BNetzA veröffentlicht Gutachten-Entwürfe zum Effizienzvergleich für Verteilernetzbetreiber Strom und Gas

Gleich zu Beginn des Jahres 2019 laufen wichtige Fristen für Verteilernetzbetreiber aus. Vor Weihnachten hat die BNetzA am 21.12.2018 Entwürfe der Gutachten zu den Effizienzvergleichen der dritten Regulierungsperiode für die Verteilernetzbetreiber Strom und Gas auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Dazu hat sie allen Netzbetreibern, Vertretern der betroffenen Wirtschaftskreise und Verbrauchern die Möglichkeit eingeräumt, zur Auswahl der Vergleichsparameter und zur Ausgestaltung der Effizienzanalysemethoden schriftlich Stellung zu nehmen (Anhörung). Für Strom endet die diesbezügliche Frist am 25.01.2019, für Gas am 18.02.2019.

Die Veröffentlichungen beschreiben das Vorgehens der BNetzA-Gutachter zur Ermittlung der individuellen Effizienzwerte und setzen Schwerpunkte bei der Auswahl der relevanten Modell-Parameter sowie der Ausgestaltung der angewandten Methoden zur Effizienzwertermittlung. Wie in den zurückliegenden Regulierungsperioden bedient sich die BNetzA bei der Bestimmung der individuellen Effizienzwerte der Data Envelopment Analysis (DEA) sowie der Stochastic Frontier Analysis (SFA). Vergangene Anpassungen der ARegV, wie der Wegfall von Pflichtparametern, ermöglichten nun teilweise grundlegende Veränderungen im Modell der dritten Regulierungsperiode für Strom und Gas. Im Ergebnis sinkt der durchschnittliche Effizienzwert Strom leicht unter den Wert der zweiten Regulierungsperiode; im Gas liegt er leicht höher. In beiden Sparten liegt der Durchschnitt allerdings unter dem der vereinfachten Verfahrensteilnehmer.

Effizienzvergleich Strom mit wenigen Anpassungen

Aus dem Gutachtenentwurf Strom geht hervor, dass die Versorgungsaufgabe nun durch neun und nicht mehr elf Vergleichsparameter abgebildet wird. Gegenüber der letzten Berechnung für die zweite Regulierungsperiode fallen die Parameter „Anschlusspunkte“ und „versorgte Fläche“ weg und die Stromkreislänge Mittelspannung (Kabel + Freileitungen) wird in einem Parameter zusammengefasst. Demgegenüber wird die gesamte installierte dezentrale Erzeugungsleistung nun für zwei Netzbereiche separat berücksichtigt. Weitere Parameter liegen einer geänderten Definition. Auch bei der Ausgestaltung der Methoden zur Bestimmung der Effizienzwerte finden Änderungen statt. So wird zwar weiterhin eine lineare Kostenfunktion für die SFA genutzt, die nun allerdings nicht mehr mit Anschluss-, sondern Zählpunkten normiert wird. In der DEA werden konstante anstatt nicht-fallender Skalenerträge unterstellt. Im Ergebnis liegt der durchschnittliche Effizienzwert für die 198 berücksichtigten Verteilernetzbetreiber bei 94,1% nach Bestabrechnung. In den Genuss des neu etablierten Effizienzbonus kommen neun Netzbetreiber.

Effizienzvergleich Gas mit größeren Anpassungen und Unterschieden zum Strom

Deutlichere Änderungen sind hingegen für den Effizienzvergleich Gas beschrieben. Die Anzahl der Vergleichsparameter wird von neun auf fünf deutlich reduziert. Es entfallen die „versorgte Fläche“, „Ausspeisepunkte“, „potenzielle Ausspeisepunkte“ sowie die „Leitungslänge“. Die Transportfunktion wird nun u.a. durch die „Ausspeisepunkte > 5 bar“ und nicht mehr „> 16 bar“ abgebildet. Hinsichtlich der Methoden des Effizienzvergleichs wird bei der SFA erstmalig eine sogenannte Translog- Kostenfunktion unterstellt und von der Tradition einer mit Ausspeisepunkten normierte, lineare Funktion der Vorperioden abgerückt. Die DEA nimmt, analog zum Strom-Gutachten, konstante anstatt nicht-fallende Skalenerträge an. Nach Bestabrechnung zeigt sich ein durchschnittlicher Effizienzwert von 92,41% für die 183 berücksichtigten Netzbetreiber (inklusive ehemaliger Fernleitungsnetzbetreiber), von denen zehn Unternehmen einen Effizienzbonus erhalten.

Effizienzwert verstehen und Handlungsoptionen ergreifen

Die Ergebnisse der Effizienzvergleiche konnten wir gut nachbilden. Dabei zeigten die Resultate mitunter deutliche individuelle Effizienzveränderungen gegenüber der zweiten Regulierungsperiode. Auch offenbarten unsere Untersuchungen von Teileffekten bereits Anzeichen für eine Benachteiligung bestimmter Unternehmensgruppen durch die Modellwahl. Detaillierte Betrachtungen der individuellen Situation ermöglichen ein besseres Verständnis des Effizienzwertes und den Treibern der Effizienzveränderung sowie der Identifikation von möglichen Handlungsoptionen.

Bei Fragen rund um das Thema Effizienzvergleich Strom und Gas kommen Sie gerne auf uns zu.

 

Ansprechpartner

 

Jan Zöckler,

PwC Energy & Utilities

Tel. +49 69 9585 5530

Email: jan.zoeckler@de.pwc.com

 

Dr. Borge Hess,

PwC Energy & Utilities

Tel. +49 211 981 4418

Email: borge.hess@de.pwc.com

 

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