BaFin aktualisiert Hinweise zum Solvency II-Berichtswesen

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat am 4. Dezember 2019 mit den Hinweisen zum Solvency-II-Berichtswesen für Erst- und Rückversicherungsunternehmen sowie Versicherungsgruppen eine aktualisierte Fassung ihres Merkblatts vom 16. Oktober 2015 veröffentlicht.

Die Hinweise zum Solvency-II-Berichtswesen in der Fassung vom 4. Dezember 2019 sind erstmalig für das Jahresberichtswesen 2019 und für das vierteljährliche Berichtswesen ab dem 1. Quartal 2020 verbindlich zu beachten. Die BaFin weist daraufhin, dass inhaltliche Änderungen vor formalen Änderungen zu berücksichtigen sind.

Änderungen und Ergänzungen zur vorherigen Fassung vom 4. Februar 2019 (siehe Blogbeitrag vom 11. Februar 2019) sind neben redaktionellen Änderungen im Wesentlichen die Folgenden:

Änderungen der Hinweise zur quantitativen Berichterstattung

Änderungen der Hinweise zum quantitativen Berichtswesen beziehen sich hauptsächlich auf die Vorgabe von objektiven Produktcodes („PIDC“) für Lebens- und Krankenversicherer durch die BaFin (siehe Rn.60a). Diese Produktkennzeichnungen müssen in den Berichtsformularen für die Analyse der Lebensversicherungsverpflichtungen (S.14.01) grundsätzlich bereits für das Jahresberichtswesen 2019 verwendet werden. Es kann jedoch einmalig noch für 2019 die alte unternehmensindividuelle Methodik verwendet werden, falls die Umstellung in der kurzen Frist nicht mit vertretbarem Aufwand technisch möglich ist (siehe Rn.2).

Die BaFin will dadurch zukünftig eine deutlich effizientere Erhebung quantitativer Informationen zu den Produkten im deutschen Lebensversicherungsmarkt erzielen. Die PIDC sind in der Anlage I des Hinweisschreibens aufgeführt.

Weiterhin konkretisiert die BaFin anhand von Beispielen die Anforderungen des Berichtsformulars S.04.01 zur Tätigkeit nach Ländern (siehe Rn.39) sowie die Anforderungen des Berichtsformulars S.06.02 zur Liste der Vermögenswerte (siehe Rn.48). Ebenso erfolgte für das Berichtsformular zu den Anforderungen für Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen auf Einzelebene (S.33.01) die Konkretisierung, dass das Formular nicht eingereicht werden muss, sofern ausschließlich die Methode 1 zur Berechnung der Solvabilitätskapitalanforderung verwendet wird und die Versicherungsgruppe keine Nicht-EEA Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen in der Gruppe hat (siehe Rn.77).

Änderungen der Hinweise bezüglich des Berichtes über die Solvabilität und Finanzlage (SFCR)

Mit der Neufassung der Hinweise bezüglich des SFCR will die BaFin vor allem eine adressatengerechtere Gestaltung der Berichte erreichen. Somit soll sichergestellt werden, dass der SFCR seinen Zweck als für die Öffentlichkeit bestimmter Bericht erfüllt. Die Anforderungen gelten für den Jahres-SFCR 2019 mit Veröffentlichung im Jahr 2020.

Im aktualisierten Hinweisschreiben stellt die BaFin deshalb klar, dass der SFCR auf der Website des Unternehmens, bzw. auf der Website der Unternehmensgruppe, veröffentlicht werden muss und unkompliziert auffindbar sein muss (siehe Rn. 83a)

Wesentliche Geschäftsvorfälle oder wesentliche sonstige Ereignisse im Berichtszeitraum müssen im SFCR enthalten sein. Die BaFin führt in den aktualisierten Hinweisen drei Beispiele auf, die verdeutlichen, was als wesentliches sonstiges Ereignis zählen kann (siehe Rn. 106). Die Beispiele umfassen die interne strategische Entscheidung, das Geschäft auslaufen zu lassen oder einen Teil-Run-off durchzuführen.

In Bezug auf das im SFCR beschriebene Risikoprofil stellt die Bafin klar, dass sich Angaben zu wesentlichen Risikokonzentrationen nicht nur auf „übermäßige“ Risikokonzentrationen beschränken (siehe Rn. 121a). Im SFCR ist zudem über die durch Stresstests und Sensitivitätsanalysen gewonnenen Erkenntnisse für wesentliche Risiken und Ereignisse gemäß Art. 295 Abs. 6 DVO zu berichten (siehe Rn. 122). In diesem Zusammenhang führt die BaFin aus, dass solche Erkenntnisse nicht erst dann vorliegen, wenn die Erfüllung der Verpflichtungen gegenüber den Versicherungsnehmern oder der Bestand des Unternehmens gefährdet sein könnte.

In den aktualisierten Hinweisen erfolgt zudem eine Differenzierung zwischen einer Aktualisierung und einer Korrektur des SFCR. Während eine Aktualisierung des SFCR erfolgt, wenn neue Entwicklungen eingetreten sind, ist eine Korrektur verpflichtend, um objektiv materiell unrichtige Angaben zu berichtigen. Die Korrektur des SFCR ist nicht ausdrücklich in der DVO geregelt, ergibt sich aber aus der Verpflichtung zur Veröffentlichung zutreffender Informationen (siehe Rn. 148a). Eine Korrektur des SFCR muss erkennbar sein; ebenso müssen die Gründe für die Korrektur genannt werden (siehe Rn. 148b).

Änderungen der Hinweise bezüglich des regelmäßigen aufsichtlichen Berichts (RSR)

Bei der Verwendung alternativer Bewertungsmethoden fordert die BaFin ab dem Berichtsjahr 2019 Ausführungen mit höherem Detaillierungsgrad zu Art. 263 (a) bis (e) DVO („Alternative Bewertungsmethoden“) (siehe Rn. 205a). Ebenso müssen Unternehmen die Verwendung von HGB-Werten anstelle von IFRS-Werten bei der Bewertung von Vermögenswerten oder Verbindlichkeiten qualitativ und quantitativ rechtfertigen (siehe Rn. 205b).

Zudem müssen Unternehmen, welche sich bei quantitativen Angaben auf „keine wesentlichen Änderungen“ berufen, darauf eingehen, wie sie die Wesentlichkeit konkretisiert haben (siehe Rn. 217a).

Änderungen der Hinweise bezüglich des ORSA-Berichts

Im ORSA-Bericht fordert die BaFin von Unternehmen, die ohne Übergangsmaßnahmen unterdeckt wären, eine genauere Beschreibung, wie eine eventuell erforderliche Aktualisierung des vorgelegten Maßnahmenplanes aussehen könnte (siehe Rn. 248).

Zudem konkretisiert die BaFin, wie die Beurteilung der Signifikanz der Abweichungen des Risikoprofils von den der SCR-Berechnung zugrunde liegenden Annahmen vorzunehmen ist (siehe Rn.251 und Rn.253). Auch für den ORSA-Bericht auf Gruppenebene gibt die BaFin dazu weitere Anforderungen vor (siehe Rn. 263a).

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

/* */