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Sustainable Finance 1/2020: Vorhang auf!

Sustainable Finance Serie 1/2020

Vorhang auf f├╝r die Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen im Finanzdienstleistungssektor (SFDR)

Verfasser: Martina Rangol, Miroslav Duric, Laura Weinhardt (alle PwC GmbH WPG)

Die europ├Ąische Verordnung (EU) 2019/2088 ├╝ber nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor, die sog. Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR), wurde am 9. Dezember 2019 im Amtsblatt der EU ver├Âffentlicht. Sie setzt den ersten Meilenstein des europ├Ąischen Aktionsplans zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums (Sustainable Finance) in unmittelbar geltendes Aufsichtsrecht um.

Die SFDR erg├Ąnzt das Kernst├╝ck des EU Aktionsplans Sustainable Finance: die zuk├╝nftige Verordnung ├╝ber die Einrichtung eines Rahmens zur Erleichterung nachhaltiger Investitionen, die sog. EU Taxonomie. Deren Verabschiedung wird nach der politischen Einigung im Dezember f├╝r das erste Quartal 2020 erwartet.

Die dritte Verordnung im Bunde ist die Verordnung (EU) 2019/2089 zur ├änderung der EU Benchmark VO. Sie f├╝hrt einheitliche Parameter f├╝r zwei CO2 Indices sowie nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten f├╝r andere Indices (ausgenommen Zins- und W├Ąhrungsindices) ein.

Anwendungsbereich

Betroffen von den Anforderungen der SFDR sind Finanzmarktteilnehmer und Finanzberater, beides Begriffe die durch die SFDR neu in das Aufsichtsrecht eingef├╝hrt werden.

Als Finanzmarktteilnehmer werden u.a. Wertpapierfirmen und Kreditinstitute, die die Finanzportfolioverwaltung betreiben, AIF- und OGAW Verwaltungsgesellschaften (einschlie├člich Verwalter von EuVecas, EuSEFs, und ELTIFs), aber auch Versicherungsunternehmen, die Versicherungsanlageprodukte (IBIP), z.B. in Form fondsgebundener Lebensversicherungen, anbieten, klassifiziert.

Zum Kreis der Finanzberater z├Ąhlen u.a. Wertpapierfirmen und Kreditinstitute, AIF- und OGAW-Verwaltungsgesellschaften sowie Versicherungsunternehmen und Versicherungsvermittler, die die Anlageberatung in Bezug auf Finanzinstrumente im Sinne der MiFID II oder Versicherungsberatung in Bezug auf Versicherungsanlageprodukte betreiben. Sonderregelungen gelten f├╝r Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbaVs).

Art, Umfang und Form der Offenlegung nachhaltigkeitsbezogener Informationen

Welche Sorgfaltspflichten die Unternehmen des Finanzdienstleistungssektor zuk├╝nftig nach der SFDR erf├╝llen m├╝ssen und welche nachhaltigkeitsbezogenen Informationen ein Unternehmen in welcher Form offenlegen muss, bestimmt sich nach seiner Rolle als Finanzmarktteilnehmer oder Finanzberater. Ist ein Unternehmen sowohl als Finanzmarktteilnehmer als auch als Finanzberater t├Ątig, sind jeweils die f├╝r die betreffende T├Ątigkeit geltenden Anforderungen der SFDR ma├čgeblich.

Finanzberater mit weniger als drei Besch├Ąftigten sind von den Anforderungen der SFDR befreit.

Ber├╝cksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken und Nachhaltigkeitsfaktoren

Als Mindeststandard fordert die SFDR sowohl von Finanzmarktteilnehmern als auch Finanzberatern die Offenlegung von Informationen zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken bei Anlageentscheidungen sowie im Rahmen der Anlage- und Versicherungsberatung sowohl auf Unternehmens- als auch Produktebene, und zwar unabh├Ąngig davon, ob mit einer Anlage Nachhaltigkeitsziele verfolgt werden oder nicht.

„Nachhaltigkeitsrisiko“ im Sinne der SFDR ist ein Ereignis oder eine Bedingung in den Bereichen Umwelt, Soziales oder Unternehmensf├╝hrung, dessen beziehungsweise deren Eintreten tats├Ąchlich oder potenziell wesentliche negative Auswirkungen auf den Wert der Investition haben k├Ânnte. Das BaFin ÔÇ×Merkblatt zum Umgang mit NachhaltigkeitsrisikenÔÇť vom 20. Dezember 2019 mit dem Schwerpunkt Risikomanagement gibt eine sektor├╝bergreifende Orientierungshilfe und f├╝hrt zur Illustrierung zahlreiche Beispiele und m├Âgliche Fragen an.

Ferner m├╝ssen Nachhaltigkeitsfaktoren zuk├╝nftig im Rahmen der Verg├╝tungspolitik ber├╝cksichtigt werden und entsprechend den sektorspezifischen Vorschriften ver├Âffentlicht werden. Als „Nachhaltigkeitsfaktoren“ definiert die SFDR Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, die Achtung der Menschenrechte und die Bek├Ąmpfung von Korruption und Bestechung.

Beide Mindestanforderungen der SFDR sind sowohl von Finanzmarktteilnehmern als auch Finanzberatern ab 10. M├Ąrz 2021 zu erf├╝llen.

Zus├Ątzliche Offenlegungsanforderungen, z.B. f├╝r die Investitionen zur F├Ârderung ├Âkologischer oder sozialer Merkmale oder nachhaltige Investitionen, sind zum Teil erst zu einem sp├Ąteren Zeitpunkt zu erf├╝llen:

 

 

Quelle: PwC GmbH WPG

Hohe Anforderungen an nachhaltige Investitionen

Die h├Âchsten Anforderungen werden an Finanzmarktteilnehmer gestellt, die Finanzprodukte anbieten, mit deren Investitionen ein nachhaltiges Anlageziel aus den Bereichen Umwelt oder Soziales verfolgt werden soll (sog. nachhaltige Investition).┬á F├╝r nachhaltige Investitionen sind zuk├╝nftig detaillierte Angaben zu den nachhaltigkeitsbezogenen Zielen inkl. ggf. verwendeter Benchmarks in die Vertragswerke aufnehmen, z.B. Fondsprospekte oder KIDs. Ferner ist in den periodischen Berichten (z.B. Jahresbericht eines Sonderverm├Âgens) ├╝ber die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele Rechenschaft abzulegen.

Abgrenzung zur nicht-finanziellen Berichterstattung oder nicht-finanziellen Erkl├Ąrung

F├╝r kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften, Kreditinstitute oder Versicherungen mit mehr als 500 Mitarbeitern im Jahresdurchschnitt treten die nachhaltigkeitsbezogenen Pflichten nach der SFDR neben die Pflicht zur nicht-finanziellen Berichterstattung oder nicht-finanziellen Erkl├Ąrung nach der Konzernbilanzrichtlinie. Mit einer im Januar 2020 ver├Âffentlichten Roadmap zur NFRD –┬á Richtlinie 2014/95 EU ÔÇô Non-financial reporting Directive – NFRD) hat die Kommission den stakeholder Dialog f├╝r ihre ├ťberarbeitung er├Âffnet, dicht gefolgt von einer ├Âffentlichen Konsultation mit einem detaillierten Fragebogen zu m├Âglichen ├änderungen der NFRD.

Ausblick

Welche Merkmale sog. nachhaltige Investitionen im Sinne der SFDR auf Basis der zuk├╝nftigen EU Taxonomie im Einzelnen erf├╝llen m├╝ssen oder welche Schl├╝sselindikatoren (KPI) zur Evaluierung des Erreichung des Anlageziels zuk├╝nftig eingesetzt werden, wird erst mit der Formulierung der zuk├╝nftigen Regulierungsstandards (RTS) zur EU Taxonomie, zun├Ąchst mit dem Fokus auf Bek├Ąmpfung des Klimawandels sowie Anpassung an den Klimawandel, endg├╝ltig feststehen. Deren Verabschiedung ist bis zum 31. Dezember 2020 vorgesehen mit dem Ziel der Anwendung ab dem 31. Dezember 2021.

Parallel zu den Arbeiten an der EU Taxonomie d├╝rfen Finanzmarktteilnehmer und Finanzberater die geplanten ├änderungen der MiFID II Delegierten VO (Verordnung (EU) 2017/565), der IDD (Richtlinie (EU) 2016/97) sowie der Level II Ma├čnahmen zu AIF(M)D (Verordnung (EU) 231/2013) und OGAW (Richtlinie (EU) 2017/43) nicht aus den Augen verlieren. Die entsprechenden Entw├╝rfe der Kommission werden ebenfalls f├╝r Q1/2020 erwartet. Ferner laufen die Arbeiten f├╝r einen EU Ecolabel Standard nach der EU EcoLabel Verordnung (Verordnung EU Nr. 66/2010) f├╝r ÔÇ×gr├╝neÔÇť Publikumsfonds, zun├Ąchst beschr├Ąnkt auf Aktien- und Rentenfonds (auch als Mischfonds oder ETF) auf Hochtouren.

Sie haben Fragen zu dem EU Aktionsplan Sustainable Finance oder den Anforderungen der SFDR im Detail?

Gerne unterstützen wir Sie bei der weiteren Aufarbeitung und der Analyse der Auswirkungen für Ihr Unternehmen. Sprechen Sie uns einfach an.

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