Am Anfang war das Wort – Nachlese

Mein Fazit zum DGI-forum Wittenberg: „Am Anfang war das Wort – wer aber hat heute das Sagen?“

 

Letzte Woche habe ich unter dem Titel „Am Anfang war das Wort“ auf das DGI-Forum Wittenberg 2017 hingewiesen, an dem ich als PwC-Vertreterin für den Wissenstransfer bei Assurance teilgenommen habe und bei dem das Thema Digitalisierung natürlich zentral war.

Die Aufbereitung der Tagung mit dem Untertitel „Sprache, Wahrheit und Datensouveränität in modernen Kommunikationswelten“ inklusive Bereitstellung der aufgezeichneten Vorträge, Zusammenfassung der Diskussionen und Ausblick wird seitens der Veranstalter folgen. Zwischenzeitlich möchte ich für mich persönlich, bzw. für unsere tägliche Arbeit im Knowledge Transfer Team einer großen WP-Gesellschaft wie PwC einige Überlegungen notieren, die ich aus dem Forum mitgenommen habe.

Das ist im Kontext von PwCPlus eine praktische Nachlese in eigener Sache, denn auch unsere Recherche-Applikation, die mit nun bald 20 Jahren auf eine für Online-Produkte beachtliche Lebensspanne zurückblickt, muss sich besonders angesichts neuer digitaler Trends immer wieder nach ihrem Nutzen und Mehrwert fragen.

Knowledge Management (KM), so kursierte es auch auf der Tagung, ist kein anzuwendender Begriff mehr für das Organisieren, Strukturieren und zielgruppenspezifische Aufbereiten von (Fach)Wissen. Beinah würde man, wenn es denn ein deutscher Begriff wäre, mit dem Linguisten Professor Horst-Dieter Schlosser, bei dem ich studiert habe, von einem „Unwort“ sprechen können. Denn der KM-Hype Anfang des Jahrtausends hat viel Geld und Ressourcen gekostet und wenig gebracht. 

Wenig?

Knowledge Sharing wird heute überall und von allen betrieben; der BWLer kennt sich damit ebenso aus wie die Personalerin oder die IT-Fachleute.

Das ist aber auch die Crux damit: Wenn alle davon sprechen, haben diejenigen, die es in die Welt setzten, die Wissensfachleute, nicht mehr allein das Sagen. Oder eben gar nicht mehr, wenn sie sich in die Schmollecke zurückziehen und die anderen schon sehen lassen, was sie davon haben werden…

 

Mein persönliches Fazit:

Die Frage des Forums, wer heute das Sagen hat, muss beantwortet werden mit „wer die Ansage macht“: Wie man seinerzeit Luther zuhörte, weil er sprach, druckte, schrie und fuchtelte, so hört man heute anderen „Aufregern“ zu, weil eben die „Aufregung“ das Schönste dabei ist. Stellt sich ein Nutzen heraus (bei Luther war es neben machtpolitischen Erwägungen der Herrschenden entschieden der akute Reformbedarf der Kirche), wird es der Aufreger weit bringen.

Erweist sich das Ganze als Schall und Rauch, wendet man sich neuen Schaumblasen zu.

Was heißt das für die Information Professionals?

  • Mehr sagen.
  • Mehr Nutzenargumentation.
  • Mehr Öffentlichkeitsarbeit.
  • Mehr kämpfen für die gute Sache, denn in Zeiten von Fake News, Opinion Spam, Filterblasen, intransparenten Algorithmen und Sprachrobotern ist es wichtiger denn je, dass Informationskompetenz und Medienmündigkeit gepflegt werden.

 

Was heißt das für PwCPlus und den Knowledge Transfer?

  • Damit dem digitalen Hype keine Enttäuschungen folgen, zählt Datenqualität, oder Datenhygiene, wie ich es lieber nenne, heute umso mehr.
  • Insofern sind aktuelle digitale Entwicklungen von uns zunächst wertfrei auf ihren Nutzen zu prüfen. Techniken wie Textmining oder der Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Unterstützung von Suchanfragen können die Qualität von Recherche-Systemen maßgeblich erhöhen und die Ausgabezeiten minimieren. Sie können ebenso Mitarbeitern/innen lästige Arbeiten wie das Verschlagworten oder Kategorisieren abnehmen, und sie finden vermutlich sogar Treffer, auf die ein Mensch nicht gestoßen wäre.
  • Auch wir werden deshalb unser PwCPlus mittels Textmining fit für die Zukunft machen und versprechen uns davon eine weiter wachsende Nutzungszufriedenheit und eine Qualitätsverbesserung auch auf Seiten der redaktionellen Arbeit.
  • Was wir aber nicht tun sollten, ist, im digitalen Rausch uns blauäugig auf die technischen Innovationen zu verlassen, die nun alles richten werden. Prüfung, nötigenfalls Justierung, Ergänzung, Prozessverständnis (!), laufende Kosten-Nutzen-Analyse und die Priorität der Datenhygiene müssen weiterhin unsere Kernthemen bleiben.

Insofern bin ich dann im Kleinen wieder bei unserem CDO Harald Kayser und seinem Plädoyer für Verantwortungsübernahme in Sachen Digitalisierung.

Für die  Information Professionals und die Frage nach denjenigen, die das Sagen haben werden in den neuen Kommunikationswelten, gilt damit meines Erachtens:

Sagt an, dann werdet Ihr gehört werden – und nehmt Euch ein Beispiel an Martin Luther!  

 

Übrigens: Unsere Erfahrungen mit Textmining bei PwCPlus werde ich voraussichtlich nächstes Jahr gern an dieser Stelle teilen und freue mich dann auch über Nutzer/innen-Feedback.

 

 

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