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Phase 2 der IBOR-Reform: Implikationen f├╝r die Praxis

Der Exposure Draft (ED) des IASB zur 2. Phase des IBOR-Projekts (siehe auch den Beitrag im Accounting Aktuell Blog ÔÇ×IBOR-Reform: Exposure Draft zur Phase 2 ver├ÂffentlichtÔÇť) sieht ├änderungen an IFRS 9, IAS 39, IFRS 7, IFRS 4 und IFRS 16 vor.

Gegenstand der geplanten Regelungen ist die Bilanzierung von bestimmten Modifikationen vertraglicher Zahlungsstr├Âme, die als direkte Konsequenz aus der IBOR-Reform erforderlich geworden sind. Dar├╝ber hinaus sieht der ED Regelungen f├╝r die Abbildung solcher Anpassungen bei Gesch├Ąften im Hedge Accounting vor.

Nachfolgend werden die Vorschl├Ąge des IASB in Bezug auf Finanzinstrumente und wesentliche Handlungsfelder daraus im ├ťberblick dargestellt:

Modifikationen von Finanzinstrumenten  

Eine ├änderung der vertraglichen Zahlungsstr├Âme ist nach dem ED dann aufgrund der IBOR-Reform erforderlich geworden, wenn die folgenden beiden Voraussetzungen erf├╝llt sind:

  1. Die Modifikation ist als direkte Konsequenz aus der IBOR-Reform erforderlich und
  2. die neue und alte Basis (d.h. die Basis unmittelbar vor der ├änderung) f├╝r die Bestimmung der vertraglichen Zahlungsstr├Âme sind wirtschaftlich ├Ąquivalent.

F├╝r solche Modifikationen, die entweder durch eine formale Vertragsanpassung oder durch bereits vereinbarte und nunmehr ÔÇÜaktivierteÔÇś Fallback-Klauseln vorgenommen werden, ist als praktische Vereinfachung (practical expedient) die Anwendung der Regelungen des IFRS 9.B5.4.5 (ehem. IAS 39.AG7) vorgesehen. Danach wird kein Modifikationsgewinn oder -verlust erfasst; die Behandlung erfolgt vielmehr analog zu einer Aktualisierung des variablen Referenzzinssatzes bilanziert. D.h. ab dem Zeitpunkt der Zinssatzanpassung ist das Zinsergebnis auf Basis der ge├Ąnderten Zinsvereinbarung zu erfassen.

Worauf sollten Sie sich vorbereiten?

  • Beurteilung, ob ├änderungen eine „direkte Folge“ der IBOR-Reform sind und auf ÔÇ×wirtschaftlich ausgeglichener“ Basis erfolgen (Ermessensentscheidung);
  • Anwendung des practical expedient zur Vermeidung von Modifikationsergebnissen bei nicht-derivativen Finanzinstrumenten, welche die Voraussetzungen erf├╝llen;
  • Erfassung von Modifikationsergebnissen f├╝r andere vertragliche Anpassungen.

Hedge Accounting

Die Ausnahmeregelungen erm├Âglichen die Fortf├╝hrung von designierten Hedgebeziehungen, auch dann, wenn durch die IBOR-Reform eine erforderliche Anpassung der Grundgesch├Ąfte oder Sicherungsinstrumente erfolgt und dies in der Hedge-Dokumentation angepasst wird (Designation eines neuen Referenzzinssatzes als gesichertes Risiko sowie entsprechende Aktualisierung der Hedge-Dokumentation).

Ein neuer Referenzzinssatz soll als Risikokomponente im Rahmen des Hedge Accountings abgesichert werden k├Ânnen, auch wenn dieser zum Zeitpunkt der Designation nicht das ÔÇ×separately identifiableÔÇť-Kriterium erf├╝llt. Voraussetzung hierf├╝r ist jedoch, dass das Unternehmen die begr├╝ndete Erwartungshaltung hat, dass der neue Referenzzinssatz binnen 24 Monaten ab seiner Designation als nicht-vertraglich spezifizierte Risikokomponente das ÔÇ×separately identifiableÔÇť-Kriterium erf├╝llen wird. Eine verl├Ąssliche Bewertbarkeit muss bereits bei Designation gegeben sein.

Zus├Ątzlich beinhaltet der ED eine weitere Ausnahme, wonach ein Recycling der Cashflow-Hedge-R├╝cklage in Folge der ├änderung vertraglicher Zahlungsstr├Âme verhindert werden soll.

Worauf sollten Sie sich vorbereiten?

  • Aktualisierung der bestehenden Hedge-Dokumentation aufgrund der IBOR-Reform;
  • Aufteilung abgesicherter Gruppen von Grundgesch├Ąften in zwei Teilmengen (i.S.v. Gruppen-Hedges), in Abh├Ąngigkeit der zugrundeliegenden Risiken (IBOR-Referenzzinssatz vs. neuer Referenzzinssatz);
  • Absicherung einer neuen, noch nicht einzeln identifizierbaren Risikokomponente in Form eines neuen Referenzzinssatzes in bestehenden und neuen Sicherungsbeziehungen, sofern die begr├╝ndete Erwartungshaltung besteht, dass die Einzelidentifizierbarkeit binnen 24 Monaten gegeben sein wird (Ermessensentscheidung);
  • Wiederherstellung von Sicherungsbeziehungen, die vor Inkrafttreten der Amendments aufgrund von ├änderungen aufgel├Âst wurden, die durch die IBOR Reform erforderlich waren.

Offenlegungspflichten

Ziel der qualitativen und quantitativen Angaben ist es, den Abschlussadressaten in die Lage zu versetzen, Art und Umfang der Risiken, die sich aus der IBOR-Reform f├╝r das Unternehmen ergeben, den Umgang mit diesen Risiken sowie die Fortschritte des Unternehmens beim ├ťbergang auf neue Referenzzinss├Ątze, nachvollziehen zu k├Ânnen.

Worauf sollten Sie sich vorbereiten?

  • Analyse des Datenhaushalts und, falls erforderlich, Entwicklung von Best Practices zur Erhebung der Art und des Ausma├čes der Risiken je Art von Finanzinstrument, die sich aus der IBOR-Reform auf das Unternehmen ergeben;
  • Definition von Bewertungsma├čst├Ąben, um zum Berichtszeitpunkt eine belastbare Aussage ├╝ber den Fortschritt des ├ťbergangs auf alternative Referenzzinss├Ątze sowie die damit verbundenen Risiken treffen zu k├Ânnen.

 

Die vorgeschlagenen ├änderungen des IFRS 4 soll es Versicherern, die IFRS 9 noch nicht anwenden, erm├Âglichen die Erleichterungen zur Abbildung von Modifikationen von Finanzinstrumenten unter IAS 39 analog anzuwenden.

Das IASB schl├Ągt vor, dass die ├änderungen f├╝r Gesch├Ąftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2021 beginnen, anzuwenden sind. Eine vorzeitige Anwendung soll zul├Ąssig sein.

Die Kommentierungsfrist endet am 25. Mai 2020. Die Ver├Âffentlichung der finalen angepassten Standards ist f├╝r Q3 2020 geplant.

Weitere Informationen sowie den Exposure Draft finden Sie auf der Homepage des IASB unter: https://www.ifrs.org/projects/work-plan/ibor-reform-and-its-effects-on-financial-reporting-phase-2/#current-stage

Regierungsentwurf zu ESEF wurde beschlossen

Umsetzungsgesetz zur Transparenzrichtlinie-├änderungsrichtlinie f├╝r ein europ├Ąisches einheitliches elektronisches Format (ESEF) f├╝r Jahresfinanzberichte

Am 22. Januar 2020 wurde der Regierungsentwurf des Gesetzes zur Umsetzung der Transparenzrichtlinie-├änderungsrichtlinie f├╝r ein einheitliches elektronisches Berichtsformat (European Single Electronic Format, ESEF) beschlossen. Danach m├╝ssen kapitalmarktorientierte Unternehmen ihre Jahresfinanzberichte in einem einheitlichen elektronischen Format ver├Âffentlichen. Die neuen Formatvorgaben sind erstmals auf Jahres- und Konzernabschl├╝sse sowie Lage- und Konzernlageberichte anzuwenden, die f├╝r das nach dem 31. Dezember 2019 beginnende Gesch├Ąftsjahr aufgestellt werden.

Am vorangegangenen Referentenentwurf war insbesondere kritisiert worden, dass es sich durch den Bezug zu ESEF in den sogenannten ÔÇ×AufstellungsparagraphenÔÇť des HGB bei dem neuen Format nicht um ein reines Offenlegungsformat wie in den anderen EU-L├Ąndern handeln w├╝rde. Dieser Bezug, sowie die Pflicht zu einer elektronischen Signatur des Formats, wurden im Regierungsentwurf entfernt.

Der Aufstellungsprozess sowie das Verfahren zur Feststellung des Jahresabschlusses und zur Billigung des Konzernabschlusses bleiben somit unber├╝hrt, wie es in der Gesetzesbegr├╝ndung hei├čt. Gleichwohl wird zuk├╝nftig die Pr├╝fung des Offenlegungsformats durch den Abschlusspr├╝fer im Rahmen der Abschlusspr├╝fung verlangt, der dar├╝ber in einem gesonderten Abschnitt des Best├Ątigungsvermerks berichten muss.

Die berichtenden Unternehmen m├╝ssen somit eine ESEF-konforme Offenlegung der Abschl├╝sse und Lageberichte sicherstellen. Die Offenlegung erfolgt im sogenannten XHTML-Format inklusive einer Auszeichnung (ÔÇ×TaggingÔÇť) der IFRS-Konzernabschl├╝sse in der iXBRL-Technologie mithilfe der ESEF-Taxonomie. Diese basiert gr├Â├čtenteils auf der IFRS-Taxonomie und wird analog zu dieser regelm├Ą├čig aktualisiert.

Handlungsbedarf

Unternehmen m├╝ssen jetzt die ESEF-Taxonomie auf ihre bestehenden Gliederungsstrukturen und Darstellungsformen im Konzernabschluss anwenden. Die fachliche Herausforderung liegt hierbei in der Zuordnung der individuellen IFRS-Abschlusselemente zu den Taxonomie-Elementen, insbesondere wenn diese nicht eindeutig ist. Von der Taxonomie abweichende Bilanzstrukturen, zum Beispiel aufgrund von Bank- oder Versicherungsspezifika, die in der Taxonomie nicht ber├╝cksichtigt sind, k├Ânnen dazu f├╝hren, dass ein Unternehmen sogenannte Erweiterungen (ÔÇťExtensionsÔÇŁ) zur Taxonomie einf├╝hren und eine Verankerung auf ein bestehendes Taxonomie-Element durchf├╝hren muss.

Zur Erstellung des elektronischen Formats und zur Unterst├╝tzung des Taggings sollte rechtzeitig eine unterst├╝tzende Software ausgew├Ąhlt werden und Auswirkungen auf die bestehenden Berichtsprozesse und erforderliche Anpassungen an Tools, die daf├╝r aktuell im Einsatz sind (z.B. Disclosure Management Tools), analysiert und umgesetzt werden.

Auch die ESMA hat das Thema ESEF in den Pr├╝fungsschwerpunkten f├╝r die in 2020 durchzuf├╝hrenden Pr├╝fungen kommuniziert. Sie erwartet, dass die betroffenen Inlandsemittenten alle notwendigen Schritte unternehmen, um die neuen ESEF-Anforderungen zeitnah zu erf├╝llen.

Pr├╝fungsrisiken k├Ânnen durch fr├╝hzeitiges Probetagging und Qualit├Ątssicherung minimiert werden.

Den Gesetzestext finden Sie auf den Seiten des Bundesministerium f├╝r Justiz und f├╝r Verbraucherschutz (BMJV) https://www.bmjv.de/SharedDocs/Gesetzgebungsverfahren/DE/Format_Jahresfinanzrichtlinie.html