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IFRS 9 Umsetzung – Banken haben noch viel Arbeit vor sich

Im Rahmen unserer ersten globalen IFRS 9 Untersuchung haben wir 22 Banken aus der ganzen Welt, darunter auch zahlreiche Institute aus Deutschland und Österreich, zu Ihrer Umsetzung von IFRS 9 Impairment befragt. Dabei hat sich herausgestellt, dass sich bei vielen Themen noch kein einheitlicher Branchentrend herauskristallisiert hat.

Die wesentlichen Erkenntnisse aus unserer Untersuchung:

  • Die meisten Banken haben noch keine klare Vorstellung über die Höhe der zusätzlichen Risikovorsorge – Banken die bereits eine Indikation haben erwarten eine Erhöhung bis zu 50 Prozent.
  • Die Mehrheit der Banken geben an, dass sie die Anforderungen von IFRS 9 Impairment weitgehend inhaltlich interpretiert haben. Jedoch sehen auch diese Banken noch große Lücken in Bezug auf die Umsetzung der neuen Vorschriften (detailed design/build/test/implementation).
  • Die Umsetzungsrichtlinien werden nur bei knapp über der Hälfte der Banken bis Ende des Jahres vorliegen.
  • Die Datenanforderungen wurden von vielen Banken noch nicht im Detail gewürdigt.
  • Während in den meisten Regionen (auch Deutschland und Österreich) die IFRS-9-Modelle auf Basis der bestehen Modelle aufgebaut werden, besteht in anderen Regionen (z.B. Spanien und Frankreich) die Tendenz dezidierte IFRS-9-Modelle zu bauen.

Sollten Sie Interesse daran haben, an dieser Umfrage in Zukunft mitzuwirken, wenden Sie sich bitte an Ihren üblichen PwC-Kontakt oder direkt an mich. Wir stellen Ihnen dann gerne auch die detaillierten Ergebnisse dieser Umfrage zur Verfügung.

PwC Broschüren zu praxisrelevanten Fragestellungen nach IFRS 9

PwC hat zwei englischsprachige Broschüren veröffentlicht, die sich mit praktischen Anwendungsfragen zu IFRS 9 „Financial Instruments“ beschäftigen. Die Broschüren beantworten häufig gestellte Fragen zur Klassifizierung und Bewertung und zu Impairment.

In Bezug auf die Klassifizierung und Bewertung werden die folgenden Schwerpunkte beleuchtet:

  • Beurteilung ausgewählter vertraglicher Ausgestaltungen im Hinblick auf das SPPI-Kriterium
  • Analyse des Geschäftsmodells, z.B. im Zusammenhang mit Syndizierungen oder Verkäufen zur Vermeidung von Kreditrisikokonzentrationen

Die Broschüre zu Klassifizierung und Bewertung können Sie hier abrufen.

 

Die Broschüre zu den Impairment-Regelungen nach IFRS 9 beantwortet praktische Fragestellungen u.a. zu den folgenden Themengebieten:

  • Ermittlung von Expected Credit Losses: Welche Periode ist für die Ermittlung der Expected Credit Losses heranzuziehen
  • Behandlung von bereits wertgeminderten Vermögenswerten: Welche Indikatoren sprechen für eine Abschreibung auf den Nettobuchwert und wann ist ein Vermögenswert bereits im Zugangszeitpunkt als wertgemindert zu betrachten

Die Broschüre zu Impairment finden Sie unter folgendem Link.

Das Expected Credit Loss Model nach IFRS 9

Der am 24. Juli 2014 durch das IASB veröffentlichte IFRS 9 „Financial Instruments“ enthält zum einen explizite Vorschriften zur Bilanzierung von Vertragsanpassungen finanzieller Vermögenswerte und zum anderen Regelungen zur Erfassung von kreditrisikoinduzierten erwarteten Verlusten (Expected Credit Loss Model). In der Praxis stellen sich abzeichnende finanzielle Schwierigkeiten des Schuldners, die ihrerseits Grundlage für ein Impairment sind, häufig den Auslöser für Vertragsanpassungen dar, z.B. in Form einer Zinsstundung oder eines Teilverzichts. Es stellt sich daher die Frage, wie die Vorschriften zur Bilanzierung von Modifikationen und die Vorschriften zur Erfassung von erwarteten Verlusten (Impairment) zusammenhängen und welche Wechselwirkungen bestehen.

Der Artikel Die Wechselwirkungen der Vorschriften zu Modifikationen und Expected Credit Losses nach IFRS 9 „Financial Instruments“ von Judith Gehrer, Joachim Krakuhn und Peter Schüz ist in der Januarausgabe der IRZ – Zeitschrift für Internationale Rechnungslegung erschienen.

Im Beitrag werden die Vorschriften zur Bilanzierung von Modifikationen sowie das Expected Credit Loss Model nach IFRS 9 dargestellt und erläutert. Anschließend erfolgt eine Beschreibung der Wechselwirkungen von Modifikationen mit den Anforderungen zur Erfassung von Expected Credit Losses anhand eines Buchungsbeispiels.

Aus urheberrechtlichen Gründen können wir Ihnen nicht den vollständigen Artikel zur Verfügung stellen. Unseren PwCPlus-Kunden steht der Artikel ab April 2015 zur Verfügung. Mehr über unsere Rechercheapplikation PwCPlus erfahren Sie hier: www.pwcplus.de.

Endorsement-Verfahren für IFRS 9 gestartet

Die Europäische Kommission hat am 8. Dezember 2014 offiziell das Endorsement-Verfahren für IFRS 9 gestartet. Dabei wurde die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) mit der Ausarbeitung einer Endorsement-Empfehlung innerhalb der nächsten sechs Monate beauftragt. Neben den allgemeinen Endorsement-Kriterien wurde die EFRAG von der Kommission beauftragt, insbesondere folgende sechs Themen in der Endorsement-Empfehlung zu berücksichtigen:

  • IFRS 4: Interaktion des IFRS 9 mit dem sich noch in Bearbeitung befindenden IFRS 4 und deren gemeinsamer Effekt auf Versicherungsunternehmen
  • Kategorisierung: Auswirkungen auf die Finanzmarktstabilität aufgrund einer eventuellen Ausweitung der Fair-Value-Bilanzierung.
  • Impairment: Angemessenheit der Risikovorsorge und offene Auslegungsfragen (z.B. im Zusammenhang mit der Impairment Transition Resource Group des IASB).
  • Hedge Accounting: Die Beibehaltung der Carve-Out-Regelungen des IAS 39.
  • Konvergenz: Auswirkungen bezüglich der Unterschiede zu US GAAP.
  • Prudence: Evaluierung des IFRS  9 vor dem Hintergrund der Prudence.

Der ambitionierte Plan der EU Kommission sieht ein Endorsement des IFRS 9 nach der finalen Zustimmung im EU Parlament noch Ende 2015 vor.

IASB bestätigt Erstanwendungszeitpunkt des IFRS 9 frühestens für Geschäftsjahre, die ab dem 1. Januar 2017 beginnen

Das IASB hat in der Sitzung vom 21. November 2013 den frühestmöglichen verpflichtenden Erstanwendungszeitpunkt des IFRS 9 (alle Phasen) festgelegt. Es wurde entschieden, dass IFRS 9 frühestens für die Geschäftsjahre verpflichtend anzuwenden sein wird, die ab dem 1. Januar 2017 beginnen. Ein endgültiger Erstanwendungszeitpunkt des IFRS 9 soll jedoch erst nach dem Vorliegen der finalen Vorschriften festgelegt werden.

In Bezug auf IFRS 9 Phase 2 – Expected Credit Losses, den neuen Vorschriften zur Risikovorsorge, hat das IASB eine Reihe von Entscheidungen getroffen. Das IASB hat bestätigt, dass das allgemeine Expected Loss-Modell auch auf unwiderrufliche Kreditzusagen und Finanzgarantien anzuwenden ist. Ferner ist der Zeithorizont für die Ermittlung des Expected Credit Loss (ECL) bei revolvierenden Kreditlinien nicht auf die vertragliche Laufzeit beschränkt. Stattdessen soll der ECL über das behavioural life – den Zeitraum dem das Unternehmen ökonomisch dem Bonitätsrisiko ausgesetzt ist – ermittelt werden. Hierzu soll dem IASB im Rahmen der nächsten Sitzung statt einer Ausnahmeregelung für revolvierende Kreditlinien ein prinzipienbasierter Vorschlag unterbreitet werden, der für alle Finanzinstrumente gilt. Den Entscheidungen des IASB aus dem Oktober 2013 folgend, wurde ebenfalls klargestellt, dass zur Berechnung des ECL der Effektivzinssatz – oder unter bestimmten Voraussetzungen eine Approximation davon – zu verwenden ist. Es wurde bestätigt, dass das allgemeine Expected Loss-Modell auch für Finanzinstrumente anzuwenden ist, die GuV-neutral zum Fair Value bewertet werden (Kategorie FVOCI). Weiterhin soll für Finanzinstrumente, bei denen objektive Hinweise auf ein Impairment vorliegen, der Zinsertrag auf Basis des Nettobuchwerts erfasst werden. Ebenfalls zugestimmt wurde dem Vorschlag, dass an den Sonderregelungen für Finanzinstrumente, die bei Zugang als credit-impaired einzustufen sind, festgehalten werden soll.

Bereits am Vortag hatte sich das IASB über die Themen zur Klassifizierung und Bewertung beraten. Im Rahmen der Sitzung wurde die Beibehaltung der gegenwärtigen drei Geschäftsmodelle und der fair value through P&L-Kategorie als Residualkategorie bestätigt. Ferner wurde klargestellt, dass Umwidmungen nur bei einer Änderung des Geschäftsmodells vorzunehmen sind und eine Änderung des Geschäftsmodells lediglich bei Erwerb oder Aufgabe einer Geschäftssparte vorliegt. Zugestimmt wurde darüber hinaus dem Vorschlag, dass Verkäufe aufgrund von Kreditrisikokonzentrationen zur Vereinbarkeit mit dem Halten-Geschäftsmodell die gleichen Kriterien erfüllen müssen wie alle anderen Verkäufe – d.h. eine Verschlechterung der Bonität liegt vor oder die Verkäufe sind unregelmäßig oder unwesentlich.

IFRS 9-Erstanwendungszeitpunkt nicht vor dem 1. Januar 2017?

Das International Accounting Standards Board (IASB) wird in seiner für den 21. November 2013 angesetzten Sitzung unter anderem darüber entscheiden, ob für IFRS 9 ein frühestmöglicher verpflichtender Erstanwendungszeitpunkt festgelegt wird.

Der IASB Staff hat hierzu ein Agenda Paper vorbereitet, das die Gründe für eine solche Entscheidung über einen frühestmöglichen verpflichtenden Erstanwendungszeitpunkt aus dem bislang erhaltenen Feedback zusammenfasst. Als Schlussfolgerung wird dem IASB darin empfohlen, zum jetzigen Zeitpunkt die Entscheidung zu treffen, dass IFRS 9 frühestens für Geschäftsjahre verpflichtend anzuwenden sein wird, die ab dem 1. Januar 2017 beginnen. Ein endgültiger Erstanwendungszeitpunkt des IFRS 9 soll jedoch erst dann festgelegt werden, wenn die finalen Vorschriften zu IFRS 9 vorliegen.

Als Gründe für eine solche Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt führt der IASB Staff unter anderem folgende Punkte an:

  • Die Umsetzung der bilanziellen Abbildung von Expected Credit Losses (IFRS 9 Phase 2 Impairment) erfordert umfassende Anpassungen der bestehenden Risikomodelle und die Einführung gänzlich neuer Prozesse, z.B. zur Identifikation einer signifikanten Erhöhung des Kreditrisikos (entsprechend den Anforderungen des relativen Kreditrisikomodells, siehe hierzu meinen Blogbeitrag vom 8. März 2013).
  • Für die Umsetzung der künftigen Regelungen werden umfassende historische Daten und Trendinformationen benötigt, die für zahlreiche Portfolien derzeit noch nicht vorliegen und zunächst erhoben werden müssen.
  • Zur Sicherstellung der Funktionsfähigkeit der neuen bzw. angepassten Prozesse und IT-Systeme im Kreditrisikocontrolling wurde von Bilanzierenden angeführt, dass eine Parallelphase für Probeläufe und Auswirkungsanalysen benötigt wird.
  • Aufgrund der erwarteten Wechselwirkungen mit den regulatorischen Kapitalanforderungen soll Bilanzierenden und Regulatoren ausreichend Zeit eingeräumt werden, die komplexen Interaktionen verstehen und diese entsprechend steuern zu können.
  • Aufgrund weiterer kurzfristig umzusetzender regulatorischer Anforderungen sind die Risiko- und Finanzbereiche von Finanzinstituten derzeit ohnehin stark belastet.
  • Eine effiziente Umsetzung der Regelungen zur Abbildung der künftigen Vorschriften zur Abbildung von Expected Credit Losses erfordert den Abschluss der anderen IASB-Projekte zur Überarbeitung von bestehenden Standards. Zum Beispiel kann der Anwendungsbereich, für welche Finanzinstrumente die Expected Credit Losses zu ermitteln und zu bilanzieren sind (IFRS 9 Phase 2), erst dann bestimmt werden, wenn die neuen Anforderungen zur Klassifizierung und Bewertung (IFRS 9 Phase 1) bekannt sind. Teilweise wurden in diesem Zusammenhang auch die Wechselwirkungen mit den aktuellen IASB-Beratungen zur Bilanzierung von Versicherungsverträgen angeführt.

 

IFRS 9 Phase II – IASB Meeting (Oktober 2013)

Die Regelungen zur Ermittlung und Bilanzierung von erwarteten Verlusten aus finanziellen Vermögenswerten (IFRS 9 – Phase 2) waren Gegenstand des IASB Meeting am 31. Oktober 2013. Wesentliche Änderungen des Exposure Draft (ED) Financial Instruments: Expected Credit Losses vom März 2013 (siehe Blogbeitrag vom 8. März 2013) wurden nicht beschlossen, jedoch vereinzelte Aspekte des general models bestätigt und verdeutlicht.

Unter anderem wurden folgende Themen in dem Meeting behandelt:

  • Es wurde bestätigt, dass bei signifikanter Verschlechterung der Bonität (credit deterioration) ein lifetime expected credit loss erfasst werden muss. Die Beurteilung einer signifikanten Verschlechterung der Bonität kann vereinfachend auch auf Basis eines maximal akzeptierten Kreditrisikos für ein bestimmtes Portfolio untersucht werden. Es wurde ferner diskutiert, dass bei der Untersuchung der Bonität weiterhin vorrangig auf die Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) abzustellen ist, wobei jedoch z.B. eine Verschlechterung des LGD als Indikator für eine Verschlechterung der Kreditqualität dienen könnte.
  • Die operationellen Erleichterungen des ED sollen bestehen bleiben. Folglich gilt die widerlegbare Vermutung, dass ein Zahlungsverzug von 30 Tagen als signifikante Verschlechterung der Bonität angesehen wird. Ebenfalls bestätigt wurde die Vereinfachung, dass für Finanzinstrumente, die am Bilanzstichtag ein geringes Bonitätsrisiko aufweisen, angenommen werden kann, dass für diese Finanzinstrumente keine signifikante Verschlechterung der Kreditqualität vorliegt.
  • Im Rahmen der Diskussion zur Berechnung des expected credit loss bestätigte das IASB den überwiegenden Teil der Vorschläge des Staff aus dem ED. Abgelehnt wurde hingegen der Vorschlag bei der Ermittlung des expected credit loss weiterhin „jeden angemessenen Zinssatz“ als Diskontsatz zu akzeptieren, der zwischen dem risikolosen Zinssatz und dem ursprünglichen Effektivzinssatz (Effective Interest Rate, EIR) liegt. Das Board schlägt nun vor, grundsätzlich den EIR als Diskontzinssatz vorzugeben, sofern vorhanden. Falls nicht vorhanden, soll ein approximativer EIR ermittelt und zur Berechnung des expected credit loss herangezogen werden
  • Den Vorschlägen des Staff in Bezug auf modifizierte Finanzinstrumente wurde zugestimmt. Somit beschränkt sich z.B. der Anwendungsbereich nicht nur auf Modifikationen, die im Zusammenhang mit Restrukturierungen erfolgen, sondern umfasst alle Modifikationen. Darüber hinaus sollen modifizierte Finanzinstrumente nicht von der Anwendung des general model ausgeschlossen werden. Eine durch die Modifikation eingetretene Verringerung des Kreditrisikos in einem Maße, dass im Vergleich zum Zugangszeitpunkt keine signifikante Erhöhung des Kreditrisikos mehr vorliegt, führt somit zu einer Risikovorsorge in Höhe des 12-month expected credit loss.

 

IASB veröffentlicht Impairment-Exposure Draft

Das IASB hat am 7. März den Exposure Draft (ED) der Regelungen zur Ermittlung und Bilanzierung der Risikovorsorge für finanzielle Vermögenswerte (Impairment) veröffentlicht.

ED/2013/3 sieht ein zweistufiges Impairment vor. Danach ist für finanzielle Vermögenswerte, die bei Zugang nicht bereits credit-impaired sind, ab der erstmaligen Erfassung, der aus Sicht eines Jahres erwartete Verlust als Risikovorsorge zu bilanzieren. Im Falle einer deutlichen Verschlechterung der Bonität („credit deterioration“) des Vertragspartners ist die Risikovorsorge GuV-wirksam auf den über die gesamte Restlaufzeit des Finanzinstruments erwarteten Verlust (lifetime expected credit losses) zu erhöhen.

Das IASB weicht mit dem nun veröffentlichten Exposure Draft deutlich von den voraussichtlichen Impairmentregelungen des Financial Accounting Standards Board (FASB) ab. Nach dem FASB-Entwurf sollen künftig ohne jegliche Begrenzung die zum Bilanzierungszeitpunkt erwarteten Kreditausfälle („current expected credit losses“) für finanzielle Vermögenswerte als Risikovorsorge gebildet werden.

Die Öffentlichkeit hat bis zum 5. Juli 2013 die Möglichkeit, den ED/2013/3 „Financial Instruments – Expected Credit Loss“ zu kommentieren.

 

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IASB und FASB setzen die Beratungen zu IFRS 9 fort

Klassifizierung und Bewertung: Beratungen zum Geschäftsmodell und zur Trennungspflicht

Das IASB und das FASB haben am Dienstag den 17. April 2012 drei Alternativen für Geschäftsmodelle diskutiert, die im Einklang mit einer Bewertung finanzieller Vermögenswerte zu fortgeführten Anschaffungskosten stehen. Dabei haben sich die Boards vorläufig darauf geeinigt, den derzeit in IFRS 9 enthaltenen Grundsatz beizubehalten. Das bedeutet, dass eine Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten dann möglich ist, wenn die betrachteten Finanzinstrumente in einem Geschäftsmodell gehalten werden, dessen Ziel es ist, die vertraglich vereinbarten Zahlungsströme zu vereinnahmen (Geschäftsmodell „hold to collect“ bzw. „Halten“). Es wurde ebenfalls beschlossen, den Anwendern eine klarere und umfassendere Application Guidance zur Verfügung zu stellen, aus der hervorgeht, welche Verkäufe mit einem solchen Geschäftsmodell vereinbar sind. In der Sitzung wurde nicht über die mögliche Einführung eines weiteren Geschäftsmodells, das eine GuV-neutrale Bewertung der enthaltenen Finanzinstrumente durch das Eigenkapital nach sich zieht, diskutiert. Dies soll in einem künftigen Termin erfolgen.

Darüber hinaus haben die Boards über die Trennungspflicht von finanziellen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten sowie eine mögliche Grundlage für die Trennungspflicht beraten. Hintergrund dessen waren insbesondere die Konvergenzbekundungen aus dem Januar 2012 sowie die Diskussion über das Erfordernis eines symmetrischen Kategorisierungsmodells (Gleichbehandlung von Vermögensgegenständen und Verbindlichkeiten). Das IASB hat sich vorläufig dazu entschieden, die in den Vorschriften des IFRS 9 vorgesehene Logik weiterzuverfolgen. Strukturierte Finanzinstrumente dürfen aus Investorensicht demnach künftig nicht getrennt werden, während dieselben Finanzinstrumente aus Emittentensicht bei Vorliegen der bereits aus IAS 39 bekannten Voraussetzungen zwingend zu trennen sind. Auch das FASB folgt dieser Logik.

Die vorläufigen Entscheidungen zu den beiden betrachteten Themenkomplexen bedeuten keinen Richtungswechsel im Vergleich zum veröffentlichten IFRS 9. Insbesondere aus den Klarstellungen zum Geschäftsmodell können sich im Detail jedoch Änderungen ergeben, die dann zu analysieren sind.

Impairment: Beratungen zur Expected Loss-Ermittlung

Die Boards haben sich auf eine Beschreibung der Vorgehensweise zur Ermittlung von Expected Credit Losses geeinigt. Demnach sind bei der Schätzung der erwarteten Ausfälle folgende Punkte zu berücksichtigen:

  • alle angemessenen und vertretbaren Informationen die hinsichtlich einer prospektiven Schätzung relevant sind
  • eine Range möglicher Ergebnisse, welche die Eintrittswahrscheinlichkeit und Angemessenheit dieser Ergebnisse berücksichtigen (das heißt, es handelt sich nicht nur um eine Schätzung des wahrscheinlichsten Ergebnisses).
  • der Zeitwert des Geldes

Darüber hinaus wurde über die ökonomische Begründung der Bildung einer Risikovorsorge für jene finanziellen Vermögenswerte beraten, die Bucket 1 zugeordnet sind (zur Darstellung der geplanten Bucketabgrenzung verweise ich auf meinen Blogbeitrag vom 30. Januar 2012). Dabei haben sich die Boards auf folgende Begründung geeinigt: Die Risikovorsorge für Bucket 1 soll die erwarteten Verluste über die gesamte Restlaufzeit für diejenigen finanziellen Vermögenswerte widerspiegeln, für die ein Ausfallereignis in den nächsten zwölf Monaten erwartet wird. Dabei stellten die Boards klar, dass in der Praxis verschiedene Methoden zur Ermittlung der Risikovorsorge für Bucket 1 herangezogen werden können. Zudem haben die Boards den Staff beauftragt, Erläuterungen zu einzelnen Begriffen (z.B. „loss event“, „lifetime“) vorzunehmen.

IASB veröffentlicht Agenda Papers für Meeting Ende Februar 2012

Ab dem 27. Februar tagen das IASB und das FASB erneut, um u.a. die Beratungen zur künftigen Bilanzierung von Finanzinstrumenten fortzuführen. Kürzlich wurden die Agenda Papers veröffentlicht, die Gegenstand der Beratungen sein werden. Nachfolgend stelle ich Ihnen die wesentlichen Inhalte (Klassifizierung und Bewertung, Impairment sowie Makro Hedge Accounting) dar. Über die Ergebnisse des gemeinsamen Meetings von IASB und FASB werde ich Sie dann im Anschluss zeitnah informieren.

Klassifizierung und Bewertung

Im Rahmen des Meetings soll im Wesentlichen die Beurteilung der contractual cash flow characteristics (CCC-Kriterium) diskutiert werden. Ziel ist, das an das IASB adressierte Feedback bzgl. der Anwendung des CCC-Kriteriums für einzelne finanzielle Vermögenswerte zu berücksichtigen und eine Annäherung der Regelungen des IFRS 9 und des FASB tentative model zu erreichen.

Die Beurteilung des CCC-Kriteriums führt nach Meinung des Staff bereits heute grundsätzlich zu einer identischen Klassifizierung und Bewertung von Derivaten und Eigenkapitalinstrumenten nach IFRS 9 und dem FASB tentative model. Auch für Fremdkapitaltitel schlägt der Staff nun einen angeglichenen Ansatz vor, der auf dem aus dem IFRS 9 bekannten „solely payments of principal and interest“ Ansatz basiert.

Der Staff empfiehlt in diesem Zusammenhang geringfügige Änderungen an IFRS 9 bzw. der application guidance zu IFRS 9. Bei der Beurteilung, ob ein finanzieller Vermögenswert ausschließlich solely payments of principal and interest aufweist, soll von den Bilanzierenden bei einer Modifikation der Zins- und Tilgungszahlungen analysiert werden, ob dies noch dem Gedanken der solely payments of principal and interest entspricht. Unter einer Modifikation versteht der Staff beispielsweise eine Abweichung in der Häufigkeit der Zinsanpassungsmöglichkeit (z.B. monatlich), die nicht zum zugrundeliegenden Referenzzinssatz (z.B. 3-Monats-Libor plus Aufschlag für das Kreditrisiko) passt. Bei den Regelungen zur Behandlung von Kündigungs- und Verlängerungsoptionen sowie sonstigen vertraglichen Vereinbarungen, die den Zeitpunkt oder die Höhe der Zahlungsströme beeinflussen, spricht sich der Staff allerdings gegen eine Änderung des Standardtextes aus.


Keine Vorschläge macht der Staff zu den Themen Trennungspflicht eingebetteter Derivate, Behandlung von Non-Recourse Finanzierungen und Bilanzierung von Verbriefungstiteln (contractually linked instruments). Die Beratungen hierzu sollen zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Impairment:

Beratungen zum Umgang mit Verbesserungen in der Kreditqualität sowie der Anwendung des Expected-Loss-Modells auf Forderungen aus Lieferungen und Leistungen

Die Beratungen der künftigen Impairment-Regelungen dauern an. Im Februarmeeting von IASB und FASB sollen weitere Konkretisierungen des Three Bucket Approach vorgenommen werden. Dem Auftrag der Boards folgend, hat der Staff Vorschläge erarbeitet, ob und unter welchen Umständen einmal wertgeminderte Finanzinstrumente aus Bucket 2 bzw. 3 in Bucket 1 zurücktransferiert werden sollen.

Für begebene und erworbene nicht wertgeminderte Finanzinstrumente empfiehlt der Staff den Boards nach Würdigung der Alternativen und Abwägung möglicher Umsetzungsschwierigkeiten, dass Finanzinstrumente, deren Kreditqualität sich wieder verbessert hat, aus Bucket 2 bzw. 3 in Bucket 1 zurücktransferiert werden sollen. Für die Beurteilung des Rücktransfers, sind die gleichen Kriterien und Indikatoren heranzuziehen wie für den vorherigen Transfer aus Bucket 1 in Bucket 2 bzw. 3. Für Finanzinstrumente, die bei Erwerb bereits eine Wertminderung aufweisen und bei Zugang folglich direkt in Bucket 2 bzw. 3 erfasst werden, empfiehlt der Staff vor dem Hintergrund der hohen Umsetzungskomplexität einen zwingenden Verbleib in Bucket 2 bzw. 3 auch im Falle einer späteren Verbesserung der Kreditqualität. Günstige als auch ungünstige Erwartungsänderungen an zukünftige Zahlungsströme würden somit direkt erfolgswirksam als Anpassung der Risikovorsorge erfasst.

Weiterer Schwerpunkt des Meetings wird sein, wie das entwickelte Impairment-Konzept auf Forderungen aus Lieferungen und Leistungen angewendet werden soll. Unter der Prämisse möglicher Vereinfachungen bei Anwendung des Konzepts, empfiehlt der Staff die Bildung der Risikovorsorge auch für Forderungen aus Lieferungen und Leistungen mit einer Finanzierungskomponente auf Grundlage eines Expected-Loss-Ansatzes. Begründet wird dies unter anderem dadurch, dass Forderungen aus Lieferungen und Leistungen die Definition eines Finanzinstruments erfüllen und daher auch keinem konzeptionell anderen Modell unterworfen werden sollten.

Makro Hedge Accounting: Beratungen werden fortgeführt

Im Rahmen des Meetings werden die Diskussionen zur Abbildung von Marko Hedging auf Basis der in den Boardmeetings im Dezember 2011 und Januar 2012 vorläufig getroffenen Entscheidungen fortgeführt. Im Fokus ist dabei weiterhin die bilanzielle Abbildung des Risikomanagements von Zinsänderungsrisiken (inkl. prepayments) bei Kreditinstituten. Die Berücksichtigung anderer Risiken sowie anderer Branchen werden später diskutiert. Grundlage des Ansatzes zum Makro Hedging ist das Valuation Concept mit einer GuV-wirksamen Bilanzierung der Sicherungsderivate und der abgesicherten Positionen zum Fair Value – ähnlich zu den bestehenden Vorschriften des IAS 39. Zur Bestimmung der Risikoposition wird im Gegensatz zum aktuellen IAS 39 das Prinzip des offenen Portfolio-Levels verfolgt, also die Betrachtung der gesamten Nettoposition aus einem abgesicherten (Kredit)-Portfolio und der refinanzierenden Verbindlichkeiten. In dem Ansatz sollte die abgesicherte (Netto-)Position um die auf das gesicherte Risiko bezogenen Fair-Value-Änderungen (Benchmarkzinssatz) angepasst werden. Im Rahmen der Beratungen werden weiterhin keine konkreten Fragen an das Board adressiert.

 

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