BaFin-Auslegungsentscheidung zur Finanzrückversicherung im Bezug auf traditionelle Rückversicherungen im Bereich Nichtleben

Am 18. Juli 2019 hat die BaFin eine Auslegungsentscheidung zur Finanzrückversicherung im Bezug auf traditionelle Rückversicherungen im Bereich Nichtleben veröffentlicht: https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Auslegungsentscheidung/VA/ae_150719_finanzrueckversicherung_va.html.

Die Auslegungsentscheidung richtet sich an alle Versicherungsunternehmen mit Sitz im Inland und Niederlassungen von Versicherungsunternehmen eines Drittstaates, die das Nichtlebensversicherungsgeschäft betreiben.

Die Auslegungsentscheidung gibt Hinweise zur auf den Risikotransfer bezogenen Abgrenzung der Finanzrückversicherung (definiert in § 167 Abs. 1 Satz 1 VAG) von der traditionellen Rückversicherung.

Die Notwendigkeit einer solchen Abgrenzung im Bereich der Nichtlebensversicherung ergibt sich aus Art. 208 Abs. 2 Satz 2 Delegierte Verordnung (EU) 2015/35, da gemäß Art. 208 Finanzrückversicherungsgeschäfte oder ähnliche Vereinbarungen, bei denen die wirksame Risikoübertragung jener eines Finanzrückversicherungsgeschäfts ähnelt, nicht für die Zwecke der Ermittlung der Volumenmaße für das Prämien- und Rückstellungsrisiko oder für die Zwecke der Berechnung der entsprechenden unternehmensspezifischen Parameter berücksichtigt werden.

Die Bundesanstalt geht im Bereich der Nichtlebensversicherung jedenfalls von einer traditionellen Rückversicherung aus, wenn der absolute Betrag des erwarteten Verlustes des Rückversicherers (definiert in §2 Abs. 1 Nr. 2 FinRVV) 2,5 % oder mehr des erwarteten Beitrags beträgt.

§ 4 Abs. 2 Satz 2 FinRVV, welcher einen hinreichenden Risikotransfer als einen erwarteten Verlust des Rückversicherers von mindestens 1 % definiert, findet weiter Anwendung.

Falls im Bereich der Nichtlebensversicherung der erwartete Verlust des Rückversicherers >= 1 % und < 2,5 % ist, liegt somit, bei Erfüllung des §167 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 oder Nr. 2 VAG, gemeinhin eine Finanzrückversicherung vor.

Unabhängig vom erwarteten Verlust des Rückversicherers ist im Regelfall eine traditionelle Rückversicherung dann anzunehmen, wenn der rückversicherte Anteil den Originalbedingungen des Erstversicherers folgt oder diese Originalbedingungen zu Ungunsten des Rückversicherers verändert werden und die Originalbedingungen zum anderen einen versicherungstechnischen Risikotransfer beinhalten (s. BaFin-Auslegungsentscheidung).

Somit kann abschließend geschlossen werden, dass eine Rückversicherungsentlastung aus Finanzrückversicherungsgeschäften oder ähnlichen Vereinbarungen, bei denen die wirksame Risikoübertragung jener eines Finanzrückversicherungsgeschäfts ähnelt, nicht risikomindernd für das SCR und für die Zwecke der Berechnung der unternehmensspezifischen Parameter berücksichtigt werden darf.

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

/* */