Kategorie: Kapitalanforderungen

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ESRB Risk Dashboard – Drittes Quartal 2017

Der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (European Systemic Risk Board – ESRB) veröffentlicht quartalsweise ein Risk Dashboard mit qualitativen und quantitativen Indikatoren zu systemischen Risiken im Europäischen Finanzsystem.

Am 29. März 2018 hat der ESRB das Risk Dashboard zum 3. Quartal 2017 veröffentlicht. Zusammengefasst wird durch verschiedene Solvenz- und Profitabilität-Indikatoren ein gut laufender Versicherungsmarkt analysiert. Wesentliche Erkenntnisse sind:

  • Die durchschnittliche (Median) Solvenzquote wuchs über den Zeitraum von einem Jahr im 3. Quartal 2017 auf über 200% an (180% zu Q3 2016).
  • Diese Entwicklung lässt sich zum Großteil auf die positive Entwicklung der Zinsmärkte zurückführen. Die risikofreie EIOPA 10-Jahres Kurve verzeichnete einen Anstieg von 0,187% (Q3 2016) auf 0,828% (Q3 2017).
  • Stabile Performance im Bereich Non-Life mit Combined Ratios von im Durchschnitt unter 100%.

BaFin-Auslegungsentscheidung zur Behandlung von Infrastrukturinvestitionen im Rahmen des Grundsatzes der unternehmerischen Vorsicht

Am 28. März 2018 hat die BaFin eine Auslegungsentscheidung zur Behandlung von Infrastrukturinvestitionen im Rahmen des Grundsatzes der unternehmerischen Vorsicht veröffentlicht. Die Auslegungsentscheidung richtet sich an alle Erst- und Rückversicherungsunternehmen, die unter die Vorschriften von Solvency II fallen. Sterbekassen, Pensionskassen und kleine Versicherungsunternehmen sind mithin nicht betroffen.

Wenngleich die BaFin davon ausgeht, dass Infrastrukturinvestitionen nicht grundsätzlich als „nicht alltägliche Anlagen“ im Sinne der EIOPA-Leitlinie 28 zum Governance System zu klassifizieren sind, so vertritt sie doch die Auffassung, dass Infrastrukturinvestitionen aufgrund ihrer Komplexität und ihrer regelmäßig hohen Volumina für die meisten Versicherer als „nicht alltägliche Anlage“ zu behandeln sein dürften. In diesem Zusammenhang zeigt die Auslegungsentscheidung diesbezügliche und als „Good-Practice-Ansätze“ zu verstehende Grundsätze und Prozesse zur Umsetzung der genannten EIOPA-Leitlinie auf. Unter anderem werden folgende Punkte genannt:

  • Laut BaFin kann es in Bezug auf Infrastrukturinvestitionen sinnvoll sein, den Rat und Bescheinigungen einschlägiger Experten einzuholen.
  • Die BaFin hebt hervor, dass es für Standardformelanwender von entscheidender Bedeutung ist, ob die Infrastrukturinvestition als qualifizierte Infrastrukturinvestition im Sinne des Art. 164a der Delegierten Verordnung (EU) 2015/35 einzustufen ist.
  • Die Versicherer sollten zunächst unternehmensindividuell bestimmen, ob es sich bei der jeweils betrachteten Infrastrukturinvestition um eine „nicht alltägliche Anlage“ handelt. Ist dies der Fall, muss vor dem Erwerb ein Neue-Produkte-Prozess durchlaufen werden.
  • Im Hinblick auf die Durchführung und die Verwaltung der Infrastrukturinvestition sollten die Versicherer über eine angemessene personelle und fachliche Ausstattung verfügen.
  • In Bezug auf die Identifikation und Bewertung der mit der Infrastrukturinvestition verbundenen Risiken werden diverse Vorgaben gemacht, die unter anderem auch die Behandlung im ORSA betreffen.
  • Weiterhin müssen die Versicherer beurteilen, ob die Infrastrukturinvestition mit den Interessen der Anspruchsberichtigten und Versicherungsnehmer vereinbar ist und welche Auswirkungen die Investition auf die Struktur des Portfolios hat.

Darüber hinaus vertritt die BaFin die Auffassung, dass es sich bei Infrastrukturinvestitionen um schwierig zu bewertende, komplexe Produkte gemäß EIOPA-Leitlinie 33 zum Governance-System handelt. Dementsprechend sind geeignete Risikomanagement- und Bewertungsverfahren zu implementieren. Im Rahmen dessen sollte von den Versicherern auch festgelegt werden, welche Personen und Gremien bei Infrastrukturinvestitionen einzubinden sind.

BaFin Sammelverfügung zur Bedeckungsrechnung unter Solvency II

Am 19. März 2018 hat die BaFin ihre Sammelverfügung zu Berichtspflichten über die Zeitwerte, stillen Reserven und stillen Lasten der Vermögensanlagen sowie die unterjährige Bedeckung der zu schätzenden versicherungstechnischen Passiva (14. Dezember 2017) geändert. Die Sammelverfügung gilt für Versicherungsunternehmen. Ausgenommen sind Pensionskassen, kleine Versicherer sowie Versicherungsunternehmen und Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) mit Sitz außerhalb des EWR. 

Die Adressaten der Sammelverfügung müssen über die Buch- und Zeitwerte, stillen Reserven und stillen Lasten der Vermögenswerte sowie die unterjährige Bedeckung der zu schätzenden versicherungstechnischen Passiva (§§ 125, 127 Abs. 2 VAG) berichten. Die hierfür von der BaFin bereitgestellten Vordrucke (Nachweisungen 674 und 675) müssen vierteljährlich über die Melde- und Veröffentlichungsplattform der BaFin (MVP Portal) eingereicht werden. Dies gilt erstmalig zum Stichtag 30. September 2018.

IAIS Updates im Februar

Am 28. Februar 2018 hat die International Association of Insurance Supervision (IAIS) ihren monatlichen Newsletter mit den wesentlichen Updates zu den aktuellen Konsultationen, Berichten und den Aktivitäten der einzelnen Komitees veröffentlicht.

Zusammenfassend stehen die folgenden Themen im Fokus des aktuellen Newsletters:

  • Aktueller Status zur vorläufigen Konsultation zum Aktivitäts-Basierten Ansatz (sog. „activity-based approach“) zum Systemrisiko. Eine öffentliche Konsultation ist bis zum Ende des Jahres geplant.
  • Highlights aus dem veröffentlichten „Global Insurance Market Report 2017“
  • Bericht zum Stand der Phase 1 zur Bewertung der Implementierung der Policy Measures für global systemrelevante Versicherungen und den Supervisory Colleges
  • Stand zur öffentliche Konsultation zum Einsatz von digitalen Technologien in der Inklusiv-Versicherung
  • Erarbeitung eines Anwendungspapiers zu Sanierung und Abwicklung durch die „Resolution Working Group“

Zweites und finales Set of Advice zum Solvency II Standardformel Review – Auswirkung des „relative shifted approach“ auf die geschockten Zinskurven

EIOPA richtete am 28. Februar 2018 ein zweites und finales Set of Advice zum Solvency II Standardformel Review an die Europäische Kommission (siehe Blogbeitrag vom 5. März 2018). Für das Zinsrisiko wird darin ein Vorschlag gewählt, der im zweiten Konsultationspapier noch nicht diskutiert wurde.

Die Berechnung der geschockten Zinsstrukturkurven soll demnach mit einem „relative shifted approach“ erfolgen. Für die EUR-SWAP Kurve resultieren daraus folgende Abweichungen zum derzeitig benutzten Vorgehen (current approach).

Grafik: EUR-SWAP Zinskurve – Vergleich der Schockansätze; Quelle: Eigene Darstellung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Durch die neue Berechnungsweise ergeben sich für den down-Schock über die gesamte Kurve höhere Schocks. Auch der floor auf die risikolose Zinskurve entfällt. Der up-Schock erhöht sich vor allem für Fälligkeitsdaten bis zu 20 Jahren. In einem nächsten Schritt entscheidet die Europäische Kommission über den Vorschlag. Ein genauer Zeitrahmen hierfür ist nicht vorgegeben. Der Review der Standardformel soll jedoch bis Ende 2018 abgeschlossen sein.

Hintergrund

Am 8. Dezember 2016 startete EIOPA mit der Veröffentlichung des ersten Diskussionspapiers zum Review der Standardformel (siehe Blogbeitrag vom 12. Dezember 2016). Der Review wurde in zwei Sets aufgeteilt. In einem ersten Set wurden Änderungsvorschläge zu verschiedenen Themenbereichen in einem ersten Konsultationspapiers veröffentlicht (siehe Blogbeitrag vom 5. Juli 2017). Diese wurden anschließend mit verschiedenen Stakeholder Gruppen diskutiert und in einem ersten Set an Empfehlungen von EIOPA veröffentlicht (siehe Blogbeitrag vom 9. November 2017). Nach der Veröffentlichung des zweiten Konsultationspapiers zum Review der Standardformel am 6. November 2017 (siehe Blogbeitrag vom 9. November 2017), bestand für Stakeholder wiederum die Möglichkeit bis zum 5. Januar 2018 Feedback dazu zu geben.

EIOPA richtet zweites und finales Set of Advice zum Solvency II Standardformel Review an die Europäische Kommission

EIOPA richtete am 28. Februar 2018 ein zweites und finales Set of Advice zum Solvency II Standardformel Review an die Europäische Kommission.

Hintergrund:

Am 8. Dezember 2016 startete EIOPA mit der Veröffentlichung des ersten Diskussionspapiers zum Review der Standardformel (siehe Blogbeitrag vom 12. Dezember 2016). Der Review wurde in zwei Sets aufgeteilt. In einem ersten Set wurden Änderungsvorschläge zu verschiedenen Themenbereichen in einem ersten Konsultationspapiers veröffentlicht (siehe Blogbeitrag vom 5. Juli 2017). Diese wurden anschließend mit verschiedenen Stakeholder Gruppen diskutiert und in einem ersten Set an Empfehlungen von EIOPA veröffentlicht (siehe Blogbeitrag vom 9. November 2017). Nach der Veröffentlichung des zweiten Konsultationspapiers zum Review der Standardformel am 6. November 2017 (siehe Blogbeitrag vom 9. November 2017), bestand für Stakeholder wiederum die Möglichkeit bis zum 5. Januar 2018 Feedback dazu zu geben.

Das Schreiben baut strukturell auf den ausgearbeiteten Änderungsvorschlägen des zweiten Konsultationspapiers auf und nimmt inhaltliche Anpassungen, beziehungsweise die Auswahl verschiedener diskutierter Möglichkeiten vor. Diese Anpassungen und Entscheidungen betreffen:

  • Prämien- und Reserverisiko
  • Sterblichkeits- und Langlebigkeitsstresse
  • Seefahrtrisiko
  • Identifikation des größten man-made Katastrophen Risikos
  • Rekalibrierung der Naturkatastrophen Szenarien
  • Vertragsgrenzen in der Berechnung von Naturkatastrophen
  • Zinsrisiko
  • Konzentrationsrisiko
  • unrated debts
  • unlisted equity
  • Gegenparteiausfallrisiko
  • Behandlung von CCP-Exposures und Änderungen aufgrund von EMIR
  • Verlustausgleichsfähigkeit latenter Steuern
  • Vergleich von Eigenmittel in Versicherungs- und Bankensektoren
  • Kapitalinstrumente

Nächste Schritte:

Es ist geplant, dass der Standardformel Review Ende 2018 von der Europäischen Kommission finalisiert wird. Die Überprüfung der Solvency II Rahmenbedingungen im Gesamten, einschließlich der Behandlung von langfristigen Garantien, soll bis 2021 abgeschlossen sein.

BaFin Rundschreiben und Meldeformular zur Finanzkonglomerate-Solvabilität

Am 20. Februar 2018 hat die BaFin das Rundschreiben 04/2018 zur Finanzkonglomerate-Solvabilität sowie den Meldevordruck zum Nachweis der angemessenen Eigenmittelausstattung eines Finanzkonglomerates veröffentlicht. Die beiden veröffentlichten Dokumente waren zuvor Gegenstand einer öffentlichen Konsultation (vgl. Blog-Beitrag vom 18. Oktober 2017).

Das gemeinsam mit der Bundesbank erstellte Rundschreiben richtet sich an alle Unternehmen, die der zusätzlichen Finanzkonglomerate-Aufsicht unterliegen. Es ersetzt die Finanzkonglomerate-Solvabilitäts-Verordnung (FkSolV), die in der Zwischenzeit aufgehoben wurde, und trägt den sektorspezifischen europäischen Vorgaben aus CRR, CRD IV, Solvency II sowie den technischen Regulierungsstandards (RTS, Delegierte Verordnung (EU) Nr. 342/2014) zur Berechnung der Eigenkapitalanforderungen für Finanzkonglomerate Rechnung. Der nun durch die BaFin veröffentlichte Meldevordruck ersetzt zudem die damaligen Meldevordrucke gemäß der FkSolV.

Das aktuelle Rundschreiben adressiert insbesondere die drei durch die technischen Regulierungsstandards (RTS) definierten Berechnungsmethoden zur Finanzkonglomerate-Solvabilität und gibt Hinweise zu deren Anwendung aus Sicht der BaFin und der Bundesbank. Gegenüber der Konsultation haben sich im Rundschreiben keine wesentlichen Änderungen ergeben. Hinsichtlich des Meldevordruckes wurde ein Hinweis aufgenommen, dass es sinnvoll sein kann, den Meldevordruck individuell zu ergänzen. Dabei sollte jedoch die vorgegebene Struktur beibehalten und neu hinzugefügte Felder farblich markiert werden.

EIOPA veröffentlicht Zinsstruktur mit neuer UFR von 4,05%

EIOPA veröffentlichte in der technischen Dokumentation vom 31. Januar 2018 die neue Gestalt der Zinsstruktur. Es wurde in diesem Zusammenhang zum ersten Mal die neue Ultimate Forward Rate (UFR) von 4,05% verwendet. Damit wurde die Kalkulation der UFR gemäß der EIOPA Veröffentlichung  vom 30. März 2017 umgesetzt. Die folgende Grafik zeigt den Unterschied der Zinsstrukturkurve im Vergleich zur bisher verwendeten UFR von 4,2%.

Es wird erwartet, dass sich die UFR in den kommenden Jahren stets um den maximalen Betrag von 0,15%  pro Jahr bis auf die langfristig erwartete Rate von 3,65%  verringert.

Für die Zahlen aus dem vierten Quartal von 2017 wird nach wie vor die UFR von 4,2% verwendet. Die neue Ultimate Forward Rate wird erstmals in den kommenden Quartals- oder Halbjahreszahlen zum Einsatz kommen.

EIOPA Risk Dashboard – Drittes Quartal 2017

EIOPA hat am 25. Januar 2018 das Risk Dashboard für das dritte Quartal 2017 veröffentlicht (siehe hierzu auch Blog-Beiträge vom 27. Oktober 2017 und 9. August 2017). Wesentliche Erkenntnisse sind:

  • Die Solvency II Quoten der (Rück-)Versicherungs-Unternehmen stiegen bei Versicherungsgruppen (6 %-Punkte), Lebensversicherern (20 %-Punkte) und Nicht-Lebensversicherern (4 %-Punkte) im Vergleich zum zweiten Quartal 2017. Grund hierfür ist der Anstieg der anrechenbaren Eigenmittel.
  • Trotz positiver Makro- und Markttrends waren die Risiken in Verbindung mit den niedrigen Zinssätzen und der potenziellen Fehlbewertung von Kreditrisiken für die europäische Versicherungswirtschaft nach wie vor ein großes Problem.
  • Einige Profitabilitäts- und Underwriting-Indikatoren verschlechterten sich aufgrund der jüngsten Naturkatastrophen.
  • Die Marktwahrnehmung blieb mit einigen Verbesserungen der Ratingausblicke stabil.

Die folgende Tabelle stellt die Bewertung und den Trend zusammengefasst dar. Diese wird quartärlich aktualisiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die folgenden Graphen zeigen die Entwicklung der Solvency II Quoten aller Versicherungs­unternehmen im Solvency II Regime zwischen Q1 2016 und Q3 2017. Als Mittelwert wurde der Median gewählt (Quelle: EIOPA Risk Dashboard).

 

Stresstest für EbAV: EIOPA veröffentlicht Auswertungsbericht

Die EIOPA hat am 13. Dezember 2017 einen Auswertungsbericht zum europaweiten Stresstest für Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) 2017 veröffentlicht.

Der europaweite EbAV-Stresstest wurde zum zweiten Mal im Zeitraum von 18. Mai bis 13. Juli 2017 durchgeführt (vgl. unseren Blog-Beitrag vom 22. Mai 2017). Ziel des Stresstests war eine Abschätzung der Belastbarkeit der europäischen EbAV unter adversen Kapitalmarktszenarien mit einheitlichen Methoden zu generieren. Zudem wurde analysiert, wie die Pensionskassen und Pensionsfonds den unter adversen Kapitalmarktszenarien entstehenden Schock auf die Realwirtschaft und Finanzmärkte übertragen.

Der Stresstest beinhaltete ein „Double-hit-scenario“, das zum einen aus einer Senkung der risikolosen Zinssätze besteht, was tendenziell die Höhe der Verpflichtungen der EbAV erhöht. Des Weiteren war ein Rückgang der Marktwerte der Kapitalanlagen vorgesehen, wodurch erreicht wurde, dass sich der Schock auf beiden Seiten der Bilanz niederschlägt. Der Stresstest umfasste darüber hinaus sowohl Leistungszusagen als auch reine Beitragszusagen. Letztere sind in Deutschland erst ab dem 1. Januar 2018 zulässig und waren daher für den Stresstest nicht relevant.

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