Accounting FS Blog

Änderungen des IAS 1 und IAS 19

Änderungen des IAS 1 zum Ausweis der Gesamtergebnisrechnung

Das IASB hat am 16. Juni ein Amendment zu IAS 1 „Darstellung von Posten des Sonstigen Ergebnisses (other comprehensive income OCI)“ verabschiedet. Danach wird zukünftig – entgegen anderslautender Entwürfe – weiterhin das Wahlrecht bestehen, die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) und das Sonstige Ergebnis (OCI) entweder gemeinsam gemäß dem „Single Statement Approach“ oder getrennt voneinander gemäß dem „Two Statement Approach“ darzustellen. Der Ausweis von Bestandteilen des Sonstigen Ergebnisses, die in Folgeperioden in die Gewinn- und Verlustrechnung umgegliedert werden und von Bestandteilen, die nicht umgegliedert werden, soll nunmehr getrennt erfolgen. Die Änderungen sind für Geschäftsjahre beginnend ab dem 1. Juli 2012 verpflichtend anzuwenden.

Änderungen des IAS 19 zur Bilanzierung von Leistungen an Arbeitnehmer

Am 16. Juni wurden die Änderungen zum IAS 19 veröffentlicht (siehe mein Blogbeitrag vom 10. Juni). Die Änderungen sind für Geschäftsjahre beginnend ab dem 1. Januar 2013 verpflichtend anzuwenden.

IASB/FASB Meeting zum Three-Bucket Approach

In dem IASB/FASB Board Meeting vom 15. Juni wurde das Agenda Paper 8 "Three-bucket approach" zu den vorgeschlagenen Leitlinien eines neuen Impairment Modells diskutiert.

Folgende Entscheidungen wurden bezüglich der im Agenda Paper aufgeworfenen Fragen getroffen:

  1. Die Entwicklung eines Impairment Modells auf Grundlage des 3 Bucket Approach wird weiterverfolgt
  2. Der Abgrenzung der einzelnen Buckets in Bezug auf den Grad der Verschlechterung der Kreditqualität (phases of credit deterioration) wurde zugestimmt.Es wurde darauf hingewiesen, dass klare Abgrenzungsregeln (Indikatoren) zwischen den 3 Buckets entwickelt werden müssen. Das FASB betonte, dass insbesondere die Abgrenzung von Bucket 1 und 2 eine der wichtigsten Aufgaben darstellt.
  3. Die Risikovorsorge der den Buckets 2 und 3 zugeordnet Kredite und Wertpapiere, soll in Höhe des erwarteten Verlustes über die Gesamtlaufzeit (expected credit loss over lifetime) gebildet werden.
  4. Über die im Agenda Paper dargestellten drei Alternativen A, B und C in Bucket 1, gab es keine finale Entscheidung für die von der Working Group vorgeschlage Alternative C. Das Board hat der Working Group den Auftrag erteilt, bis zur nächsten Board Sitzung im Juli eine tiefergehende Analyse der Alternative C, insbesondere zu deren praktischen Umsetzbarkeit, vorzunehmen. Bei den Alternativen A und B wurde die notwendigkeit einer höheren Risikovorsorge diskutiert, um den sogenannten cliff effect bei Transfer in Bucket 2 zu reduzieren (z.B. 24 Monats expected loss oder ein Vielfaches des 12 Monats- Expected loss).

Neues Impairment-Modell, neuer IAS 19 und mehr..

Neues Impairment-Modell in Diskussion, neuer IAS 19 und Ergebnisse des Board Meeting Anfang Juni

 

IFRS 9 Impairment

Die Working Group aus IASB und FASB Mitgliedern hat eine alternativen Ansatz für Impairment vorgeschlagen. Dieser ist im Agenda Paper 8 des IASB beschrieben, das am 15. Juni dem Board vorgestellt und beschlossen werden soll. Die Ausarbeitung eines Alternativmodells ist vorgesehen, da die Regelungen des Supplements nur wenig Zuspruch gefunden haben.

Das beschriebene Modell versucht den Lebenszyklus von Krediten zu berücksichtigen, bei denen sich im Zeitablauf die Kreditqualität verschlechtert. Hierfür sind drei Gruppen (Buckets) vorgesehen, in die Kredite je nach Kreditqualität zugeordnet werden.

Zuordnung Bucket 1 (Portfoliosicht):

  • Keine beobachtbaren Ereignisse (observable events), mit direkter Auswirkung auf zukünftig mögliche Ausfälle dieser Kredite.
  • Änderungen in der Ausfallerwartung können sich aufgrund makroökonomischer Einflüsse ergeben, ohne dass eine Zuordnung zu Bucket 2 oder 3 vorgenommen werden muss.
  • Beispiel im Agenda Paper: Allgemeine GDP (Bruttosozialprodukt)-Verschlechterung

Zuordnung Bucket 2 (Portfoliosicht):

  • Es liegen beobachtbare Ereignisse vor, die einen direkten Rückschluss auf die zukünftigen Ausfälle in dem Kreditportfolio zulassen. Identifizierung einzelner ausfallgefährdeter Kredite ist noch nicht möglich.
  • Beispiel im Agenda Paper: Sinkende Häuserpreise in einer Stadt ABC, die einen direkten Rückschluss auf die Kreditqualität von Hypothekenkrediten dieser Stadt haben.

Zuordnung Bucket 3 (Einzelkreditsicht):

  • Umfasst Kredite, für die auf Einzelkreditebene spezifische Informationen über erwartete oder bereits eingetretene Ausfälle vorliegen.
  • Beispiel im Agenda Paper: Identifizierung einzelner ausfallgefährdeter oder bereits ausgefallender Hypothekenkredite der Stadt ABC.

Risikovorsorgeermittlung:

In Bucket 2 und 3 muss zum Bilanzstichtag Risikovorsorge in Höhe der erwarteten Verluste über die Gesamtlaufzeit gebildet sein (lifetime expected credit losses). Veränderungen in der Höhe der Risikovorsorge sind sofort zu erfassen.

In Bucket 1 werden drei mögliche Alternativen für die Berechnung der Risikovorsorge aufgezeigt. Danach muss die Risikovorsorge am Bilanzstichtag in folgender Höhe bestehen:

Alternative A: 12 Monats expected loss. Veränderungen in der Höhe des expected loss sind sofort zu erfassen und nicht über die Laufzeit zu verteilen.

Alternative B: Time proportionate amount. Veränderungen in der Höhe des lifetime expected loss sind zeitanteilig über die Laufzeit zu verteilen (zeitanteilige Erfassung des lifetime expected loss)

Alternative C: Anfänglicher 12 Monats expected loss + sofortige Erfassung von Änderungen in der lifetime expected loss-Erwartung. Die anfängliche Risikovorsorge in Höhe des 12 Monats expected loss ist sofort zu erfassen und ist im Zeitablauf nicht anzupassen. Änderungen des lifetime expected loss sind hingegen sofort erfolgswirksam zu erfassen.

IASB Meeting zum Hedge Accounting (2. Juni)

Vom 31. Mai bis 2. Juni findet wieder ein IASB / FASB Meeting statt.

Zum Hedge Accounting sind auf der IASB-Webseite hierzu drei Agenda-Papiere (8, 9 und 11) verfügbar.

Agenda Item 8: Rebalancing

Thema des Agenda-Punkts ist die Anpassung der Hedge-Ratio zur Minimierung der Ineffektivität (Rebalancing). Nach dem Vorschlag soll das Rebalancing nur noch zulässig sein, wenn die Hedge-Ratio im Risikomanagement angepasst wird, Für eine vom Risikomanagement abweichende Hedge-Ratio für Hedge Accounting müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Die Möglichkeit des "Proactive Rebalancing" soll gestrichen werden (Staff proposal Tz. 56 und 57).

Agenda Item 9: (no) voluntary discontinuation of hedge accounting – clarification

Diskutiert wird die Frage, ob Hedge Accounting freiwillig beendet werden darf. Der Staff-Vorschlag fordert hier klare Regelungen für den Zusammenhang zwischen Risikomanagementzielen und -strategie sowie Anleitungen für die Bilanzierung von Dynamic Hedges und Natural Hedges (Staff ProposalTz 57).

Agenda Item 11: Hedging a forecast purchase of an equity instrument (numerical example)

Der Agenda-Vorschlag enthält ein ausführliches Beispiel zur Absicherung eines geplanten Kaufs eines Eigenkapitalinstruments.

Podcast zum Projektstand IFRS 4

In einem Podcast vom 23. Mai 2011 stellt Warren McGregor, Mitglied des IASB, die aktuellen Entwicklungen in der Entwicklung eines Standards für Versicherungsverträge vor.

Insbesondere werden die aktuellen Entscheidungen zur Risikomarge, zum Unbundling sowie zur Abbildung der erfolgsabhängigen Überschussbeteiligung präsentiert und erläutert.

Auf dem nächsten gemeinsamen Meeting des IASB und FASB am 31. Mai und 1. Juni werden die Diskussionen zu IFRS 4 fortgeführt. Zum Podcast geht es hier.

Live Webcast des IASB

Zum Stand der Phase II (Impairment) und der Phase III (Hedge Accounting) des Financial Instrument-Projekts hat das IASB heute einen Webcast abgehalten.

Folgende Neuigkeiten haben sich ergeben:

Impairment

Bisher haben sich in den Diskussionen zu den Impairment-Entwürfen zwei Ansätze zur Berücksichtigung der erwarteten Ausfälle im Good Book herausgebildet: der IASB-Ansatz (Time proportionate amount: zeitanteilige Erfassung der Ausfallerwartung über die Gesamtlaufzeit) und der FASB-Ansatz (Floor: volle erfolgswirksame Erfassung des erwarteten Verlusts in der vorhersehbaren Zukunft).

Der im Januar veröffentlichte gemeinsame Entwurf von IASB und FASB (supplement) sieht für das Good Book den Ansatz des höheren dieser beiden Beträge vor. Das Feedback der Praktiker zeigt, dass dieses Model zu komplex und das Ergebnis schwer verständlich ist.

Gefordert wird zudem eine Klarstellung bezüglich der Abgrenzung zwischen Good Book und Bad Book und der Definition der vorhersehbaren Zukunft.

Zur weiteren Vorgehensweise wurden dem Board vier alternative Ansätze vorgestellt, wobei sich das Board für die vierte Alternative entschieden hat:

 

  1. Good Book mit zeitanteiliger Verteilung der Ausfallerwartung über die Restlaufzeit ohne Berücksichtigung eines zusätzlichen Floor (IASB-Ansatz)
  2. Sofortige Berücksichtigung der erwarteten Verluste der vorhersehbaren Zukunft (FASB-Ansatz)
  3. Fertigstellung des Projekts auf Basis des Ansatzes im supplement unter Berücksichtigung des erhaltenen Feedback
  4. Entwicklung einer Variation aus den bisherigen Vorschläge unter Berücksichtigung des Feedback zu den bisherigen Entwürfen (Exposure Draft und supplement).

Es wurde eine Sub-Group aus IASB und FASB-Mitgliedern gebildet, die ein Impairment-Modell basierend auf der 4. Alternative entwickeln und dieses im Juni-Meeting des Board vorstellen soll.

Wie geht es weiter?

In Abhängigkeit des Umfangs der Änderungen im Vergleich zu den ursprünglichen Entwürfen wird entschieden, ob ein erneuter Entwurf (Re-Exposure Draft) veröffentlicht wird.

 

Hedge Accounting

Das Feedback zum Entwurf zeigt, dass die Praxis zufrieden ist mit der Annäherung an das Risikomanagement und der Abschaffung der starren Effektivitätsgrenzen des IAS 39. Das Board hat auf Feedback zum Entwurf reagiert und die folgenden Änderungen gegenüber dem Entwurf vorläufig beschlossen:

  • So dürfen Eigenkapitalinstrumente, deren Fair Value-Änderungen im OCI erfasst werden, nunmehr für Hedge Accounting genutzt werden.
  • Die Absicherung einer Layer-Komponente bestehend aus Finanzinstrumenten mit Kündigungsrechten soll jetzt zulässig sein, soweit das Kündigungsrecht bei der Bewertung des Grundgeschäfts berücksichtigt wird.
  • Das bisher in der Bilanz gesondert auszuweisende Line Item für das Hedge Adjustment ist nicht mehr erforderlich und soll durch eine Angabe in den Notes ersetzt werden.

Klargestellt wurde in diesem Zusammenhang, dass Verbindlichkeiten, für die die Fair Value Option genutzt und die Änderungen des eigenen Kreditrisikos im OCI erfasst werden, nicht im Hedge Accounting genutzt werden können.

Die Absicherung von Sub-LIBOR Risiken im Hedge Accounting wird weiterhin abgelehnt.

Zu den Anforderungen an den Effektivitätstest fasste das IASB zusammen, dass eine ökonomische Beziehung zwischen Grundgeschäft und Sicherungsinstrument bestehen muss, das Grundgeschäft nicht wesentlich dem Kreditrisiko unterliegt und die Hedge Ratio nicht willkürlich oder ergebnisorientiert gewählt werden darf.

Der finale Standard zu den grundlegenden Vorschriften des Hedge Accounting soll im 2. Halbjahr 2011 verabschiedet werden. Eine Veröffentlichung des Entwurfs zum Makro Hedging ist für das 4. Quartal 2011 vorgesehen.

IASB/FASB Weichenstellung zur Leasingbilanzierung

In ihrem letzten Meeting haben IASB und FASB die Weichen für den neuen Leasingstandard nochmals umgestellt. Der lange diskutierte duale Ansatz und damit die Einstufung als „other than finance lease“ scheint nun vom Tisch zu sein. Ziel ist eine einheitliche Behandlung der Leasinggeschäfte in der GuV.

Damit kommt man wieder auf den Stand des Entwurfs zur Leasing-Bilanzierung zurück. Bei der geplanten Erleichterung für kurzfristige Verträge hat sich die Diskussion dahin entwickelt, dass hier die Wesentlichkeit ausschlaggebend sein soll für die Frage der Erfassung der Leasinggeschäfte in der Bilanz. Angesichts solcher Veränderungen werden die Zweifel an einem baldigen Abschluss des Reformprojektes wieder größer.

Zu weiteren Einzelheiten lesen Sie auch den Eintrag in unserem Real Estate Blog: https://blogs.pwc.de/real-estate/accounting/leasing-man-kommt-sich-vor-wie-in-der-achterbahn/48/

IASB Board Meeting diese Woche

Letzten Monat haben das IASB und das FASB verkündet, dass der angestrebte Termin zur Fertigstellung ihrer wichtigen Projekte (revenue, leases, financial instruments und insurance contracts) auf Ende des Jahres 2011 verschoben wird. Dies erfolgte insbesondere vor dem Hintergrund der zahlreichen Feedbacks zu den einzelnen Projekten. Diese Woche findet ein IASB Board Meeting statt, wo die weitere Vorgehensweise für die einzelnen Standards besprochen wird. Im einzelnen:

Offsetting Financial Assets and Liabilities

Das IASB hatte im Januar 2011 einen Entwurf eines Standards veröffentlicht, der die bisherigen Regelungen in IAS 32 ersetzen soll. Die ausgewerteten Comment Letter zu diesem Entwurf werden diese Woche dem Board vorgestellt. Kritisch gesehen wurde der Entwurf von den Anwendern vor allem bei der Bilanzierung von Derivaten und der Berücksichtigung von Sicherheitsleistungen. Das Board hat daher eine Abstimmung auf der Agenda, ob der Entwurf so weiter umgesetzt werden soll oder andere Ansätze zur Verrechnung zumindest bei der Bilanzierung von Derivaten betrachtet werden sollen.

Impairment

Auf der Grundlage der eingegangen Comment Letter zum Entwurf des Standards wurde eine Auswertung erstellt, aus der sich vier alternative Ansätze für das Projekt identifizieren lassen und über die im Rahmen des Meeting abgestimmt werden soll. Zur Diskussion steht der IASB-Ansatz (timeproportional approach for a good book, full lifetime expected losses for a bad book), der FASB-Ansatz (losses expected to occur in the foreseeable future), der Ansatz aus dem geänderten Entwurf zum impairment oder eine Kombination aus den bisherigen Vorschlägen.

Leases

Auf dem letzten Board Meeting wurde entschieden, dass für die Bilanzierung beim Leasingnehmer und Leasinggeber zwei Ansätze gelten sollen: Die Bilanzierung als Finance Lease oder als Other-than-finance (OTF) Lease. Agendapunkte sind hier die Ausarbeitung der Unterscheidungsmerkmale bzw. des Fair Value-Indikators, der dann zu einem Finance Lease führt sowie die unterschiedliche Darstellung des Aufwandes beider Modelle in der GuV. Weiterhin stehen die zwei Ansätze zur Leasinggeberbilanzierung (performance obligation und derecognition approach) im Mittelpunkt der Diskussion. Hierbei geht es vor allem um die Frage welche Indikatoren für die Entscheidung zwischen den beiden Modellen herangezogen werden sollen.

Insurance Contracts

Das IASB arbeitet weiter an einem finalen Standard zur Bilanzierung von Versicherungsverträgen und wird dazu diese Woche die Diskussionen um die Risikomarge fortführen. Das IASB hat bisher noch nicht entschieden, ob in dem finalen Standard eine explizite Risikomarge und eine gesonderte Residualmarge oder eine einheitliche Kompositmarge gefordert sein wird.

Revenue Recognition

Auch hier werden die eingegangenen Stellungnahmen zum Entwurf des Standards insbesondere die Punkte zu den Angabepflichten weiter diskitiert.

Annual Improvement

Die bisher ausgearbeiten Vorschläge für das Annual Improvement sollen diese Woche weiter finalisiert werden.

 

Die laufenden IASB Updates sowie korrespondierende Beiträge finden unsere CIS Kunden auch in der Knowledgebase unter Accounting & Reporting & Structured Finance

Standard zur Fair Value-Ermittlung verabschiedet (IFRS 13)

IFRS 13 Fair Value Measurement wurde heute verabschiedet. Das IASB hat damit ein Thema der Agenda des Konvergenzprojekts abgeschlossen.Durch den Standard wird ein einheitliches Rahmenkonzept zur Fair Value-Ermittlung eingeführt, das mit wenigen Ausnahmen (IFRS 2, IAS 17 und IAS 36) für alle IFRS gilt.

Die Definition des IFRS 13 ähnelt der bisherigen Definition aus IAS 39.9. Zusätzlich werden durch IFRS 13 einheitliche Angaben zur Fair Value-Hierarchie (Level 1-3) eingeführt, die in Anlehnung an die aus IFRS 7 bekannten Level-Angaben aufgebaut sind. 

Auswirkungen auf die FS Branche?

Insgesamt werden die zur Umsetzung des neuen Standards erforderlichen Änderungen für die Financial Service Industry wohl weniger einschneidend sein als für Unternehmen anderer Branchen. Viele Neuerungen des IFRS 13 sind für Finanzinstrumente aus den bisherigen Standards bereits in ähnlicher Form bekannt und in Kraft. Für Kreditinstitute wird sich in der Praxis eine Erleichterung bei der Bilanzierung ergeben, da neben den Geld- (bid prices) und Briefkursen (ask-prices) auch z.B. Mittelkurse erlaubt sind.

Fortlaufende Updates zum Thema finden Sie mit den entsprechenden Querverweisen, Verschlagwortung und Kategorisierung in unserer Rechercheapplikation CIS, Modul „Accounting, Reporting & Structured Finance“. Mehr zu CIS lesen Sie im CIS Blog.

Ergebnisse der Veranstaltung der EFRAG und des DRSC zu aktuellen Themen – Diskussionsforum Financial Instruments vom 9. Mai 2011

EFRAG und DRSC haben interessierte Personen und Organisationen am Montag, den 9. Mai, zu einem Diskussionsforum zu aktuellen IASB-Projekten eingeladen. Als Vertreter des IASB war Frau Elke König anwesend. Interessant und wichtig für alle Bilanzierenden waren die Ausführungen der Vertreter der EFRAG zum Stand des Financial Instrument-Projekts.

IASB Projekt Plan / Zeitplan des EU Endorsement

Die EFRAG wird an ihrem bisherigen Standpunkt festhalten und eine Entscheidung über das Endorsement von IFRS 9 erst nach Abschluss aller drei Phasen treffen. Derzeit ist nur die Phase I zur Klassifizierung und Bewertung von Finanzinstrumenten vom IASB verabschiedet (IFRS 9). Für die Phase II zur Neuregelung der Impairment hat das IASB im Januar 2011 ein ergänzendes Dokument zum ED/2009/12 (Supplement vom 31. Januar 2011; Newsletter IFRS direkt: Wertminderung finanzieller Vermögenswerte) veröffentlicht;  für die Phase III zur Neufassung der Hedge Accounting-Vorschriften liegt ein Entwurf für Teilbereiche des Hedge Accounting vor (Exposure Draft vom 9. Dezember 2010; Newsletter IFRS direkt: Hedge Accounting). Insbesondere die noch offen stehenden Regelungen zum Macro Hedging sind ein Kernpunkt für die Frage des Endorsement.

Hinweis: Ein umfangreiches Newsletter-Archiv findet sich hier im registrierungspflichtigen CIS Client Information System von PwC.

In diesem Zusammenhang hat Frau König (IASB) klargestellt, dass ein einheitlicher Erstanwendungszeitpunkt für alle drei Phasen erwartet wird, ebenso wie ein einheitlicher Zeitpunkt für die Erstanwendung von IFRS 4 (Versicherungen) und IFRS 9. Ein Vertreter der EU konnte sich eine verpflichtende Anwendung frühestens ab dem Jahr 2015 vorstellen.

Phase I Classification and Measurement

Die EFRAG äußert nach wie vor Kritik an den Regelungen zur Trennung von eingebetteten Derivaten (keine Trennung auf der Aktivseite und Trennung auf der Passivseite), zum sog. Recyling-Verbot für realisierte Gewinne aus GuV-neutral bewerteten Eigenkapitalinstrumenten und bei der Frage der Konvergenz mit den entsprechenden FASB-Regelungen. Die EFRAG sieht auch einige Widersprüche zwischen den Regelungen der Phase I und dem Entwurf zu Hedge Accounting. Frau König versicherte aber, dass bei Abschluss aller drei Phasen von Seiten des IASB noch mal eine Gesamtkontrolle hinsichtlich der Konsistenz erfolgt.

Phase II Impairment

Die Fertigstellung des Standards zum Impairment ist aus Sicht des IASB derzeit einer der wichtigsten Schritte. Das Board plant die zentralen Diskussionspunkte bis Ende Juni abzuschließen und dann eine Entscheidung über einen gegebenenfalls zu veröffentlichenden Neuentwurf (Re-Exposure Draft) zu treffen. Die anschließende Diskussion hat gezeigt, dass ein Thema, was die Praktiker besonders beschäftigt, das Erfordernis des sog. floors ist, d.h. einen Mindestrisikovorsorgebestand für das Good Book zusätzlich zu der zeitanteilig zu erfassenden Ausfallerwartung über die Gesamtlaufzeit (vgl. dazu auch unsere Pressemitteilung “ IASB reagiert auf Kritik: Überarbeitete Regelungen zur Risikovorsorgeermittlung veröffentlicht “ vom 31. Januar 2011). Eine schnelle Entscheidung über die zukünftigen Regelungen zum Impairment wäre wünschenswert, da diese Regelungen für Banken von hoher Bedeutung sind.

Phase III Hedge Accounting

Die Mehrheit der anwesenden Praktiker einschl. der EFRAG begrüßen weite Teile des Entwurfs zum Hedge Accounting, insbesondere die Vereinfachungen wie die Abschaffung des retrospektiven Effektivitätstests mit den einzuhaltenden Grenzen von 80 bis 125%. Die Position der EFRAG ist, dass derzeit bestehende regelbasierten Einschränkungen beim Hedge Accounting wie die Absicherung von Inflationsrisiken, Kreditrisiken und sogenannte Sub Libor-Hedges beseitigt werden sollten. Dass bei der Frage der Absicherung von Risikokomponenten die zugrundeliegenden Prinzipien noch mehr herausgearbeitet werden müssten, zeigt auch unsere aktuelle Zusammenstellung zur Abbildung von Sicherungsbeziehungen: Von IAS 39 über § 254 HGB zu IFRS 9 – einen Annäherung an der Risikomanagement für Kreditinstitute (Barz/Weigel, in der IRZ, Heft 5, Mai 2011).

Der ausstehende Entwurf zum Macro Hedging soll im III. oder IV. Quartal 2011 veröffentlicht werden.