Der zukünftige Wasserstoffmarkt in Europa – Wie Energiehändler den Boom für sich nutzen können

Die Nachfrage nach Wasserstoff in Europa wächst rasant – Prognosen sprechen von einer Verdreifachung bis 2050, bei hohem Bedarf sogar von Verzehnfachung. Einer der Gewinner dieser Entwicklung: Energiehändler – wenn sie es richtig anstellen. Die Wertschöpfungskette von Wasserstoff basiert auf der Umwandlung und Verarbeitung von handelbaren Rohstoffen, wodurch im entstehenden Wasserstoffmarkt “Cross-Commodity”-Handel ermöglicht wird. Um in den entstehenden Markt sofort, sobald sich Handelsmöglichkeiten ergeben, eintreten zu können, sollten Energiehändler heute damit beginnen, das nötige Know-How und entsprechende Beziehungen aufzubauen.

Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage

In größten Teilen von Europa entspricht das Angebot an Wasserstoff nicht der Nachfrage. Insbesondere grüner Wasserstoff wird in Deutschland nur durch Importe aus dem Ausland in ausreichenden Mengen verfügbar sein. Doch auch innerhalb Deutschlands besteht ein Ungleichgewicht: Im Nordwesten Deutschlands wird es voraussichtlich einen Überhang an grünem Wasserstoff geben, während im Süden eine ausreichende Versorgung mit Wasserstoff, insbesondere der grünen Farbe, nicht gewährleistet sein wird. Auf diese Weise wird der Handel mit Wasserstoff unumgänglich.

Heranreifen des Wasserstoff-Markts

Hinsichtlich der Entwicklung des Wasserstoff-Markts ist zunächst zu erwarten, dass sich im Rahmen von Joint Ventures und Industrieparks “Wasserstoff-Inseln” bilden. Hier werden Teilnehmer verschiedener Sektoren zusammenkommen und ihre Wasserstoff-bezogenen Geschäftsfelder koppeln. Mittelfristig werden dann in Deutschland und Europa “Wasserstoff-Produktions-Hubs” entstehen in denen überregional und grenzüberschreitend Angebot und Nachfrage zusammengeführt werden. Um diese Hubs werden sich lokale Transportnetzwerke bilden, welche Verbindungen zu den Einfuhrstellen der Wasserstoff-Importe aufbauen. Nach und nach verbinden sich diese lokalen Hubs zu einem europaweiten Netzwerk. Hierbei ist eine geeignete Transportinfrastruktur unerlässlich, um den wachsenden Bedarf der regionalen und industriellen Cluster bedienen zu können und einen liquiden Markt entstehen zu lassen. Die weitere Entwicklung zu einem dann globalen Wasserstoffmarkt ist stark abhängig vom technologischen Fortschritt im interkontinentalen Transport von Wasserstoff.

Ausbau zum Handelsmarkt

Ob und wie der Ausbau zu einem Handelsmarkt mit einer Vielzahl von Marktteilnehmern erfolgt, wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Hierbei kann die historische Entwicklung des heutigen Erdgasmarkts zur Einschätzung herangezogen werden. Entscheidend sind neben einer ausreichenden Menge an marktfähigen Wasserstoff ein durch Regulierungsmechanismen garantierter freier Zugang zu Pipelines, Terminals und Speichern, standardisierte Wasserstoffverträge sowie ein Regelwerk für das “Balancing” von Wasserstofflieferungen, um die volumetrischen Risiken für Wasserstofftransporteure zu minimieren. Daneben gilt es außerdem sicherzustellen, dass an den Knotenpunkten, die zwischen Gebieten mit einem strukturellen Überschuss und einem Defizit liegen und/oder an welchen anderweitig ein natürlicher Ausgleich von Angebot und Nachfrage stattfindet, liquider Handel zustande kommen kann.

Gesicherter Handel entlang der Wasserstoff Wertschöpfungskette

Durch geographische Arbitrage und Frachtoptimierung können sich Unternehmen Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage zunutze machen. “Cross-Commodity”- Handel basiert auf der Nutzbarmachung von Preisspannen zwischen Wasserstoff, Strom, Gas und Kohle, gesichert durch physische Produktionskapazitäten. Unternehmen können Positionen entlang der physischen Wasserstoffinfrastruktur einnehmen und damit anderen Akteuren im Wasserstoffmarkt die für einen liquiden Handel notwendige Flexibilität bieten.

Es ist wahrscheinlich, dass sich der europäische Wasserstoffmarkt allmählich zu einem „gehandelten Markt“ mit mehreren liquiden Handelsknotenpunkten entwickeln wird. Potenzielle Geschäftsmodelle, die auf den Mechanismen von Angebot und Nachfrage basieren, hängen jedoch stark davon ab, wie sich die Struktur der Wasserstofflandschaft entwickelt. Wie können sich Händler trotz der noch unsicheren Situation vorbereiten? Die aktuelle PwC-Studie “Development of the structure of the European Hydrogen Market and implications for Energy traders” erklärt, wie Händler ihr Geschäftsmodell basierend auf den entstehenden Marktstrukturen aufbauen und entsprechend ausrichten können.

Das Expertenteam von PwC steht Unternehmen der Energiebranche in diesem Prozess ganzheitlich zur Seite und entwickelt für seine Mandanten praxisorientierte Lösungen mit größtmöglichem Nutzen. Durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit werden Belange der Mandanten präzise erkannt und mit gezielten Maßnahmen unterstützt.

Ansprechpartner: 

Julian Holler

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