Kategorie: Prozesse, Kontrolle,Daten, IT

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Modellmanagament in Zeiten von COVID 19

In den letzten dreißig Jahren hat die Anwendung aktuarieller Bewertungsmodelle in der Personenversicherung zugenommen. Treiber für diese Entwicklungen waren neben den technischen Möglichkeiten insbesondere Marktentwicklungen und regulatorische Anforderungen.

Die COVID-19-Pandemie hat neue Herausforderungen über den gesamten Modell-Lebenszyklus mit sich gebracht. Diese erstrecken sich von der Entwicklung über die Validierung bis zum Monitoring – und gleichzeitig auf den operativen Betrieb. Mit geeigneten Maßnahmen seitens der Stakeholder, die insbesondere die Finanz-, Risiko- und Aktuarsfunktionen umfassen, gilt es diesen im Rahmen des Modellmanagements entgegenzutreten.

Das Modellmanagement im Modell-Lebenszyklus

Entscheidend für die Modellwahl ist die Angemessenheit für den jeweiligen Bewertungsweck. Im Versicherungskontext erfolgt die Bewertung zu unterschiedlichen Zielsetzungen. Diese erstrecken sich von der Bewertung der Kapitalanforderung durch Risikomodelle über Asset-Liability-Management-Aspekte hin zur Beteiligungs- oder Bestandsbewertung. Vor dem Hintergrund des nicht zuletzt durch COVID-19 angespannten Umfelds gewinnen strategische Fragestellungen an Bedeutung. Dies gilt insbesondere für das mögliche Schicken in den Run-Off oder den Verkauf von Versicherungstöchtern.

Im Zusammenhang mit der Solvenzkapitalbestimmung hat sich nicht zuletzt aufgrund der gesetzlichen Anforderungen ein Rahmenwerk für die Modellgovernance etabliert. Die Abbildung der einzelnen Risiken, die der Bewertung zugrundeliegenden aktuariellen Methoden, aber auch die eingesetzte Software und die zugehörige IT-Infrastruktur sowie der Zyklus zur Weiterentwicklung des Modells stehen dabei im Fokus. Aufgrund der wachsenden Anzahl modellbasierter Entscheidungen im Unternehmen gewinnen diese Anforderungen gerade in gestressten Zeiten wie der aktuellen Covid-19-Krise auch jenseits der Regulatorik zunehmend an Bedeutung.

Ein zielgerichtetes Modellmanagements nimmt in gestressten Situationen die Modellergebnisse genauer unter die Lupe. Dieses erörtert, ob angesichts der extremen ökonomischen Schwankungen der Modelloutput plausibel ist und das betrachtete Modell strukturell der Marktaktivität entspricht. Wenn Modelle für mehrere Zwecke genutzt werden oder es für verschiedene Fragestellungen unabhängige Lösungsansätze gibt, muss die Konsistenz überprüft werden.

Modelle projizieren als Abbild der Realität auf Basis von Bestandsdaten und Annahmen zur Bestandsentwicklung, Kapitalanlagen und Annahmen zum Zusammenspiel von Aktiv- und Passivseite Zahlungsströme, Bilanzpositionen und Kennzahlen. Einzelne Modellkomponenten und deren (Weiter-)Entwicklung sind dabei besonders abhängig von der gestressten Situation, etwa volatilen Kapitalmärkten oder der Unsicherheit bezüglich Sterblichkeits- und Invaliditätsannahmen.

Im Bereich der Modellvalidierung stoßen einzelne Kontrollmechanismen an ihre Grenzen, da aus Mangel an historischer Erfahrung ein Backtesting unmöglich ist. Damit können Schlussfolgerungen zur Angemessenheit des Modells und möglicher Modelländerungen nicht oder nur eingeschränkt getroffen werden. Zudem rücken in der Vergangenheit akzeptierte Modellvereinfachungen in den Fokus. Im durch hohe Volatilität und Niedrigzinsen geprägten Umfeld können diese plötzlich materielle Auswirkungen auf die Aussagekraft der Modellergebnisse haben. Außerdem bekommen Experteneinschätzungen sowohl auf Modellierungs- als auch Validierungsseite mehr Gewicht.

Operative Aspekte im Modellmanagement

Die COVID-19-Pandemie zwingt die meisten Unternehmen, viele, wenn nicht sogar alle ihre Tätigkeiten aufgrund des Social Distancing anzupassen. Systemzugriff aus der Ferne und damit einhergehende Änderungen an Zugriffen auf Daten und Modelle sind Herausforderungen an Abläufe sowie Rechenkapazität.

Hieraus ergeben sich Fragestellungen an die operative Arbeit, die im Modellmanagement in Betracht gezogen werden:

  • Ist ausreichend Know-how – auch bei Ausfällen einzelner Mitarbeiter oder gesamter Teams – vorhanden, um fachliche und prozessuale Aspekte zu adressieren?
  • Müssen Prozesse und Kontrollen angepasst werden?
  • Stehen auch im Falle geänderter Abläufe die richtige Ausrüstung und Zugänge zu den erforderlichen Daten und Plattformen jederzeit zur Verfügung?
  • Funktioniert die IT-Infrastruktur rund um das Modell?

Ein umfassendes Modellmanagement greift diese Themen auf und leitet hieraus eine Risiko-Framework zur Identifikation der unternehmensindividuell relevanten und gravierendsten Modellrisiken ab. Die Modellbesitzer sollten Leitprinzipien für die Modellverwaltung und -entwicklung, insbesondere im Umgang mit außerplanmäßigen Anpassungen, rechtzeitig etablieren bzw. anpassen. Gerade wenn sie außerhalb des Modells stattfinden, müssen diese Anpassungen akkurat nachverfolgt und für Entscheider transparent gemacht werden.

Der in der regulären Modellgovernance vorgegebene Modellentwicklungszyklus gehört auf den Prüfstand, um der besonderen Situation gerecht zu werden. Gerade um auch eingeschränkte Ressourcen zielgerichtet einzusetzen gilt es, die Modellweiterentwicklung auf risikosensitive und strategisch relevante Komponenten zu priorisieren. Dies betrifft zum Beispiel die angemessene Abbildung von Zinsstressen im Niedrigzinsumfeld, unternehmensindividuelle Anpassungen am GDV-Branchensimulationsmodell oder Änderungen in der Kapitalanlagesteuerung etwa durch Investments in neue Kapitalanlageklassen.

Das Modellmanagement analysiert auch die kritische Infrastruktur, um Potentiale zur Automatisierung und Digitalisierung der Arbeitsabläufe aufzudecken. Hierbei rücken auch „reguläre“ Projekte rund um Bewertungsmodelle in den Fokus, um mögliche Synergien zu nutzen (z.B. ORA, Solvency-II-Review 2020, IFRS-17-Implementierung).

Handlungsfelder

Versicherer und Pensionseinrichtungen sollten im Rahmen ihres Modellmanagements aktuell einen Blick unter die Motorhaube der genutzten Modelle werfen – das betrifft mit den operativen Bereichen, dem Risikomanagement und der Internen Revision alle Verteidigungslinien. Ein strukturiertes Vorgehen im Modell-Lebenszyklus adressiert die gravierendsten Modellrisiken und setzt Leitplanken für das weitere Vorgehen. Die Fokussierung auf geeignete Maßnahmen verringert die operative Belastung, indem ein stärkeres und widerstandsfähigeres Modellmanagement angestoßen wird.

 

EIOPA zur Konsultation der Digital Finance Strategie der EU-Kommission

Am 29. Juni 2020 veröffentlichte EIOPA ihre Reaktion auf die Konsultation der EU-Kommission zur Strategie für digitale Finanzen.

Alle Antworten auf die am 3. April 2020 veröffentlichten Konsultation sollen in die bevorstehenden Arbeiten an einer digitalen Finanzstrategie sowie einem FinTech-Aktionsplan einfließen. Ziel ist es, alle Markt- und Technologieentwicklungen zu berücksichtigen, die sich in naher Zukunft auf den Finanzsektor auswirken könnten.

ESMA konsultiert Richtlinien zum Cloud-Outsourcing

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (European Securities and Market Authority, ESMA) hat am 3. Juni 2020 ein Konsultationspapier zu Leitlinien für die Auslagerung von Funktionen auf Cloud-Dienste veröffentlicht. Zuständige Aufsichtsbehörden sowie Marktteilnehmer, die von Dritten bereitgestellte Cloud-Dienste nutzen, haben die Möglichkeit bis zum 1. September 2020 an der Konsultation teilzunehmen. Anschließend plant ESMA den finalen Entwurf bis zum ersten Quartal 2021 zu veröffentlichen.

Live-Webcast zum Thema COVID-19: Mit Digitalisierung die Kundenschnittstelle (wieder-)beleben

Was bedeutet die Corona-Krise für Versicherer? In unserem Live-Webcast am 26. Mai 2020 von 13:00-14:00 Uhr informieren Sie unsere Experten, wie Sie Ihre Kundenschnittstellen mit digitalen Lösungen (wieder-)beleben. Dazu stellen wir Ihnen Lösungen von EasySend und Chatvisor vor, die sofort einsetzbar sind und in kürzester Zeit zum Ziel führen. Wir behalten regulatorische Anforderungen, wie beispielsweise Conduct und Datenschutz, natürlich fest im Blick! Gerne nehmen wir auch Ihre Fragen auf, die Sie besonders interessieren.

BaFin Aufsichtsschwerpunkte 2020 – Zunahme von VAIT-Prüfungen

Mit der Veröffentlichung der Aufsichtsschwerpunkte 2020 sorgt die BaFin für Transparenz und Nachvollziehbarkeit bei der Priorisierung der zu behandelnden Themen. Auffällig bei der Schwerpunktsetzung ist, dass mit den Themen „Digitalisierung, IT- und Cyberrisiken“ sowie „Integrität der Finanzsysteme“ auf Platz 1 und 2 Schwerpunkte mit direktem Bezug zu den VAIT (Versicherungsaufsichtliche Anforderungen an die IT) aufgeführt sind.

Es ist daher davon auszugehen, dass die Prüfungen durch die BaFin, nachdem diese in 2019 bereits umfangreich gestartet sind, noch weiter zunehmen werden. PwC hat als einzige der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften bereits VAIT-Prüfungen als Sonderprüfer im Namen der BaFin durchgeführt und kennt die faktische Auslegung der VAIT sowie die Bewertungsmaßstäbe der BaFin (F1-F4).

IAIS Issue Paper zur Verwendung von BDA in der Versicherungsbranche

Die International Association of Insurance Supervisors (IAIS) hat am 19. März 2020 das finale Issue Paper zur Verwendung von Big Data Analytics (BDA) in der Versicherungsbranche veröffentlicht. Dem Voraus ging in 2019 eine Konsultation, anhand derer untersucht wurde in welcher Art und Weise die Versicherungsunternehmen in der Lage sind, Daten in den verschiedenen Phasen des Lebenszyklus eines Versicherungsproduktes zu sammeln, zu verarbeiten und zu nutzen. D.h. vom Produktdesign und der Preisgestaltung über Marketing und den Vertrieb bis hin zur Versicherungstechnik und der Leistungsbearbeitung  (siehe Blog-Beitrag vom 9. September 2019).

Neue Veröffentlichung untersucht die Rolle der Versicherer bei zunehmender Cyber-Resilienz in der EU

Der europäische Dachverband der Versicherungsgesellschaften, die Insurance Europe, hat am 09.10.2019 die Publikation „Insurers‘ role in EU cyber resilience“ veröffentlicht. Darin formuliert sie ihre Erwartungen gegenüber der Versicherungsbranche bezüglich der Unterstützung der EU zur Erhöhung der Cyber-Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit.

Die Insurance Europe reagiert damit auf den „Global Risks Report“ der im Rahmen einer Umfrage des World Economic Forum 2019 erhoben wurde und demzufolge u.a. 2/3 der Beteiligten davon ausgehen, dass die Risiken aus den Bedrohungsszenarien „Identitätsdiebstahl“ und „fake news“ sowohl in der Wahrscheinlichkeit als auch in der Auswirkung zunehmen wird.

EIOPA Bericht zu Cyber-Risiken für Versicherungsunternehmen

EIOPA veröffentlichte am 18. September 2019 den Bericht „Cyber Risk for Insurers – Challenges and Opportunities“. Dieser baut auf dem in August 2018 veröffentlichten Bericht „Understanding Cyber Insurance – A Structured Dialogue with Insurance Groups“ auf (siehe Blog-Beitrag vom 7. August 2018) und soll ein besseres Verständnis über Cyberrisiken für den Versicherungssektor vermitteln.

EIOPA etabliert Expertengruppe für digitale Ethik im Versicherungswesen

EIOPA hat am 17. September 2019 eine bereits im Juli angekündigte Expertengruppe für digitale Ethik im Versicherungswesen eingerichtet.

Die Expertengruppe wurde als Folgemaßnahme zu ihrem jüngsten Bericht zum Einsatzes von Big Data Analytics (BDA) in der Kraftfahrt- und Krankenversicherung (siehe Blogbeitrag vom 8. Mai 2019) etabliert, um die Aufsichtsbehörde bei der Entwicklung von Grundsätzen der digitalen Verantwortung in der Versicherungsbranche zu unterstützen.

EIOPA Konsultation: Leitlinien zu Outsourcing an Cloud-Service-Provider

EIOPA hat am 1. Juli 2019 ein Konsultationspapier zu Leitlinien für das Outsourcing an Cloud-Service-Provider veröffentlicht. Die Leitlinien sollen Klarheit und Transparenz darüber schaffen, wie die Outsourcing-Vorgaben der Richtlinie 2009/138/EG (Solvency II-Richtlinie), Delegierten Verordnung EU 2015/35 sowie der EIOPA Leitlinien zum Governance-System im Hinblick auf Ausgliederungen an Cloud-Service-Provider umzusetzen sind.

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