Accounting FS Blog

Regierungsentwurf zu ESEF wurde beschlossen

Umsetzungsgesetz zur Transparenzrichtlinie-√Ąnderungsrichtlinie f√ľr ein europ√§isches einheitliches elektronisches Format (ESEF) f√ľr Jahresfinanzberichte

Am 22. Januar 2020 wurde der Regierungsentwurf des Gesetzes zur Umsetzung der Transparenzrichtlinie-√Ąnderungsrichtlinie f√ľr ein einheitliches elektronisches Berichtsformat (European Single Electronic Format, ESEF) beschlossen. Danach m√ľssen kapitalmarktorientierte Unternehmen ihre Jahresfinanzberichte in einem einheitlichen elektronischen Format ver√∂ffentlichen. Die neuen Formatvorgaben sind erstmals auf Jahres- und Konzernabschl√ľsse sowie Lage- und Konzernlageberichte anzuwenden, die f√ľr das nach dem 31. Dezember 2019 beginnende Gesch√§ftsjahr aufgestellt werden.

Am vorangegangenen Referentenentwurf war insbesondere kritisiert worden, dass es sich durch den Bezug zu ESEF in den sogenannten ‚ÄěAufstellungsparagraphen‚Äú des HGB bei dem neuen Format nicht um ein reines Offenlegungsformat wie in den anderen EU-L√§ndern handeln w√ľrde. Dieser Bezug, sowie die Pflicht zu einer elektronischen Signatur des Formats, wurden im Regierungsentwurf entfernt.

Der Aufstellungsprozess sowie das Verfahren zur Feststellung des Jahresabschlusses und zur Billigung des Konzernabschlusses bleiben somit unber√ľhrt, wie es in der Gesetzesbegr√ľndung hei√üt. Gleichwohl wird zuk√ľnftig die Pr√ľfung des Offenlegungsformats durch den Abschlusspr√ľfer im Rahmen der Abschlusspr√ľfung verlangt, der dar√ľber in einem gesonderten Abschnitt des Best√§tigungsvermerks berichten muss.

Die berichtenden Unternehmen m√ľssen somit eine ESEF-konforme Offenlegung der Abschl√ľsse und Lageberichte sicherstellen. Die Offenlegung erfolgt im sogenannten XHTML-Format inklusive einer Auszeichnung (‚ÄěTagging‚Äú) der IFRS-Konzernabschl√ľsse in der iXBRL-Technologie mithilfe der ESEF-Taxonomie. Diese basiert gr√∂√ütenteils auf der IFRS-Taxonomie und wird analog zu dieser regelm√§√üig aktualisiert.

Handlungsbedarf

Unternehmen m√ľssen jetzt die ESEF-Taxonomie auf ihre bestehenden Gliederungsstrukturen und Darstellungsformen im Konzernabschluss anwenden. Die fachliche Herausforderung liegt hierbei in der Zuordnung der individuellen IFRS-Abschlusselemente zu den Taxonomie-Elementen, insbesondere wenn diese nicht eindeutig ist. Von der Taxonomie abweichende Bilanzstrukturen, zum Beispiel aufgrund von Bank- oder Versicherungsspezifika, die in der Taxonomie nicht ber√ľcksichtigt sind, k√∂nnen dazu f√ľhren, dass ein Unternehmen sogenannte Erweiterungen (‚ÄúExtensions‚ÄĚ) zur Taxonomie einf√ľhren und eine Verankerung auf ein bestehendes Taxonomie-Element durchf√ľhren muss.

Zur Erstellung des elektronischen Formats und zur Unterst√ľtzung des Taggings sollte rechtzeitig eine unterst√ľtzende Software ausgew√§hlt werden und Auswirkungen auf die bestehenden Berichtsprozesse und erforderliche Anpassungen an Tools, die daf√ľr aktuell im Einsatz sind (z.B. Disclosure Management Tools), analysiert und umgesetzt werden.

Auch die ESMA hat das Thema ESEF in den Pr√ľfungsschwerpunkten f√ľr die in 2020 durchzuf√ľhrenden Pr√ľfungen kommuniziert. Sie erwartet, dass die betroffenen Inlandsemittenten alle notwendigen Schritte unternehmen, um die neuen ESEF-Anforderungen zeitnah zu erf√ľllen.

Pr√ľfungsrisiken k√∂nnen durch fr√ľhzeitiges Probetagging und Qualit√§tssicherung minimiert werden.

Den Gesetzestext finden Sie auf den Seiten des Bundesministerium f√ľr Justiz und f√ľr Verbraucherschutz (BMJV) https://www.bmjv.de/SharedDocs/Gesetzgebungsverfahren/DE/Format_Jahresfinanzrichtlinie.html

Neues zu IDW RS BFA 7

Die Ermittlung der Risikovorsorge f√ľr vorhersehbare, noch nicht individuell konkretisierte Adressenausfallrisiken im handelsrechtlichen Jahres- und Konzernabschluss von Instituten („Pauschalwertberichtigungen“) wird reformiert. Der bisher anzuwendende IDW St/BFA 1/1990 soll durch den IDW RS BFA 7 ersetzt werden, der f√ľr Gesch√§ftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2021 beginnen, anzuwenden sein wird. Eine vorzeitige Anwendung ist zul√§ssig.

Das IDW hatte nach der Ver√∂ffentlichung des Entwurfs IDW ERS BFA 7 im Dezember 2018 und den hierzu erfolgten Kommentaren ein gegen√ľber dem Entwurf angepasstes¬† Diskussionspapier erstellt und am 5. Dezember 2019 √∂ffentlich in einem Fachgespr√§ch diskutiert. Die Eckpunkte der Diskussionsgrundlage sind im Fachgespr√§ch auf Zustimmung gesto√üen. Zwischenzeitlich hat das IDW auf seiner Website den Status ‚Äúendg√ľltig‚ÄĚ f√ľr den IDW RS BFA 7 ver√∂ffentlicht. Inhalte wurden noch nicht dargestellt. Nach der im Fachgespr√§ch vorgestellten Diskussionsgrundlage kann die¬† Pauschalwertberichtigung wie folgt ermittelt werden:¬†

  • Anwendung eines Anrechnungsmodells, in dem Pauschalwertberichtigungen auf Basis der erwarteten Verluste √ľber die Restlaufzeit ermittelt und die vertraglich vereinbarten Bonit√§tspr√§mien zur Deckung des Adressenausfallrisikos risikomindernd angerechnet werden d√ľrfen, sofern sie hinreichend verl√§sslich ermittelt werden k√∂nnen
  • Verwendung des 12-Monats-Expected Loss, sofern eine Ausgeglichenheit zwischen Risikopr√§mien und Risikoerwartung zum Zeitpunkt der Kreditvergabe besteht und sich das Adressenausfallrisiko zum Stichtag nicht deutlich erh√∂ht hat
  • Anwendung der IFRS-9-Methodik unter Ber√ľcksichtigung der HGB-Bemessungsgrundlage.

W√§hrend die √úbernahme der IFRS-9-Methodik f√ľr IFRS Bilanzierer ggf. prozessuale Erleichterungen mit sich bringt und zu einer Ann√§herung der Risikovorsorge nach HGB an IFRS f√ľhrt, hat diese gegen√ľber der Verwendung des 12-Monats-Expected Loss (sofern anwendbar) den Nachteil einer h√∂heren Risikovorsorge. Das Anrechnungsmodell kann demgegen√ľber zu einer weiteren Reduzierung der Risikovorsorge f√ľhren, weil f√ľr jedes Gesch√§ft dem erwarteten Verlust √ľber die verbleibende Laufzeit die in den Konditionen antizipierten Risiken in Form der Bonit√§tspr√§mie gegen√ľbergestellt werden. Insofern bildet das Anrechnungsmodell die Risiken im Portfolio √∂konomisch am besten ab.

Die Diskussionsgrundlage f√ľr das Fachgespr√§ch kann auf der Website des IDW unter folgendem Link abgerufen werden: https://www.idw.de/blob/120504/76f99631453ea1892cc95ca719a55bdb/diskussionsgrundlage-fachgespraech-data.pdf

Weihnachtsgr√ľ√üe

Liebe Leserinnen und Leser,

wir w√ľnschen Ihnen und Ihren Familien ein ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest und f√ľr das neue Jahr Gesundheit, Gl√ľck und Zufriedenheit.

Wir freuen uns schon, Sie im kommenden Jahr weiterhin √ľber aktuelle Themen im Accounting und in der Finanzfunktion zu informieren.

Ihre
Judith Gehrer, Mich√®le F√§rber, Peter Flick, Joachim Krakuhn, Sven Meyer und Peter Sch√ľz

Follow-up zur Diskussionsbereitschaft des IASB bzgl. der √Ąnderungen an IFRS 17

In seiner Sitzung am 20.¬†November 2019 wurden dem International Accounting Standard Board (IASB) vom Staff die wesentlichen Ergebnisse der 122 eingereichten Stellungnahmen zum ED/2019/4 zur Entscheidung √ľber das weitere Vorgehen vorgelegt (siehe auch unseren Blogbeitrag vom 13. November 2019).

Das Feedback aus den Stellungnahmen wurde vom Staff in die folgenden drei Kategorien zusammengefasst (√úberblick √ľber die Themen):

  1. Vorgeschlagene √Ąnderungen, mit der Empfehlung, sie zu best√§tigen (sechs Themen)
  2. Themen zur Klärung (13 Themen)
  3. Sachverhalte, die aus Sicht des Staffs nicht weiter zu betrachten sind (14 Themen)

Alle 14 Boardmitglieder sind damit einverstanden, die sechs vorgeschlagenen √Ąnderungen, die das IASB Staff als abgeschlossen ansieht, in einer zuk√ľnftigen Sitzung zu best√§tigen.

Gleichzeitig einigen sich die 14 Boardmitglieder, √ľber m√∂gliche √Ąnderungen an den 13 vom Staff vorgeschlagenen Themen auf Basis einer weiteren Analyse durch das Staff in den Sitzungen im Zeitraum von Dezember 2019 bis Februar 2020 zu entscheiden.

Dabei nennt das Staff die folgenden 13 Themen, welche dem Board auf Grundlage des Feedbacks zur Klärung vorlegt werden (Link):

  • Ausschluss vom Anwendungsbereich f√ľr Kreditkarten,
  • Erwartete Wertaufholung der Cashflows i. Z. m. Abschlusskosten,
  • Behandlung der CSM, die auf Investment Services bei Versicherungsvertr√§gen ohne direkte √úberschussbeteiligung entf√§llt,
  • Deckung von Verlusten aus zugrunde liegenden Versicherungsvertr√§gen bei gehaltenen R√ľckversicherungsvertr√§gen,
  • Anwendbarkeit der Risikominderungsoption,
  • Verschiebung des Erstanwendungszeitpunkts von IFRS 17,
  • Verl√§ngerung einer tempor√§ren Befreiung von IFRS 9,
  • √úbergangserleichterungen f√ľr die Risikominderungsoption,
  • Geringf√ľgige √Ąnderungen,
  • Ebene der aggregierten j√§hrlichen Kohorten f√ľr Versicherungsvertr√§ge mit generations√ľbergreifender Risikoverteilung zwischen den Versicherungsnehmern,
  • Unternehmenszusammenschl√ľsse ‚Äď Vertr√§ge, die in ihrer Abwicklungsperiode erworben wurden,
  • Bewertungsparameter bei Zwischenabschl√ľssen,
  • Zus√§tzliche spezifische √úbergangsmodifikationen und Erleichterungen.

Weiterhin stimmen 13 Boardmitglieder zu, dass bez√ľglich der 14 Sachverhalte, welche aus Sicht des Staffs durch das Board nicht weiter zu betrachten sind, kein erneuter Diskussionsbedarf besteht. Die Boardmitglieder verst√§ndigen sich zudem darauf, einzelne in dieser Kategorie aufgef√ľhrte Themen auf Grund von Wechselwirkungen mit √§hnlichen Fragestellungen gegebenenfalls erneut zu diskutieren.

Die n√§chste Sitzung des IASB findet vom 9. – 12. Dezember 2019 statt. Wir werden Sie zeitnah √ľber die Entscheidungen und Ergebnisse aus den Diskussionen des Boards informieren.

Weitere Informationen können unter nachfolgenden Links aufgerufen werden:

ED/2019/4 zu √Ąnderungen an IFRS 17: M√∂gliche Diskussionsbereitschaft des IASB

Nach dem Feedback zum Exposure Draft (ED/2019/4) zu √Ąnderungen von IFRS¬†17 besteht die M√∂glichkeit der Diskussionsbereitschaft des IASB zu ausgew√§hlten Themen

Am 20. November 2019 tagt das International Accounting Standard Board (IASB) mit dem Ziel, die wesentlichen Ergebnisse der 122 eingereichten Stellungnahmen zum ED/2019/4 zu er√∂rtern und √ľber weitere Vorgehensweisen zu entscheiden.

Diesbez√ľglich wird durch das Staff das Feedback aus den Stellungnahmen in die folgenden drei Kategorien zusammengefasst:

  1. Vorgeschlagene √Ąnderungen, welche das Staff dem Board empfiehlt zu best√§tigen
  2. Sachverhalte, welche aus Sicht des Staffs durch das Board nicht weiter zu betrachten sind
  3. Themen, welche das Staff dem Board zur Klärung vorlegt

Zu den sechs vorgeschlagenen √Ąnderungen, die das IASB Staff als abgeschlossen ansieht, z√§hlen (Link):

  • Vereinfachter Ausweis von Versicherungsvertr√§gen in der Bilanz auf Grundlage von Portfolioebene statt auf Gruppenebene von Versicherungsvertr√§gen
  • Behandlung der CSM, die auf Investment Services bei Versicherungsvertr√§gen mit direkter √úberschussbeteiligung entf√§llt.

Unter die 14 aus Sicht des Staffs nicht weiter zu betrachtenden Sachverhalte fallen unter anderem Themen wie (Link):

  • die Erstellung von Vergleichszahlen zur erstmaligen Anwendung von IFRS 17,
  • die Zahlungsstr√∂me innerhalb der Vertragsgrenzen in Zusammenhang mit gehaltenen R√ľckversicherungsvertr√§gen,
  • der Anwendungsbereich des Variable Fee Approaches im Hinblick auf aktive und passive R√ľckversicherungsvertr√§ge.

Bez√ľglich der 13 Themen, welche dem Board auf Grundlage des Feedbacks zur Kl√§rung vorlegt werden, nennt das Staff beispielsweise (Link):

  • die Verschiebung des Erstanwendungszeitpunkts von IFRS¬†17,
  • die Verl√§ngerung einer tempor√§ren Befreiung von IFRS¬†9,
  • die erwartete Wertaufholung der Cashflows i.¬†Z.¬†m. Abschlusskosten,
  • die Behandlung der CSM, die auf Investment Services bei Versicherungsvertr√§gen ohne direkte √úberschussbeteiligung entf√§llt,
  • die Deckung von Verlusten aus zugrunde liegenden Versicherungsvertr√§gen bei gehaltenen R√ľckversicherungsvertr√§gen,
  • Unternehmenszusammenschl√ľsse – Vertr√§ge, die in ihrer Abwicklungsperiode erworben wurden,
  • Bewertungsparameter bei Zwischenabschl√ľssen

Dar√ľber hinaus f√ľhren einige Teilnehmer in deren Stellungnahmen auch bisher unber√ľcksichtigte Problemstellungen und Umsetzungsfragen an. Um gegebenenfalls Ma√ünahmen einzuleiten, werden s√§mtliche Themen, welche bisher nicht Gegenstand der Diskussionen zu IFRS¬†17 waren, entsprechend analysiert und dem Board in einer zuk√ľnftigen Sitzung vorgelegt. Gleichzeitig werden jedoch Bedenken ge√§u√üert, dass zum aktuellen Zeitpunkt der Implementierung weitere √Ąnderungen eher nachteilig sein k√∂nnen.

Das Staff weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass m√∂gliche √Ąnderungen weder die Grundprinzipien des IFRS¬†17 verletzen d√ľrfen, die bereits laufenden Umsetzungen unangemessen beeintr√§chtigen sollen noch eine weitere Verschiebung des Erstanwendungszeitpunkts zur Folge haben.

Next Steps:

Das IASB wird auf Basis der gelieferten Ausarbeitungen zu den R√ľckmeldungen hinsichtlich der vom Staff genannten Sachverhalte urteilen und √ľber die n√§chsten Schritte entscheiden. Das Staff plant, dem Board entsprechende Ausarbeitungen zu einzelnen Fragestellungen in den Sitzungen im Zeitraum von Dezember 2019 bis Februar 2020 vorzulegen. Der gew√§hlte Zeitplan erm√∂glicht es, das Feedback weiter zu pr√ľfen und die daraus resultierenden √Ąnderungen im Einklang mit dem im Exposure Draft dargelegten Zeitplan bis Mitte 2020 abzuschlie√üen.

F√ľr weitere Informationen k√∂nnen die Sitzungsunterlagen unter nachfolgendem Link aufgerufen werden:¬†https://www.ifrs.org/news-and-events/calendar/2019/november/international-accounting-standards-board/

IDW ERS BFA 7 РEinladung zu einem Fachgespräch

Das IDW l√§dt f√ľr den 5. Dezember 2019 zu einem Fachgespr√§ch zur Bilanzierung von Pauschalwertberichtigungen von Instituten nach IDW ERS BFA 7 ein. Hierzu hat das IDW auf seiner Homepage eine Diskussionsgrundlage ver√∂ffentlicht. Das Fachgespr√§ch ist Teil des Due Process des IDW.

Abschnitt 3 der Diskussionsgrundlage beinhaltet die Grundsätze zur Ermittlung der Pauschalwertberichtigung. Inhaltlich sind folgende Punkte hervorzuheben:

  • Das Handelsrecht gew√§hrt grunds√§tzlich Methodenfreiheit.
  • Die gew√§hlte Methode muss eine nach vern√ľnftiger kaufm√§nnischer Beurteilung sachgerechte und vorsichtige Sch√§tzung der erwarteten Verluste √ľber die Restlaufzeit erm√∂glichen.
  • Ausgehend von den Erfahrungen der Vergangenheit sind aktuelle Informationen und Erwartungen zur Risikosituation zu ber√ľcksichtigen.
  • Die Ermittlung der Pauschalwertberichtigungen kann auf Portfolioebene getrennt f√ľr homogene Teilportfolien erfolgen.

Dar√ľber hinaus geht die Diskussionsgrundlage im Abschnitt 4 auf drei Einzelfragen zur Ermittlung der Pauschalwertberichtigung ein:

  • Anrechnung von Bonit√§tspr√§mien
  • Bewertungsvereinfachungen und
  • Risikovorsorge nach IFRS 9.

Ad Anrechnung von Bonitätsprämien:

Bezogen auf das gesamte betrachtete Kreditportfolio gilt der Grundsatz, dass hinreichend konkretisierte, streng kausal zuordenbare zuk√ľnftige wirtschaftliche Vorteile bei der Bilanzierung zu ber√ľcksichtigen sind. Dieser f√ľr die Bemessung von Drohverlustr√ľckstellungen entwickelte Grundsatz f√ľhrt bei der Ermittlung von Pauschalwertberichtigungen zu einer Anrechnung der in den vertraglich vereinbarten Zinsertr√§gen enthaltenen Bonit√§tspr√§mien gegen die erwarteten Verluste. Sofern Bonit√§tspr√§mien nicht f√ľr interne Risikosteuerungszwecke genutzt werden, ist ihre Anrechnung allein f√ľr Zwecke der Ermittlung von Pauschalwertberichtigungen nicht notwendig.

Ad Bewertungsvereinfachungen:

F√ľr das Kreditgesch√§ft kann angenommen werden, dass sich bei Kreditausreichung erwartete Verluste und Bonit√§tspr√§mien entsprechen. Erfolgt davon ausgehend bei der Folgebewertung aus Vereinfachungsgr√ľnden kein Nachweis dieser Ausgeglichenheit durch Berechnung der erwarteten Verluste und Bonit√§tspr√§mien, ist es nicht zu beanstanden, wenn die Pauschalwertberichtigung in H√∂he des erwarteten Verlusts √ľber einen Betrachtungszeitraum von zw√∂lf Monaten ohne eine Anrechnung von Bonit√§tspr√§mien gesch√§tzt wird.

Gilt die vorstehende genannte Annahme der Ausgeglichenheit nicht (mehr) bzw. hat sich das Adressenausfallrisiko des betreffenden Kreditbestands im Zeitablauf deutlich erhöht, ist unter Beachtung der eingangs beschriebenen Grundsätze zu beurteilen, ob ein höherer Betrag im Hinblick auf eine angemessene Risikovorsorge anzusetzen ist.

Ad Risikovorsorge nach IFRS 9:

Die vereinfachende Ermittlung der Pauschalwertberichtung nach der Methodik des IFRS 9 f√ľr die Stufen 1 und 2 nicht zu beanstanden.

EBA startet Konsultation bzgl. Anpassungen aufsichtsrechtlicher Meldungen aufgrund von CRR II und den aufsichtsrechtlichen Risikovorsorge-Backstop Vorschriften

Die European Banking Authortiy (EBA) hat am 16. Oktober 2019 eine Konsultation bzgl. Anpassungen aufsichtsrechtlicher Meldevorschriften gestartet. Ziel der Konsultation ist die Angleichung der Meldeanforderungen an die aufsichtsrechtlichen √Ąnderungen bzw. Neuerungen aus 2019, insbesondere an

  • die CRR II (amending Regulation (EU) 2019/876 ) und
  • die Vorschriften zu der aufsichtsrechtlichen Risikovorsorge-Backstop Ermittlung (amending Regulation (EU) 2019/630).

Das Konsultationspapier betrifft eine breite Anzahl an aufsichtsrechtlichen Meldeanforderungen, u.a. hinsichtlich Eigenmittel, Kreditrisiko, Counterparty Risk, Großkredite, Verschuldungsquote, NSFR und FINREP.

Es ist geplant, dass die √ľberarbeiteten Meldevorschriften ab dem Meldestichtag 30. Juni 2021 anzuwenden sind.

Hinsichtlich der FINREP Meldeanforderungen sind folgende Anpassungen geplant:

  • Es ist nicht mehr erforderlich POCI-Assets einer Stufe des IFRS 9-Risikovorsorgemodells zuzuordnen, sondern in den Tabellen F.4.X, F.7, F12.1 und F18¬†sind separate Spalten zum Ausweis von POCI-Assets vorgesehen.
  • Zu den Stufenbewegungen¬†der Buchwerte (Tabelle F 12.2) werden Davon-Angaben hinsichtlich Forderungen erg√§nzt welche direkt von Stufe 1 in Stufe 3 bzw. vice versa gewechselt sind.
  • F√ľr die Definition von Non-Performing Exposure wird nun auf Art. 47a CRR¬†(Definition im Rahmen des NPE Backstop) verwiesen.¬†
  • F√ľr die Definition von Forbearance wird nun auf Art. 47b CRR verwiesen.
  • Es wird eine umfangreiche Tabelle F.39 erg√§nzt in welcher Buchwerte, Nominalwerte und Risikovorsorge in Zeitbuckets¬†aufzuteilen sind, entsprechend der Dauer seit erstmaliger Einstufung als Non-Performing.

 

Weiterf√ľhrende Informationen zu der Konsultation der EBA sowie einer parallel gestarteten Konsultation hinsichtlich Anpassungen in der Offenlegung finden Sie unter folgenden Links. Sprechen Sie gerne unsere Experten an.

Link zu: Consultation on supervisory reporting changes related to CRR2 and Backstop Regulation (Framework 3.0)

Link zu: CP on on comprehensive ITS for financial institutions public disclosure

 

IASB finalisiert Phase 1 seines Projekts zur ‚ÄěIBOR-Reform‚Äú

Das IASB hat √Ąnderungen an IFRS 9, IAS 39 und IFRS 7 ver√∂ffentlicht und damit die Phase 1 des Projekts ‚ÄěInterest Rate Benchmark Reform‚Äú abgeschlossen. Die Vorschl√§ge stehen im Zusammenhang mit der Reform von Referenzzinss√§tzen (z. B. LIBOR), speziell mit der gegenw√§rtig bestehenden Unsicherheit dar√ľber, wann und wie die aktuellen Referenzzinss√§tze ersetzt werden.

Die √Ąnderungen an IFRS 9 und IAS 39 haben zur Folge, dass Hedge-Beziehungen, die ansonsten in Folge dieser Unsicherheit zu beenden gewesen w√§ren, fortzuf√ľhren sind. Dies wird dadurch erreicht, dass Unternehmen f√ľr Zwecke bestimmter zukunftsgerichteter Beurteilungen unterstellen sollen, dass der Referenzzinssatz, auf dem ein abgesicherter Zahlungsstrom oder die Zahlungsstr√∂me eines Sicherungsinstruments basieren, durch die Reform nicht ver√§ndert wird. Im Zusammenhang mit den vorgenannten √Ąnderungen an IFRS 9 und IAS 39 wird IFRS 7 um Angabepflichten erg√§nzt, die insbesondere Art und Umfang der Betroffenheit des Unternehmens von der Reform der Referenzzinss√§tze betreffen.

Die √Ąnderungen sind √ľberwiegend deckungsgleich mit den Vorschl√§gen in ED/2019/1 ‚ÄěInterest Rate Benchmark Reform‚Äú. Im Vergleich zum ED umfassen die finalen √Ąnderungen insbesondere eine zus√§tzliche Anpassung an IAS 39, wonach w√§hrend der Unsicherheit durch die Reform auch solche Sicherungsbeziehungen weitergef√ľhrt werden k√∂nnen, deren Effektivit√§t au√üerhalb der 80-125% Bandbreite liegt (wenn alle anderen Voraussetzungen erf√ľllt sind).
Die √Ąnderungen sind erstmals f√ľr Gesch√§ftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2020 beginnen, anzuwenden. Eine freiwillige vorzeitige Anwendung ist m√∂glich.

Die Finalisierung der √Ąnderungen markiert zugleich den Beginn der Phase 2 des Projekts ‚ÄěInterest Rate Benchmark Reform‚Äú (siehe dazu auch unseren Beitrag vom 25.09.2019), w√§hrend der sich das IASB mit den potenziellen Auswirkungen der tats√§chlichen √Ąnderung von Referenzzinss√§tzen besch√§ftigen und die Notwendigkeit weiterer Standard√§nderungen er√∂rtern wird.

IBOR Reform and the Effects on Financial Reporting – Phase 2

Im Fokus des IASB Meetings vom 25. September 2019 standen der vorl√§ufige Umfang der in Phase¬†2 des IBOR Projekts zu behandelnden Fragestellungen im Zusammenhang mit der Umstellung der Referenzzinss√§tze sowie ein indikativer Zeitplan inkl. der wesentlichen Diskussionspunkte f√ľr zuk√ľnftige IASB Meetings.

Eine inhaltliche und zeitliche Zusammenfassung der 2. Phase kann folgender Tabelle entnommen werden:

Zeitpunkt Themengebiet
Oktober 2019 1.    Klassifizierung und Bewertung von Finanzinstrumenten: Modifikationen, SPPI-Kriterium, Geschäftsmodell-Kriterium, Eingebettete Derivate
November 2019 2.    Hedge Accounting: Designation von Hedge-Beziehungen
Dezember 2019

3.    Hedge Accounting (Fortsetzung): Ende der Erleichterungsbestimmungen

4.    Weitere IFRS: Potenzielle Auswirkungen auf andere IFRS-Standards

Januar / Februar 2020

5.    Sonstige/neue identifizierte Probleme

6.¬†¬†¬† Disclosures: Notwendigkeit f√ľr zus√§tzliche Offenlegungsanforderungen

Das vom Staff vorgeschlagene Vorgehen zur Analyse der aus der IBOR Reform resultierenden Problemstellungen sieht folgende Schritte vor:

  • Identifizierung potenzieller Bilanzierungsprobleme, die auftreten k√∂nnen, wenn ein bestehender Benchmark-Zins reformiert oder durch einen alternativen Benchmark-Satz ersetzt wird;
  • Pr√ľfung, ob die IFRS-Standards eine ausreichende Grundlage bieten, um zu regeln, wie die im Zusammenhang mit der Reform m√∂glicherweise auftretenden Rechnungslegungsfragen zu bilanzieren sind; und
  • Beurteilung, ob die aus der Anwendung der IFRS-Standards resultierende Bilanzierung die n√ľtzlichsten Informationen f√ľr die Adressaten von Abschl√ľssen liefern w√ľrde.

Der Webcast und die dem Meeting zugrundeliegenden Agenda-Paper können unter folgendem Link abgerufen werden: https://www.ifrs.org/news-and-events/calendar/2019/september/international-accounting-standards-board/

IASB Meeting zur IBOR-Reform am 28.08.2019

Das IASB hat in seiner Sitzung am 28. August 2019 die Vorschl√§ge zu den √Ąnderungen, die aus dem Feedback zum Exposure Draft ‚ÄěED/2019/1 Interest Rate Benchmark Reform (Vorgeschlagene √Ąnderungen an IFRS¬†9 und IAS¬†39)‚Äú in der Juli-Sitzung hervorgegangen sind, besprochen. Zudem hat das IASB eine Entscheidung √ľber das Abstimmungsverfahren hinsichtlich der √Ąnderungen an IFRS¬†9 und IAS¬†39 getroffen.

Ver√∂ffentlichung der vorgeschlagenen √Ąnderungen an IFRS¬†9 und IAS¬†39 (Agenda Paper 14A)

Folgende Entscheidungen wurden durch das IASB vorläufig getroffen:

  • IAS¬†39 soll um eine Ausnahme zur retrospektiven Bewertung erweitert werden, so dass w√§hrend der Unsicherheit durch die Reform auch solche Sicherungsbeziehungen weitergef√ľhrt werden k√∂nnen, deren Effektivit√§t au√üerhalb der 80-125% Bandbreite liegt.

Dieser Vorschlag wurde von 10 Mitgliedern des IASB bef√ľrwortet, vier Mitglieder stimmten dagegen.

  • Makro-Hedges sollten dahingehend beurteilt werden, ob eine nicht vertraglich festgelegte Risikokomponente separat identifizierbar ist, wenn das abgesicherte Grundgesch√§ft innerhalb des Makro-Hedges designiert wird. F√ľr ein Grundgesch√§ft, das innerhalb eines Makro-Hedges designiert wurde, sollte keine Neubeurteilung dahingehend durchgef√ľhrt werden, ob die Risikokomponente bei einer sp√§teren Neugestaltung dieses Grundgesch√§fts in derselben Sicherungsbeziehung separat identifizierbar ist.

Alle 14 IASB-Mitglieder stimmten dieser Entscheidung zu.

  • Die endg√ľltigen √Ąnderungen an IFRS¬†9 und IAS¬†39 sollen sicherstellen, dass f√ľr als Grundgesch√§fte designierte Gruppen die im ED vorgeschlagenen Vorschriften zum Ende der Anwendung f√ľr jedes Grundgesch√§ft innerhalb der designierten Gruppe gelten.

Alle 14 Mitglieder stimmten dieser Entscheidung zu.

  • Vorgeschlagene √Ąnderungen des Anwendungsbereichs sollten nur insoweit angenommen werden, dass die Ausnahmen lediglich f√ľr solche Sicherungsbeziehungen gelten, die direkt von der Unsicherheit auf zinsbenchmark-basierte Cashflows aus der IBOR-Reform betroffen sind. Handelt es sich um Sicherungsbeziehungen, bei denen das Zinsrisiko nicht das einzige abgesicherte Risiko darstellt, beziehen sich die vorgeschlagenen √Ąnderungen lediglich auf IBOR-bezogene Cashflows.

Diesem Vorschlag stimmten alle 14 IASB-Mitglieder zu.

  • Eine Ausnahme von den Offenlegungsanforderungen in Paragraph 28(f) des IAS¬†8 soll bei der erstmaligen Anwendung der √Ąnderungen gelten. Die Offenlegungsanforderungen zu den im ED vorgeschlagenen Ausnahmen sollen ebenfalls vereinfacht werden, so dass im Anhang des Jahresabschlusses die folgenden Angaben enthalten sein sollten:
    • eine Beschreibung der wesentlichen Benchmark-Zinss√§tze, denen die Sicherungsbeziehungen ausgesetzt sind;
    • eine Erl√§uterung, wie der √úbergang zur Verwendung eines alternativen Benchmark-Zinssatzes gesteuert wird sowie die Auswirkungen auf die Risikomanagementstrategie;
    • eine Erl√§uterung der wesentlichen Annahmen oder Ermessensspielr√§ume, die bei der Anwendung der Ausnahmen auf diese Sicherungsbeziehungen im Rahmen der √Ąnderungen zu treffen sind;
    • der Nominalbetrag der Sicherungsinstrumente und das Ausma√ü des gesteuerten Risiko-Exposures, das von der Reform betroffen ist.

Von 12 der 14 IASB-Mitgliedern wurden die Vorschl√§ge bef√ľrwortet.

Konsultationsprozess und Genehmigung des Abstimmungsverfahrens (Agenda Paper 14B)

Alle 14 Mitglieder des Staffs stimmten zu, die √Ąnderungen an IFRS¬†9 und IAS¬†39 nicht erneut zur √∂ffentlichen Kommentierung freizugeben.

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