RISE with SAP als Chance für die digitale Transformation bei Stadtwerken

Die sich drastisch verändernde Arbeitswelt erfordert immense Investitionen in die digitale Infrastruktur. Dies gilt insbesondere für Unternehmen in der Energiewirtschaft, welche neben der Bereitstellung der Infrastruktur zur Bewältigung der Klimakrise auch ihre kompetitive Fähigkeit durch Fortschritte in der Digitalisierung verbessern müssen. Stadtwerke sehen sich in der Verantwortung, sich immer mehr mit den Möglichkeiten der Digitalisierung, neuen Arbeitsweisen und neuen Technologien auseinandersetzen zu müssen und Erfahrungen zu sammeln. Eine große Chance in diesem Kontext stellt die Cloud dar, welche die Möglichkeit des Speicherns riesiger Datenmengen mit intelligenten digitalen Services kombiniert. Der im Frühjahr 2021 vorgestellte Cloud Service des deutschen Vorzeige-Tech-Konzerns SAP, RISE with SAP, vereint die aktuelle, moderne ERP-Lösung S/4HANA mit intelligenten Softwareangeboten, Betriebsführungen und weiteren Mehrwertleistungen. 

RISE with SAP

Das kürzlich eingeführte Serviceangebot RISE with SAP wird von der SAP SE als ein „Concierge-Service für die Business Transformation“ bezeichnet, und beinhaltet damit ein integriertes Service-Offering für die Transformation zu S/4HANA. Dabei setzt SAP auf eine Verminderung der Komplexität durch die Bündelung ihrer Services, sowohl für Bestands- als auch Neukunden. Dadurch sollen bekannte Stolpersteine auf dem Weg zu S/4HANA und in die Cloud für den Kunden aus dem Weg geräumt werden. 

Prinzipiell verkörpert das neue Service-Offering ein ganzheitliches und bedarfsgerechtes SAP-Cloud-Ökosystem, welches man individuell und bedarfsgerecht nutzen kann. Entscheidet sich der Kunde für eine S/4HANA Transformation mit RISE with SAP, stehen sechs Hauptbestandteile zur Verfügung:

  • S/4HANA Cloud Edition: Public vs. Private Cloud
  • Hyperscaler: SAP vs. anderes Rechenzentrum für Hosting (z.B. AWS, Azure, Google, Alibaba)
  • Business Process Intelligence: Indikative Analyse von Geschäftsprozessen zur Optimierung (z.B. Ad-hoc-Reports, detaillierte Teilprozessanalysen)
  • Tools und Services: Zugriff auf diverse weitere Funktionen (z.B. Custom Code Analyzer, SAP Learning Hub)
  • SAP Business Network: Zugriff auf Business Netzwerke (z.B. Ariba Network, Logistics Business Network, Asset Intelligence Network)
  • SAP Business Technology Platform: Zugriff zur Integration der Lösungen von Drittanbietern

Für Stadtwerke ist dabei eine zentrale Frage, ob sie bei einer Implementierung des Cloud-Services die Lösung von Grund auf neu konzipiert wird (Greenfield) oder bestehende Prozessstrukturen und Daten migriert werden (Brownfield). Während der Greenfield-Ansatz einen höheren Standardisierungsgrad erlaubt und alte Prozesse modernisiert werden können, erlaubt der Brownfield-Ansatz, historisch bewährte Prozesse beizubehalten und den Change für die Organisation geringer zu halten. Allgemein steht das neue Angebot laut SAP für mehr Flexibilität, Agilität und Innovation bei der Transformation zu S/4HANA

Struktur- und Kulturwandel

Die Aufgaben der IT-Abteilungen von mittelständischen Unternehmen wie Stadtwerken entwickeln sich verstärkt hin zu einem stark diversifizierten internen IT-Dienstleister mit zahlreichen unterschiedlichen Kompetenz- und Architekturanforderungen. Durch moderne Architekturen und Services können mittlerweile externe IT-Provider zahlreiche Aufgaben übernehmen, was für Erleichterung bei den oftmals stark ausgelasteten IT-Abteilungen sorgt. Zudem befinden sich diese oftmals im Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und den Anforderungen der jeweiligen Fachabteilungen an die IT-Services. Neue Business Cases erfordern oftmals grundlegend neue technologische Fähigkeiten und Innovationen in Produkten, und Services der Wettbewerber müssen in kürzester Zeit analog nachgebildet werden. Aufgrund fehlender Kapazitäten führt dies regelmäßig zum „Innovationsstau“ und somit zur Unzufriedenheit der Fachbereiche. Daher beauftragen heutzutage Stadtwerke und vergleichbare Organisationen immer häufiger Service-Provider, die auch die Betriebsführung zu einem großen Maße übernehmen. RISE with SAP greift diese Entwicklung auf und hebt das Thema „Externe SAP-Betriebsführung“ auf ein anderes Niveau: SAP kümmert sich nicht nur um die Wartung und Pflege der Softwarebasis, sondern steuert auch den Hyperscaler der Wahl und alle anderen Aspekte der oben genannten Bausteine.

In diesem Szenario ist das Stadtwerk nun also mehr für die strategischen Entscheidungen zuständig während der Service-Provider die operative Integration und Wartung verantwortet. Dies erfordert einen grundlegenden Paradigmenwechsel für das gesamte Unternehmen. Viele, bisher oft “auf kleinem Dienstweg” durchgeführte, Abläufe werden auf ein institutionalisiertes Demand-Management umgestellt, das die Business-Anforderungen strukturiert, formalisiert und kanalisiert. Nun sind also andere Fähigkeiten in den IT-Abteilungen gefragt, weg vom System-Integrator hin zum Business-Integrator. Für diese neue Rolle muss im Unternehmen Akzeptanz geschaffen werden. Diese neue Wandelbarkeit der IT ist in der Regel nicht ad hoc zu realisieren. Stadtwerke stehen vor der Herausforderung, sie durch Qualifizierungsmaßnahmen und Rekrutierungen schrittweise in der Organisation umzusetzen.

Die Leistungsfähigkeit der Dienstleister ist bei dieser Neuaufstellung von großer Wichtigkeit. Der beauftragte Dienstleister muss in der Lage sein, erforderliches Know-how in Kombination mit einer gewissen Flexibilität bereitzustellen, um auch unplanmäßige Entwicklungen zu bewältigen. Das richtige Augenmaß stellt also bei der Neustrukturierung einen zentralen Erfolgsfaktor dar. Durch die strukturellen Veränderungen soll ein Maximum an Kapazität in der internen IT-Organisation freigesetzt werden, geschäftskritische Aktivitäten müssen aber auch zukünftig stets zeitnah umgesetzt werden.

Doch ist die „RISE with SAP“-Transformation eine wirklich valide Option für Stadtwerke? Um das System individuell bewerten zu können, müssen sich die Verantwortlichen u.a. folgende Fragen stellen: 

  • Ist ein SAP-Betrieb als Service aus der Cloud tatsächlich eine Option? 
  • Stellt die Implementation eher eine unternehmerische oder technische Herausforderung dar?
  • Wie viel Standardisierung ist möglich und nötig?
  • Ist das Unternehmen vorbereitet für den Kulturwandel in der IT?
  • Lassen sich die erhofften Optimierungen auch tatsächlich realisieren?

Die Ausgangslage ist dabei für jedes Stadtwerk individuell. Zudem ist die S/4HANA-Einführung oft nur ein – wenn auch wesentlicher – Baustein in einem weiter gefassten Transformationsprozess. Eine genaue Standortbestimmung ist unabdingbar, um die richtige Transformationsstrategie und ein genaues Bild der Zielarchitektur zu entwickeln. In unserem ausführlichen Report “Rise with SAP – eine Chance für die digitale Transformation von Stadtwerken” gehen wir detailliert auf die Möglichkeiten, Chancen und auch Risiken des neuen Cloud-Service-Offerings ein. 

Ansprechpartner:

Björn Burow

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