Die neuen Regelungen des IDW RS BFA 7

Am 8. Februar 2020 hat der Bankenfachausschuss (BFA) des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) die finale Fassung des IDW RS BFA 7 veröffentlicht (BFA 7). Dieser konkretisiert das Vorgehen zur Ermittlung einer Risikovorsorge für vorhersehbare, noch nicht individuell konkretisierte Adressenausfallrisiken im Kreditgeschäft (Pauschalwertberichtigung) im handelsrechtlichen Jahresabschluss von Kreditinstituten. Für die Bilanzierenden stellen sich in diesem Kontext u.a. die nachfolgend aufgeführten Fragen:

  • Wer hat die neuen Regelungen des BFA 7 zu berücksichtigen und ab wann sind sie anzuwenden?

Relevant sind die Vorgaben in erster Linie für Kreditinstitute, die unter die Definitionen des § 1 KWG fallen. Erstmalig anzuwenden ist BFA 7 für Geschäftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2021 beginnen und damit, bei Identität von Kalenderjahr und Geschäftsjahr, erstmalig im FinRep-Reporting zum 31. März 2022. Eine vorzeitige Anwendung ist zulässig.

  • Wie bestimmen sich sachlicher Anwendungsbereich und Bemessungsgrundlage?

Anzuwenden sind die Regelungen auf die Bilanzposten Forderungen an Kreditinstitute und Kunden (§§ 14, 15 RechKredV). Darüber hinaus fallen auch Eventualverbindlichkeiten und andere Verpflichtungen (§§ 26, 27 RechKredV) in den sachlichen Anwendungsbereich, soweit mit ihrer Inanspruchnahme ernsthaft zu rechnen ist.
Die Bemessungsgrundlage für die Berechnung der Pauschalwertberichtigung ist der handelsrechtliche Buchwert bzw. Verpflichtungsumfang der Geschäfte. Stille oder offene Vorsorgereserven für allgemeine Bankrisiken (i.S.d. §§ 340f und 340g HGB) mindern die Bemessungsgrundlage nicht.

  • Welche Regelungen und Vereinfachungen enthält BFA 7? 

BFA 7 stellt zunächst Grundsätze dar, die bei der Ermittlung der Risikovorsorge zu berücksichtigen sind. Ein zentraler Grundsatz besteht darin, dass die Pauschalwertberichtigung die erwarteten Verluste über die gesamte Restlaufzeit (ELL) der im Anwendungsbereich befindlichen Geschäfte berücksichtigen soll. Zu deren Ermittlung beschreibt BFA 7 keine konkrete Methode, sieht aber vor, dass das Vorgehen nicht hinter die im internen Risikomanagement verwendeten Methoden zurückfallen darf. Daneben werden weitere Grundsätze formuliert. 

Sofern der Bilanzierende aus dem Kreditisikomanagement über eindeutig identifizierbare Bonitätsprämien verfügt, muss er diese – sofern das Anrechnungsverfahren zur Anwendung kommt – dem erwarteten Verlust über die Restlaufzeit gegenüberstellen. Es ist zulässig dies zu tun, wenn die Kreditrisikoprämien zwar nicht in der Steuerung verwendet, aber eindeutig ermittelt werden können.

  • Welche Bewertungsvereinfachungen enthält BFA 7? 

Als Bewertungsvereinfachung dürfen die Bilanzierenden auf Basis der Annahme einer Ausgeglichenheit zwischen Bonitätsprämein und erwartetem Verlust im Zugangszeitpunkt vereinfachend den 12-Monats-Expected Loss (12-M-EL) als Pauschalwertberichtigung berücksichtigen. 

Im Rahmen der Folgebewertung muss geprüft werden, ob diese Annahme immer noch Bestand hat bzw. ist nachzuweisen, dass keine deutliche Risikoerhöhung seit Kreditvergabe eingetreten ist. Ist dies nicht erfüllt, ist das Grundmodell anzuwenden; also eine Schätzung des erwarteten Verlust über die Restlaufzeit (ggf. – sofern die Voraussetzungen erfüllt sind – unter Berücksichtigung der Gegenrechnung von Kreditrisikoprämien). Um dies zu gewährleisten muss eine entsprechende Analyse implement werden. Ebenso muss es dem Bilanzierenden möglich sein, das Grundmodell anzuwenden, da a priori nicht bestimmt werden kann, ob die erforderlichen  Nachweise für die Beibehaltung der Bewertungsvereinfachung immer für den gesamten Bestand gelingen. 

Als weitere Bewertungsvereinfachung darf auch die IFRS-9-Methodik für die Stufen 1 und 2  übernommen und auf die HGB-Bemessungsgrundlage angewendet werden. Diese vom IDW als Vereinfachung bezeichnete Methodik dürfte nur für IFRS-Bilanzierer eine Vereinfachung darstellen, auch wenn sie allen Bilanzierenden zugänglich ist. Insgesamt ergeben sich danach die folgenden Ansätze zur Ermittlung der Pauschalwertberichtigung:

  • Ist es möglich, innerhalb eines Instituts auch verschiedene Verfahren anzuwenden?

Ja, BFA 7 gewährt grundsätzlich Methodenfreiheit. Demzufolge kommen auch unterschiedliche Methoden in Betracht, wenn dies entsprechend begründet werden kann.

  • Welche praktischen Auswirkungen ergeben sich? 

Zunächst gilt es zu entscheiden, ob eine der im BFA 7 genannten Bewertungsvereinfachungen oder ein anderes Verfahren (unter Beachtung des Grundmodells) angewendet werden soll. Relevant ist in diesem Kontext u.a. die Frage, ob verlässlich ermittelbare Bonitätsprämien zur Verfügung gestellt werden können. In diesem Fall kommt die Anwendung des Anrechnungsverfahrens in Betracht. Dieses führt erwartungsgemäß zu einer vergleichsweise geringen Pauschalwertberichtigung, stellt aber auch höhere Prozessanforderungen. Für IFRS-Bilanzierer kann auch die Anwendung der IFRS-9-Methodik im HGB-Abschluss relevant sein, um von ähnlichen  Prozessen zu profitieren und die Risikovorsorge nach HGB und IFRS anzugleichen. 

Insgesamt gilt es die folgenden Aspekte gegeneinander abzuwägen und darauf basierend die Entscheidung für ein Umsetzungsvorgehen zu treffen: Implementierungsaufwand, laufende Prozesskosten, Ergebniseffekte und Auswirkungen auf das (regulatorische) Eigenkapital


Eine detaillierte Darstellung der neuen Vorgaben und deren Implikationen haben wir in unserem Beitrag Pauschalwertberichtigungen für latente Adressenausfallrisiken im handelsrechtlichen Jahresabschluss von Kreditinstituten – Die neuen Regelungen des IDW RS BFA 7 vom März 2020 in der IRZ – Zeitschrift für Internationale Rechnungslegung vorgenommen
(IRZ, Heft 3, 2020).

 

 

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