Auf ein Watt

Bilanzielle Abbildung des Regulierungskontos

Gemäß § 5 Absatz 1 ARegV werden Mehr- bzw. Mindererlöse aus Netzentgelten Strom und Gas, die aus der Differenz zwischen den zulässigen und den tatsächlich erzielten Erlösen eines Kalenderjahres entstehen, auf dem Regulierungskonto erfasst. Die Aktivierung eines Anspruchs auf künftig höhere Netzentgelte, der durch Mindermengen innerhalb eines Kalenderjahres entstanden ist, darf nach HGB aufgrund des Realisationsprinzips nicht aktiviert werden. Um eine Aktivierung eines solchen Anspruchs zu ermöglichen, werden zurzeit verschiedene Ansätze diskutiert. Ein Vorschlag sieht vor, das EnWG wie folgt zu ändern:

„Abweichungen zwischen den einzelnen Wertgrößen gemäß §§ 4 Abs. 3 und 5 ARegV und den in den Erlösobergrenzen hierfür im Einzelnen angesetzten Werten begründen bereits im Zeitpunkt ihrer Entstehung jeweilige Ausgleichsverpflichtungen und -ansprüche gegenüber Netzkunden. Dem Zeitpunkt des Entstehens der Ausgleichsverpflichtungen und der -ansprüche stehen die Bestimmungen zur Geltendmachung der Abweichungen in den Erlösobergrenzen nicht entgegen. Die Ausgleichsverpflichtungen und -ansprüche stellen somit Korrekturen der für das jeweilige Leistungsjahr abgerechneten Preise dar.“

Gegen diesen Vorschlag gibt es allerdings erhebliche bilanztheoretische Bedenken. Außerdem spricht dagegen, dass ein solcher Anspruch auch in  der Steuerbilanz zu aktivieren wäre und die Gefahr besteht, dass nicht realisierte Gewinne ausgeschüttet werden. Daher wird alternativ die folgende Änderung des EnWG diskutiert:

„Einzelne aktive Überhänge aus der Abrechnung künftig zu realisierender Ansprüche aus den §§ 4 und 5 ARegV dürfen als Bilanzierungshilfe im handelsrechtlichen Jahresabschluss aktiviert werden. Diese aktivierten Beträge sind bei der Ermittlung der Ausschüttungs- bzw. Abführungssperre gem. § 268 Abs. 8 HGB bzw. § 301 AktG zu berücksichtigen; passive Überhänge sind als Rückstellung gem. § 249 Abs. 1 S. 1, 1. Halbsatz HGB zu passivieren.“

Durch die Ausschüttungssperre würde dem Gläubigerschutz dadurch Rechnung getragen, dass die nicht realisierten Erträge gegen eine Ausschüttung gesperrt wären. Unverändert zur bisherigen Bilanzierungspraxis ist nach beiden Modellen für Passivüberhänge aus Mehrmengen zwingend eine Rückstellung zu bilden. Wegen des Stetigkeitsprinzips ist davon auszugehen, dass in beiden Modellen die einmal gewählte Bilanzierung grundsätzlich in den Folgejahren beibehalten werden muss. Steuerlich wäre die Bilanzierungshilfe nicht zu aktivieren.

Lohnt sich die Optimierung der Datenqualität zur Verbesserung der energiewirtschaftlichen Prozesse?

Die zahlreichen regulatorischen Anforderungen führen zu einem immer komplexeren Marktumfeld und erfordern schnellere Abläufe. Speziell die Anforderungen zur standardisierten Marktkommunikation (aus u.a. GPKE, Geli Gas, MaBiS oder WiM) sowie die durch das EnWG noch beschleunigten Lieferantenwechselprozesse benötigen funktionierende Prozesse und gute Datenqualität, um die Anforderungen fristgerecht erfüllen zu können. Die Intensivierung der Marktkommunikation hat allerdings auch zur Folge, dass die Energieunternehmen nicht mehr die Hoheit über die für die energiewirtschaftlichen Prozesse benötigte Datengrundlage haben. Sie müssen auf von Dritten zur Verfügung gestellten Daten aufbauen und auf die Plausibilität und Richtigkeit vertrauen und wenn möglich diese plausibilisieren und kontrollieren.

Aufgrund der stark ineinander greifenden Prozesslandschaft (z.B. Mehr-/Mindermengenabrechnung, Bilanzielle Abgrenzung und Bilanzierung) bauen viele Prozesse auf genau den gleichen Stamm- und Bewegungsdaten auf. Aus diesem Grund können Fehler oder Unschärfen hier einen großen Streueffekt haben und in viele Prozesse, u.a. auch mit hohen finanziellen Auswirkungen,  eingreifen. Daher gewinnt die Aufrechterhaltung und Optimierung der Datenqualität gerade in automatisierten komplexen System- und Prozesslandschaften immer stärker an Bedeutung.

Die Verbesserung der Datenqualität ist kein einmaliges Projekt, sondern man muss es schaffen, Mechanismen in den operativen Prozess zu integrieren, um eine langfristige Verbesserung der Daten zu erzielen. Wichtig ist es, zu erkennen, wo man idealerweise anfängt. Das ist sicherlich auch unternehmensspezifisch und ein Patenrezept ist schwer zu finden, aber nach unseren Erfahrungen bildet der Bilanzierungsprozess meisten den besten Startpunkt.

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