Redispatch 2.0: Bundesnetzagentur veröffentlicht Beschlüsse zur Netzbetreiberkoordinierung bei der Durchführung von Redispatch-Maßnahmen (BK6-20-060) und zur Informationsbereitstellung für Redispatch-Maßnahmen (BK6-20-061)

Neben der Festlegung der Eckpunkte zur Zusammenarbeit und des Bedarfs an Daten werden weitere für Anlagen und Betreiber wichtige und relevante Fragestellungen zur Umsetzung beantwortet, andere bleiben noch offen.   

Für die durch das NABEG 2.0 angestoßene und unter dem Begriff Redispatch 2.0 (RD2.0) bekannte Zusammenführung des Einspeisemanagements (EinsMan) und des Redispatch (RD) sind seit kurzem die letzten beiden Festlegungen der Bundesnetzagentur (BNetzA) veröffentlicht worden. Im “60-er Beschluss” (BK6-20-060) legt die BNetzA die Spielregeln für die Netzbetreiber übergreifende Zusammenarbeit im Rahmen von RD2.0 dar. Diese Festlegung wird um den “61-er Beschluss (BK6-20-061) ergänzt, welcher den, für die Zusammenarbeit notwendigen, Datenaustausch zwischen Verteilnetzbetreibern, Übertragungsnetzbetreibern und einsatzverantwortlichen Anlagenbetreibern definiert. Zusammen mit dem im November veröffentlichten Beschluss zum bilanziellen Ausgleich von Redispatch-Maßnahmen (BK6-20-059) bilden sie als Trio die Leitplanken für die Umsetzung der neuen RD2.0-Anforderungen auf Verteilnetzebene. Anders als bei ihren beiden vorangegangen Verordnungen (EinsMan & RD) sind hiervon – in verschiedener Ausprägung – alle Verteilnetzbetreiber betroffen, die Erzeugungsanlagen ab 100 kW installierter Leistung in ihrem Netzgebiet haben. Trotz der weiterführenden Beschlüsse zu den gesetzlichen Eckpunkten bleiben im Rahmen der RD2.0-Umsetzung einige Fragestellungen noch offen, welche es nun individuell zu beantworten gilt.

Kein Spielraum für Ausnahmeregelungen bei kleinen Netzbetreibern

Auch wenn die BNetzA bei der Festlegung der Netzbetreiberkoordination inhaltlich nicht wesentlich von dem Konsultationsentwurf abweicht, gibt sie trotzdem umsetzungsrelevante Punkte mit. So führt sie beispielsweise aus, dass es auch für diejenigen Netzbetreiber, in deren Netzgebiet nur wenige (bis zu fünf) Redispatch-Anlagen angeschlossen sind, keine gesetzliche Grundlage für Ausnahmeregelungen gibt. Vielmehr wird stattdessen betont, dass alle Anlagen (konventionelle Kraftwerke, KWK-Anlagen, EEG-Anlagen etc.) ab 100 kW elektrischer Leistung in den Redispatch-Prozess einzubeziehen sind. Weiterhin weist die BNetzA darauf hin, dass auch der für den RD2.0 notwendige Kosten- und Verwaltungsaufwand keine gesetzliche Grundlage für eine Ausnahmeregelung bietet.

Steuerbare Erzeugungsanlagen <100 kW vorerst nicht vom RD2.0 umfasst

Ähnlich gestaltet sich der Beschluss zur Informationsbereitstellung für Redispatch-Maßnahmen. Obwohl der Bedarf an Daten zwar im Vergleich zur Konsultationsfassung eine gewisse Änderung erfahren hat, geben die Begründungen und Erläuterungen der BNetzA einen deutlich größeren Aufschluss über umsetzungsrelevante Punkte. So ist abweichend zur Konsultationsfassung definiert, dass die Datenbereitstellung nur für Erzeugungsanlagen ab einer installierten Leistung von 100 kW gilt. Damit sind steuerbare Erzeugungsanlagen kleiner 100 kW – abweichend zum Gesetz – vorerst nicht im RD2.0 mit zu betrachten. Zudem stellt die BNetzA es den Anlagenbetreibern frei, über einen Data Provider (beispielsweise connect+) zu kommunizieren. Bei Bedarf können die Anlagenbetreiber die geforderten Daten auch direkt an den Anschlussnetzbetreiber übermitteln. 

Bei der Umsetzung der RD2.0-Anforderungen gibt es Spielraum und offene Fragen

Spätestens diese beiden Festlegungen sollte nun für alle Netzbetreiber die “letzte Runde” bei der Umsetzung der neuen RD2.0-Anforderungen einläuten. Auch wenn das Einbiegen auf die Zielgerade noch mit einigen Ungewissheiten versehen ist – so sind beispielsweise noch Branchenleitfäden und connect+ betreffende Spezifikationen ausstehend – sind Netzbetreiber vor dem Hintergrund der zeitlichen Rahmenbedingungen verpflichtet, ihre Umsetzungsprojekte und Maßnahmen mit der entsprechenden Agilität anzugehen. So zeigen die Erfahrungen aus den bereits zahlreich gestarteten Umsetzungsprojekten, dass die Projektstruktur entsprechend des Kenntnisstandes angepasst werden muss. Hierbei ist der Schlüssel zum Erfolg, die Abarbeitung der einzelnen Arbeitspakete so zu koordinieren, dass möglichst viele der neuen Anforderungen frühzeitig und agil implementiert werden, ohne dass man Gefahr läuft durch nachfolgende Festlegungen der BNetzA diese wieder verwerfen zu müssen. 

Für die komplexen Fragestellungen gilt es pragmatische Antworten zu finden

Zusammenfassend lassen sich aus unserer Projekterfahrung mit über 50 Netzbetreibern die folgenden Erfolgsfaktoren für eine effiziente, pragmatische und erfolgreiche RD2.0 Implementierung ableiten: 

  • Die Zeit ist zu knapp, um abzuwarten bis alles zu 100% definiert ist. Gestalten Sie die Umsetzung agil genug, um auch mit einem 85%-igen Kenntnisstand starten zu können.
  • Werden Sie sich über Ihre individuellen Anforderungen bewusst – gerade, wenn Sie bspw. keine eigenen Engpässe im Netz haben.
  • Es gibt immer einen der es billiger macht – aber auch besser? Vergleichen Sie Preis und Leistung! Der Markt für Software-Anbieter ist derzeit sehr dynamisch.
  • Wer versucht die neuen Anforderungen und Maßnahmen “nebenbei” umzusetzen, läuft Gefahr, dass einiges hinten runterfällt. RD2.0 ist die umfangreichste Neuerung seit Jahren für Verteilnetzbetreiber.
  • Das Projektmanagement ist der Erfolgsgarant für die fristgerechte und effiziente Umsetzung – setzen Sie hier auf Know-how und Methodik.

Egal, ob Sie gerade bei der Vervollständigung der Stammdaten, der Auswahl des Dienstleisters oder in Vorbereitung der connect+-Testphase sind – sprechen Sie uns unverbindlich an. Wir unterstützen Sie gerne mit unserer Erfahrung bei der weiteren effizienten Umsetzung der neuen Redispatch 2.0-Anforderungen in Ihrem Unternehmen. 

Ansprechpartner:

Jan Dworacek

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