Kategorie: Risk & Finance

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Änderung der Solvency-II Rahmenrichtlinie 2009/138 EG durch die Richtlinie (EU) 2019/2177

Das EU Parlament und der EU Rat haben die Richtlinie (EU) 2019/2177 vom 18. Dezember 2019 u.a. zur Änderung der Solvency II-Rahmenrichtlinie 2009/138 EG erlassen. Weitere Änderungen betreffen die Richtlinie 2014/65/EU über Märkte für Finanzinstrumente, sowie die Richtlinie (EU) 2015/849 zur Verhinderung der Nutzung des Finanzsystems zum Zwecke der Geldwäsche und der Terrorismusfinanzierung.

Die Richtlinie wurde am 27. Dezember 2019 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht und trat am 30. Dezember 2019 in Kraft. Die Richtlinie ist nicht unmitterlbar rechtlich bindend und muss von den Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden. Eine entsprechende Verordnung zur Änderung des VAG wird daher erwartet.

Alles Gute im neuen Jahr!

Liebe Leserinnen und Leser,

wir wünschen Ihnen alles Gute für das neue Jahr 2020!

Wir freuen uns, Sie in diesem Jahr weiterhin über aktuelle regulatorische Entwicklungen im Versicherungssektor zu informieren.

In diesem Zuge möchten wir Sie gerne auf die zweite Ausgabe des „Insurance Risk & Regulatory Newsletters“ aufmerksam machen, in der wir bereits einen Rückblick auf die regulatorischen Entwicklungen in 2019 werfen und gleichzeitig einen Ausblick auf die in 2020 anstehenden regulatorischen Neuerungen wagen. Zudem finden Sie im Newsletter die Ergebnisse der im Herbst 2019 stattgefundenen Risk & Regulatory Insurance Business Breakfasts sowie aktuelle Themen zu Risikomanagement und nationaler sowie internationaler Aufsicht, die wir in folgenden Beiträgen näher betrachtet haben:

  • Seien Sie auf den Solvency II Review 2020 vorbereitet – ausgewählte Änderungen und Herausforderungen
  • Echter Mehrwert im Datendschungel – versteckte Potenziale drei Jahre nach Einführung von Solvency II

Wir freuen uns auf ein spannendes und mit Sicherheit herausforderndes Jahr mit Ihnen!

Herzlich grüßen Sie

Christoph Schellhas und Kristina Stiefel

Erkennen Versicherer ihre Risiken frühzeitig?

Die BaFin hat am 17. Dezember 2019 einen Fachartikel zur Risikofrüherkennung in Bezug auf § 132 VAG veröffentlicht. Der Artikel beschäftigt sich mit der zunehmenden Relevanz der frühzeitigen Anzeige bei Verschlechterung der finanziellen Lage von Versicherern sowie der aktuellen Umsetzung des § 132 VAG in der Branche.

Die Anzeigepflichten des § 132 VAG sind für die BaFin in einer Zeit der volatilen Kapitalmärkte und einer anhaltenden Niedrigzinsphase ein wichtiges Frühwarninstrument, um eine drohende Zahlungsunfähigkeit von Versicherungsunternehmen rechtzeitig zu identifizieren und dieser entgegenwirken zu können. Um das bisherige Verständnis und die Umsetzung des § 132 VAG am Versicherungsmarkt zu überprüfen, hat die BaFin bei 14 Lebensversicherern und zwei Pensionskassen eine Pilotabfrage durchgeführt.

EbAV: EIOPA veröffentlicht Ergebnisse des Stresstests für EbAV 2019

Am 17. Dezember 2019 hat EIOPA die Ergebnisse des diesjährigen europaweiten Stresstests für EbAV veröffentlicht. Nach den ersten beiden Stresstests 2015 und 2017 war das Ziel des dritten Stresstests, die Widerstandsfähigkeit des EbAV-Sektors in einem negativen Marktszenario einzuschätzen. Des Weiteren wurde analysiert, wie sich die daraus ergebenden Schocks auf die Finanzmärkte übertragen (siehe Blogbeitrag vom 28. Mai 2019).

EIOPA kam zu dem Ergebnis, dass die Kapitalanlagen der EbAV teilweise nicht ausreichen, um deren Verpflichtungen zu decken. Hauptfaktor hierfür ist der anhaltende Niedrigzins, weswegen Arbeitgeber sich mit höheren finanziellen Aufwendungen konfrontiert sehen könnten. Unter Umständen hat das negative Folgen für die Finanzmärkte. Viele der EbAV stellen sich bereits den daraus resultierenden Herausforderungen. Dabei ist zu beachten, dass EbAV aufgrund des langfristigen Charakters der Pensionsverpflichtungen natürlich in der Lage sind, kurzfristige Marktvolatilitäten in ihrem Anlageportfolio über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten als andere Arten von Finanzinstituten.

Erste weitere vorläufige Änderungsentscheidungen an IFRS 17 seit Abschluss der ED-Kommentierung verabschiedet

In der letzten Sitzung des Jahres 2019 hat das International Accounting Standard Board (IASB) vorläufige Änderungsentscheidungen in Bezug auf die erwartete Werthaltigkeit aktivierter Abschlusskosten und die Deckung von Verlusten aus zugrunde liegenden Versicherungsverträgen bei gehaltenen Rückversicherungsverträgen getroffen und damit auf das Feedback zu diesen Punkten in den Kommentierungsschreiben reagiert (Details zu den Änderungen weiter unten). 

Nicht bereits Gegenstand dieses Meetings war die Frage einer möglichen weiteren Verschiebung des Erstanwendungszeitpunkts von IFRS 17 und der möglichen Verlängerung der Aussetzung von IFRS 9. Hierzu plant das IASB Staff seine Vorschläge erst gegen Ende der laufenden Analyse, demnach voraussichtlich in 1. Quartal 2020 vorzulegen.

Stattdessen behandelte das IASB die folgenden Themen (Cover Note):

  1. Vorgeschlagene Änderungen, mit der Empfehlung, diese zu bestätigen (sechs Themen)
  2. Erwartete Werthaltigkeit aktivierter Abschlusskosten
  3. Deckung von Verlusten aus zugrunde liegenden Versicherungsverträgen bei gehaltenen Rückversicherungsverträgen

EIOPA konsultiert Vorschläge für PEPP

EIOPA veröffentlichte am 29. November 2019 das Konsultationspapier „Consultation Paper on the proposed approaches and considerations for EIOPA’s Technical Advice, Implementing and Regulatory Technical Standards under Regulation (EU) 2019/1238 on a Pan-European Personal Pension Product“ mit Vorschläge für ein einfaches, sicheres und europaweit einheitliches Pensionsprodukt (PEPP). Bis zum 2. März 2020 können Kommentare eingereicht werden.

Zentraler Bestandteil der Konsultation ist das PEPP-Informationsdokument (Key Information Document – KID). In diesem soll insbesondere der lange Anlagehorizont sowie die Darstellung von Risiken und Leistungen fokussiert werden. Erforderlich ist unter anderem, dass Art und Auswirkung der gebotenen Garantien erklärt werden. Ausführlich aufgeschlüsselt werden muss auch der Betrag, der erforderlich ist, um ein gewünschtes Rentenziel zu erreichen, abzüglich der Kosten und Gebühren.

BaFin aktualisiert Hinweise zum Solvency II-Berichtswesen

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat am 4. Dezember 2019 mit den Hinweisen zum Solvency-II-Berichtswesen für Erst- und Rückversicherungsunternehmen sowie Versicherungsgruppen eine aktualisierte Fassung ihres Merkblatts vom 16. Oktober 2015 veröffentlicht.

Die Hinweise zum Solvency-II-Berichtswesen in der Fassung vom 4. Dezember 2019 sind erstmalig für das Jahresberichtswesen 2019 und für das vierteljährliche Berichtswesen ab dem 1. Quartal 2020 verbindlich zu beachten. Die BaFin weist daraufhin, dass inhaltliche Änderungen vor formalen Änderungen zu berücksichtigen sind.

Änderungen und Ergänzungen zur vorherigen Fassung vom 4. Februar 2019 (siehe Blogbeitrag vom 11. Februar 2019) sind neben redaktionellen Änderungen im Wesentlichen die Folgenden:

Webcast „Solvency II Review 2020 – was kommt auf uns zu?“

Im Rahmen aktueller Konsultationen wird derzeit ein breites Spektrum an Themengebieten zur Änderung von Solvency II diskutiert. Darunter fallen u.a. Änderungen in der Ausgestaltung der Maßnahmen für langfristige Garantien (LTG Measures), der Berichterstattung, der SCR-Standardformel sowie der Gruppenaufsicht. Einige dieser Aspekte können – sofern eine tatsächliche Umsetzung in den Rechtsgrundlagen erfolgt – tendenziell große Auswirkungen auf Solvabilitätsquoten sowie bestehende Prozesse und Verfahren bewirken. Die Änderungsvorschläge betreffen die Solvency II Rahmenrichtlinie (VAG) sowie die Solvency II Delegierte Verordnung.

Wir laden Sie herzlich zu unserem Webcast „Solvency II Review 2020 – was kommt auf uns zu?“ ein, in dem wir ausgewählte Kerninhalte der aktuellen Konsultationen vorstellen und Implikationen herausarbeiten möchten. Sie haben zudem während des Webcasts die Möglichkeit, anonym Fragen zu stellen, auf welche wir entweder direkt oder im Nachgang eingehen werden.

Erste Änderungen an IFRS 17 vorgeschlagen

Vom 10. bis 12. Dezember wird in London die letzte Sitzung des International Accounting Standard Board (IASB) im Jahr 2019 stattfinden. In dieser Sitzung wird das IASB die folgenden Themen mit IFRS 17-Bezug diskutieren (Cover Note):

  1. Vorgeschlagene Änderungen, mit der Empfehlung, diese zu bestätigen (sechs Themen)
  2. Die Erwartete Werthaltigkeit aktivierter Abschlusskosten
  3. Deckung von Verlusten aus zugrunde liegenden Versicherungsverträgen bei gehaltenen Rückversicherungsverträgen

 

Das Staff plant seine Vorschläge in Bezug auf eine weitere Verschiebung des Erstanwendungszeitpunkts von IFRS 17 und die damit einhergehende Frage, ob ggf. auch IFRS 9 mit verschoben wird, erst gegen Ende der laufenden Analyse, demnach voraussichtlich in 1. Quartal 2020 vorzulegen.

Im kommenden Meeting empfiehlt das Staff dem Board, die folgenden sechs Änderungen an IFRS 17, wie im Exposure Draft vorgeschlagen, abzuschließen (Agenda Paper 2A):

  1. Ausnahme vom Anwendungsbereich für Kredite
  2. Behandlung der CSM, die auf Investment Services bei Versicherungsverträgen mit direkter Überschussbeteiligung entfällt
  3. Ausweis von Versicherungsverträgen in der Bilanz auf Portfolioebene statt auf Ebene der Gruppe von Versicherungsverträgen
  4. Anwendbarkeit der Risikominderungsoption im Zusammenhang mit passiver Rückversicherung
  5. Übergangserleichterungen für Unternehmenszusammenschlüsse
  6. Übergangserleichterungen für die Anwendung der Risikominderungsoption i.R.d. Transition, sowie die Möglichkeit, den Fair Value Ansatz anzuwenden

 

Im Zusammenhang mit der erwarteten Werthaltigkeit aktivierter Abschlusskosten empfiehlt das Staff dem Board (Agenda Paper 2B):

  1. Finalisierung der vorgeschlagenen Änderung, die einer Gruppe von Versicherungsverträgen direkt zurechenbaren Abschlusskosten nach einer systematischen und rationalen Methode dieser Gruppe und künftigen Gruppen, die aus Erneuerungsrechten entstehen, zuzuallokieren.
  2. Bestätigung, dass die Bilanzierungseinheit für einen Vermögenswert für vor Vertragszugang gezahlte Abschlusskosten die Gruppe von Versicherungsverträgen ist, der diese Abschlusskosten zugeordnet werden
  3. Finalisierung der vorgeschlagenen Anforderungen an Unternehmen, einen Werthaltigkeitstest dann durchzuführen, wenn Tatsachen und Umstände auf eine mögliche Wertminderung hinweisen
  4. Finalisierung der in diesem Zusammenhang vorgeschlagenen Anhangangaben
  5. Unverändert die Verpflichtung beizubehalten, den Vermögenswert für die vor Vertragszugang gezahlten Abschlusskosten im Buchwert des Portfolios auszuweisen, dem die (künftigen) Versicherungsverträge angehören.

 

Bezüglich der Deckung von Verlusten aus zugrunde liegenden Versicherungsverträgen bei gehaltenen Rückversicherungsverträgen schlägt das IASB Staff folgende Änderungen vor (Agenda Paper 2C):

  1. Den Anwendungsbereich der ursprünglich vorgeschlagenen Änderung von IFRS 17 auszudehnen (nunmehr nicht mehr beschränkt auf proportionale (proportionate) Verträge)
  2. Die Anpassung der Berechnung des Ertrags aus der Verlustdeckung (income from loss recovered) in Folge des erweiterten Anwendungsbereichs
  3. Den Verzicht auf die Fußnote in §304 der Basis for Conclusions, wonach ein gehaltener Rückversicherungsvertrag, welcher Schäden deckt, die einen bestimmten Betrag auf einem einzelnen Versicherungsvertrag übersteigen, keine proportionale Abdeckung bieten würde
  4. Die Bestätigung, dass die Änderung nur auf Fälle anzuwenden ist, in denen der gehaltene Rückversicherungsvertrag vor oder zur gleichen Zeit wie der Verlust aus den zugrunde liegenden Versicherungsverträgen erfasst wird
  5. Klarstellung, dass Paragraph 66(c)(ii), der auf die Folgebewertung einer Gruppe von gehaltenen Rückversicherungsverträgen anzuwenden ist, wenn eine Gruppe von zugrunde liegenden Versicherungsverträgen verlustbringend ist, auch anzuwenden ist, wenn die zugrunde liegenden Versicherungsverträge nach PAA bewertet werden.

 

Next Steps:

Das Staff plant, alle restlichen in der November-Sitzung beschlossenen Themen in zukünftigen Sitzungen zu diskutieren (Liste mit den Themen). Der gewählte Zeitplan ermöglicht es, das Feedback aus den Stellungnahmen zu weiteren Themen zu prüfen und die daraus resultierenden Änderungen im Einklang mit dem im Exposure Draft dargelegten Zeitplan bis Mitte 2020 abzuschließen.

Weitere Informationen können unter nachfolgenden Links aufgerufen werden:

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