„Individuell“ gewinnt in der Versicherungsbranche an Bedeutung

Individuelle Versicherungen, die auf persönliche Bedürfnisse angepasst sind und einen fairen individuellen Preis haben gewinnen an Bedeutung. Dabei liegt der Mehrwert sowohl beim Versicherungsnehmer, als auch bei den Versicherungen, wo neue Möglichkeiten und Potenziale entstehen.

Es gibt bereits Möglichkeiten Verträge um Zusatzleistungen zu ergänzen um diese besser auf eigene Ansprüche abzustimmen. Ein Angebot, welches Mehrwert schafft und von Kunden angenommen wird. Weniger entwickelt ist dagegen die individuelle Bepreisung der Verträge, nicht nur abhängig von der Leistung, sondern auch abhängig von dem Versicherungsnehmer, seinem Profil und seinem Verhalten. Durch eine individuelle Betrachtung der Kunden können Risiken besser kalkuliert und gesteuert werden. Daraus folgt eine bessere Bepreisung von Verträgen, die Vermeidung Adverser Selektion und letztendlich eine Verbesserung des Geschäftsmodells und der Rentabilität.

Das Problem sind die damit verbundenen Kosten sowie die Frage: Rechtfertigt und rechnet sich der Mehraufwand? Zum einen müssen Daten gesammelt werden und die Qualität der Daten sichergestellt sein und zum anderen müssen diese entsprechend ausgewertet werden. Punkte die bei den etablierten Versicherungen einen erheblichen Mehraufwand bedeuten. Besondere Herausforderungen beinhaltet dabei das Thema der strukturierten Aufbereitung von PDF und Bilddaten, d.h. Entnehmen von inhaltlichen Informationen in strukturierter Form und die Übertragung in eine vorbereitete Datenhaltung. Es ist aber möglich, die vielfältigen Herausforderungen rund um die Daten zu meistern. Einen Einblick in das bereits vorhandene und weiter zunehmende Potenzial solcher Ansätze, gewähren uns einige InsurTechs, die mit ihrem Geschäftsmodell und ihren Ansätzen neue Lösungen und Ideen in den Markt bringen.

Root Insurance ist eines dieser Beispiele welches Individualität in den Autoversicherungsmarkt bringt. Dabei werden 35% des Beitrags durch das Fahrverhalten beeinflusst. Dieses wird mithilfe der App, welche in einer mehrwöchigen Testfahrt das Verhalten analysiert, bestimmt und darauf basierend gepreist. Der Markt honoriert diesen Ansatz. Root schrieb in den ersten 6 Monaten 2019 $187 Mio. an Versicherungsprämien und erzielte in einer Finanzierungsrunde im September eine Bewertung von $3,65 Mrd.

Weitere Ansätze kommen, von der ebenfalls im Kfz-Bereich tätigen Versicherung, Friday. Die Autoversicherung bietet eine Versicherung pro gefahren Kilometer. Der Ansatz soll eine verbrauchsgerechte Zahlung ermöglichen und den Versicherungsnehmer maßgeblichen Einfluss an seinem Beitrag geben. Aber auch anderen Sparten finden neue Ansätze. Laka Insurance bietet beispielsweise die Möglichkeit Fahrräder zu versichern. Der Beitrag ist abhängig von den gemeldeten Schäden der einzelnen Gruppen, in denen homogene Profile gebündelt sind. Wenn es keine Schäden gibt ist der Beitrag der Gruppenmitglieder null und wenn Schäden entstehen wird der Betrag gerecht auf alle Gruppenmitglieder verteilt, abhängig von dem Wert ihres Versicherungsgegenstandes. Daraus entsteht eine Anreizwirkung und ein individueller Vertrag, mit direkter Einflussnahme.

Diese Beispiele zeigen, individuelle Bepreisung bedarf nicht immer hochkomplexen Modellen die Risiken einzelner Personen perfekt berechnen können. Oft reicht ein neuer Ansatz, eine neue Komponente oder die Bildung homogener Gruppen um Individualität in der Bepreisung zu erreichen. Vielseitige statistische Ansätze aus dem Bereich des Machine Learning sind dazu entwickelt und haben Ihren Proof of Concept auch bereits bei einzelnen Versicherungsunternehmen in unserem Land — und nicht nur in Fernost — erfolgreich absolviert und auch die datenschutzrechtlichen Herausforderungen erscheinen mittels intelligenter Vorgehenskonzepte zu Anonymisierung vertraulicher Daten händelbar. Für die Implementierung neuer Modelle und Ideen kann die Kooperation mit einen InsurTech helfen, aber auch Start-Ups aus anderen Branchen werden bei dem Thema Datenbeschaffung und -verarbeitung eine bestimmende Rolle einnehmen. Insgesamt ist zu unterstreichen: Daten, die Nutzung dieser Daten und Zugang bzw. Verfügbarkeit zu Plattformen wird zum Wettbewerbsfaktor für Versicherungen und es bedarf einer gezielten Strategie diesen auch zu nutzen.

Für Rückfragen stehen Ihnen Dr. Alexander Dotterweich (Partner, Leader Actuarial Services, mailto:alexander.dotterweich@pwc.com) und Judith Lechermann (Manager, Financial Services Deals, mailto:judith.z.lechermann@pwc.com) gerne zur Verfügung.

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