Kategorie: Risikovorsorge

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BFA-Hinweis zu Wertminderungen von Finanzinstrumenten nach IFRS 9 im Quartalsabschluss von Banken zum 31.03.2020

Der IDW Bankenfachausschuss (BFA) hat den unter Mitwirkung des IDW Arbeitskreises Finanzinstrumente nach IFRS erarbeiteten fachlichen Hinweis zu den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf Wertminderungen von Finanzinstrumenten nach IFRS 9 im Quartalsabschluss von Banken zum 31.03.2020 verabschiedet und veröffentlicht.

Der BFA unterstützt die von der ESMA im Rahmen des Public Statements „Accounting implications of the COVID19 outbreak on the calculation of expected credit losses in accordance with IFRS 9” veröffentlichten Auffassungen. 

Wesentliche Aussagen sind: 

  • Staatliche MaĂźnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft sollen bei der Beurteilung eines signifikanten Anstiegs des Kreditrisikos berĂĽcksichtigt werden und sollten nicht bereits alleine dazu fĂĽhren, dass ein Stufentransfer vorgenommen wird. 
  • Im Falle eines Zahlungsverzugs von größer 30 Tagen ist sorgfältig zu prĂĽfen, ob die Vermutung eines signifikanten Anstiegs des Kreditrisikos widerlegt werden kann.
  • Bei Gewährung eines Zugeständnisses in Folge der Corona-Pandemie ist unter BerĂĽcksichtigung aller Fakten und Umstände zu wĂĽrdigen, ob es sich um eine signifikante Erhöhung des Kreditrisikos handelt oder nur ein temporärer Liquiditätsengpass vorliegt. Im letzteren Fall ist kein Stufentransfer vorzunehmen.
  • Auf langfristige stabile Szenarien soll ein höheres Gewicht gelegt werden und somit kurzfristige Entwicklungen nicht ĂĽbergewichtet werden.  
  • Ă–ffentliche Garantien: Der Wert von Sicherheiten oder das Schlagendwerden einer Garantie haben keine Auswirkung auf die signifikante Erhöhung des Kreditausfallrisikos. Ă–ffentliche Garantien sind grundsätzlich im Rahmen der Bemessung der erwarteten Verluste zu berĂĽcksichtigen. Die konkreten bilanziellen Folgen hängen allerdings von der genauen Ausgestaltung der öffentlichen Garantien ab.
  • Vertragsmodifikationen: Es ist sorgfältig zu analysieren, ob die staatlichen StabilisierungsmaĂźnahmen zu einer Modifikation eines Finanzinstruments fĂĽhren mit der Folge, dass dieses – sofern substanziell – auszubuchen und als neues Finanzinstrument wieder angesetzt werden mĂĽsste.

Den fachlichen Hinweis des BFA finden Sie unter folgendem Link: https://www.idw.de/idw/idw-aktuell/auswirkungen-der-coronavirus-pandemie-auf-wertminderungenvon-finanzinstrumenten-nach-ifrs-9-im-quartalsabschluss-von-banken-zum-31-03-2020–fachlicher-hinweis-des-idw-/122896

Die Veröffentlichung der ESMA vom 25. März 2020 erreichen Sie hier: https://www.esma.europa.eu/press-news/esma-news/esma-issues-guidance-accounting-implications-covid-19

 

Ihre Ansprechpartner:

Judith Gehrer
Tel: +49 175 5860054
judith.gehrer@pwc.com

Joachim Krakuhn
Tel: +49 175 9368663
joachim.krakuhn@pwc.com

Peter SchĂĽz
Tel: +49 151 14261208
peter.schuez@pwc.com

 

Auswirkungen von COVID-19 auf Bilanzierung und Berichterstattung

Die COVID-19 Pandemie stellt Unternehmen vor weitreichende Herausforderungen. FĂĽr Banken ergeben sich auch wesentliche Auswirkungen auf die Bilanzierung und Berichterstattung.

Im folgenden Beitrag „PwC’s Banking Spotlight“ haben wir die Top 5 Bilanzierungsthemen fĂĽr Banken beleuchtet:

  • Risikovorsorge-Ermittlung
  • Identifikation eines „significant increase in credit risk“ (SICR)
  • Modifikationen und Forbearance
  • Berichterstattung
  • StĂĽtzungsmaĂźnahmen der Regierung

Sprechen Sie uns an. Gerne erörtern wir die Implikationen für Ihr Haus mit Ihnen.

Ihre Ansprechpartner:

Judith Gehrer
Tel: +49 175 5860054
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Joachim Krakuhn
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Die neuen Regelungen des IDW RS BFA 7

Am 8. Februar 2020 hat der Bankenfachausschuss (BFA) des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) die finale Fassung des IDW RS BFA 7 veröffentlicht (BFA 7). Dieser konkretisiert das Vorgehen zur Ermittlung einer Risikovorsorge für vorhersehbare, noch nicht individuell konkretisierte Adressenausfallrisiken im Kreditgeschäft (Pauschalwertberichtigung) im handelsrechtlichen Jahresabschluss von Kreditinstituten. Für die Bilanzierenden stellen sich in diesem Kontext u.a. die nachfolgend aufgeführten Fragen:

  • Wer hat die neuen Regelungen des BFA 7 zu berĂĽcksichtigen und ab wann sind sie anzuwenden?

Relevant sind die Vorgaben in erster Linie für Kreditinstitute, die unter die Definitionen des § 1 KWG fallen. Erstmalig anzuwenden ist BFA 7 für Geschäftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2021 beginnen und damit, bei Identität von Kalenderjahr und Geschäftsjahr, erstmalig im FinRep-Reporting zum 31. März 2022. Eine vorzeitige Anwendung ist zulässig.

  • Wie bestimmen sich sachlicher Anwendungsbereich und Bemessungsgrundlage?

Anzuwenden sind die Regelungen auf die Bilanzposten Forderungen an Kreditinstitute und Kunden (§§ 14, 15 RechKredV). Darüber hinaus fallen auch Eventualverbindlichkeiten und andere Verpflichtungen (§§ 26, 27 RechKredV) in den sachlichen Anwendungsbereich, soweit mit ihrer Inanspruchnahme ernsthaft zu rechnen ist.
Die Bemessungsgrundlage für die Berechnung der Pauschalwertberichtigung ist der handelsrechtliche Buchwert bzw. Verpflichtungsumfang der Geschäfte. Stille oder offene Vorsorgereserven für allgemeine Bankrisiken (i.S.d. §§ 340f und 340g HGB) mindern die Bemessungsgrundlage nicht.

  • Welche Regelungen und Vereinfachungen enthält BFA 7? 

BFA 7 stellt zunächst Grundsätze dar, die bei der Ermittlung der Risikovorsorge zu berücksichtigen sind. Ein zentraler Grundsatz besteht darin, dass die Pauschalwertberichtigung die erwarteten Verluste über die gesamte Restlaufzeit (ELL) der im Anwendungsbereich befindlichen Geschäfte berücksichtigen soll. Zu deren Ermittlung beschreibt BFA 7 keine konkrete Methode, sieht aber vor, dass das Vorgehen nicht hinter die im internen Risikomanagement verwendeten Methoden zurückfallen darf. Daneben werden weitere Grundsätze formuliert. 

Sofern der Bilanzierende aus dem Kreditisikomanagement ĂĽber eindeutig identifizierbare Bonitätsprämien verfĂĽgt, muss er diese – sofern das Anrechnungsverfahren zur Anwendung kommt – dem erwarteten Verlust ĂĽber die Restlaufzeit gegenĂĽberstellen. Es ist zulässig dies zu tun, wenn die Kreditrisikoprämien zwar nicht in der Steuerung verwendet, aber eindeutig ermittelt werden können.

  • Welche Bewertungsvereinfachungen enthält BFA 7? 

Als Bewertungsvereinfachung dürfen die Bilanzierenden auf Basis der Annahme einer Ausgeglichenheit zwischen Bonitätsprämein und erwartetem Verlust im Zugangszeitpunkt vereinfachend den 12-Monats-Expected Loss (12-M-EL) als Pauschalwertberichtigung berücksichtigen. 

Im Rahmen der Folgebewertung muss geprĂĽft werden, ob diese Annahme immer noch Bestand hat bzw. ist nachzuweisen, dass keine deutliche Risikoerhöhung seit Kreditvergabe eingetreten ist. Ist dies nicht erfĂĽllt, ist das Grundmodell anzuwenden; also eine Schätzung des erwarteten Verlust ĂĽber die Restlaufzeit (ggf. – sofern die Voraussetzungen erfĂĽllt sind – unter BerĂĽcksichtigung der Gegenrechnung von Kreditrisikoprämien). Um dies zu gewährleisten muss eine entsprechende Analyse implement werden. Ebenso muss es dem Bilanzierenden möglich sein, das Grundmodell anzuwenden, da a priori nicht bestimmt werden kann, ob die erforderlichen  Nachweise fĂĽr die Beibehaltung der Bewertungsvereinfachung immer fĂĽr den gesamten Bestand gelingen. 

Als weitere Bewertungsvereinfachung darf auch die IFRS-9-Methodik für die Stufen 1 und 2  übernommen und auf die HGB-Bemessungsgrundlage angewendet werden. Diese vom IDW als Vereinfachung bezeichnete Methodik dürfte nur für IFRS-Bilanzierer eine Vereinfachung darstellen, auch wenn sie allen Bilanzierenden zugänglich ist. Insgesamt ergeben sich danach die folgenden Ansätze zur Ermittlung der Pauschalwertberichtigung:

  • Ist es möglich, innerhalb eines Instituts auch verschiedene Verfahren anzuwenden?

Ja, BFA 7 gewährt grundsätzlich Methodenfreiheit. Demzufolge kommen auch unterschiedliche Methoden in Betracht, wenn dies entsprechend begründet werden kann.

  • Welche praktischen Auswirkungen ergeben sich? 

Zunächst gilt es zu entscheiden, ob eine der im BFA 7 genannten Bewertungsvereinfachungen oder ein anderes Verfahren (unter Beachtung des Grundmodells) angewendet werden soll. Relevant ist in diesem Kontext u.a. die Frage, ob verlässlich ermittelbare Bonitätsprämien zur Verfügung gestellt werden können. In diesem Fall kommt die Anwendung des Anrechnungsverfahrens in Betracht. Dieses führt erwartungsgemäß zu einer vergleichsweise geringen Pauschalwertberichtigung, stellt aber auch höhere Prozessanforderungen. Für IFRS-Bilanzierer kann auch die Anwendung der IFRS-9-Methodik im HGB-Abschluss relevant sein, um von ähnlichen  Prozessen zu profitieren und die Risikovorsorge nach HGB und IFRS anzugleichen. 

Insgesamt gilt es die folgenden Aspekte gegeneinander abzuwägen und darauf basierend die Entscheidung für ein Umsetzungsvorgehen zu treffen: Implementierungsaufwand, laufende Prozesskosten, Ergebniseffekte und Auswirkungen auf das (regulatorische) Eigenkapital. 


Eine detaillierte Darstellung der neuen Vorgaben und deren Implikationen haben wir in unserem Beitrag Pauschalwertberichtigungen fĂĽr latente Adressenausfallrisiken im handelsrechtlichen Jahresabschluss von Kreditinstituten – Die neuen Regelungen des IDW RS BFA 7 vom März 2020 in der IRZ – Zeitschrift fĂĽr Internationale Rechnungslegung vorgenommen
(IRZ, Heft 3, 2020).

 

 

IDW veröffentlicht BFA 7 zu Pauschalwertberichtigungen bei Kreditinstituten

Der Bankenfachausschuss (BFA) des Instituts der Wirtschaftsprüfer hat am 8. Februar die IDW Stellungnahme zur Rechnungslegung: „Risikovorsorge für vorhersehbare, noch nicht individuell konkretisierte Adressenausfallrisiken im Kreditgeschäft von Kreditinstituten („Pauschalwertberichtigungen“)“ (IDW RS BFA 7) in der Zeitschrift „IDW Life“ veröffentlicht. 

GegenĂĽber der im November 2019 als Diskussionsgrundlage veröffentlichten Fassung, gab es keine inhaltlichen Ă„nderungen mehr. AusfĂĽhrungen zu Anhang und Lagebericht wurden ergänzt. Ăśber die Diskussionsgrundlage hatten wir bereits in unserem FS Accounting Blog vom 27. Januar berichtet („Neues zu IDW RS BFA 7„).

  • Die nun veröffentlichte Stellungnahme sieht vor, dass Pauschalwertberichtigungen zukĂĽnftig auf Basis eines Modells zu ermitteln sind, das die erwarteten Verluste fĂĽr die Restlaufzeit berĂĽcksichtigt.
  • Die Gegenrechnung von Bonitätsprämien ist grundsätzlich vorgesehen.
  • Soweit sich Bonitätsprämien und erwartete Verluste ausgleichen, ist keine Pauschalwertberichtigung zu bilden.
  • Zur Ermittlung der erwarteten Verluste ĂĽber die Restlaufzeit gewährt der BFA 7 dem Bilanzierenden Methodenfreiheit.
  • Die Ermittlung ist auf Einzelgeschäfts- oder Portfoliobasis möglich.
  • Als Bewertungsvereinfachung wird bei ErfĂĽllung bestimmter Bedingungen auch die Verwendung der erwarteten Verluste fĂĽr die kommenden 12 Monate fĂĽr zulässig erachtet.
  • Auch die Anwendung der IFRS-Methodik fĂĽr die Stufen 1 und 2 des IFRS 9-Impairment-Modells ist alternativ möglich.

Zu Einzelheiten vgl auch den Beitrag im Accounting Aktuell Blog.

Neues zu IDW RS BFA 7

Die Ermittlung der Risikovorsorge fĂĽr vorhersehbare, noch nicht individuell konkretisierte Adressenausfallrisiken im handelsrechtlichen Jahres- und Konzernabschluss von Instituten („Pauschalwertberichtigungen“) wird reformiert. Der bisher anzuwendende IDW St/BFA 1/1990 soll durch den IDW RS BFA 7 ersetzt werden, der fĂĽr Geschäftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2021 beginnen, anzuwenden sein wird. Eine vorzeitige Anwendung ist zulässig.

Das IDW hatte nach der Veröffentlichung des Entwurfs IDW ERS BFA 7 im Dezember 2018 und den hierzu erfolgten Kommentaren ein gegenüber dem Entwurf angepasstes  Diskussionspapier erstellt und am 5. Dezember 2019 öffentlich in einem Fachgespräch diskutiert. Die Eckpunkte der Diskussionsgrundlage sind im Fachgespräch auf Zustimmung gestoßen. Zwischenzeitlich hat das IDW auf seiner Website den Status “endgültig” für den IDW RS BFA 7 veröffentlicht. Inhalte wurden noch nicht dargestellt. Nach der im Fachgespräch vorgestellten Diskussionsgrundlage kann die  Pauschalwertberichtigung wie folgt ermittelt werden: 

  • Anwendung eines Anrechnungsmodells, in dem Pauschalwertberichtigungen auf Basis der erwarteten Verluste ĂĽber die Restlaufzeit ermittelt und die vertraglich vereinbarten Bonitätsprämien zur Deckung des Adressenausfallrisikos risikomindernd angerechnet werden dĂĽrfen, sofern sie hinreichend verlässlich ermittelt werden können
  • Verwendung des 12-Monats-Expected Loss, sofern eine Ausgeglichenheit zwischen Risikoprämien und Risikoerwartung zum Zeitpunkt der Kreditvergabe besteht und sich das Adressenausfallrisiko zum Stichtag nicht deutlich erhöht hat
  • Anwendung der IFRS-9-Methodik unter BerĂĽcksichtigung der HGB-Bemessungsgrundlage.

Während die Übernahme der IFRS-9-Methodik für IFRS Bilanzierer ggf. prozessuale Erleichterungen mit sich bringt und zu einer Annäherung der Risikovorsorge nach HGB an IFRS führt, hat diese gegenüber der Verwendung des 12-Monats-Expected Loss (sofern anwendbar) den Nachteil einer höheren Risikovorsorge. Das Anrechnungsmodell kann demgegenüber zu einer weiteren Reduzierung der Risikovorsorge führen, weil für jedes Geschäft dem erwarteten Verlust über die verbleibende Laufzeit die in den Konditionen antizipierten Risiken in Form der Bonitätsprämie gegenübergestellt werden. Insofern bildet das Anrechnungsmodell die Risiken im Portfolio ökonomisch am besten ab.

Die Diskussionsgrundlage für das Fachgespräch kann auf der Website des IDW unter folgendem Link abgerufen werden: https://www.idw.de/blob/120504/76f99631453ea1892cc95ca719a55bdb/diskussionsgrundlage-fachgespraech-data.pdf

IDW ERS BFA 7 – Einladung zu einem Fachgespräch

Das IDW lädt für den 5. Dezember 2019 zu einem Fachgespräch zur Bilanzierung von Pauschalwertberichtigungen von Instituten nach IDW ERS BFA 7 ein. Hierzu hat das IDW auf seiner Homepage eine Diskussionsgrundlage veröffentlicht. Das Fachgespräch ist Teil des Due Process des IDW.

Abschnitt 3 der Diskussionsgrundlage beinhaltet die Grundsätze zur Ermittlung der Pauschalwertberichtigung. Inhaltlich sind folgende Punkte hervorzuheben:

  • Das Handelsrecht gewährt grundsätzlich Methodenfreiheit.
  • Die gewählte Methode muss eine nach vernĂĽnftiger kaufmännischer Beurteilung sachgerechte und vorsichtige Schätzung der erwarteten Verluste ĂĽber die Restlaufzeit ermöglichen.
  • Ausgehend von den Erfahrungen der Vergangenheit sind aktuelle Informationen und Erwartungen zur Risikosituation zu berĂĽcksichtigen.
  • Die Ermittlung der Pauschalwertberichtigungen kann auf Portfolioebene getrennt fĂĽr homogene Teilportfolien erfolgen.

DarĂĽber hinaus geht die Diskussionsgrundlage im Abschnitt 4 auf drei Einzelfragen zur Ermittlung der Pauschalwertberichtigung ein:

  • Anrechnung von Bonitätsprämien
  • Bewertungsvereinfachungen und
  • Risikovorsorge nach IFRS 9.

Ad Anrechnung von Bonitätsprämien:

Bezogen auf das gesamte betrachtete Kreditportfolio gilt der Grundsatz, dass hinreichend konkretisierte, streng kausal zuordenbare zukünftige wirtschaftliche Vorteile bei der Bilanzierung zu berücksichtigen sind. Dieser für die Bemessung von Drohverlustrückstellungen entwickelte Grundsatz führt bei der Ermittlung von Pauschalwertberichtigungen zu einer Anrechnung der in den vertraglich vereinbarten Zinserträgen enthaltenen Bonitätsprämien gegen die erwarteten Verluste. Sofern Bonitätsprämien nicht für interne Risikosteuerungszwecke genutzt werden, ist ihre Anrechnung allein für Zwecke der Ermittlung von Pauschalwertberichtigungen nicht notwendig.

Ad Bewertungsvereinfachungen:

Für das Kreditgeschäft kann angenommen werden, dass sich bei Kreditausreichung erwartete Verluste und Bonitätsprämien entsprechen. Erfolgt davon ausgehend bei der Folgebewertung aus Vereinfachungsgründen kein Nachweis dieser Ausgeglichenheit durch Berechnung der erwarteten Verluste und Bonitätsprämien, ist es nicht zu beanstanden, wenn die Pauschalwertberichtigung in Höhe des erwarteten Verlusts über einen Betrachtungszeitraum von zwölf Monaten ohne eine Anrechnung von Bonitätsprämien geschätzt wird.

Gilt die vorstehende genannte Annahme der Ausgeglichenheit nicht (mehr) bzw. hat sich das Adressenausfallrisiko des betreffenden Kreditbestands im Zeitablauf deutlich erhöht, ist unter Beachtung der eingangs beschriebenen Grundsätze zu beurteilen, ob ein höherer Betrag im Hinblick auf eine angemessene Risikovorsorge anzusetzen ist.

Ad Risikovorsorge nach IFRS 9:

Die vereinfachende Ermittlung der Pauschalwertberichtung nach der Methodik des IFRS 9 fĂĽr die Stufen 1 und 2 nicht zu beanstanden.

IDW ERS BFA 7 zu Pauschalwertberichtigungen veröffentlicht

Der Bankenfachausschuss (BFA) des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) hat am 10. Dezember 2018 den Entwurf einer Stellungnahme zur Rechnungslegung vorgelegt: „Risikovorsorge für vorhersehbare, noch nicht individuell konkretisierte Adressenausfallrisiken im handelsrechtlichen Jahres- und Konzernabschluss von Instituten“ („Pauschalwertberichtigungen“).  Das dem Entwurf zugrundeliegende Modell legt das in § 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB geregelte Vorsichtsprinzip aus und sieht die Berücksichtigung erwarteter Verluste durch Risikovorsorge in Form von Pauschalwertberichtigungen bzw. Rückstellungen vor. 

Pauschalwertberichtigungen sind auf alle Forderungen an Kreditinstitute und Kunden sowie auf die nach §§ 26, 27 RechKredV unter der Bilanz auszuweisenden Eventualverbindlichkeiten und anderen Verpflichtungen (einschließlich unwiderruflicher Kreditzusagen) zu bilden. Darüber hinaus hält es der BFA für sachgerecht, Schuldverschreibungen und andere festverzinsliche Wertpapiere des Anlagevermögens, die nicht nach dem strengen Niederstwertprinzip bewertet sind, in die Bemessungsgrundlage für die Ermittlung der Pauschalwertberichtigungen einzubeziehen.
 
Zur Ermittlung der Höhe der Pauschalwertberichtigung sind Berechnungsverfahren heranzuziehen, die den erwarteten Verlust auf Basis beobachteter Kreditausfälle der Vergangenheit, aktueller Informationen und der Erwartung für die Zukunft schätzen. In der Regel werden hierbei anerkannte Verfahren auf der Basis mathematisch-statistischer Risikoklassifizierungsmethoden (Ratingverfahren) verwendet, welche die Ermittlung von Ausfallwahrscheinlichkeiten zum Ziel haben. Sofern ein Institut zur internen Risikosteuerung sachgerechte mathematisch-statistische Verfahren einsetzt, sind diese Grundlage des Verfahrens zur Ermittlung der Pauschalwertberichtigung. 
Das Grundmodell des IDW ERS BFA 7 ist ein sog. Anrechnungsmodell, das der Vorgehensweise bei der Ermittlung einer Drohverlustrückstellung vergleichbar ist. Zur Ermittlung der Pauschalwertberichtigung ist den erwarteten Ausfällen der Barwert der im Zins enthaltenen Bonitätsprämie gegenüber zu stellen. Voraussetzung dafür ist, dass die Bonitätsprämie tatsächlich zur Kompensation von bonitätsbedingten Ausfällen zur Verfügung steht und es sich nicht um eine allgemeine Marge z.B. zur Deckung von Verwaltungskosten handelt.
 
Aufgrund der besonderen Bedeutung des Vorsichtsprinzips und der der Forderungsbewertung immanenten erhöhten Unsicherheit, die sich v.a. aus Modellrisiken und dem Risiko des zeitlichen Auseinanderfallens von vereinnahmten Risikoprämien und Kreditausfällen ergibt, kann es notwendig sein, eine Mindestrisikovorsorge anzusetzen. Dafür ist die Orientierung an den in den nächsten zwölf Monaten nach dem Bilanzstichtag erwarteten Ausfällen ohne Gegenrechnung der Bonitätsprämien sachgerecht.
 
Eine Berechnung der Risikovorsorge nach den Vorschriften des IFRS 9 für die Stufen 1 und 2 ist handelsrechtlich nicht zu beanstanden. Voraussetzung ist, dass die IFRS 9-Berechnung in diesem Falle konsistent für die Stufen 1 und 2 angewendet wird.
 
Der Effekt aus der Erstanwendung ist GuV-wirksam zu erfassen.
 
Die Kommentierungsfrist für den Entwurf läuft bis zum 14. Juni 2019.
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