Mehr als nur Altlasten – Der Data Catalog als Mittel zu funktionierender Data Governance und Effizienzgewinnen

Die Zukunft der Versicherungsbranche liegt in der effizienten und intelligenten Verarbeitung und Nutzung von Daten. Solche und ähnliche Aussagen finden sich in vielen aktuellen Einschätzungen zur Zukunft der Versicherungsbranche. In der Realität ist die Versicherungsbranche insbesondere in der Finance & Risk Funktion oft von diesem Ideal entfernt. Gerade hier spielen Vollständigkeit und Validität der Daten eine sehr wichtige Rolle.

In konkreten Anwendungsszenarios zeigen sich jedoch häufig die Hürden eines solchen Zukunftsszenarios auf, die besonders in den aktuellen Umsetzungsprojekten bei Versicherern im Umfeld IFRS 9 & IFRS 17 deutlich werden:

  • Fehlende Transparenz über die im Unternehmen vorhandenen Daten, deren Granularität und insbesondere deren Ablageort erschweren die Anbindung und parallele Verwendung in neuen (Abschluss-)Prozessen und Systemen, insbes. den Nebenbüchern,
  • Vernachlässigte Datenqualität durch mangelnde Datenqualitätsprozesse, unklare Verantwortlichkeiten und fehlende Datenbereinigungen verwendeter Datenhaushalte,
  • Unzureichendes Metadatenmanagement resultierend in fehlenden oder fehlerhaften Stammdaten und inkonsistenten Daten,
  • Nicht gelebte Data Governance, welche durch den Bedeutungswechsel der aktuariellen Funktion in den Abschlussprozessen sowie in der Planung und Steuerung Konfliktpotential nicht nur zwischen IT und Fachbereichen birgt.

Ein wichtiger Schlüssel erfolgreicher Implementierungsprojekte, nicht nur im Kontext IFRS 9 & 17 liegen in einer wohldefinierten und gelebten Data Governance. Diese bildet das organisatorische Rahmenwerk eines Mensch-Aufgabe-Technik-Systems ab. Die Diskussion der technischen Dimension fokussiert sich insbesondere auf die Themenfelder Data Lineage und Data Catalog, um Nachvollziehbarkeit und Transparenz insbes. durch ein effektives Metadatenmanagement zu gewährleisten.

Widmen wir uns dem Data Catalog als zentrales Informationsregister für Metadaten. Als zentrales Metadatenverzeichnis erfüllt er die Aufgaben, fachbereichsübergreifend den Anwendern benötigte Informationen über Syntax und Semantik der Datenobjekte, deren Herkunft und Transformationswege von der Quelle bis zur Senke bereitzustellen. Daher ist der Data Catalog ein Werkzeug zur Schaffung eines bereichsübergreifenden Verständnisses.

Welcher konkrete Nutzen lässt sich im Kontext der Regulatorik in Versicherungsunternehmen darstellen und realisieren:

  • Überblick der verwendeten Daten aus den unterschiedlichen Datenquellen und somit Schaffung von Transparenz, insbes. für den fachlichen Anwender
  • Vereinheitlichung der Datenflüsse in den Abschlussprozessen, indem Datenflüsse dokumentiert, Redundanzen eliminiert und die Konsistenz erhöht wird
  • Einheitliches Verständnis aufgrund einer zentralen Dokumentation und Definition verwendeter Datenobjekte, sodass Fehlinterpretationen minimiert werden
  • Effizientere Datennutzung durch das Verringern des Suchaufwands und Vereinfachung von Self-Service Aktivitäten der Fachbereiche
  • Unterstützung des Datenschutzes und der Datensicherheit durch entsprechende Klassifikation von Daten in Bezug auf Personenbezug und Zugriffsrechte

Der Data Catalog kann in Produktivitätssteigerungen resultieren, wenn er dazu führt, die im Unternehmen vorhandenen Daten konsequent zu nutzen.

Wenn die Vorteile eines Data Catalog so offensichtlich sind, dann stellen sich aus der Beobachtung zwangsläufig jedoch folgende Fragen:

  • Der Implementierungsaufwand eines Data Catalog ist hoch und es stellt sich die Frage nach einem angemessenen Kosten-Nutzen Verhältnis.
  • Bisher kommt der Data Catalog in vielen IFRS 9 & 17 Umsetzungsprojekten nicht vor. Aspekte der Data Governance werden stattdessen in Projekten gerne geschoben und es stellt sich die Frage, ob ein Data Catalog grds. einen Beitrag leisten kann.
  • Das Thema Data Catalog und insbes. Metadatenmanagement ist ein altes Thema und seit vielen Jahren in Diskussion. Jedoch ist die Verwendung von Metadaten in den Finance & Risk Funktionen von Versicherungen stark ausbaufähig. Warum sollte man also jetzt damit starten?

Es ist offensichtlich, dass der zeitliche Druck auf den Implementierungsprojekten, insbes. bei IFRS 17 den Fokus derzeit auf eine aspektorientierte Umsetzung regulatorischer Anforderungen denn auf eine integrierte und bspw. weitergehende Datennutzungen in Richtung Planung und Steuerung legt.

Doch dieser Druck wird nicht geringer. Durch das EU ESG Regime, einhergehend mit neuen Offenlegungsrichtlinien sowie einer umfassenden EU-Taxonomie zur Analyse und Klassifikation klimaverträglicher Investments stehen Versicherungen nach derzeitigem Stand offensichtlich vor der nächsten Herausforderungen im Berichtswesen.

 

Abbildung 1: Dimensionen des Data Catalog adressieren die Themenfelder des ESG-Reportings

Somit bietet sich die Gelegenheit für Versicherer zu einer tieferen Auseinandersetzung mit dem Thema Metadatenmanagement und Data Catalog. Eine gute Vorbereitung erspart im Nachgang teure Integrationslösungen!  

Letztlich lassen sich die Vorteile dann realisieren, wenn

  • das Management die Effizienzgewinne einer funktionierende Data Governance aktiv und finanziell unterstützt und somit Datenqualität keinen lästigen Brocken am Ende der Projektkette darstellt
  • Die Data Governance im Vorfeld eines solchen Projektes auf die Erfordernisse einer funktionierenden Data Governance geprüft und ggf. abgestimmt wird
  • Je nach Reifegrad des Metadatenmanagements sollte auf einen umfassenden Big-Bang verzichtet werden, sondern ein Projekt wie ESG als Anlass zum Aufbau eines Data Catalogs genommen werden. Altlasten sollten davon unberührt bleiben.

Letztlich bedarf es einer Datenkultur, die insbes. den Fachfunktionen im Finance & Risk Bereich mehr Selbstständigkeit i.S.d. Self Service Gedanken gibt, um die Vorteile eines effektiven Meta-Datenmanagements durch einen Data Catalog zu realisieren.

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