Neuer Abrechnungsprozess bei Netzbetreibern im Zusammenhang mit der KWKG-Novellierung ab dem 01.01.2016

Die aktuelle KWKG-Novelle beinhaltet mit Inkrafttreten zum 01.01.2016 eine wichtige Änderung für die Netzbetreiber. Bei der Abrechnung der Letztverbraucher bezüglich der KWKG-, der § 19 StromNEV- und der Offshore-Umlage sieht der Beschluss des Bundestages vom 03.12.2015 zum Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz abweichend vom bisherigen Vorgehen eine explizite Mitteilung der Letztverbraucher an die Netzbetreiber vor, falls sie weiterhin die gesetzlich definierten Erleichterungen in Anspruch nehmen wollen. Damit verändert sich der Abrechnungsprozess beim Netzbetreiber wesentlich.

Die Staffelung der KWKG-, § 19 StromNEV- und Offshore-Umlage entsprechend der Letztverbrauchergruppen A, B und C wird bisher von den Netzbetreibern bei der Abrechnung automatisch beim Erreichen der jeweiligen Stromverbrauchsmengen von 100.000 kWh bzw. 1.000.000 kWh pro Jahr vorgenommen. Die Einteilung in die Letztverbrauchergruppe C, welche Unternehmen des produzierenden Gewerbes mit Stromkosten größer 4 Prozent des Umsatzes vorbehalten ist, erfolgt durch Vorlage einer Wirtschaftsprüferbescheinigung beim Netzbetreiber.

Die Beschlussfassung zum KWKG sieht jedoch vor, dass in Zukunft alle Letztverbraucher, die in den Genuss einer Begünstigung der Letztverbrauchergruppe B oder C kommen wollen, ihrem zuständigen Netzbetreiber aktiv bis zum 31.03. die aus dem Netz bezogenen und selbst verbrauchten Strommengen mitteilen müssen. Ohne diese Mitteilung muss der gesamte Stromverbrauch mit dem Umlagesatz der Letztverbrauchergruppe A abgerechnet werden, welcher im Regelfall der höchste Satz ist. Für die Inanspruchnahme der Letztverbrauchergruppe C ist weiterhin wie in der bisherigen Regelung zusätzlich das Verhältnis der Stromkosten zum Umsatz von 4 Prozent nachzuweisen.

Dies bedeutet nicht nur auf Seiten der Letztverbraucher eine neue Pflicht, auch bei allen Netzbetreibern sind Anpassungen in den Abrechnungsprozessen erforderlich. Neben der Umstellung des Abrechnungssystems auf die Abrechnung aller verbrauchten Strommengen mit der Umlage der Letztverbrauchergruppe A werden auch neue, zusätzliche Prozesse zur Abwicklung der eingehenden Mitteilungen der Letztverbraucher notwendig. Da für die Privilegierung ausschließlich selbstverbrauchte Strommengen des Letztverbrauchers (nicht mehr des Netzkunden) anerkannt werden, muss sich zukünftig jeder Letztverbraucher einzeln beim Netzbetreiber melden. In vielen Fällen werden über einen Netzanschluss mehrere Letztverbraucher versorgt. Dies führt im Ergebnis dazu, dass der Netzbetreiber Kenntnis über das jeweilige Versorgungsverhältnis benötigt, um die Begünstigungen für die einzelnen Letztverbraucher, z.B. innerhalb einer Kundenanlage eines Netzkunden korrekt abzurechnen.

Wenn die Anpassungen im Abrechnungssystem versäumt werden, geht der Netzbetreiber das Risiko ein, zu geringe Umlagen für die KWKG-, § 19 StromNEV und Offshore-Umlage zu verlangen. In diesem Fall können dem Netzbetreiber Zahlungsausfälle in Höhe von 50.000 Euro bis zu 2,5 Millionen Euro und mehr (je nach Größe des Netzbetreibers) drohen, da an den Übertragungsnetzbetreiber in jedem Fall die Umlagen in voller Höhe zu entrichten sind.

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Ihr PwC-Ansprechpartner zu diesem Thema ist: Henriette Breier.

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