ÜNB: Ausschreibung für Kapazitätsreserve startet am 01. September 2019

Mit dem 01. September 2019 beginnt die erste Ausschreibungsrunde für die Kapazitätsreserve und bietet den Markteilnehmern die Möglichkeit, sich bis zum 01. Dezember 2019 als Reservekraftwerk bzw. Anlagenbetreiber für außergewöhnliche Engpässe für den Erbringungszeitraum 01.10.2020 – 30.09.2022 zu bewerben. Der Umfang der Kapazitätsreserve ist auf 2 GW beschränkt. Ein jährliches Erlösvolumen von grob geschätzt 50 bis 100 Mio. € kann von potenziellen Anlagenbetreibern erschlossen werden.

Die Sorge vor Kapazitätsengpässen hat die Politik veranlasst, mit dem §13e aus dem Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) und der Kapazitätsreserveverordnung (KapResV) die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) zu verpflichten, Kapazitätsreserven zur Netzstabilisierung zu beschaffen und vorzuhalten. In Zeiten, in denen trotz freier Preisbildung am Großhandelsmarkt kein ausreichendes Angebot zur Deckung der Nachfrage zur Verfügung steht, können auf Anweisung der ÜNBs vorgehaltene Leistungsreserven hochgefahren werden. Mit der Vorhaltung von Kapazitätsreserven bestehender Erzeugungsanlagen, Speicher und Lasten wird somit die Systembilanz gestützt und Stromerzeugung und –verbrauch im Gleichgewicht gehalten.

Mit den nun veröffentlichten und durch die BNetzA genehmigten finalen Standardbedingungen werden die Bedingungen zum Betrieb der Reserveanlagen festgesetzt. Dabei hatte die Bundesregierung im Zuge der beihilferechtlichen Genehmigung die Ausgestaltung stets nachzubessern, was zur Verzögerung beim Beginn des Ausschreibungsverfahren geführt hat. Mit den Standardbedingungen wurden durch die ÜNBs die Bedingungen aus der KapResV zu Vorhaltung, Verfügbarkeit und Einsatz spezifiziert und Details zur Vergütung der Kostenerstattung sowie den Vertragsstrafen definiert.

Grundsätzlich können an den Ausschreibungen neben Neuanlagen auch bereits bestehende Erzeugungs-anlagen, Speicher und regelbare Lasten sowie Anlagen aus der Netzreserve teilnehmen. Anlagenbetreiber dürfen für verschiedene Anlagen Gebote abgeben und mehrmals an den Ausschreibungen für die Kapazitätsreserve teilnehmen.

Mit Erhalt des Zuschlags als Reservekapazität verpflichtet sich der Anlagenbetreiber nach Maßgaben seines Gebots zur Vorhaltung der Kapazitätsreserve. Zudem dürfen die Anlagen nicht mehr am freien Strommarkt teilnehmen (Vermarktungsverbot) und unterliegen außer den abschaltbaren Lasten auch dem sogenannten Rückkehrverbot, d.h. sie müssen stillgelegt werden, sobald sie aus der Kapazitätsreserve fallen.

Die jährliche Vergütung der Anlagen wird über das Ausschreibungsverfahren ermittelt und umfasst neben dem Werteverbrauch auch Instandhaltung, Eigenstromverbrauch der Anlage und die Vorhaltung der Kapazitätsreserven. Für die Ausschreibung gilt ein Höchstwert von 100.000 € pro Megawatt pro Jahr. Die resultierende jährliche Vergütung der Anlagenbetreiber richtet sich nach dem Zuschlagswert und der Gebotsmenge. Gesondert vergütet werden die Einspeisung, variable Instandhaltungskosten sowie die Sicherstellung der Brennstoffversorgung. Die ÜNB legen die entstehenden Kosten der Kapazitätsreserve auf die Netzentgelte um. Der Anstieg der Netzentgelte für Endkunden wird auf etwa 0,01 bis 0,02 ct/kWh bzw. etwa 0,35 bis 0,7 € bezogen auf einen durchschnittlichen jährlichen Stromverbrauch von 3.500 kWh geschätzt.

Bei Fragen rund um das Thema Ausschreibungen im Rahmen der Kapazitätsreserven sowie den Strommarkt kommen Sie gerne auf uns zu.

Ansprechpartner

Rolf Miljes

PwC Energy & Utilities

Tel.: +49 211 981 4499

E-Mail: rolf.miljes@de.pwc.com

Svenja Vera Vorhoff

PwC Energy & Utilities

Tel.: +49 211 981 7901

E-Mail: svenja.vera.vorhoff@de.pwc.com

 

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