Überlegungen zur sachgerechten Ausgestaltung des 6,5 GW-Ausbauziels 2020 für die deutsche Offshore-Windenergie

PwC-Studie im Kontext der Bund-Länder-Verhandlungen zur EEG-Novellierung

Entsprechend der Koalitionsvereinbarung vom 16.12.2013 und dem Bundeskabinetts­beschluss vom 22.01.2014 wurde im Entwurf der EEG-Novelle vom 04.03.2014 die Zielmarke für den Ausbau der deutschen Offshore-Windenergie von 10 GW auf 6,5 GW bis Ende 2020 angepasst. Dieser Zielwert soll zum einen den Anstieg der Belastungen durch die EEG-Umlage in Grenzen halten und zum anderen erlauben, zukünftig mögliche Kostensenkungspotenziale bei der Offshore-Windenergie mit Hilfe hinreichender Projekterfahrung und einer verstetigten Anlagenerrichtung zu heben. Zeitgleich soll eine Novellierung des Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) erfol­gen, um über eine neu eingeführte mengengesteuerte Vergabe von Netzanbindungskapazität den Ausbau der Erzeugungsleistung der Offshore-Windparks (OWP) auf die parallel zu errichtende Transportkapazität des Offshore-Netzes abzustimmen.

Die Gesetzesentwürfe sahen vor, maximal 6,5 GW Anbindungskapazität an OWP mit geplanter Inbetriebnahme bis Ende 2020 zu vergeben obwohl der Offshore-Netzentwicklungsplan (O-NEP 2013) bis zu diesem Zeitpunkt eine Netzanbindungskapazität von insgesamt 10,3 GW vorsieht. Droht ein OWP-Projekt, welches über eine Zuteilung von Netzanbindungskapazität verfügt, zu scheitern oder nur teilweise realisiert zu werden, könnte die ungenutzte Netzanbindungskapazität erst nach verbindlicher Rückgabe oder rechtssicherem Entzug an andere OWP vergeben werden. Aufgrund dieser zeitlichen Verzögerung besteht die hohe Wahrscheinlichkeit, dass eine Realisierung der Ersatzprojekte nicht mehr bis Ende 2020 erfolgen kann und das 6,5 GW-Ausbauziel – vor allem durch die restriktive Deckelung vergebener Netzanbindungskapazität – nicht erreicht, ggf. sogar deutlich unterschritten wird. Im gleichen Zuge können die Kostensenkungspotenziale der Offshore-Windenergie aufgrund der reduzierten Anzahl realisierter OWP-Projekte nicht in vollem Maße ausgeschöpft werden.

Vor diesem Hintergrund erteilte der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz Transmission GmbH, Berlin, PwC den Auftrag, in einer Studie zu analysieren, welche Auswirkungen mit der Implementierung dieses „festen Deckels“ auf die tatsächlich installierte Offshore-Windenergieleistung zu erwarten sind und bat um Empfehlungen für eine sachgerechte Ausgestaltung der Zuweisung von Netzanbindungskapazität, um das 6,5 GW-Ausbau­ziel möglichst ohne erhebliche Abweichungen zu erreichen.

Die Studie untersucht demnach die wahrscheinliche Entwicklung der installierten Leistung von OWP in Deutschland bis zum Ende des Jahres 2020. Dazu werden neben den in Betrieb bzw. im Bau befindlichen OWP-Projekten insbesondere die Projekte mit bestehender Netzanbindungszusage betrachtet. Aufgrund fehlender bzw. empirisch nicht belastbarer Daten hinsichtlich der Projektrisiken bzw. Ausfallwahrscheinlichkeiten von OWP-Projekten stellt die Studie zunächst mögliche Auswirkungen von Projektrisiken anhand der Entwicklung der Offshore-Windenergie in anderen Ländern wie Großbritannien und Dänemark sowie anhand weiterer Beispiele aus dem Energie- und Infrastrukturbereich dar. Einzelbetrachtungen konkreter Projekte wurden nicht vorgenommen.

Auf Grundlage dieser Erkenntnisse und einer subjektiven Einschätzung zu den Realisierungswahrscheinlichkeiten von OWP-Projekten anhand vorab festgelegter Kriterien leitet die Studie einen Korridor der wahrscheinlich installierten Leistung bei Einführung eines festen Deckels von 6,5 GW ab. Die Bandbreite unserer Abschätzung diente anschließend als Ausgangspunkt weitergehender Empfehlungen zur Ausgestaltung einer sachgerechten Mengensteuerung, welche die zuvor ermittelten Projektrisiken im Bereich der Offshore-Windenergie angemessen berücksichtigt. Hierfür wurden u.a. auch Erfahrungen mit Mengensteuerungsverfahren in anderen Bereichen bzw. Ländern dargestellt und hieraus Überlegungen zu Nachsteuerungsmöglichkeiten sowie zu den finanziellen Auswirkungen eines Über- bzw. Unterschreitens der geplanten Leistung auf die EEG-Umlage abgeleitet.

Die Studie wurde durch PwC-Experten aus den Bereichen elektrische Netze und erneuerbare Energien in enger Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Peter Vossiek (Hochschule Osnabrück, Fachgebiet elektrische Energiesysteme) zehn Tage vor den abschließenden Bund-Länder-Verhandlungen zur EEG-Novelle fertiggestellt. Das Ergebnis der Bund-Länder-Verhandlungen vom 02.04.2014, die Zuweisung von überschießender Netzanbindungskapazität in Höhe von 1,2 GW über die Zielmarke von 6,5 GW hinaus, bestätigte die wesentlichen Ergebnisse der Studie.

Ihr PwC-Ansprechpartner zu diesem Beitrag ist Sebastian Knappe.

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