Die Corona-Krise als Katalysator für eine höhere Adäquanz in der aktuariellen Planung

Das Corona-Virus bestimmt noch immer die Schlagzeilen – und zumindest in naher Zukunft werden auch die Folgen der Krise die Schlagzeilen bestimmen. Neben den makroökonomischen Auswirkungen sind Versicherungsunternehmen im Kompositgeschäft durch Veränderungen in der Struktur der Schadenaufwendungen und Folgewirkungen in der Prämienentwicklung betroffen. Häufig stellt sich dabei die Frage wie mit der Krise umzugehen ist. Doch um diese Frage beantworten zu können, muss quantifiziert werden, wie groß die Auswirkung auf den Versicherungsbestand ist.

Die aktuarielle Planung im Fokus in der Krise

Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf Versicherungsbestände sind vielfältig, neben Auswirkungen auf der Schadenseite insbesondere durch Veränderungen der Schadenfrequenzen, bspw. durch weniger gefahrene Kilometer mit dem Auto oder einer höheren Präsenz in der eigenen Wohnung oder in der Schadenhöhe bspw. durch gestiegene Reparaturkosten durch Hygienemaßnahmen als auch auf der Prämienseite durch Veränderungen des Versicherungsnehmerverhaltens (Storno, geringere Nachfrage durch Rückgang von Investitionen). Darüber hinaus stellen sich Fragestellungen nach der mittelfristigen Auswirkung von Beitragsanpassungen, einer Veränderung der Abwicklungsgeschwindigkeit oder der Veränderung der Aufwendungen zur Schadenregulierung. 

Um die Auswirkung auch hinreichend präzise sowohl in der Kurzfrist- als auch in der Langfristplanung adäquat quantifizieren zu können, bedarf es entsprechender Modelle. Der Aufsatz solcher Modelle kann dabei sehr vielfältig sein, bspw. durch die Wahl von einem deterministischen oder einem stochastischen Modell. 

Darüber hinaus muss sich im Detail überlegt werden wie die einzelnen Bestandteile unter Einbezug von angemessenen Annahmen projektiert werden können. Insbesondere bei der Projektion von Beiträgen wird hier schon häufig auf die Einschätzungen vom Vertrieb zurückgegriffen. Aber auch in anderen Bereichen kann durch den Einbezug von Fachexperten bspw. aus dem Aktuariat die Genauigkeit der Vorhersage von Schäden durch entsprechende Verteilungsannahmen und der laufenden Aktualisierung von Parametern der Verteilungen die Planungsrechnung geschärft werden.

Gerade die vollständige Abbildung der Versicherungstechnik inkl. der Berücksichtigung von Entlastungen aus der Rückversicherung und adäquate Vorhersage der Entwicklung der Schwankungsrückstellung bringt Herausforderungen mit sich.

Auch der Einsatz von modernen, innovativen Methoden und Tools bspw. im Data Analytics Bereich kann im Rahmen der Planungsrechnung zu Mehrwerten führen. So können bspw. Trends in den Schäden oder dem Versicherungsnehmerverhalten leichter identifiziert werden und somit adäquater in der Planungsrechnung abgebildet werden können. Sobald einmal die Grundlage geschaffen ist, stehen die Analysen auch viel schneller und ohne großen manuellen Aufwand zur Verfügung.

Integrität der Planungsrechnung im Gesamtkontext

Darüber hinaus darf aus Effizienzgründen die Planungsrechnung auch nicht losgelöst sein von anderen Prozessen im Versicherungsunternehmen. Gerade durch die Einführung von neuen Rechnungslegungsstandards, die Ausrichtung auf die neuen Standards und die Anforderungen daraus sollte in die bestehenden Prozesse integriert werden. Planungsrechnungen unter HGB und für Solvency II bspw. durch die Aufstellung des ORSA sollten nicht losgelöst von einander erfolgen. Auch bei IFRS-Bilanzierern stellt sich insbesondere durch die Einführung von IFRS 17 im häufiger auch die Fragestellung, wie die prozessuale Aufstellung erfolgen sollte um in konsistenter, effektiver und integrierter Art und Weise Planungs- und Forecastrechnungen durchzuführen.

Betrachtung von Stressszenarien

Viele Versicherungsunternehmen traf die Corona-Krise unvorbereitet. Gerade aber die Stressszenarien, die im Rahmen der Aufstellung des Berichtes zur unternehmenseigenen Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung und der Ableitung von Maßnahmen auf Basis der Ergebnisse der Stressszenarien durchgelaufen wurden, hätte hier für eine bessere Vorbereitung sorgen können.

Nicht zu Unrecht bemängelt die BaFin in der aktuellen Veröffentlichung in der Ausgabe des BaFin-Journals vom Juli 2020 das hier Nachholbedarf zumindest bei einzelnen Versicherungsunternehmen besteht. Insbesondere im Hinblick auf die Auswahl von Stressszenarien und deren Komplexität gibt es auch aus unserer Sicht zum Teil erheblichen Verbesserungsbedarf. Auch sollten die Sensitivität von getroffenen Stressannahmen und Annahmen im Allgemeinen und bestehende Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Bestandteilen sowohl in der Planungsrechnung als auch in den Stressszenarien mehr Rechnung getragen werden.

Proportionalität

Bei sämtlichen oben genannten Aspekten gilt es aber immer auch zu beurteilen, welche Maßnahmen für das individuelle Versicherungsunternehmen unter Proportionalitätsaspekten angemessen sind. Eine allgemeine Best-Practice-Lösung gibt es nicht. Mit unseren Erfahrungen aus dem Alltag des Aktuars, unseren Tools aber auch umfassenden Einblicken in Lösungen im Markt unterstützen wir Sie gerne bei der Identifikation von Handlungsfeldern zur Verbesserung ihrer Planungsrechnung. Hierfür stehen Ihnen unsere Experten rund um Jan Gompers gerne für einen Austausch zur Verfügung.

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