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Phase 2 der IBOR-Reform: Implikationen für die Praxis

Der Exposure Draft (ED) des IASB zur 2. Phase des IBOR-Projekts (siehe auch den Beitrag im Accounting Aktuell Blog „IBOR-Reform: Exposure Draft zur Phase 2 veröffentlicht“) sieht Änderungen an IFRS 9, IAS 39, IFRS 7, IFRS 4 und IFRS 16 vor.

Gegenstand der geplanten Regelungen ist die Bilanzierung von bestimmten Modifikationen vertraglicher Zahlungsströme, die als direkte Konsequenz aus der IBOR-Reform erforderlich geworden sind. Darüber hinaus sieht der ED Regelungen für die Abbildung solcher Anpassungen bei Geschäften im Hedge Accounting vor.

Nachfolgend werden die Vorschläge des IASB in Bezug auf Finanzinstrumente und wesentliche Handlungsfelder daraus im Überblick dargestellt:

Modifikationen von Finanzinstrumenten  

Eine Änderung der vertraglichen Zahlungsströme ist nach dem ED dann aufgrund der IBOR-Reform erforderlich geworden, wenn die folgenden beiden Voraussetzungen erfüllt sind:

  1. Die Modifikation ist als direkte Konsequenz aus der IBOR-Reform erforderlich und
  2. die neue und alte Basis (d.h. die Basis unmittelbar vor der Änderung) für die Bestimmung der vertraglichen Zahlungsströme sind wirtschaftlich äquivalent.

Für solche Modifikationen, die entweder durch eine formale Vertragsanpassung oder durch bereits vereinbarte und nunmehr ‚aktivierte‘ Fallback-Klauseln vorgenommen werden, ist als praktische Vereinfachung (practical expedient) die Anwendung der Regelungen des IFRS 9.B5.4.5 (ehem. IAS 39.AG7) vorgesehen. Danach wird kein Modifikationsgewinn oder -verlust erfasst; die Behandlung erfolgt vielmehr analog zu einer Aktualisierung des variablen Referenzzinssatzes bilanziert. D.h. ab dem Zeitpunkt der Zinssatzanpassung ist das Zinsergebnis auf Basis der geänderten Zinsvereinbarung zu erfassen.

Worauf sollten Sie sich vorbereiten?

  • Beurteilung, ob Änderungen eine „direkte Folge“ der IBOR-Reform sind und auf „wirtschaftlich ausgeglichener“ Basis erfolgen (Ermessensentscheidung);
  • Anwendung des practical expedient zur Vermeidung von Modifikationsergebnissen bei nicht-derivativen Finanzinstrumenten, welche die Voraussetzungen erfüllen;
  • Erfassung von Modifikationsergebnissen für andere vertragliche Anpassungen.

Hedge Accounting

Die Ausnahmeregelungen ermöglichen die Fortführung von designierten Hedgebeziehungen, auch dann, wenn durch die IBOR-Reform eine erforderliche Anpassung der Grundgeschäfte oder Sicherungsinstrumente erfolgt und dies in der Hedge-Dokumentation angepasst wird (Designation eines neuen Referenzzinssatzes als gesichertes Risiko sowie entsprechende Aktualisierung der Hedge-Dokumentation).

Ein neuer Referenzzinssatz soll als Risikokomponente im Rahmen des Hedge Accountings abgesichert werden können, auch wenn dieser zum Zeitpunkt der Designation nicht das „separately identifiable“-Kriterium erfüllt. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass das Unternehmen die begründete Erwartungshaltung hat, dass der neue Referenzzinssatz binnen 24 Monaten ab seiner Designation als nicht-vertraglich spezifizierte Risikokomponente das „separately identifiable“-Kriterium erfüllen wird. Eine verlässliche Bewertbarkeit muss bereits bei Designation gegeben sein.

Zusätzlich beinhaltet der ED eine weitere Ausnahme, wonach ein Recycling der Cashflow-Hedge-Rücklage in Folge der Änderung vertraglicher Zahlungsströme verhindert werden soll.

Worauf sollten Sie sich vorbereiten?

  • Aktualisierung der bestehenden Hedge-Dokumentation aufgrund der IBOR-Reform;
  • Aufteilung abgesicherter Gruppen von Grundgeschäften in zwei Teilmengen (i.S.v. Gruppen-Hedges), in Abhängigkeit der zugrundeliegenden Risiken (IBOR-Referenzzinssatz vs. neuer Referenzzinssatz);
  • Absicherung einer neuen, noch nicht einzeln identifizierbaren Risikokomponente in Form eines neuen Referenzzinssatzes in bestehenden und neuen Sicherungsbeziehungen, sofern die begründete Erwartungshaltung besteht, dass die Einzelidentifizierbarkeit binnen 24 Monaten gegeben sein wird (Ermessensentscheidung);
  • Wiederherstellung von Sicherungsbeziehungen, die vor Inkrafttreten der Amendments aufgrund von Änderungen aufgelöst wurden, die durch die IBOR Reform erforderlich waren.

Offenlegungspflichten

Ziel der qualitativen und quantitativen Angaben ist es, den Abschlussadressaten in die Lage zu versetzen, Art und Umfang der Risiken, die sich aus der IBOR-Reform für das Unternehmen ergeben, den Umgang mit diesen Risiken sowie die Fortschritte des Unternehmens beim Übergang auf neue Referenzzinssätze, nachvollziehen zu können.

Worauf sollten Sie sich vorbereiten?

  • Analyse des Datenhaushalts und, falls erforderlich, Entwicklung von Best Practices zur Erhebung der Art und des Ausmaßes der Risiken je Art von Finanzinstrument, die sich aus der IBOR-Reform auf das Unternehmen ergeben;
  • Definition von Bewertungsmaßstäben, um zum Berichtszeitpunkt eine belastbare Aussage über den Fortschritt des Übergangs auf alternative Referenzzinssätze sowie die damit verbundenen Risiken treffen zu können.

 

Die vorgeschlagenen Änderungen des IFRS 4 soll es Versicherern, die IFRS 9 noch nicht anwenden, ermöglichen die Erleichterungen zur Abbildung von Modifikationen von Finanzinstrumenten unter IAS 39 analog anzuwenden.

Das IASB schlägt vor, dass die Änderungen für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2021 beginnen, anzuwenden sind. Eine vorzeitige Anwendung soll zulässig sein.

Die Kommentierungsfrist endet am 25. Mai 2020. Die Veröffentlichung der finalen angepassten Standards ist für Q3 2020 geplant.

Weitere Informationen sowie den Exposure Draft finden Sie auf der Homepage des IASB unter: https://www.ifrs.org/projects/work-plan/ibor-reform-and-its-effects-on-financial-reporting-phase-2/#current-stage

IASB finalisiert Phase 1 seines Projekts zur „IBOR-Reform“

Das IASB hat Änderungen an IFRS 9, IAS 39 und IFRS 7 veröffentlicht und damit die Phase 1 des Projekts „Interest Rate Benchmark Reform“ abgeschlossen. Die Vorschläge stehen im Zusammenhang mit der Reform von Referenzzinssätzen (z. B. LIBOR), speziell mit der gegenwärtig bestehenden Unsicherheit darüber, wann und wie die aktuellen Referenzzinssätze ersetzt werden.

Die Änderungen an IFRS 9 und IAS 39 haben zur Folge, dass Hedge-Beziehungen, die ansonsten in Folge dieser Unsicherheit zu beenden gewesen wären, fortzuführen sind. Dies wird dadurch erreicht, dass Unternehmen für Zwecke bestimmter zukunftsgerichteter Beurteilungen unterstellen sollen, dass der Referenzzinssatz, auf dem ein abgesicherter Zahlungsstrom oder die Zahlungsströme eines Sicherungsinstruments basieren, durch die Reform nicht verändert wird. Im Zusammenhang mit den vorgenannten Änderungen an IFRS 9 und IAS 39 wird IFRS 7 um Angabepflichten ergänzt, die insbesondere Art und Umfang der Betroffenheit des Unternehmens von der Reform der Referenzzinssätze betreffen.

Die Änderungen sind überwiegend deckungsgleich mit den Vorschlägen in ED/2019/1 „Interest Rate Benchmark Reform“. Im Vergleich zum ED umfassen die finalen Änderungen insbesondere eine zusätzliche Anpassung an IAS 39, wonach während der Unsicherheit durch die Reform auch solche Sicherungsbeziehungen weitergeführt werden können, deren Effektivität außerhalb der 80-125% Bandbreite liegt (wenn alle anderen Voraussetzungen erfüllt sind).
Die Änderungen sind erstmals für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2020 beginnen, anzuwenden. Eine freiwillige vorzeitige Anwendung ist möglich.

Die Finalisierung der Änderungen markiert zugleich den Beginn der Phase 2 des Projekts „Interest Rate Benchmark Reform“ (siehe dazu auch unseren Beitrag vom 25.09.2019), während der sich das IASB mit den potenziellen Auswirkungen der tatsächlichen Änderung von Referenzzinssätzen beschäftigen und die Notwendigkeit weiterer Standardänderungen erörtern wird.

IBOR Reform and the Effects on Financial Reporting – Phase 2

Im Fokus des IASB Meetings vom 25. September 2019 standen der vorläufige Umfang der in Phase 2 des IBOR Projekts zu behandelnden Fragestellungen im Zusammenhang mit der Umstellung der Referenzzinssätze sowie ein indikativer Zeitplan inkl. der wesentlichen Diskussionspunkte für zukünftige IASB Meetings.

Eine inhaltliche und zeitliche Zusammenfassung der 2. Phase kann folgender Tabelle entnommen werden:

Zeitpunkt Themengebiet
Oktober 2019 1.    Klassifizierung und Bewertung von Finanzinstrumenten: Modifikationen, SPPI-Kriterium, Geschäftsmodell-Kriterium, Eingebettete Derivate
November 2019 2.    Hedge Accounting: Designation von Hedge-Beziehungen
Dezember 2019

3.    Hedge Accounting (Fortsetzung): Ende der Erleichterungsbestimmungen

4.    Weitere IFRS: Potenzielle Auswirkungen auf andere IFRS-Standards

Januar / Februar 2020

5.    Sonstige/neue identifizierte Probleme

6.    Disclosures: Notwendigkeit für zusätzliche Offenlegungsanforderungen

Das vom Staff vorgeschlagene Vorgehen zur Analyse der aus der IBOR Reform resultierenden Problemstellungen sieht folgende Schritte vor:

  • Identifizierung potenzieller Bilanzierungsprobleme, die auftreten können, wenn ein bestehender Benchmark-Zins reformiert oder durch einen alternativen Benchmark-Satz ersetzt wird;
  • Prüfung, ob die IFRS-Standards eine ausreichende Grundlage bieten, um zu regeln, wie die im Zusammenhang mit der Reform möglicherweise auftretenden Rechnungslegungsfragen zu bilanzieren sind; und
  • Beurteilung, ob die aus der Anwendung der IFRS-Standards resultierende Bilanzierung die nützlichsten Informationen für die Adressaten von Abschlüssen liefern würde.

Der Webcast und die dem Meeting zugrundeliegenden Agenda-Paper können unter folgendem Link abgerufen werden: https://www.ifrs.org/news-and-events/calendar/2019/september/international-accounting-standards-board/

EFRAG Technical Expert Group (TEG) diskutiert Accounting Fragestellungen i.Z.m. der IBOR Reform

Die EFRAG TEG hat sich am 9. Mai 2019 mit der Kommentierung des IASB ED/2019/1 Interest Rate Benchmark Reform – Proposed amendments to IFRS 9 and IAS 39 befasst .

Die TEG hält die Projektstruktur des IASB, die eine Unterteilung des IBOR Projekts in zwei Phasen vorsieht, aufgrund der Dringlichkeit der Hedge Accounting Fragestellungen für angemessen und befürwortet die vom IASB vorgeschlagenen Erleichterungsbestimmungen sowie deren verpflichtende und befristete Anwendung (Details siehe Blogbeitrag vom 06.05.2019). Darüber hinaus regt die TEG eine teilweise Parallelisierung der beiden Phasen an.

Die erste Phase des Projekts betreffend, hat die TEG u.a. die Frage des Umfangs und des Detaillierungsgrads der vom IASB vorgeschlagenen Anhangangaben zu den Erleichterungsbestimmungen für das Hedge Accounting sowie den verpflichtenden Erstanwendungszeitpunkt diskutiert. Während einige Teilnehmer den Vorschlag des IASB befürworten, der den 1. Januar 2020 als Erstanwendungszeitpunkt vorsieht, haben sich andere Teilnehmer für eine frühere Erstanwendung (in 2019) ausgesprochen. Eine einheitliche Auffassung zwischen den Teilnehmern wurde nicht erzielt.

Die zweite Phase des IASB Projekts betreffend, hat die TEG in ihrer Kommentierung bereits verschiedene Accounting-Themen identifiziert, die für die Umstellung der Benchmark-Zinssätze von Relevanz sind.
Diese beziehen sich im Wesentlichen auf

  • Modifikation vs. Abgang von Finanzinstrumenten
  • Hedge Accounting
  • Schätzungsänderung vs. Änderung der Accounting Policy nach IAS 8
  • IFRS 9 SPPI- und Geschäftsmodell-Kriterium
  • Bewertung von Versicherungsverträgen und Zinsgarantien nach IFRS 17

Die TEG wird ihren Comment Letter insbesondere im Hinblick auf die Phase 2 überarbeiten.

Der im Webcast diskutierte Entwurf des Comment Letter ist auf der Homepage der EFRAG abrufbar: https://www.efrag.org/Meetings/1904231436172814/EFRAG-TEG-webcast-meeting-May-2019

IASB veröffentlicht ED zu Phase 1 des IBOR Projekts

Das International Accounting Standards Board (IASB) hat wie avisiert (siehe Blog-Beitrag vom 20. März 2019) am 3. Mai 2019 den Exposure Draft Interest Rate Benchmark Reform – Proposed amendments to IFRS 9 and IAS 39 (ED/2019/1) zur ersten Phase des IBOR Projekts veröffentlicht.

Der ED/2019/01 ist eine Reaktion des IASB auf die Auswirkungen in der Bilanzierung aufgrund der Umstellung der Benchmark-Zinssätze (z.B. LIBOR und EURIBOR). Er beinhaltet im Wesentlichen Vorschläge zur Anpassung der Hedge Accounting Regelungen des IFRS 9 und IAS 39. Themen, die nach der Umstellung der Benchmark-Zinssätze an Relevanz gewinnen, bspw. Modifikation vs. Abgang von Finanzinstrumenten als Konsequenz aus Vertragsanpassungen, werden vom IASB separat behandelt.

Die folgenden Punkte skizzieren die wesentlichen in IFRS 9 und IAS 39 zu ergänzenden Erleichterungsbestimmungen:

  • Das highly probable Kriterium soll angepasst werden. Bei der Beurteilung der Wahrscheinlichkeit, dass eine geplante Transaktion stattfinden wird, kann davon ausgegangen werden, dass die IBOR-basierten Vertragsbedingungen durch die IBOR-Reform nicht geändert werden;
  • Die prospektive Effektivitätsbeurteilung von Hedge-Beziehungen soll unter der Annahme durchgeführt werden, dass die IBOR-basierten vertraglichen Cashflows aus dem Sicherungsinstrument und dem Grundgeschäft durch die IBOR-Reform nicht verändert werden;
  • Bestehende Hedge-Beziehungen, die eine nicht vertraglich festgelegte IBOR-Risikokomponente absichern, sollen fortgeführt werden, wenn die separate identifiable Anforderung zu Beginn der Sicherungsbeziehung als erfüllt galt, auch wenn die Anforderung zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr erfüllt wird.

Die vorstehenden Erleichterungsbestimmungen sollen die Fortführung von bestimmten Hedge-Beziehungen ermöglichen, die ansonsten aufgrund von Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Umstellung der Benchmark-Zinssätze ggf. beendet werden müssten. Die Anwendung soll verpflichtend sein, bis entweder keine Unsicherheit mehr über den Zeitpunkt und die Höhe der Cashflows besteht oder die relevanten Hedge-Beziehungen beendet werden und zum anderen sowohl für bestehende als auch für neue Hedge-Beziehungen gelten.

Die Kommentierungsfrist für den ED/2019/1 endet am 17. Juni 2019. Die Veröffentlichung des finalen Standards wird für Ende 2019 erwartet, mit verpflichtendem Erstanwendungszeitpunkt zum 1. Januar 2020.

Weitere Informationen finden Sie im PwC In brief: The effect on hedge accounting of the reform of LIBOR and other similar rates.

 

Aufsichtliche Finanzinformationen: IFRS 9 ändert FINREP

Anpassungen der IFRS- und nGAAP-Meldebögen

Die Pflicht zur Erstanwendung der Bilanzierungsvorschriften für Finanzinstrumente gemäß IFRS 9 zum 01.01.‌2018 führt zu einem umfassenden Anpassungsbedarf der entsprechenden Meldebögen für aufsichtliche Finanzinformationen (sog. FINREP-IFRS-Meldebögen). Die derzeit anzuwendenden IFRS-Meldebögen basieren noch auf den bis zum 31.12.‌2017 gültigen Bilanzierungsvorschriften (IAS 39). Zusätzlich zu den angepassten IFRS-Meldebögen hat die Aufsicht die Meldebögen nach nationalen Bilanzierungsstandards (sog. nGAAP-Meldebögen) angepasst. Diese Anpassungen zielen auf die Wahrung der Konsistenz zwischen IFRS- und beispielsweise HGB-Meldebögen und auf die Beseitigung konzeptioneller Schwächen ab, die auf den praktischen Erfahrungen der Meldepraxis basieren.

Der Artikel „Aufsichtliche Finanzinformationen: IFRS 9 ändert FINREP – Anpassungen der IFRS- und nGAAP-Meldebögen“ von Judith Gehrer, Peter Schüz und Daniel Fröschle ist in Heft 4/2018 der Zeitschrift WPg erschienen.

Aus urberrecthlichen Gründen können wir Ihnen nicht den vollständigen Artikel zur Verfügung stellen.

EBA startet Konsultationsprozess zu Anpassungen der FinRep-Meldung aufgrund von IFRS 9

Am 8.12.2015 hat die EBA ihren Konsultationsprozess zur Anpassung der FinRep-Tabellen für IFRS-Anwender aufgrund des neuen Rechnungslegungsstandards IFRS 9 gestartet. Die vorgeschlagenen Anpassungen, einhergehend mit dem Wegfall und der Ergänzung einzelner Spalten bzw. einzelner FinRep-Tabellen, beziehen sich insbesondere auf:

  • Die im Vergleich zu IAS 39 neuen Kategorisierungsvorschriften nach IFRS 9
  • Die neuen Impairmentvorschriften nach IFRS 9, welche im Vergleich zu IAS 39 die Bildung von Risikovorsorge auf Basis eines 3-stufigen „Expected Loss Models“ vorsehen
  • Die Anpassungen der Vorschriften zu Hedge Accounting

Von den Anpassungen sind zunächst ausschließlich IFRS-Anwender betroffen. Zu einem späteren Zeitpunkt soll die Notwendigkeit von Anpassungen der FinRep-Tabellen für Nicht-IFRS Anwender geprüft werden.

Die vorgeschlagenen Anpassungen sollen mit dem erstmaligen Anwendungszeitpunkt von IFRS 9, derzeit geplant für den 1. Januar 2018, zusammenfallen. Die neuen FinRep-Tabellen für IFRS-Anwender wären somit zum Berichtsstichtag 31.03.2018 erstmalig zu verwenden.

Die EBA hat ausdrücklich klargestellt, dass ihr Konsultationsprozess keine Auswirkungen auf den Endorsement-Prozess der EU hat. Der Konsultationsprozess der EBA endet am 8. März 2016.

Hedging für Versicherungsverträge

Im IASB Meeting im September 2015 wurde auch die Vermeidung eines Accounting Mismatch aus der Nutzung des „variable fee“-Approach in Kombination mit Hedging-Aktivitäten diskutiert.

Ein Accounting Mismatch tritt auf, wenn ein Versicherer ein zum Fair Value bewertetes Derivat nutzt, um das Marktrisiko aus einer eingebetteten Garantie zu reduzieren. Der Mismatch resultiert aus der Erfassung der Fair Value-Änderung des Derivats in der GuV, während die Wertänderung der (eingebetteten) Garantien als Anpassung der CSM über die Vertragslaufzeit verteilt wird.

Folgende drei Ansätze wurden vom Board diskutiert:

  1. Approach:
    Für Verträge mit direkter Partizipation darf – anstelle des „variable fee“-Approach – das allgemeine Modell zur Bilanzierung von Versicherungsverträgen angewendet werden;
  2. Approach:
    Es wird gestattet, Fair Value-Änderungen der (eingebetteten) Garantie in der GuV zu erfassen, ermittelt unter Verwendung von Erfüllungsbeträgen (fulfilment cash flows)
  3. Approach:
    Es wird gestattet, Fair Value-Änderungen der (eingebetteten) Garantie in der GuV zu erfassen.

Nach der Angemessenheitsbeurteilung soll Approach 2 angewendet werden können, wenn

(a) das Hedging konsistent mit der Risikomanagementstrategie ist,

(b) ein ökonomischer Ausgleich zwischen Garantie und Derivate besteht, ohne die bilanziellen Bewertungsunterschiede zu berücksichtigen und

(c) das Kreditrisiko diesen Ausgleich nicht dominiert.

Dies würde entsprechende Dokumentationsanforderungen nach sich ziehen.

Finaler Standard “Insurance Contracts” – Diskussionspunkte aus dem IASB Meeting im Juni 2015

Im Rahmen des Juni Meetings des IASB wurde auch eine Diskussion („educational session“) zur Frage der Verschiebung des IFRS 9 vor dem Hintergrund des Auseinanderfallens mit dem IFRS 4 Standard abgehalten.

Erstanwendung des IFRS 9 vor dem Hintergrund der Erstanwendung des IFRS 4

Das IASB hat sog. Outreach-Aktivitäten angestoßen, um die Probleme der Versicherungsindustrie in diesem Punkt besser verstehen zu können. Diese Umfragen sind bisher noch nicht abgeschlossen. Es wurde dabei vor allem der Punkt des temporären Anstiegs eines accounting mismatch zwischen Kapitalanlagen und versicherungstechnischen Verpflichtungen angeführt.

Darüber hinaus hat das IASB Alternativen zur Verschiebung des IFRS 9 diskutiert. Es wurden die folgenden Alternativen besprochen:

  • Anpassung der aktuellen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden unter IFRS 4 Phase 1 durch den Bilanzierenden, z.B. durch die Anwendung von aktuellen Marktzinssätzen zur Bewertung von versicherungstechnischen Verpflichtungen oder die Anwendung von shadow accounting für überschussberechtigtes Geschäft
  • Anpassung des aktuellen IFRS 4 Standards als Übergangslösung (z.B. Möglichkeiten im Zusammenhang mit shadow accounting, Anpassungsbuchung für IAS 39/IFRS 9 Unterschiede)

Es wurden die folgenden drei Ansätze für eine Verschiebung identifiziert: reporting entity level, legal entity level, insurance activities level. Insbesondere bei den beiden letzten Modellen sind Anforderungen an die Konsistenz der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden (IAS 8), die Kosten einer Doppelbilanzierung nach IFRS 9/IAS 39 sowie die Komplexität bei konzerninternen Verkäufen wesentliche Kritikpunkte.

Hierzu wurden keine Entscheidungen getroffen.

Hedge Accounting bei Versicherungen

Das IASB hat außerdem Ansätze zur Vermeidung potentieller accounting mismatches bei der Anwendung des variable fee approachs diskutiert. Ein accounting mismatch kann z.B. daraus entstehen, dass ein Unternehmen eine Hedgebeziehung mit einem Derivat begründet, dessen Fair-Value-Veränderungen jedoch nicht in der Servicemarge, sondern vollständig in der GuV ausgewiesen werden. Zu den diskutierten Ansätzen gehören:

  • Beschränkte Anwendung des variable fee approach
  • Kein Ausweis von Wertänderungen der Garantien sowie von Veränderungen des Anteils des Versicherungsunternehmens an den zugrundeliegenden Kapitalanlageerträgen in der Servicemarge, sondern in der GuV
  • Designation des die Hedge Beziehung begründenden Derivats als underlying item für das überschussberechtigte Geschäft

Eine versicherungsspezifische Anpassung der IAS 39/IFRS 9 Hedge Accounting Modelle wird durch das IASB grundsätzlich nicht favorisiert.

Auch hierzu wurden keine Entscheidungen getroffen.

Endorsement-Verfahren für IFRS 9 gestartet

Die Europäische Kommission hat am 8. Dezember 2014 offiziell das Endorsement-Verfahren für IFRS 9 gestartet. Dabei wurde die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) mit der Ausarbeitung einer Endorsement-Empfehlung innerhalb der nächsten sechs Monate beauftragt. Neben den allgemeinen Endorsement-Kriterien wurde die EFRAG von der Kommission beauftragt, insbesondere folgende sechs Themen in der Endorsement-Empfehlung zu berücksichtigen:

  • IFRS 4: Interaktion des IFRS 9 mit dem sich noch in Bearbeitung befindenden IFRS 4 und deren gemeinsamer Effekt auf Versicherungsunternehmen
  • Kategorisierung: Auswirkungen auf die Finanzmarktstabilität aufgrund einer eventuellen Ausweitung der Fair-Value-Bilanzierung.
  • Impairment: Angemessenheit der Risikovorsorge und offene Auslegungsfragen (z.B. im Zusammenhang mit der Impairment Transition Resource Group des IASB).
  • Hedge Accounting: Die Beibehaltung der Carve-Out-Regelungen des IAS 39.
  • Konvergenz: Auswirkungen bezüglich der Unterschiede zu US GAAP.
  • Prudence: Evaluierung des IFRS  9 vor dem Hintergrund der Prudence.

Der ambitionierte Plan der EU Kommission sieht ein Endorsement des IFRS 9 nach der finalen Zustimmung im EU Parlament noch Ende 2015 vor.

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