Auf ein Watt

PwC-Praxishandbuch „Entflechtung und Regulierung in der deutschen Energiewirtschaft“ erschienen

Das Dritte EU-Binnenmarktpaket, das Energiewirtschaftsgesetz 2011 sowie eine Vielzahl weiterer Gesetze, Verordnungen und regulierungsbehördlicher Vorgaben haben die Rahmenbedingungen für die Energieversorgung in Deutschland maßgeblich neu gestaltet. Die hinzukommende Diskussion um die Energiewende hat dazu geführt, dass sich ein Paradigmenwechsel auf beinahe jeder Stufe der Wertschöpfung vollzieht.

Vier Jahre nach Erscheinen der Vorauflage behandelt das vorliegende von PwC herausgegebene Werk nun die Weiterentwicklung des Regulierungsrahmens und zeigt die für die betroffenen Unternehmen entscheidenden Neuerungen und Umsetzungserfordernisse auf.

Neben Fragen der Energiewirtschaft beziehungsweise des Energiewirtschaftsrechts werden angrenzende Fachgebiete – wie zum Beispiel das Steuerrecht, Arbeitsrecht, Vergaberecht oder Kartellrecht – ebenso berücksichtigt wie organisatorische und rechtliche Gestaltungsvarianten sowie die Auswirkungen auf interne IT-Systeme.

Eine interdisziplinäre Gruppe von über 60 einschlägig tätigen Beratern und Wirtschaftsprüfern der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers AG sowie Rechtsanwälten der PricewaterhouseCoopersLegal AG Rechtsanwaltsgesellschaft stellt in dem Handbuch praxisorientiert folgende Themenbereich dar:

  • Grundsätze, Formen und aktuelle Änderungen bei der Entflechtung
  • Rechtliche, operationelle, informatorische und buchhalterische Entflechtung für Übertragungs-, Fernleitungs-, Verteilernetz- und Speicheranlagenbetreiber
  • Kundenanlagen und geschlossene Verteilernetze (ehemals Objektnetze)
  • Netzzugang
  • Liberalisierung des Messwesens
  • Unternehmensstrategien, Kooperationen, Netzbewertung
  • Konzessionsverträge und -abgaben
  • Anreizregulierung und Bildung von Netzentgelten
  • Regulierungsmanagement
  • Kompetenzen staatlicher Regulierungsbehörden
  • Rechtsschutzmöglichkeiten

Das Praxishandbuch umfasst über 700 Seiten, ist auch als E-Book erhältlich und kann entweder über den Buchhandel oder direkt beim Verlag unter der Bestellnummer E07231 bezogen werden (www.haufe.de/shop).

IFRS IC diskutiert Bilanzierung von regulatorischen Vermögenswerten und Schulden

Vor einigen Wochen hat das IFRS IC zum wiederholten Mal mit der Bilanzierung von sogenannten regulatorischen Vermögenswerten und Schulden befasst, die beispielsweise bei Liefervolumendifferenzen in einem preisregulierten Umfeld auftreten können. Anlass war eine IFRS IC Submission, die durch die Tatsache motiviert war, dass mehr und mehr Staaten IFRS anwenden und damit die Bilanzierung von Vermögenswerten und Schulden infolge von Regulierungsmaßnahmen wieder in den Fokus rückt. Die sich daraus ergebenden Diskussionen können auch für europäische Energieversorgungsunternehmen interessant werden.

Die IFRS IC Submission skizzierte ein klassisch kostenbasiertes preisreguliertes Umfeld in einer Monopolsituation und beinhaltete  die folgenden Fragen:

  1. Können nach IFRS Kunden in einem regulierten Umfeld zu einer „single unit of account“ zusammengefasst werden?
  2. Wenn ja, ist dann die Bilanzierung von regulatorischen Vermögenswerten und Schulden nach IFRS angemessen?

Das IFRS IC hat zwar beschlossen, die Fragestellung zunächst nicht auf die Agenda zu nehmen, da der Sachverhalt aus Sicht des Committees für eine IFRS Interpretation zu komplex und umfassend sei. Allerdings wurde dem IASB empfohlen, sich der Fragestellungen rund um die Bilanzierung von regulatorischen Vermögenswerten und Schulden erneut anzunehmen und einen Standard dazu zu entwickeln. Sollte sich das IASB auf Grundlage der Agenda Consultation gegen eine Aufnahme auf die Agenda entschließen, wird sich das IFRS IC erneut mit der Frage befassen. Es bleibt also Bewegung in dem Thema.

Aus den nun stattfindenden Diskussionen ergeben sich zwar unmittelbar keine Änderungen der bestehenden Bilanzierungspraxis in Europa. Dennoch werden wir die Entwicklungen der Diskussionen in diesem Bereich weiterhin beobachten, denn Änderungen könnten weitreichende Konsequenzen für die Abschlüsse von Energieversorgern auch in Europa haben.

Bilanzielle Abbildung des Regulierungskontos

Gemäß § 5 Absatz 1 ARegV werden Mehr- bzw. Mindererlöse aus Netzentgelten Strom und Gas, die aus der Differenz zwischen den zulässigen und den tatsächlich erzielten Erlösen eines Kalenderjahres entstehen, auf dem Regulierungskonto erfasst. Die Aktivierung eines Anspruchs auf künftig höhere Netzentgelte, der durch Mindermengen innerhalb eines Kalenderjahres entstanden ist, darf nach HGB aufgrund des Realisationsprinzips nicht aktiviert werden. Um eine Aktivierung eines solchen Anspruchs zu ermöglichen, werden zurzeit verschiedene Ansätze diskutiert. Ein Vorschlag sieht vor, das EnWG wie folgt zu ändern:

„Abweichungen zwischen den einzelnen Wertgrößen gemäß §§ 4 Abs. 3 und 5 ARegV und den in den Erlösobergrenzen hierfür im Einzelnen angesetzten Werten begründen bereits im Zeitpunkt ihrer Entstehung jeweilige Ausgleichsverpflichtungen und -ansprüche gegenüber Netzkunden. Dem Zeitpunkt des Entstehens der Ausgleichsverpflichtungen und der -ansprüche stehen die Bestimmungen zur Geltendmachung der Abweichungen in den Erlösobergrenzen nicht entgegen. Die Ausgleichsverpflichtungen und -ansprüche stellen somit Korrekturen der für das jeweilige Leistungsjahr abgerechneten Preise dar.“

Gegen diesen Vorschlag gibt es allerdings erhebliche bilanztheoretische Bedenken. Außerdem spricht dagegen, dass ein solcher Anspruch auch in  der Steuerbilanz zu aktivieren wäre und die Gefahr besteht, dass nicht realisierte Gewinne ausgeschüttet werden. Daher wird alternativ die folgende Änderung des EnWG diskutiert:

„Einzelne aktive Überhänge aus der Abrechnung künftig zu realisierender Ansprüche aus den §§ 4 und 5 ARegV dürfen als Bilanzierungshilfe im handelsrechtlichen Jahresabschluss aktiviert werden. Diese aktivierten Beträge sind bei der Ermittlung der Ausschüttungs- bzw. Abführungssperre gem. § 268 Abs. 8 HGB bzw. § 301 AktG zu berücksichtigen; passive Überhänge sind als Rückstellung gem. § 249 Abs. 1 S. 1, 1. Halbsatz HGB zu passivieren.“

Durch die Ausschüttungssperre würde dem Gläubigerschutz dadurch Rechnung getragen, dass die nicht realisierten Erträge gegen eine Ausschüttung gesperrt wären. Unverändert zur bisherigen Bilanzierungspraxis ist nach beiden Modellen für Passivüberhänge aus Mehrmengen zwingend eine Rückstellung zu bilden. Wegen des Stetigkeitsprinzips ist davon auszugehen, dass in beiden Modellen die einmal gewählte Bilanzierung grundsätzlich in den Folgejahren beibehalten werden muss. Steuerlich wäre die Bilanzierungshilfe nicht zu aktivieren.

Lohnt sich die Optimierung der Datenqualität zur Verbesserung der energiewirtschaftlichen Prozesse?

Die zahlreichen regulatorischen Anforderungen führen zu einem immer komplexeren Marktumfeld und erfordern schnellere Abläufe. Speziell die Anforderungen zur standardisierten Marktkommunikation (aus u.a. GPKE, Geli Gas, MaBiS oder WiM) sowie die durch das EnWG noch beschleunigten Lieferantenwechselprozesse benötigen funktionierende Prozesse und gute Datenqualität, um die Anforderungen fristgerecht erfüllen zu können. Die Intensivierung der Marktkommunikation hat allerdings auch zur Folge, dass die Energieunternehmen nicht mehr die Hoheit über die für die energiewirtschaftlichen Prozesse benötigte Datengrundlage haben. Sie müssen auf von Dritten zur Verfügung gestellten Daten aufbauen und auf die Plausibilität und Richtigkeit vertrauen und wenn möglich diese plausibilisieren und kontrollieren.

Aufgrund der stark ineinander greifenden Prozesslandschaft (z.B. Mehr-/Mindermengenabrechnung, Bilanzielle Abgrenzung und Bilanzierung) bauen viele Prozesse auf genau den gleichen Stamm- und Bewegungsdaten auf. Aus diesem Grund können Fehler oder Unschärfen hier einen großen Streueffekt haben und in viele Prozesse, u.a. auch mit hohen finanziellen Auswirkungen,  eingreifen. Daher gewinnt die Aufrechterhaltung und Optimierung der Datenqualität gerade in automatisierten komplexen System- und Prozesslandschaften immer stärker an Bedeutung.

Die Verbesserung der Datenqualität ist kein einmaliges Projekt, sondern man muss es schaffen, Mechanismen in den operativen Prozess zu integrieren, um eine langfristige Verbesserung der Daten zu erzielen. Wichtig ist es, zu erkennen, wo man idealerweise anfängt. Das ist sicherlich auch unternehmensspezifisch und ein Patenrezept ist schwer zu finden, aber nach unseren Erfahrungen bildet der Bilanzierungsprozess meisten den besten Startpunkt.