CO2-Preis heizt Fernwärmeunternehmen gewaltig ein

Der Preis für CO2-Zertifikate (Emissionsberechtigungen) hat sich seit Beginn dieses Jahres mehr als verdoppelt und treibt damit die Kosten der Wärmeerzeugung in emissionshandelspflichtigen Anlagen dramatisch in die Höhe. Gleichzeitig sinkt von Jahr zu Jahr die Zuteilungsmenge an kostenfreien Emissionsberechtigungen, sodass bei gleichbleibender Wärmeerzeugung mehr und teurere Zertifikate zugekauft werden müssen. Fernwärmeunternehmen, welche die CO2-Komponente noch nicht in ihren Wärmepreisen und Preisgleitklauseln abgebildet haben, gehen damit ein enormes Risiko ein. Nach Information von WIBERA/PwC betrifft dies mehr als die Hälfte der Fernwärmeversorgungsunternehmen (FVU) in Deutschland.

Die dritte Emissionshandelsperiode hat im Jahr 2013 begonnen und läuft bis 2020. Von Beginn der dritten Handelsperiode bis Ende 2017 lag der durchschnittliche Preis für eine Tonne CO2-Äquivalent bei rund 5 bis 7 Euro. Seit Beginn 2018 ist der Preis rasant gestiegen und hat sich fast verdreifacht. Im Mai 2018 wurde erstmals in dieser Handelsperiode die 16 Euro-Marke geknackt. Die kostenfreie Emissionsmenge wird von Jahr zu Jahr reduziert und den emissionshandelspflichtigen Unternehmen über den sogenannten Zuteilungsfaktor zugewiesen. Wer mehr emittiert muss entsprechend zukaufen.

Praxisfolgen

Für Betreiber emissionshandelspflichtiger Wärmeerzeugungsanlagen besteht daher dringender Handlungsbedarf, sofern sie die CO2Kostenbelastung noch nicht in ihren Wärmepreisen und Preisgleitklausel (PGK) abgebildet haben. Doch nur rund 40% der deutschen FVU weisen ein CO2-Kostenelement in ihrer PGK auf bzw. erheben einen gesonderten Emissionspreis. Aufgrund der aktuellen Entwicklung der CO2-Zertifikate und der zunehmenden Reduzierung der kostenfreien Emissionsberechtigungen gehen die übrigen Unternehmen ein erhebliches wirtschaftliches Risiko ein.

Bei einem angenommenen Wärmeabsatz von 400 GWh/a und einer kostenfreien Zuteilung der benötigten CO2-Zertifikaten von 50% für das Jahr 2017 und 40% für das Jahr 2018 würden sich die Kosten des FVU für den Zukauf der fehlenden Emissionsberechtigungen bei der aktuellen Preisentwicklung um den Faktor 3,4 erhöhen: von rund 360 TEuro in 2017 auf 1,2 Mio. Euro in 2018.

Selbst wenn der Preis für CO2Zertifikate im Zeitraum von 2018 bis 2020 mit 16 Euro pro Tonne CO2 konstant bliebe, würden sich die CO2Kosten jedoch allein schon durch die jährliche Verknappung der Zuteilungsmenge weiter um rund 10% p.a. erhöhen.

Handlungsempfehlung

Von diesen Effekten sind alle emissionshandelspflichtigen FVU betroffen. Diejenigen jedoch, die noch keine CO2-Komponente in ihrem Wärmepreis bzw. der Preisgleitklausel abgebildet haben, gehen ein besonders hohes Risiko der Kostenunterdeckung ein, was, wie gezeigt, bereits bei mittelgroßen FVU die Millionen-Euro-Schwelle überschreiten kann.

Hier heißt es jetzt, schnell zu handeln. Weil FVU verpflichtet sind, Angemessenheit, Transparenz und Kostenorientierung ihrer Preisgleitklauseln regelmäßig zu überprüfen, besteht aktuell durchaus Gelegenheit, um den wirtschaftlichen Betrieb zu sichern, aber auch Transparenz für sich und die Kunden zu schaffen. Gleichzeitig kann dies Anlass dafür geben, eine langfristige nachhaltige und zukunftsfähige Wärmestrategie zu entwickeln.

Ansprechpartner

Dipl.-Ing. Rolf Miljes

Tel.: +49 211 981-4499

E-Mail: rolf.miljes@pwc.com

Dipl.-Wirt.-Ing. Eva M. Weinmann

Tel.: +49 89 5790-5668

E-Mail: eva.m.weinmann@pwc.com

 

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