Netzkodex der EU-Kommission fordert Fernsteuerbarkeit von kleinen Stromerzeugungsanlagen

Die Verordnung (EU) 2016/631 der Kommission vom 14. April 2016 zur Festlegung eines Netzkodex mit Netzanschlussbestimmungen für Stromerzeuger ist am 27. April 2016 im Amtsblatt veröffentlicht worden. Die Verordnung legt unmittelbar verbindlich technische Anforderungen an die elektrischen Eigenschaften von Erzeugungsanlagen fest.

Die im neuen Netzkodex festgelegten technischen Anforderungen an Erzeugungsanlagen müssen ab dem 27. April 2019 von allen neuen Erzeugungsanlagen eingehalten werden. Bestehende Stromerzeugungsanlagen müssen die Anforderungen der Verordnung nur einhalten, wenn sie wesentlich geändert werden und der Netzbetreiber mit Zustimmung der Regulierungsbehörde die Anwendung der technischen Vorgaben für erforderlich hält.

Die Verordnung nimmt eine größenabhängige Klassifizierung der Stromerzeugungsanlagen vor. Vier verschiedene Typen A bis D gelten als signifikant und unterliegen somit der Verordnung. Für Verteilernetzbetreiber sind vor allem die Anforderungen an Anlagen des Typ A sowie des Typ B interessant. Als Anlage Typ A gelten Stromerzeugungsanlagen bereits dann, wenn die Maximalkapazität 0,8 kW überschreitet, als Anlage Typ B bei einer Maximalkapazität ab 1 MW bis 50 MW.

Änderungen ergeben sich vor allem bei den Klein- und Kleinstanlagen. Wie bereits nach der VDE-A-N 4105 (Technische Mindestanforderungen für Anschluss und Parallelbetrieb von Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz) werden Anlagen des Typ A vor allem zur Frequenzhaltung herangezogen. Zusätzlich müssen nach dem Netzkodex alle Stromerzeugungsanlagen des Typs A über eine fernwirktechnische Schnittstelle verfügen, die es ermöglicht, die Wirkleistungsabgabe innerhalb von fünf Sekunden zu beenden.

Bisher war nach dem EEG eine Fernsteuerbarkeit von Erzeugungsanlagen erst ab 100 kW Leistung zwingend erforderlich, bei Photovoltaikanlagen ab 30 kW. Durch das kürzlich vom Bundestag verabschiedete Messstellenbetriebsgesetz werden erheblich mehr Anlagen in die Pflicht genommen. Dort ist die Kommunikationsanbindung von EEG- und KWK-Anlagen ab einer Leistung von 7 kW über einen Smart Meter Gateway zu netzdienlichen Zwecken vorgesehen. Für neue Anlagen ab einer installierten Leistung von 1 kW ist die Ausstattung mit einem Smart Meter Gateway optional möglich.

Betreiber von Stromverteilernetzen erhalten also zukünftig wesentlich bessere Möglichkeiten, dezentrale Erzeugungsanlagen zu steuern, wenn das zur Netzstützung erforderlich ist. Das bedeutet gleichzeitig, dass eine sehr große Zahl an kleinen und kleinsten Erzeugungsanlagen an die Netzleittechnik angebunden werden müssen. Dafür müssen die Unternehmen rechtzeitig die organisatorischen und technischen Voraussetzungen schaffen. Dazu gehört vor allem die nötige IT-Unterstützung, es müssen aber auch die Prozesse beim Netzanschluss auf die neuen Anforderungen hin abgestimmt werden, die nötigen Dokumente für die Kunden erstellt werden und die Mitarbeiter geschult werden.

 Ansprechpartner

Micha Klewar

PwC Legal

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Dr. Steffen Schattner

Utilities & Regulation

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