Auch Versicherungskunden zeigen zunehmendes Interesse an nachhaltigen Finanzprodukten – Megatrend oder mögliche Modeerscheinung?

Privatkunden sehen Nachhaltigkeit als Megatrend der nächsten Dekade und haben überwiegend Interesse an nachhaltigen Finanzprodukten. Doch zeigen auch nachhaltige Versicherungsprodukte bzw. Altersvorsorgeprodukte wie eine Lebensversicherung, Riester-Rente oder Rentenversicherung einen gesellschaftlichen Wandel oder nur eine mögliche Modeerscheinung in der Branche?

Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft sind Kreditinstitute der drittgrößte Treiber für das Neugeschäft in der Lebensversicherung. Es wundert daher nicht, dass der Vertriebskanal für Versicherer von großer Bedeutung ist. Im Rahmen unserer PwC Privatkundenstudie “Sustainable Finance” wurde die Relevanz bei Kreditinstituten untersucht und über 4.000 Privatkunden befragt.

Nachhaltigkeit wird von einer klaren Mehrheit der Privatkunden als globale Herausforderung gesehen. So empfinden beispielsweise 83% der Befragten, dass Umwelt- und Klimaschutz zu den größten Herausforderungen unserer Generation gehören. Rund 80% sehen Nachhaltigkeit als keine Modeerscheinung, sondern als einen gesellschaftlichen Wandel an und knapp 28% haben sogar schon einmal von den 17 Sustainable Development Goals der UN gehört. Das Thema Nachhaltigkeit ist in den letzten Jahren auch bei Kaufentscheidungen immer wichtiger geworden. Dies zeigt beispielsweise das Kaufverhalten von Lebensmitteln, Elektrogeräten oder aber Automobilen. Während also im Konsumbereich Nachhaltigkeit bereits eine wichtige Rolle spielt, findet das Thema jetzt auch Einzug bei Altersvorsorgeprodukten.

Dabei ist der Umgang mit Nachhaltigkeit für Privatkunden bei der Wahl ihres Finanzdienstleisters mit ausschlaggebend. Dies gilt für die eigene nachhaltige Geschäftstätigkeit des Finanzdienstleisters sowie auch für das Angebot an nachhaltigen Produkten. Dennoch wissen 59% der Kunden nicht, ob sich Ihr Finanzdienstleister selbst an Nachhaltigkeitskriterien orientiert. Gleiches gilt für die Produktseite. Die Mehrheit der Privatkunden (rund 57%) kann mit dem Begriff „Nachhaltige Finanzprodukte“ nichts anfangen und kennt ebenfalls nicht das Angebot an Nachhaltigen Produkten des eigenen Finanzdienstleisters. Die Motive für Nachhaltige Produkte sind vielseitig, dennoch überwiegen der Umwelt- und Klimaschutz, gefolgt von sozial verantwortlichen Faktoren. Zunehmend wichtiger werden den Anlegern Produkte, die einen Beitrag zur Verbesserung der Welt leisten („Impact Investments“). Daher sollten Versicherer wie auch Banken als deren Vertriebsvehikel Nachhaltigkeit gesamthaft umsetzen und dies auch in ihrer Marketingstrategie und im Vermarktungsansatz an die Kunden berücksichtigen.

Ein Bedarf an nachhaltigen Versicherungsprodukten ist somit zu erkennen. Da fast die Hälfte der Besitzer nachhaltiger Finanzprodukte weitere Abschlüsse entsprechender Finanzprodukte plant und sogar sich etwa ein Drittel der interessierten Kunden ein kurz- oder mittelfristiges Engagement vorstellen können besteht seitens der Kreditinstitute bzw. Versicherungsunternehmen Potential, welches zunehmend wächst und relevanter wird.

Die Versicherer sollten daher zukünftig ein breites Produktangebot an nachhaltigen Altersvorsorgeprodukten offerieren. Derzeit liegt der Anteil an abgeschlossenen und nachhaltigen Altersvorsorgeprodukten wie beispielsweise einer Lebensversicherung, Riester-Rente oder Rentenversicherung bei rund 6%. Aber auch bei nachhaltigen Kapitalanlagen besteht Nachholbedarf. Anleger denken lt. der PwC Privatkundenstudie “Sustainable Finance” eher langfristig und würden dafür sogar auf eine jederzeitige Verfügbarkeit verzichten. Weiterhin zeigt die Studie, dass es für die Kunden von Bedeutung ist mit Finanzdienstleistern zusammenzuarbeiten, die Nachhaltigkeit auch in Ihrer Organisation leben. Rund 47% der Befragten geben an, das dies bei Ihrer Entscheidung für einen Anbieter eine Rolle spielt. Das Thema Nachhaltigkeit und nachhaltige Organisation gewinnt für Versicherungen in der Kundenansprache und Akquise an Bedeutung. So gilt verstärkt die eigenen Aktivitäten im Bereich der Nachhaltigkeit messbar zu machen und in die Kommunikationsmaßnahmen aufzunehmen. Beispiele können hier CO2 Einsparungen durch digitale Antrags- und Serviceprozesse sein. 

Unsere Studie zeigt, dass das Thema Nachhaltigkeit bei den Privatkunden im Zusammenhang mit Finanzprodukten zunimmt und im Vertrieb ankommt. Dies bietet Chancen für Versicherer sich beim Kunden zu differenzieren und dem reinen Preisvergleich zu entkommen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

/* */