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Phase 2 der IBOR-Reform: Implikationen fĂŒr die Praxis

Der Exposure Draft (ED) des IASB zur 2. Phase des IBOR-Projekts (siehe auch den Beitrag im Accounting Aktuell Blog „IBOR-Reform: Exposure Draft zur Phase 2 veröffentlicht“) sieht Änderungen an IFRS 9, IAS 39, IFRS 7, IFRS 4 und IFRS 16 vor.

Gegenstand der geplanten Regelungen ist die Bilanzierung von bestimmten Modifikationen vertraglicher Zahlungsströme, die als direkte Konsequenz aus der IBOR-Reform erforderlich geworden sind. DarĂŒber hinaus sieht der ED Regelungen fĂŒr die Abbildung solcher Anpassungen bei GeschĂ€ften im Hedge Accounting vor.

Nachfolgend werden die VorschlĂ€ge des IASB in Bezug auf Finanzinstrumente und wesentliche Handlungsfelder daraus im Überblick dargestellt:

Modifikationen von Finanzinstrumenten  

Eine Änderung der vertraglichen Zahlungsströme ist nach dem ED dann aufgrund der IBOR-Reform erforderlich geworden, wenn die folgenden beiden Voraussetzungen erfĂŒllt sind:

  1. Die Modifikation ist als direkte Konsequenz aus der IBOR-Reform erforderlich und
  2. die neue und alte Basis (d.h. die Basis unmittelbar vor der Änderung) fĂŒr die Bestimmung der vertraglichen Zahlungsströme sind wirtschaftlich Ă€quivalent.

FĂŒr solche Modifikationen, die entweder durch eine formale Vertragsanpassung oder durch bereits vereinbarte und nunmehr ‚aktivierte‘ Fallback-Klauseln vorgenommen werden, ist als praktische Vereinfachung (practical expedient) die Anwendung der Regelungen des IFRS 9.B5.4.5 (ehem. IAS 39.AG7) vorgesehen. Danach wird kein Modifikationsgewinn oder -verlust erfasst; die Behandlung erfolgt vielmehr analog zu einer Aktualisierung des variablen Referenzzinssatzes bilanziert. D.h. ab dem Zeitpunkt der Zinssatzanpassung ist das Zinsergebnis auf Basis der geĂ€nderten Zinsvereinbarung zu erfassen.

Worauf sollten Sie sich vorbereiten?

  • Beurteilung, ob Änderungen eine „direkte Folge“ der IBOR-Reform sind und auf „wirtschaftlich ausgeglichener“ Basis erfolgen (Ermessensentscheidung);
  • Anwendung des practical expedient zur Vermeidung von Modifikationsergebnissen bei nicht-derivativen Finanzinstrumenten, welche die Voraussetzungen erfĂŒllen;
  • Erfassung von Modifikationsergebnissen fĂŒr andere vertragliche Anpassungen.

Hedge Accounting

Die Ausnahmeregelungen ermöglichen die FortfĂŒhrung von designierten Hedgebeziehungen, auch dann, wenn durch die IBOR-Reform eine erforderliche Anpassung der GrundgeschĂ€fte oder Sicherungsinstrumente erfolgt und dies in der Hedge-Dokumentation angepasst wird (Designation eines neuen Referenzzinssatzes als gesichertes Risiko sowie entsprechende Aktualisierung der Hedge-Dokumentation).

Ein neuer Referenzzinssatz soll als Risikokomponente im Rahmen des Hedge Accountings abgesichert werden können, auch wenn dieser zum Zeitpunkt der Designation nicht das „separately identifiable“-Kriterium erfĂŒllt. Voraussetzung hierfĂŒr ist jedoch, dass das Unternehmen die begrĂŒndete Erwartungshaltung hat, dass der neue Referenzzinssatz binnen 24 Monaten ab seiner Designation als nicht-vertraglich spezifizierte Risikokomponente das „separately identifiable“-Kriterium erfĂŒllen wird. Eine verlĂ€ssliche Bewertbarkeit muss bereits bei Designation gegeben sein.

ZusĂ€tzlich beinhaltet der ED eine weitere Ausnahme, wonach ein Recycling der Cashflow-Hedge-RĂŒcklage in Folge der Änderung vertraglicher Zahlungsströme verhindert werden soll.

Worauf sollten Sie sich vorbereiten?

  • Aktualisierung der bestehenden Hedge-Dokumentation aufgrund der IBOR-Reform;
  • Aufteilung abgesicherter Gruppen von GrundgeschĂ€ften in zwei Teilmengen (i.S.v. Gruppen-Hedges), in AbhĂ€ngigkeit der zugrundeliegenden Risiken (IBOR-Referenzzinssatz vs. neuer Referenzzinssatz);
  • Absicherung einer neuen, noch nicht einzeln identifizierbaren Risikokomponente in Form eines neuen Referenzzinssatzes in bestehenden und neuen Sicherungsbeziehungen, sofern die begrĂŒndete Erwartungshaltung besteht, dass die Einzelidentifizierbarkeit binnen 24 Monaten gegeben sein wird (Ermessensentscheidung);
  • Wiederherstellung von Sicherungsbeziehungen, die vor Inkrafttreten der Amendments aufgrund von Änderungen aufgelöst wurden, die durch die IBOR Reform erforderlich waren.

Offenlegungspflichten

Ziel der qualitativen und quantitativen Angaben ist es, den Abschlussadressaten in die Lage zu versetzen, Art und Umfang der Risiken, die sich aus der IBOR-Reform fĂŒr das Unternehmen ergeben, den Umgang mit diesen Risiken sowie die Fortschritte des Unternehmens beim Übergang auf neue ReferenzzinssĂ€tze, nachvollziehen zu können.

Worauf sollten Sie sich vorbereiten?

  • Analyse des Datenhaushalts und, falls erforderlich, Entwicklung von Best Practices zur Erhebung der Art und des Ausmaßes der Risiken je Art von Finanzinstrument, die sich aus der IBOR-Reform auf das Unternehmen ergeben;
  • Definition von BewertungsmaßstĂ€ben, um zum Berichtszeitpunkt eine belastbare Aussage ĂŒber den Fortschritt des Übergangs auf alternative ReferenzzinssĂ€tze sowie die damit verbundenen Risiken treffen zu können.

 

Die vorgeschlagenen Änderungen des IFRS 4 soll es Versicherern, die IFRS 9 noch nicht anwenden, ermöglichen die Erleichterungen zur Abbildung von Modifikationen von Finanzinstrumenten unter IAS 39 analog anzuwenden.

Das IASB schlĂ€gt vor, dass die Änderungen fĂŒr GeschĂ€ftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2021 beginnen, anzuwenden sind. Eine vorzeitige Anwendung soll zulĂ€ssig sein.

Die Kommentierungsfrist endet am 25. Mai 2020. Die Veröffentlichung der finalen angepassten Standards ist fĂŒr Q3 2020 geplant.

Weitere Informationen sowie den Exposure Draft finden Sie auf der Homepage des IASB unter: https://www.ifrs.org/projects/work-plan/ibor-reform-and-its-effects-on-financial-reporting-phase-2/#current-stage

IASB finalisiert Phase 1 seines Projekts zur „IBOR-Reform“

Das IASB hat Änderungen an IFRS 9, IAS 39 und IFRS 7 veröffentlicht und damit die Phase 1 des Projekts „Interest Rate Benchmark Reform“ abgeschlossen. Die VorschlĂ€ge stehen im Zusammenhang mit der Reform von ReferenzzinssĂ€tzen (z. B. LIBOR), speziell mit der gegenwĂ€rtig bestehenden Unsicherheit darĂŒber, wann und wie die aktuellen ReferenzzinssĂ€tze ersetzt werden.

Die Änderungen an IFRS 9 und IAS 39 haben zur Folge, dass Hedge-Beziehungen, die ansonsten in Folge dieser Unsicherheit zu beenden gewesen wĂ€ren, fortzufĂŒhren sind. Dies wird dadurch erreicht, dass Unternehmen fĂŒr Zwecke bestimmter zukunftsgerichteter Beurteilungen unterstellen sollen, dass der Referenzzinssatz, auf dem ein abgesicherter Zahlungsstrom oder die Zahlungsströme eines Sicherungsinstruments basieren, durch die Reform nicht verĂ€ndert wird. Im Zusammenhang mit den vorgenannten Änderungen an IFRS 9 und IAS 39 wird IFRS 7 um Angabepflichten ergĂ€nzt, die insbesondere Art und Umfang der Betroffenheit des Unternehmens von der Reform der ReferenzzinssĂ€tze betreffen.

Die Änderungen sind ĂŒberwiegend deckungsgleich mit den VorschlĂ€gen in ED/2019/1 „Interest Rate Benchmark Reform“. Im Vergleich zum ED umfassen die finalen Änderungen insbesondere eine zusĂ€tzliche Anpassung an IAS 39, wonach wĂ€hrend der Unsicherheit durch die Reform auch solche Sicherungsbeziehungen weitergefĂŒhrt werden können, deren EffektivitĂ€t außerhalb der 80-125% Bandbreite liegt (wenn alle anderen Voraussetzungen erfĂŒllt sind).
Die Änderungen sind erstmals fĂŒr GeschĂ€ftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2020 beginnen, anzuwenden. Eine freiwillige vorzeitige Anwendung ist möglich.

Die Finalisierung der Änderungen markiert zugleich den Beginn der Phase 2 des Projekts „Interest Rate Benchmark Reform“ (siehe dazu auch unseren Beitrag vom 25.09.2019), wĂ€hrend der sich das IASB mit den potenziellen Auswirkungen der tatsĂ€chlichen Änderung von ReferenzzinssĂ€tzen beschĂ€ftigen und die Notwendigkeit weiterer StandardĂ€nderungen erörtern wird.

IASB Meeting zur IBOR-Reform am 28.08.2019

Das IASB hat in seiner Sitzung am 28. August 2019 die VorschlĂ€ge zu den Änderungen, die aus dem Feedback zum Exposure Draft „ED/2019/1 Interest Rate Benchmark Reform (Vorgeschlagene Änderungen an IFRS 9 und IAS 39)“ in der Juli-Sitzung hervorgegangen sind, besprochen. Zudem hat das IASB eine Entscheidung ĂŒber das Abstimmungsverfahren hinsichtlich der Änderungen an IFRS 9 und IAS 39 getroffen.

Veröffentlichung der vorgeschlagenen Änderungen an IFRS 9 und IAS 39 (Agenda Paper 14A)

Folgende Entscheidungen wurden durch das IASB vorlÀufig getroffen:

  • IAS 39 soll um eine Ausnahme zur retrospektiven Bewertung erweitert werden, so dass wĂ€hrend der Unsicherheit durch die Reform auch solche Sicherungsbeziehungen weitergefĂŒhrt werden können, deren EffektivitĂ€t außerhalb der 80-125% Bandbreite liegt.

Dieser Vorschlag wurde von 10 Mitgliedern des IASB befĂŒrwortet, vier Mitglieder stimmten dagegen.

  • Makro-Hedges sollten dahingehend beurteilt werden, ob eine nicht vertraglich festgelegte Risikokomponente separat identifizierbar ist, wenn das abgesicherte GrundgeschĂ€ft innerhalb des Makro-Hedges designiert wird. FĂŒr ein GrundgeschĂ€ft, das innerhalb eines Makro-Hedges designiert wurde, sollte keine Neubeurteilung dahingehend durchgefĂŒhrt werden, ob die Risikokomponente bei einer spĂ€teren Neugestaltung dieses GrundgeschĂ€fts in derselben Sicherungsbeziehung separat identifizierbar ist.

Alle 14 IASB-Mitglieder stimmten dieser Entscheidung zu.

  • Die endgĂŒltigen Änderungen an IFRS 9 und IAS 39 sollen sicherstellen, dass fĂŒr als GrundgeschĂ€fte designierte Gruppen die im ED vorgeschlagenen Vorschriften zum Ende der Anwendung fĂŒr jedes GrundgeschĂ€ft innerhalb der designierten Gruppe gelten.

Alle 14 Mitglieder stimmten dieser Entscheidung zu.

  • Vorgeschlagene Änderungen des Anwendungsbereichs sollten nur insoweit angenommen werden, dass die Ausnahmen lediglich fĂŒr solche Sicherungsbeziehungen gelten, die direkt von der Unsicherheit auf zinsbenchmark-basierte Cashflows aus der IBOR-Reform betroffen sind. Handelt es sich um Sicherungsbeziehungen, bei denen das Zinsrisiko nicht das einzige abgesicherte Risiko darstellt, beziehen sich die vorgeschlagenen Änderungen lediglich auf IBOR-bezogene Cashflows.

Diesem Vorschlag stimmten alle 14 IASB-Mitglieder zu.

  • Eine Ausnahme von den Offenlegungsanforderungen in Paragraph 28(f) des IAS 8 soll bei der erstmaligen Anwendung der Änderungen gelten. Die Offenlegungsanforderungen zu den im ED vorgeschlagenen Ausnahmen sollen ebenfalls vereinfacht werden, so dass im Anhang des Jahresabschlusses die folgenden Angaben enthalten sein sollten:
    • eine Beschreibung der wesentlichen Benchmark-ZinssĂ€tze, denen die Sicherungsbeziehungen ausgesetzt sind;
    • eine ErlĂ€uterung, wie der Übergang zur Verwendung eines alternativen Benchmark-Zinssatzes gesteuert wird sowie die Auswirkungen auf die Risikomanagementstrategie;
    • eine ErlĂ€uterung der wesentlichen Annahmen oder ErmessensspielrĂ€ume, die bei der Anwendung der Ausnahmen auf diese Sicherungsbeziehungen im Rahmen der Änderungen zu treffen sind;
    • der Nominalbetrag der Sicherungsinstrumente und das Ausmaß des gesteuerten Risiko-Exposures, das von der Reform betroffen ist.

Von 12 der 14 IASB-Mitgliedern wurden die VorschlĂ€ge befĂŒrwortet.

Konsultationsprozess und Genehmigung des Abstimmungsverfahrens (Agenda Paper 14B)

Alle 14 Mitglieder des Staffs stimmten zu, die Änderungen an IFRS 9 und IAS 39 nicht erneut zur öffentlichen Kommentierung freizugeben.

IASB veröffentlicht ED zu Phase 1 des IBOR Projekts

Das International Accounting Standards Board (IASB) hat wie avisiert (siehe Blog-Beitrag vom 20. MĂ€rz 2019) am 3. Mai 2019 den Exposure Draft Interest Rate Benchmark Reform – Proposed amendments to IFRS 9 and IAS 39 (ED/2019/1) zur ersten Phase des IBOR Projekts veröffentlicht.

Der ED/2019/01 ist eine Reaktion des IASB auf die Auswirkungen in der Bilanzierung aufgrund der Umstellung der Benchmark-ZinssÀtze (z.B. LIBOR und EURIBOR). Er beinhaltet im Wesentlichen VorschlÀge zur Anpassung der Hedge Accounting Regelungen des IFRS 9 und IAS 39. Themen, die nach der Umstellung der Benchmark-ZinssÀtze an Relevanz gewinnen, bspw. Modifikation vs. Abgang von Finanzinstrumenten als Konsequenz aus Vertragsanpassungen, werden vom IASB separat behandelt.

Die folgenden Punkte skizzieren die wesentlichen in IFRS 9 und IAS 39 zu ergÀnzenden Erleichterungsbestimmungen:

  • Das highly probable Kriterium soll angepasst werden. Bei der Beurteilung der Wahrscheinlichkeit, dass eine geplante Transaktion stattfinden wird, kann davon ausgegangen werden, dass die IBOR-basierten Vertragsbedingungen durch die IBOR-Reform nicht geĂ€ndert werden;
  • Die prospektive EffektivitĂ€tsbeurteilung von Hedge-Beziehungen soll unter der Annahme durchgefĂŒhrt werden, dass die IBOR-basierten vertraglichen Cashflows aus dem Sicherungsinstrument und dem GrundgeschĂ€ft durch die IBOR-Reform nicht verĂ€ndert werden;
  • Bestehende Hedge-Beziehungen, die eine nicht vertraglich festgelegte IBOR-Risikokomponente absichern, sollen fortgefĂŒhrt werden, wenn die separate identifiable Anforderung zu Beginn der Sicherungsbeziehung als erfĂŒllt galt, auch wenn die Anforderung zu einem spĂ€teren Zeitpunkt nicht mehr erfĂŒllt wird.

Die vorstehenden Erleichterungsbestimmungen sollen die FortfĂŒhrung von bestimmten Hedge-Beziehungen ermöglichen, die ansonsten aufgrund von Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Umstellung der Benchmark-ZinssĂ€tze ggf. beendet werden mĂŒssten. Die Anwendung soll verpflichtend sein, bis entweder keine Unsicherheit mehr ĂŒber den Zeitpunkt und die Höhe der Cashflows besteht oder die relevanten Hedge-Beziehungen beendet werden und zum anderen sowohl fĂŒr bestehende als auch fĂŒr neue Hedge-Beziehungen gelten.

Die Kommentierungsfrist fĂŒr den ED/2019/1 endet am 17. Juni 2019. Die Veröffentlichung des finalen Standards wird fĂŒr Ende 2019 erwartet, mit verpflichtendem Erstanwendungszeitpunkt zum 1. Januar 2020.

Weitere Informationen finden Sie im PwC In brief: The effect on hedge accounting of the reform of LIBOR and other similar rates.

 

IASB veröffentlicht finalen Standard zum Hedge Accounting nach IFRS 9

Das IASB hat heute die finalen Regelungen zur bilanziellen Abbildung von Sicherungsbeziehungen (Hedge Accounting) als weiteren Teil des IFRS 9 „Financial Instruments“ veröffentlicht. Die Überarbeitung der fĂŒr Banken bedeutenden Vorschriften zum Makro Hedge Accounting hat das IASB allerdings vor einiger Zeit aus dem Scope des IFRS 9 ausgeklammert. Dementsprechend beziehen sich die nun veröffentlichten Vorschriften lediglich auf das General Hedge Accounting. Ein Diskussionspapier zum Makro Hedge Accounting soll im ersten Quartal 2014 veröffentlicht werden.

Mit den vom IASB veröffentlichten Regelungen wurde der Anwendungsbereich fĂŒr Hedge Accounting erweitert, hiervon dĂŒrften insbesondere Industrieunternehmen profitieren. Die neuen Vorschriften enthalten jedoch auch fĂŒr Banken relevante Änderungen bei der bilanziellen Abbildung von Sicherungsbeziehungen. So fĂ€llt nach IFRS 9 kĂŒnftig beispielsweise die Notwendigkeit fĂŒr einen retrospektiven EffektivitĂ€tsnachweis weg.

Mit der Veröffentlichung der neuen Hedge Accounting Vorschriften hat das IASB den verpflichtenden Erstanwendungszeitpunkt des IFRS 9, der zuletzt auf den 1. Januar 2015 terminiert war, gestrichen ohne ein neues Datum festzulegen.

Die Regelungen zum General Hedge Accounting sind grundsĂ€tzlich zusammen mit den ĂŒbrigen Vorschriften des IFRS 9 (Klassifizierung & Bewertung, Impairment) anzuwenden. Allerdings besteht hinsichtlich der Regelungen zum General Hedge Accounting das Wahlrecht, auch nach der verpflichtenden Erstanwendung der ĂŒbrigen Teile des IFRS 9 weiterhin die Hedge Accounting-Regelungen des IAS 39 anzuwenden. Die Umstellung auf IFRS 9 muss spĂ€testens dann erfolgen, wenn die neuen Vorschriften zum Macro Hedge Accounting vorliegen. Vor einer Anwendung der neuen Regelungen durch deutsche IFRS-Bilanzierende ist jedoch das Endorsement durch die EU notwendig.

Änderung der Vorschriften zur Beendigung des Hedge Accounting

Das IASB hat am 27. Juni die Änderungen des IAS 39 sowie des IFRS 9 zur Beendigung des Hedge Accounting veröffentlicht.

Von den Änderungen betroffen sind insbesondere von Kreditinstituten abgeschlossene OTC-Derivate, deren Abwicklung im Zuge der und im Vorgriff auf die EMIR-Verordnung, auf eine zentrale Clearingstelle umgestellt wird. Der Wechsel des Vertragspartners (counterparty) auf eine zentrale Clearingstelle wĂŒrde ohne die nun vom IASB beschlossenen Änderungen zum Abgang des Sicherungsinstruments und damit auch die Beendigung der Sicherungsbeziehung (Hedge Accounting) fĂŒhren, siehe Blogbeitrag vom 1. MĂ€rz 2013.

Die neuen Regelungen sehen vor, dass ein Wechsel des Vertragspartners unter den folgenden Voraussetzungen nicht zur Beendigung einer bestehenden Sicherungsbeziehung fĂŒhrt:

  • Der Wechsel des Vertragspartners findet als Folge gesetzlicher oder regulatorischer Anforderungen statt.
  • Der Wechsel des Vertragspartners fĂŒhrt zu einer Übertragung von den ursprĂŒnglichen Vertragsparteien zu einem zentralen Kontrahenten.
  • Die Vertragskonditionen werden ausschließlich so weit geĂ€ndert, wie das fĂŒr die Übertragung auf den zentralen Kontrahenten erforderlich ist.

Die Voraussetzungen zur Beibehaltung der bestehenden Sicherungsbeziehungen sind im Vergleich zu dem Entwurf ED/2013/2 weniger restriktiv. Die noch im ED/2013/2 vorgesehene BeschrĂ€nkung, auf durch gesetzliche oder regulatorische Vorschriften zwingend erforderliche Wechsel des Vertragspartners, wurde auf Wechsel ausgeweitet, die als Konsequenz gesetzlicher oder regulatorischer Anforderungen erfolgen. Das IASB erlĂ€utert in den Basis for Conclusions (BC220P), dass darunter auch freiwillige Wechsel des Vertragspartners zu fassen sind, die sich aufgrund antizipierter regulatorischer Änderungen, operativer Erleichterungen und drohender GebĂŒhren oder Strafen aus den gesetzlichen oder regulatorischen Anforderungen ergeben.

Die Regelungen sind ab dem 1. Januar 2014 verpflichtend retrospektiv anzuwenden und werden auch sinngemĂ€ĂŸ in IFRS 9 ĂŒbernommen. Eine freiwillige frĂŒhzeitige Anwendung ist möglich. Die Änderungen sind von hoher Praxisrelevanz fĂŒr die von Kreditinstituten gebildeten Fair Value Hedges. Es ist zu begrĂŒĂŸen, dass das IASB die Hinweise der Bilanzierenden bei der Formulierung der finalen Änderungen berĂŒcksichtigt hat.

Weitere Informationen finden Sie auch in unserem Accounting Aktuell Blog

Finale IASB Entscheidungen zu IFRS 9 General Hedge Accounting

Das International Accounting Standards Board (IASB) hat in seinem Meeting vom 24. April 2013 ĂŒber den Umfang und die ZusammenhĂ€nge der Regelungen zum Cashflow Macro Hedge Accounting mit denen des General Hedge Accounting des IFRS 9 beraten (gemĂ€ĂŸ der Frage des IASB vom Januar 2013 – siehe Blogbeitrag vom 1. Februar 2013).

GemĂ€ĂŸ der vorlĂ€ufigen Entscheidung wird das IASB den IFRS-Anwendern bis zur Verabschiedung des kĂŒnftigen Macro Hedge Accounting-Modells ein Wahlrecht zwischen der Anwendung der Hedge Accounting-Regelung des IAS 39 und der Regelungen des IFRS 9 zum Hedge Accounting ermöglichen. Dieses Wahlrecht soll als einmaliges Wahlrecht ĂŒber sĂ€mtliche Sicherungsbeziehungen im Hedge Accounting bei Erstanwendung des IFRS 9 ausgeĂŒbt werden und bis zum Zeitpunkt der Finalisierung der Macro Hedge Accounting-Regelungen bestehen. GemĂ€ĂŸ dem Arbeitsplan des IASB soll ein Discussion Paper zum Macro Hedge Accounting im zweiten bis dritten Quartal 2013 veröffentlicht werden. Ein Termin fĂŒr die finalen Macro Hedge Accounting Regelungen steht noch aus. Inwiefern dieses Wahlrecht durch Kreditinstitute ausgeĂŒbt wird, bleibt abzuwarten, da einige Vereinfachungen und Erweiterungen der IFRS-9-Regelungen zum General Hedge Accounting fĂŒr Kreditinstitute durchaus attraktiv sein könnten (z.B. der Wegfall des retrospektiven EffektivitĂ€tsnachweises und die Möglichkeit der Abbildung von Kreditrisiko-Sicherungsbeziehungen).

Auch bei Anwendung der IFRS-9-Regelungen zum General Hedge Accounting besteht weiterhin die Ausnahme fĂŒr Portfolio Fair Value Hedges.

Die neuen im Review Draft beschriebenen Offenlegungsanforderungen bezĂŒglich Hedge Accounting betreffen alle Sicherungsbeziehungen unabhĂ€ngig davon, ob diese nach IAS 39 oder IFRS 9 abgebildet werden. DarĂŒber hinaus bleibt die Anwendung des IFRS 9 Phase 1 Classification and Measurement und Phase 2 Impairment davon unberĂŒhrt. ErgĂ€nzend wurde entschieden, dass kein Re-Exposure Draft fĂŒr die Finalisierung des Review Drafts erforderlich ist und es wurde der umgehenden Finalisierung des General Hedge Accounting Standards zugestimmt. Damit bleibt eine Verabschiedung des General Hedge Accounting Standards gemĂ€ĂŸ des IASB Workplan bis Ende des dritten Quartal 2013 realistisch.

Entwurf zur Änderung des IAS 39 und IFRS 9 veröffentlicht

Seiner Entscheidung am 30. Januar 2013 folgend hat das IASB am 28. Februar 2013 einen Standardentwurf zur Änderung des IAS 39 und IFRS 9 veröffentlicht. Mit der Änderung schlĂ€gt das IASB eine Erleichterung bei den Vorschriften zur Beendigung des Hedge Accounting vor. Danach fĂŒhren durch gesetzliche oder vertragliche Vorgaben erforderliche VertragsĂ€nderungen bei Derivaten, wie der Wechsel auf eine zentrale Clearingstelle, nicht zur Beendigung der Sicherungsbeziehung nach IAS 39 bzw. IFRS 9.

Die Änderungen sind auf die gesetzliche EinfĂŒhrung der Clearingpflicht von OTC-Derivaten zurĂŒckzufĂŒhren (European Market Infrastructure Regulation (EMIR-Verordnung) fĂŒr OTC-Derivate, siehe Blogbeitrag vom 1. Februar 2013). Die Clearingpflicht erfordert fĂŒr neu abgeschlossene aber auch bestimmte bestehende Derivate eine Parteienauswechslung auf die zentrale Clearingstelle (zentraler Kontrahent (CCP)). Diese VertragsĂ€nderung hat nach Ansicht des IASB gemĂ€ĂŸ IAS 39 den Abgang des bestehenden (Sicherungs-)Derivats zur Folge und damit auch die Beendigung der Sicherungsbeziehung. Durch das Beenden des Hedge Accounting und die Neudesignation des nun gegenĂŒber dem zentralen Kontrahenten gehaltenen Derivats als Sicherungsinstrument könnte es jedoch zu grĂ¶ĂŸeren IneffektivitĂ€ten im Vergleich zur zuvor bestehenden Sicherungsbeziehung kommen, sofern das neue Derivat im Zeitpunkt der Neudesignation einen Fair Value ungleich Null aufweist.

Die vorgeschlagenen Regelungen des Entwurfs sehen vor, dass allein ein durch gesetzliche oder aufsichtsrechtliche Anforderungen erforderlicher Wechsel der Vertragspartei eines Sicherungsinstruments zu einem zentralen Kontrahenten (einschließlich der damit verbundenen Änderungen der Sicherheiten und der Verrechnungsvereinbarungen bzw. Vereinbarung von CCP-GebĂŒhren) keine Beendigung des Hedge Accounting auslöst.

Der Standardentwurf wird nur fĂŒr 30 Tage anstatt der ĂŒblichen 120 Tage zur Kommentierung offen sein.

EMIR-Verordnung fĂŒhrt zu einer gezielten Änderung des IAS 39/IFRS 9

Am 30. Januar 2013 hat das IASB ĂŒber die Empfehlungen des IFRS Interpretations Committee (IFRS IC) bezĂŒglich der Auswirkungen der European Market Infrastructure Regulation (EMIR)-Verordnung auf die Rechnungslegung beraten. Das IASB ist den Empfehlungen des IFRS IC gefolgt (siehe Blogbeitrag vom 25. Januar 2013).

IAS 39/IFRS 9 soll so geĂ€ndert werden, dass eine durch gesetzliche, aufsichtsrechtliche oder Ă€hnliche Änderungen verursachte Novation von Sicherungsinstrumenten zu keiner Auflösung von bilanziellen Sicherungsbeziehungen fĂŒhrt, solange die ursprĂŒnglichen Kontrahenten von der Änderung gleichermaßen betroffen sind und sich ausschließlich die Kontrahenten Ă€ndern.

Ein Entwurf fĂŒr die Änderung des Standards wird vom IASB Staff erarbeitet und wahrscheinlich nur fĂŒr 30 Tage anstatt der ĂŒblichen 120 Tage zur Kommentierung offen sein, da die Praxis schon durch den Dodd-Frank-Act betroffen ist.

Auswirkung der EMIR-Verordnung auf die IFRS Bilanzierung

Am 23. Januar 2013 hat das IFRS Interpretation Committee (IFRS IC) die Auswirkungen der European Market Infrastructure Regulation (EMIR-Verordnung) auf die Rechnungslegung beraten.

Durch die EMIR-Verordnung sollen standardisierte Over-the-Counter-Derivate (OTC-Derivate), wie z.B. Zinsswaps, zukĂŒnftig ĂŒber einen zentralen Kontrahenten (Central Counterparty, CCP) abgewickelt werden. Werden bestehende OTC-Derivate auf die Abwicklung ĂŒber eine CCP umgestellt, fĂŒhrt das zu einem Wechsel des Kontrahenten. Die Vertragsbeziehungen bestehen dann nicht zwischen dem Kreditinstitut und seinem Kunden sondern zwischen Kreditinstitut und CCP (Novation).

Das IFRS IC stellt Folgendes fest. Die Novation fĂŒhrt nach dem derzeit gĂŒltigen IAS 39 zu einem Abgang des bisherigen Derivats mit dem Kunden und dem Zugang eines neuen Derivats mit dem CCP. Wenn das ausgebuchte Derivat als Sicherungsinstrument (Hedge Accounting) designiert war, muss die Sicherungsbeziehung aufgelöst werden. Das Kreditinstitut kann eine neue Sicherungsbeziehung mit dem neuen Derivat designieren. Dies kann aber insbesondere bei Cashflow Hedges eine höhere IneffektivitĂ€t und GuV-VolatilitĂ€t verursachen. Ist die IneffektivitĂ€t zu groß, ist sogar das Hedge Accounting nicht mehr möglich.

Um diese Effekte zu vermeiden hat das IFRS IC beschlossen, dem IASB eine gezielte Änderung des IAS 39 vorzuschlagen. IAS 39 soll voraussichtlich so geĂ€ndert werden, dass allein eine durch gesetzliche oder aufsichtsrechtliche Änderung verursachte Novation von Sicherungsinstrumenten (ohne Änderungen der Höhe der Cashflows) zu keiner Auflösung von bilanziellen Sicherungsbeziehungen fĂŒhrt. Damit werden die nach IFRS bilanzierenden Banken den nach US GAAP bilanzierenden Banken, die von einer Ă€hnlichen SEC-Stellungnahme unter dem Dodd-Frank Act Gebrauch machen können, gleichgestellt.

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