Startschuss zum Rollout intelligenter Messsysteme

Der 24. Februar 2020 ist ein sehr wichtiger Meilenstein für die deutsche Energiewirtschaft – mit der Allgemeinverfügung zur Feststellung der technischen Möglichkeit zum Einbau intelligenter Messsysteme, startet die Digitalisierung der Energiewende in Deutschland. Der verpflichtenden Rollout von intelligenten Messsystemen findet für grundzuständige Messstellenbetreiber (gMSB) Anwendung. Die am 7. Februar veröffentlichte Marktanalyse gibt nun den technischen Rahmen für den Rollout-Beginn vor und stellt insbesondere gMSB vor die anspruchsvolle Aufgabe, innerhalb der nächsten drei Jahre zehn Prozent der Pflichteinbaufälle zu erfüllen. Aber nicht nur Messstellenbetreiber sind davon betroffen, auch Energielieferanten müssen sich auf die neue Situation einstellen.

Inhalte und Geltungsbereich der Markterklärung

Im Zuge der Marktanalyse wurde die technische Machbarkeit für den Smart Meter Rollout durch den BSI bestätigt. Drei unterschiedliche Anbieter stellen derzeit Smart Meter Gateways am Markt bereit. Die Rechtmäßigkeit der Markterklärung wird aktuell eingehend diskutiert. Einige ihrer Bestandteile können jedenfalls juristisch infrage gestellt werden – beispielsweise ob alle Bestimmungen von der Rechtsgrundlage des § 30 Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) gedeckt sind. Ob gMSB mit einem Rechtsmittel gegen die Erklärung vorgehen wollen, bleibt ganz wesentlich eine individuelle unternehmerische Entscheidung. Kontaktieren Sie uns gerne mit Ihren Fragen zu den juristischen Hintergründen und einem eventuellen Tätigwerden.

Die Markterklärung gilt vorerst für Letztverbraucher zwischen 6.000 bis 100.000 kWh. Für Letztverbraucher mit mehr als 100.000 kWh Jahresverbrauch oder solche mit RLM-Messung stellt das BSI zum aktuellen Zeitpunkt keine technische Möglichkeit zum Einbau intelligenter Messsystemen fest. Für steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) verweist die Analyse auf anstehende Veränderungen im regulatorischen Rahmen für Smart Grids. Auch bei EEG- und KWKG-Anlagen scheitert die Markterklärung an noch fehlenden Tarifanwendungsfällen (TAFs 9 und 10), die mittels eines Software-Update aber kurzfristig bereitgestellt werden sollen. Trotz der dargestellten Einschränkung stehen die gMSB nun vor der Aufgabe, die neue Infrastruktur gesetzeskonform auszurollen und zu betreiben.

Auswirkungen der Markterklärungen auf grundzuständige Messstellenbetreiber und Lieferanten

In den kommenden drei Jahren müssen gMSB zehn Prozent der Pflichteinbaufälle erfüllen. Da sich der Anteil auf die aktuell im Netz befindlichen betroffenen Messlokationen bezieht, kann dieser ggf. durch Einbauten wettbewerblicher Messstellenbetreiber reduzieren werden. Wird die Quote nicht erfüllt, muss aufgrund von § 45 Abs. 2 MsbG ein Verfahren zur Übertragung der Grundzuständigkeit für den Messstellenbetrieb von modernen Messeinrichtungen und intelligenten Messsystemen auf einen anderen Messstellenbetreiber durchgeführt werden.

Auch für anderen Marktakteure der Energiewirtschaft entstehen durch den Smart Meter Rollout neue Anforderungen – hier ist insbesondere der Energievertrieb hervorzuheben. Neben der gesetzlichen Verpflichtung zur monatlichen Bereitstellung einer Verbrauchs- und Kosteninformation für Kunden mit intelligenten Messsystemen gemäß § 40 Nr. 3 EnWG, stehen Energievertriebe vor der Herausforderung neue Mehrwertdienste auf Basis der veränderten Infrastruktur anzubieten um ebenfalls eine Kostenkompensation für den Kunden zu realisieren.

Sowohl gMSB als auch Energievertriebe sind jetzt zum Handeln gezwungen und müssen die neuen Herausforderungen angehen. Neben der Ausprägung einer unternehmensweiten Strategie zum intelligenten Messstellenbetrieb sollten insbesondere operative Themen, wie die geeignete Partnerauswahl, die Optimierung interner Prozesse, sowie eine auf der definierten Strategie ausgelegte Kundenkommunikation betrachtet werden.

Gerne Unterstützen wir Sie bei der Bestimmung Ihres aktuellen Reifegrads der Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen sowie zu strategischen Fragestellungen im Messstellenbetrieb.

Ansprechpartner

Henning Winkelmann

Legal

PwC Germany

Tel.: +49 511  5357-5142

E-Mail: henning.winkelmann@pwc.com

Carsten Tessmer

Energy & Utilities

PwC Germany

Tel.: +49 89 5790-5361

E-Mail:  carsten.tessmer@pwc.com

 

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