Insurance Blog

BaFin-Konferenz „Nachhaltige Finanzwirtschaft“

Am 9. Mai 2019 kamen rund 350 Teilnehmer im Berliner Umweltforum zusammen, um im Rahmen der BaFin-Konferenz „Nachhaltige Finanzwirtschaft“ einen Überblick der Nachhaltigkeitsperspektiven des Finanzsektors zu erhalten.

Nachdem die BaFin im März 2018 Nachhaltigkeit zum strategisch wichtigen Thema erklärte, erscheint die erste Nachhaltigkeitskonferenz der Institution als konsequenter Schritt. So macht Felix Hufeld, Präsident der BaFin, gleich zu Beginn der Veranstaltung deutlich, dass es bei der Schaffung dieses Formats nicht darum gehe „im Trend zu liegen“, sondern die Debatte über Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft eine Notwendigkeit sei. Damit bestimmt sich auch das ausgeschriebene Ziel der Konferenz einer Schärfung des Bewusstseins von Finanzmarktakteuren für Nachhaltigkeitschancen und -risiken.

EIOPA-Bericht zu „Big Data Analytics in Motor and Health Insurance”

Am 08. Mai 2019 veröffentlichte EIOPA einen Bericht mit dem Titel “Big Data Analytics in Motor and Health Insurance“. Der Bericht basiert auf einer Befragung von Versicherungsunternehmen und -vermittlern der Sparten Kraftfahrzeug- und Krankenversicherung zum bisherigen und geplanten Einsatz von Big Data Analytics (BDA) sowie den daraus resultierenden Chancen und Risiken.

Die Verwendung datengetriebener Geschäftsmodelle in der gesamten Wertschöpfungskette nimmt stark zu. Traditionell verfügbare Daten werden zunehmend mit Daten aus neuen Quellen (bspw. Internet der Dinge und Telematik) ergänzt. Als wesentliche Chancen identifiziert EIOPA die Möglichkeit genauerer Risikobewertungen sowie mögliche Effizienzsteigerungen, insbesondere durch automatisierte Entscheidungsfindung und daraus resultierende geringere Kosten. Zudem eröffnen sich die Möglichkeiten neuer nutzungsbezogener Versicherungsprodukte wie z. B. Pay-As-You-Drive-Versicherungen.

Zentrale Herausforderung ist nach wie vor die Datenverfügbarkeit und -Qualität. Verzerrungen in den Datensätzen übertragen sich bei fehlender Bereinigung auf die Ergebnisse der BDA-Algorithmen. Darüber hinaus sind Erklärbarkeit, Transparenz, Prüfbarkeit sowie ethische Aspekte in der Anwendung zu berücksichtigen. Beispielsweise sind nicht gesetzeskonforme Benachteiligungen (z. B. aufgrund des Geschlechts) auszuschließen.

Derzeit werden BDA-Tools wie Künstliche Intelligenz oder Maschinelles Lernen von etwa 31 % der befragten Unternehmen verwendet, weitere 24 % der Unternehmen planen den Einsatz. Aktuell finden sich Anwendungsfälle insbesondere im Pricing, im Underwriting, in der Schadenregulierung sowie im Vertrieb.

Für Fragen stehen Ihnen unsere aktuariellen Data Analytics-Experten Dr. Clemens Frey und David Richter jederzeit zur Verfügung.

EIOPA Risk Dashboard – Viertes Quartal 2018

EIOPA hat am 11. April 2019 das Risk Dashboard für das vierte Quartal 2018 veröffentlicht (siehe hierzu auch die Blog-Beiträge vom 26. Juli 2018, 31. Oktober 2018 sowie dem 05. Februar 2019). Die wesentlichen Erkenntnisse hierbei sind:

  • Das Risikoexposure der Europäischen Versicherungsbranche verbleibt im vierten Quartal 2018 überwiegend stabil.
  • Die makroökonomischen Risiken befinden sich weiterhin auf mittlerem Niveau. Niedrige Swap-Rates und eine aktuelle Abwärtskorrektur des BIP-Wachstums sowie der Inflationsprognose geben weiterhin Anlass zur Sorge.
  • Die Kredit- und Marktrisiken bleiben inmitten von leicht gesunkenen Bond-Spreads, stabilen Portfolio-Exposures und weitestgehend unveränderter Volatilität beim Anleihenmarkt auf mittlerem Niveau.
  • Das Profitabilität- und Solvabilität-Risiko verbleibt durch die im Vergleich zur zweiten Jahreshälfte 2018 bzw. zum Jahresende 2017 unveränderten Profitabilitätsindikatoren stabil. SCR Mittelwerte sind sowohl für Versicherungsgruppen als auch für Unternehmen (Leben und Schaden / Unfall) weit über 100%.
  • Die Versicherungstechnischen Risiken verbleiben aufgrund der anhaltenden Auswirkungen von Naturkatastrophen (aus Q3 2018) auf die Schadenquoten der (Rück-) Versicherer auf mittlerem Niveau.
  • Die Einschätzungen im Markt bleiben stabil auf mittlerem Niveau bei einer geringen Outperformance der Versicherungsaktien gegenüber dem Markt. Die CDS-Spreads stiegen bei unveränderten externen Ratings leicht an.

Aufruf des NGFS zur umweltfreundlicheren Gestaltung der Finanzmärkte

Am 17. April 2019 hat die Gruppe von Zentralbanken und Aufsichtsbehörden im Network for Greening the Financial System (NFGS) ihren ersten Bericht mit dem Titel „A call for action – Climate change as a source of financial risk“ veröffentlicht.

In dem Bericht wird dargestellt, wie sich Klima- und Umweltrisiken auf die Finanzmärkte auswirken. Es werden sechs Empfehlungen ausgesprochen, mit denen die Finanzbranche dazu beitragen kann, die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen. Dabei richten sich die ersten vier Empfehlungen an die Teilnehmer des Finanzmarktes und die letzten zwei an die Gesetzgeber:

EU veröffentlicht Ethikrichtlinien zur Entwicklung von künstlicher Intelligenz

Die EU hat am 8. April 2019 Leitlinien zur ethischen Anwendung künstlicher Intelligenz (KI) veröffentlicht.

Die Leitlinien basieren auf einem bereits im Dezember 2018 publizierten Entwurf, der im Rahmen einer offenen Konsultation sehr rege diskutiert wurde. Die Leitlinien sind nicht rechtsverbindlich, könnten aber die zukünftig auszuarbeitenden Rechtsvorschriften der EU beeinflussen. Daher sind vor allem Unternehmen und die Regierungen davon betroffen. Diese Entwicklung ist auch für die europäische Versicherungsaufsicht von Bedeutung und könnte weitere Veröffentlichungen der EIOPA im Hinblick auf die Nutzung von künstlicher Intelligenz im Versicherungsgeschäft (siehe auch Blogbeitrag vom 25. April 2019) beschleunigen.

EIOPA konsultiert Änderungen an ITS zur Berichterstattung und Offenlegung

EIOPA hat am 2. April 2019 eine Konsultation zur Änderung der Durchführungsverordnung für Berichterstattung und Offenlegung gestartet. Kommentare können bis 14. Mai 2019 über folgendes Template eingereicht werden.

Die vorgeschlagenen Änderungen beschränken sich auf geringfügige Anpassungserfordernisse und spiegeln keine umfangreiche Anpassung der Anforderungen an Berichterstattung und Offenlegung wider.

EIOPA Diskussionspapier zu „Systemrisiko und makroprudentielle Versicherungspolitik“

EIOPA hat am 29. März 2019 ein Diskussionspapier zum Thema „Systemrisiko und makroprudentielle Versicherungspolitik“ veröffentlicht. Dieses Papier basiert auf drei Diskussionspapieren (Systemic risk and macroprudential policy in insurance„, „Solvency II tools with macroprudential impact„, und „Other potential macroprudential tools and measures to enhance the current framework„), die bereits 2018 veröffentlicht wurden und sich mit Systemrisiken in der Versicherungsbranche auseinandersetzen.

EIOPA analysiert Ansätze für die Lizenzierung von InsurTechs

Am 27. März 2019 veröffentlichte EIOPA ihren Bericht über Best Practice-Ansätze für die Lizenzierung von InsurTechs. Im Zusammenhang mit dem „FinTech Action Plan“ der Europäischen Kommission, enthält der Bericht eine Analyse der gegenwärtigen Genehmigungs- und Lizenzierungsansätze für Finanzinnovationen sowie der praktischen Umsetzung des Proportionalitätsprinzips. Der Bericht analysiert zudem InsurTech Start-Ups, welche als Peer-to-Peer-Versicherer (P2P) am Markt agieren.

Proportionalität in der Versicherungsaufsicht (Solvency II und EbaV II)

Wenngleich sich auch weiterhin regelbasierte Vorschriften im Solvency II und EbAV II-Regelwerk finden, so hat die prinzipienbasierte Regulierung deutlich an Bedeutung gewonnen und damit auch das Proportionalitätsprinzip als allgemeiner Grundsatz für die Versicherungsaufsicht Eingang gefunden. Dies führt zu einem Mehr an Gestaltungsspielraum im Rahmen der Umsetzung aufsichtsrechtlicher Vorschriften, so dass unter Beachtung des jeweils vorliegenden Risikoprofils des betroffenen Unternehmens der Aufwand für die Umsetzung angemessen reduziert werden – auch wenn die Anforderungen nicht gänzlich eliminiert werden können. Somit stellt das Proportionalitätsprinzip einerseits eine Möglichkeit für neue Gestaltungsspielräume dar, führt andererseits zum Teil auch zu Unsicherheit und anfänglichem Mehraufwand. Insbesondere für kleinere und mittelgroße betroffene Unternehmen stellt die Umstellung von der regelbasierten auf den prinzipienorientierten Ansatz eine Herausforderung dar.

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