februar 2020

5.    Sonstige/neue identifizierte Probleme

6.    Disclosures: Notwendigkeit fĂŒr zusĂ€tzliche Offenlegungsanforderungen

Das vom Staff vorgeschlagene Vorgehen zur Analyse der aus der IBOR Reform resultierenden Problemstellungen sieht folgende Schritte vor:

  • Identifizierung potenzieller Bilanzierungsprobleme, die auftreten können, wenn ein bestehender Benchmark-Zins reformiert oder durch einen alternativen Benchmark-Satz ersetzt wird;
  • PrĂŒfung, ob die IFRS-Standards eine ausreichende Grundlage bieten, um zu regeln, wie die im Zusammenhang mit der Reform möglicherweise auftretenden Rechnungslegungsfragen zu bilanzieren sind; und
  • Beurteilung, ob die aus der Anwendung der IFRS-Standards resultierende Bilanzierung die nĂŒtzlichsten Informationen fĂŒr die Adressaten von AbschlĂŒssen liefern wĂŒrde.

Der Webcast und die dem Meeting zugrundeliegenden Agenda-Paper können unter folgendem Link abgerufen werden: https://www.ifrs.org/news-and-events/calendar/2019/september/international-accounting-standards-board/

IASB Meeting zur IBOR-Reform am 28.08.2019

Das IASB hat in seiner Sitzung am 28. August 2019 die VorschlĂ€ge zu den Änderungen, die aus dem Feedback zum Exposure Draft „ED/2019/1 Interest Rate Benchmark Reform (Vorgeschlagene Änderungen an IFRS 9 und IAS 39)“ in der Juli-Sitzung hervorgegangen sind, besprochen. Zudem hat das IASB eine Entscheidung ĂŒber das Abstimmungsverfahren hinsichtlich der Änderungen an IFRS 9 und IAS 39 getroffen.

Veröffentlichung der vorgeschlagenen Änderungen an IFRS 9 und IAS 39 (Agenda Paper 14A)

Folgende Entscheidungen wurden durch das IASB vorlÀufig getroffen:

  • IAS 39 soll um eine Ausnahme zur retrospektiven Bewertung erweitert werden, so dass wĂ€hrend der Unsicherheit durch die Reform auch solche Sicherungsbeziehungen weitergefĂŒhrt werden können, deren EffektivitĂ€t außerhalb der 80-125% Bandbreite liegt.

Dieser Vorschlag wurde von 10 Mitgliedern des IASB befĂŒrwortet, vier Mitglieder stimmten dagegen.

  • Makro-Hedges sollten dahingehend beurteilt werden, ob eine nicht vertraglich festgelegte Risikokomponente separat identifizierbar ist, wenn das abgesicherte GrundgeschĂ€ft innerhalb des Makro-Hedges designiert wird. FĂŒr ein GrundgeschĂ€ft, das innerhalb eines Makro-Hedges designiert wurde, sollte keine Neubeurteilung dahingehend durchgefĂŒhrt werden, ob die Risikokomponente bei einer spĂ€teren Neugestaltung dieses GrundgeschĂ€fts in derselben Sicherungsbeziehung separat identifizierbar ist.

Alle 14 IASB-Mitglieder stimmten dieser Entscheidung zu.

  • Die endgĂŒltigen Änderungen an IFRS 9 und IAS 39 sollen sicherstellen, dass fĂŒr als GrundgeschĂ€fte designierte Gruppen die im ED vorgeschlagenen Vorschriften zum Ende der Anwendung fĂŒr jedes GrundgeschĂ€ft innerhalb der designierten Gruppe gelten.

Alle 14 Mitglieder stimmten dieser Entscheidung zu.

  • Vorgeschlagene Änderungen des Anwendungsbereichs sollten nur insoweit angenommen werden, dass die Ausnahmen lediglich fĂŒr solche Sicherungsbeziehungen gelten, die direkt von der Unsicherheit auf zinsbenchmark-basierte Cashflows aus der IBOR-Reform betroffen sind. Handelt es sich um Sicherungsbeziehungen, bei denen das Zinsrisiko nicht das einzige abgesicherte Risiko darstellt, beziehen sich die vorgeschlagenen Änderungen lediglich auf IBOR-bezogene Cashflows.

Diesem Vorschlag stimmten alle 14 IASB-Mitglieder zu.

  • Eine Ausnahme von den Offenlegungsanforderungen in Paragraph 28(f) des IAS 8 soll bei der erstmaligen Anwendung der Änderungen gelten. Die Offenlegungsanforderungen zu den im ED vorgeschlagenen Ausnahmen sollen ebenfalls vereinfacht werden, so dass im Anhang des Jahresabschlusses die folgenden Angaben enthalten sein sollten:
    • eine Beschreibung der wesentlichen Benchmark-ZinssĂ€tze, denen die Sicherungsbeziehungen ausgesetzt sind;
    • eine ErlĂ€uterung, wie der Übergang zur Verwendung eines alternativen Benchmark-Zinssatzes gesteuert wird sowie die Auswirkungen auf die Risikomanagementstrategie;
    • eine ErlĂ€uterung der wesentlichen Annahmen oder ErmessensspielrĂ€ume, die bei der Anwendung der Ausnahmen auf diese Sicherungsbeziehungen im Rahmen der Änderungen zu treffen sind;
    • der Nominalbetrag der Sicherungsinstrumente und das Ausmaß des gesteuerten Risiko-Exposures, das von der Reform betroffen ist.

Von 12 der 14 IASB-Mitgliedern wurden die VorschlĂ€ge befĂŒrwortet.

Konsultationsprozess und Genehmigung des Abstimmungsverfahrens (Agenda Paper 14B)

Alle 14 Mitglieder des Staffs stimmten zu, die Änderungen an IFRS 9 und IAS 39 nicht erneut zur öffentlichen Kommentierung freizugeben.

IASB veröffentlicht ED zu Phase 1 des IBOR Projekts

Das International Accounting Standards Board (IASB) hat wie avisiert (siehe Blog-Beitrag vom 20. MĂ€rz 2019) am 3. Mai 2019 den Exposure Draft Interest Rate Benchmark Reform – Proposed amendments to IFRS 9 and IAS 39 (ED/2019/1) zur ersten Phase des IBOR Projekts veröffentlicht.

Der ED/2019/01 ist eine Reaktion des IASB auf die Auswirkungen in der Bilanzierung aufgrund der Umstellung der Benchmark-ZinssÀtze (z.B. LIBOR und EURIBOR). Er beinhaltet im Wesentlichen VorschlÀge zur Anpassung der Hedge Accounting Regelungen des IFRS 9 und IAS 39. Themen, die nach der Umstellung der Benchmark-ZinssÀtze an Relevanz gewinnen, bspw. Modifikation vs. Abgang von Finanzinstrumenten als Konsequenz aus Vertragsanpassungen, werden vom IASB separat behandelt.

Die folgenden Punkte skizzieren die wesentlichen in IFRS 9 und IAS 39 zu ergÀnzenden Erleichterungsbestimmungen:

  • Das highly probable Kriterium soll angepasst werden. Bei der Beurteilung der Wahrscheinlichkeit, dass eine geplante Transaktion stattfinden wird, kann davon ausgegangen werden, dass die IBOR-basierten Vertragsbedingungen durch die IBOR-Reform nicht geĂ€ndert werden;
  • Die prospektive EffektivitĂ€tsbeurteilung von Hedge-Beziehungen soll unter der Annahme durchgefĂŒhrt werden, dass die IBOR-basierten vertraglichen Cashflows aus dem Sicherungsinstrument und dem GrundgeschĂ€ft durch die IBOR-Reform nicht verĂ€ndert werden;
  • Bestehende Hedge-Beziehungen, die eine nicht vertraglich festgelegte IBOR-Risikokomponente absichern, sollen fortgefĂŒhrt werden, wenn die separate identifiable Anforderung zu Beginn der Sicherungsbeziehung als erfĂŒllt galt, auch wenn die Anforderung zu einem spĂ€teren Zeitpunkt nicht mehr erfĂŒllt wird.

Die vorstehenden Erleichterungsbestimmungen sollen die FortfĂŒhrung von bestimmten Hedge-Beziehungen ermöglichen, die ansonsten aufgrund von Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Umstellung der Benchmark-ZinssĂ€tze ggf. beendet werden mĂŒssten. Die Anwendung soll verpflichtend sein, bis entweder keine Unsicherheit mehr ĂŒber den Zeitpunkt und die Höhe der Cashflows besteht oder die relevanten Hedge-Beziehungen beendet werden und zum anderen sowohl fĂŒr bestehende als auch fĂŒr neue Hedge-Beziehungen gelten.

Die Kommentierungsfrist fĂŒr den ED/2019/1 endet am 17. Juni 2019. Die Veröffentlichung des finalen Standards wird fĂŒr Ende 2019 erwartet, mit verpflichtendem Erstanwendungszeitpunkt zum 1. Januar 2020.

Weitere Informationen finden Sie im PwC In brief: The effect on hedge accounting of the reform of LIBOR and other similar rates.

 

Zwischenergebnisse des IASB-Projekts zur IBOR-Reform

Das International Accounting Standards Board (IASB) beschĂ€ftigt sich im IBOR Projekt mit den Auswirkungen des Ersatzes der Benchmark-ZinssĂ€tze (z.B. LIBOR und EURIBOR). Die Änderung dieser ZinssĂ€tze kann erhebliche Auswirkungen auf die Bilanzierung haben. DiesbezĂŒglich hat das IASB diverse Meetings abgehalten und entschieden, in einem ersten Schritt die kurzfristigen Auswirkungen auf das Hedge Accounting zu behandeln. Eine Übersicht ĂŒber das IASB Projekt finden Sie hier (https://www.ifrs.org/projects/work-plan/ibor-reform-and-the-effects-on-financial-reporting/).

Die folgenden Punkte stellen die wichtigsten Entscheidungen der IASB-Meetings im Februar und MĂ€rz 2019 dar:

  • BezĂŒglich des highly probable-Kriteriums beim Cash Flow Hedge Accounting sollen Erleichterungen gewĂ€hrt werden, um die Auswirkungen von Unsicherheiten (Zeitpunkt und genaue Ausgestaltung der neuen IBORs) zu verringern. Insbesondere soll der Bilanzierende fĂŒr Zwecke der Beurteilung der Wahrscheinlichkeit, dass eine forecast transaction eintreten wird, davon ausgehen, dass die IBOR-basierten Vertragsbedingungen unverĂ€ndert bleiben.
  • Die Beurteilung ob eine wirtschaftliche Beziehung zwischen Grund- und SicherungsgeschĂ€ft besteht (IFRS 9) bzw. die prospektive Beurteilung der EffektivitĂ€t (IAS 39), soll auf der Grundlage der gegenwĂ€rtigen vertraglichen Cashflows aus dem Sicherungsinstrument und dem GrundgeschĂ€ft vorgenommen werden.
  • Die Erleichterungen sind obligatorisch anzuwenden bis keine Unsicherheiten (Zeitpunkt und Betrag der Cash Flows) bestehen bzw. maximal bis zur Beendigung der Sicherungsbeziehung.

Das IASB plant die Veröffentlichung eines Exposure Drafts im zweiten Quartal 2019 mit einer sich anschließenden 45-tĂ€gigen Kommentierungsfrist. Die geplanten Änderungen sollen im Januar 2020 in Kraft treten.

Zins-Benchmark-Reformen und die Auswirkungen auf die Bilanzierung

GegenwĂ€rtig unterliegen die bisher verwendeten Zins-Benchmarks wie EONIA, EURIBOR und LIBOR einem Reformprozess, an dessen Ende modifizierte und neue Benchmarks sowie eine verĂ€nderte Produkt- und Zinsmanagement-Welt stehen werden. Getrieben ist dieser Reformprozess durch die Regulierung (EU-Benchmark-Verordnung mit Ablauf der Übergangsfrist zum 31. Dezember 2019) und die Notwendigkeit, eine Lösung dafĂŒr zu finden, dass der unbesicherte Interbanken-Geldmarkt, dessen Renditen die bisherigen Indizes abbilden sollen, nicht mehr hinreichend liquide ist, um ausreichend transaktionsbasierte Daten zu liefern.

Wie der Zielzustand der Produkt- und Zinsmanagement-Welt nach Abschluss der Übergangszeit aussehen wird, ist noch nicht in jeder Hinsicht absehbar, zumal die Anpassungen in den Produktwelten nicht koordiniert erfolgen. Es liegt im Bereich des Möglichen, dass sich in den MĂ€rkten fĂŒr Kassa-Instrumente und derivative Instrumente unterschiedliche Lösungen entwickeln, mit der Folge des Entstehens von Zins-Basisrisiken, wo bisher keine waren.

Im Zusammenhang mit den begonnenen und noch bevorstehenden VerÀnderungen stellen sich zahlreiche Bilanzierungsfragen:

Bewertungsfragen

  • Wie lange können zinsvariable Cashflows, die auf den alten Indizes basieren, noch ausgerollt, d.h. die nötigen Forward-ZinssĂ€tze noch aus liquiden Kurven abgeleitet werden, und wie ist vorzugehen, wenn dies nicht mehr möglich ist?
  • Wie lange sollen die bisher verwendeten Bewertungskurven noch fĂŒr die Fair-Value-Ermittlung (einschließlich Notes-Fair-Values) verwendet werden bzw. ist ein Wechsel auf neue, liquidere Kurven geboten?
  • Folgefrage: (Wie) kann das Entstehen einer Fair-Value-Sprungstelle im Moment des Wechsels der Kurven vermieden werden? Oder ist eine solche Sprungstelle sachgerecht?
  • Gibt es Bewertungen jenseits der Finanzinstrumente, in denen die Bewertungskurven auszutauschen oder anzupassen sind, weil bisher SwapsĂ€tze in diese Bewertungen eingeflossen sind (RĂŒckstellungen, Leasing, etc.).
  • FĂŒr HĂ€user, die in ihrer Finanzberichtserstattung alternative Performance-Measures (Non-GAAP-Financial-Measures) verwenden: Wann werden bezĂŒglich dieser MessgrĂ¶ĂŸen die Bewertungskurven gewechselt und wie gestaltet sich der Umgang mit einer Sprungstelle?

Modifikations-/Abgangs-/Klassifizierungsfragen

  • Wann liegt bei zinsvariablen originĂ€ren oder derivativen Produkten, die im Zuge der Reformen angepasst werden, bilanziell ein Abgang- und Neuzugang und wann eine Modifikation ohne Abgangsfolge vor?
  • Ändern sich die Einstufungen in der dreistufigen Fair-Value-Hierarchie in Folge der Verringerung der LiquiditĂ€t bezogen auf alte Kurven von Level 2 auf Level 3?

Hedge-Accounting-Fragen

  • Bei Cash-Flow-Hedges von zinsvariablen Zahlungsströmen, deren Kupons an die alten Indizes geknĂŒpft sind, stellt sich die Frage, wie lange diese Zahlungsströme der Höhe nach noch verlĂ€sslich bestimmt werden können bzw. ggf. noch grundsĂ€tzlicher die Frage, wie lange diese Zahlungsströme hinsichtlich ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit noch als hochwahrscheinlich eingestuft werden können.
  • Bei Fair-Value-Hedges stellt sich die Frage, ob und wann der Austausch des Hedged Risk von der bisher verwendeten Swapkurve (z.B. 3M- oder 6M-basierte-Swapkurve) zu Gunsten von einer der neuen Kurven erfolgen sollte bzw. muss, mit der Folgefrage, ob ein solcher Wechsel in einer fortlaufenden Hedge-Designation möglich ist oder zwingend eine Neu-Designation erfolgen muss.
  • Sofern produktseitige Anpassungen bei Produkten mit variablen Zinsen (einschließlich Swaps) bilanziell zu einem Abgang und Neuzugang fĂŒhren, stellt sich die Frage, ob Hedge-Accounting in dieser Situation stetig fortgesetzt werden kann oder ob das Board hierfĂŒr eine Ausnahmeregelung schaffen muss (Ă€hnlich wie dies im Jahr 2013 beim Übergang auf das OTC-Clearing geschehen ist).
  • Ggf. entsteht ein Bedarf an ganz neuen Hedge-Accounting-Lösungen (z.B. fĂŒr Zins-Basis-Swaps, die als Overlay zu den variablen Legs der Zinsswaps oder Cross-Currency-Swaps gehandelt werden, um Zins-Basisrisiken auszusteuern).

Zinsergebnisvereinnahmungsfragen (Effektivzinsmethode)

  • Wenn in der neuen Produktwelt die Höhe von variablen Zinskupons u.U. erst am Ende der Zinsperiode feststeht (weil beispielsweise in der neuen Welt ein 3-Monats-Zinskupon als Höhe des Durchschnitts der Overnight-Zinsen der Periode ermittelt wird), stellt sich die Frage, wie in diesem Fall die in der Bilanz abzugrenzenden Zinsen der Höhe nach bestimmt werden sollen.
  • Sofern die Anpassung eines zinsvariablen Produkts nicht bilanziell als Neuzugang abgebildet wird, stellt sich die Frage, wie die Effektivzinsmethode anzuwenden ist.

Einige dieser Fragestellungen können schon in der Übergangszeit eine Abschlussrelevanz bekommen, z.B. die Fragestellungen zum Cashflow-Ausrollen bei variabel verzinslichen Produkten, zum Austausch von Bewertungskurven zu Gunsten von neuen liquideren Kurven und zum Wechsel des Hedged Risk, andere Fragestellungen werden erst mit bzw. nach dem Wechsel schlagend.

Vor dem Hintergrund der zuvor beschriebenen Entwicklungen und Fragestellungen hat das IASB in seinem Meeting am 12. Dezember 2018 beschlossen,

  • die IBOR & Reference Rate Reform auf das IASB-Standard-Setting-Programm zu nehmen und
  • die Analyse von denjenigen Aspekten, die bereits eine Abschlussrelevanz vor dem eigentlichen Wechsel haben bzw. bekommen können, zu priorisieren und erst anschließend solche Fragestellungen zu analysieren, die erst mit oder nach dem Zeitpunkt des Wechsels schlagend werden.

Das Board ist sich der hohen KomplexitĂ€t und Dringlichkeit des Themas bewusst und ist sich zudem darĂŒber einig, dass bei diesem Thema eine proaktive und flexible inhaltliche Analyse unter Einbezug der betroffenen Marktteilnehmer erforderlich ist und als einer der nĂ€chsten Schritte auch erfolgen wird.

Unsere Experten unterstĂŒtzen Sie gerne bei der Vorbereitung auf die anstehenden Änderungen. Sprechen Sie uns an.

Judith Gehrer, Peter Flick, Joachim Krakuhn und Peter SchĂŒz

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