Kleinanlegerschutzgesetz in Kraft

Am 9. Juli 2015 ist das Kleinanlegerschutzgesetz verkündet worden, in weiten Teilen ist es zum 10. Juli 2015 in Kraft getreten.

Intention des Gesetzgebers für dieses Artikelgesetz war, den „Grauen Kapitalmarkt“ einer weiterreichenden Regulierung zu unterwerfen und so private Kleinanleger vor Verlusten im Zusammenhang mit oft hochspekulativen Kapitalanlagen am „Grauen Kapitalmarkt“ zu schützen.

Dies soll auf zweierlei Weise erreicht werden:

Zum einen wurden die aufsichtsrechtlichen Befugnisse der BaFin im Zusammenhang mit dem „Grauen Kapitalmarkt“ stark ausgeweitet und Regelungen konkretisiert.

  • Der neu eingefügte § 4b WpHG räumt der BaFin die Möglichkeit zum Verbot der Vermarktung, des Vertriebs oder des Verkaufs bestimmter Finanzinstrumente oder strukturierten Einlagen ein. Dieses Verbot kann auch an bestimmte Merkmale geknüpft werden. Weiterhin können den nach dem WpHG verpflichteten Unternehmen bestimmte Formen der Finanztätigkeit oder Finanzpraxis untersagt werden.
    Diese Regelung zielt auf eine Regulierung der Akteure des „Grauen Kapitalmarktes“ ab, erfasst sind insbesondere auch Crowdfunding und –investing – Akteure.
  • Ferner wurde die Regelung über Verbotene Werbung in § 36b WpHG um einen Katalog von Fällen, in denen regelmäßig verbotene Werbung vorliegt, ergänzt.
    Auch hier liegt der Fokus auf dem Anlegerschutz. Werbung ist primär dann als verboten anzusehen, wenn sie den Verbraucher irreführen kann.

Zum anderen wurde mit § 31 Abs. 5a WpHG eine weitreichende Neuregelung im Hinblick auf die Vermittlung von Vermögensanlagen i.S.d. § 2a VermAnlG getroffen.

  • Beabsichtigt eine natürliche Person den Erwerb von Vermögensanlagen i.S.d. § 2a VermAnlG eines Emittenten mit einem Volumen von mehr als 1.000 €, so ist eine Vermögensauskunft bzw. ein Einkommensnachweis vom Kunden einzuholen. Verfügt der Kunde über ein frei verfügbares Vermögen von mindestens 100.000 €, kann er Vermögensanlagen desselben Emittenten bis zu einem Wert von 10.000 € erwerben.
    Ansonsten kann der Kunde Vermögensanlagen desselben Emittenten im Wert seines zweifachen Monatseinkommens erwerben, auch hier liegt der Höchstbetrag bei 10.000 €.
  • Ist der Kunde eine Kapitalgesellschaft, ist in jedem Fall eine Vermögenauskunft oder ein Einkommensnachweis einzuholen, auch wenn die Investitionssumme bei einem Emittenten 1.000 € nicht übersteigt.

Daneben enthält das Kleinanlegerschutzgesetz weitere Vorgaben, die aus MiFID II resultieren und erst zum 3. Januar 2017 in Kraft treten:

  • Entsprechend dem neu eingefügten§ 33 Abs. 3b WpHG ist ein Wertpapierdienstleistungsunternehmen, das Finanzinstrumente zum Vertrieb konzipiert, verpflichtet, ein qualitätssicherndes Produktfreigabeverfahren zu installieren, das insbesondere auch gewährleistet, dass für die entwickelten Finanzinstrumente ein Zielmarkt definiert wird. Die beabsichtigte Vertriebsstrategie muss dem Zielmarkt entsprechen.
  • Aus dem neu eingefügten § 33 Abs. 3c WpHG ergibt sich die Pflicht, das Finanzinstrument regelmäßig daraufhin zu überprüfen, ob es noch den Anforderungen des Zielmarktes, für den es konzipiert wurde, entspricht.
  • 33 Abs. 3d WpHG verpflichtet den Emittenten eines Finanzinstrumentes, den Wertpapierdienstleistungsunternehmen, die dessen Finanzinstrumente vertreiben, alle Informationen, die für die Beurteilung der Angemessenheit und Geeignetheit des Finanzinstruments erforderlich sind, zur Verfügung zu stellen. Hierfür sind insbesondere auch die Unterlagen bereitzustellen, aus denen sich der ordnungsgemäße Ablauf des Produktfreigabeverfahrens und die sachgemäße Bestimmung des Zielmarkts ergeben. Das beratende Wertpapierdienstleistungsunternehmen hat einen Prozess zu etablieren, um den Erhalt dieser Unterlagen sicherzustellen. Es muss insbesondere die Beurteilung des Zielmarktes nachvollziehen und verstehen können.

Intention des Gesetzgebers war auch hier, die Verbraucher künftig besser zu schützen.

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