Insurance Blog

IFRS 17 – IASB beschließt Verschiebung um ein weiteres Jahr

Im März-Meeting 2020 hat das IASB beschlossen, die Erstanwendung des IFRS 17 um ein weiteres Jahr zu verschieben (Agenda Paper 2A). Im Einklang mit dieser Entscheidung wurde ebenfalls entschieden, auch die vorübergehende Befreiung von IFRS 9 auszudehnen (Agenda Paper 2A). Spätestmöglicher Erstanwendungszeitpunkt für Versicherer für beide Standards ist damit nunmehr der 1. Januar 2023.

Das IASB ist der Meinung, dass diese zusätzliche Verschiebung genügend Zeit für eine geordnete Einführung des geänderten IFRS 17 einräumt. Folglich würden auch die Herausforderungen bei der Umsetzung, denen einige Unternehmen gegenüberstehen, erleichtert und die Qualität der erstmaligen Anwendung von IFRS 17 verbessert. Damit gibt das IASB dem aus der Versicherungsindustrie entgegengebrachten Druck nach.

ESRB veröffentlicht Bericht über die makroprudenzielle Politik im Versicherungssektor

Im Rahmen des Solvency II-Reviews hat der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) am 26. Februar 2020 einen Bericht über die makroprudenzielle Politik für den Versicherungssektor veröffentlicht.

Ziel des Berichts ist es, die aktuelle Diskussion über die Revision von Solvency II aufzugreifen und ein Toolkit zur Integration in die Solvency-II-Richtlinie vorzuschlagen, das den makroprudenziellen Aspekt von Solvency II stärken soll. Die genannten Instrumente sind eine Spezifizierung der umfassenden Instrumente, die in einem früheren ESRB-Bericht identifiziert wurden, und konzentrieren sich auf die Arten von Risiken, die nicht in jedem Fall spezifisch für den Versicherungssektor sind. Die Instrumente spiegeln jedoch das Risikoprofil und das Geschäftsmodell von Versicherern und Rückversicherern wider.

Einige aktuarielle Gedanken zu COVID-19, dem Corona-Virus

Der Corona-Virus und seine Ausbreitung bestimmt derzeit die globalen Schlagzeilen. Während sich gesamtwirtschaftliche Folgen abzeichnen, betrifft dies natürlich auch den Versicherungs- und Vorsorgesektor. Aktuell ist es zwar verfrüht, hier detaillierte Aussagen zu treffen, dennoch halte ich es wert, hier einige aktuarielle Gedanken insbesondere in Richtung Personenversicherung zusammenzufassen. Insbesondere lassen sich einige Handlungsfelder schon jetzt erkennen, zu den offensichtlichen gehören meines Erachtens die Biometrie, angesichts der Entwicklung auf den Kapitalmärkten das Asset-Liability-Management und – nicht zuletzt aufgrund möglicher Abwesenheiten durch Erkrankungen – operationelle Aspekte.

Solvency II Review: Auswirkungsstudie zu möglichen Anpassungen der Solvency II Richtlinie

Die europäische Aufsichtsbehörde EIOPA veröffentlichte am 15. Oktober 2019 ein Konsultationspapier hinsichtlich der im Jahr 2020 anstehenden Überprüfung der Solvency II Richtlinie. In diesem Papier wurden insbesondere auch Empfehlungen für eine eventuelle Anpassung der Solvency II Richtlinie sowie der Delegierten Verordnung ausgesprochen. Damit reagierte EIOPA auf den „Call for Advice“ der Europäischen Kommission vom 11. Februar 2019. Rückmeldungen zur Konsultation können bis zum 15. Januar 2020 eingereicht werden.

Um tiefergehende Einsichten in die Auswirkungen des Solvency II Reviews zu bekommen, hat EIOPA Versicherer und Rückversicherer nun aufgefordert Auskunft über korrelierende Auswirkungen der möglichen Anpassungen zu erteilen (Informal Impact Assessment). Insbesondere die folgenden Solvabilitätsbereiche sollen dabei betrachtet werden:

BaFin veröffentlicht Aufsichtsrechtliche Mindestanforderungen an die Geschäftsorganisation von kleinen Versicherungsunternehmen

Am 6. März 2020 hat die BaFin die endgültige Fassung ihres Rundschreibens 01/2020 (VA) zu den Aufsichtsrechtlichen Mindestanforderungen an die Geschäftsorganisation von kleinen Versicherungsunternehmen nach § 211 VAG (MaGo für kleine VU) veröffentlicht, das am 1. April 2020 in Kraft treten wird.

Am 11. November 2019 stellte die BaFin den Entwurf eines Rundschreibens zu den Aufsichtsrechtlichen Mindestanforderungen zur Konsultation, sodass bis zum 8. Dezember 2019 hinsichtlich des Entwurfs Stellung genommen werden konnte (siehe Blogbeitrag vom 12. November 2019). Die nun veröffentlichte Version des Rundschreibens unterscheidet sich nur geringfügig von der Entwurfsfassung. Die Änderungen betreffen lediglich redaktionelle Aspekte.

EIOPA Supervisory Convergence Plan 2020

Im Februar 2020 gab die EIOPA ihre Schwerpunkte der Versicherungsaufsicht für das Jahr 2020 durch Veröffentlichung des Supervisory Convergence Plans bekannt. Das primäre Ziel für 2020 ist eine Verbesserung der Binnenmarktfunktion durch Verhinderung von Aufsichtsarbitrage und Gewährleistung gleicher Wettbewerbsbedingungen.

Als ein grundlegendes Ziel definiert EIOPA die Stärkung einer aufsichtsrechtlichen Konvergenz. Dazu werden für das Jahr 2020 Schwerpunkte in folgenden drei Themenfeldern fokussiert:

  • Praktische Umsetzung gemeinsamer Aufsichtskultur und Weiterentwicklung der Aufsichtsinstrumente: Fokus auf ein Framework zur Risikobewertung und der Anwendung der Verhältnismäßigkeit sowie die Finalisierung einheitlicher Benchmarks zur Aufsicht von internen Modellen
  • Vermeidung von Aufsichtsarbitrage und Schaffung eines „level playing fields“: Fokus auf die Bewertung der Ergebnisse von internen Modellen und dem Einsatz von Risikominderungstechniken sowie neuen Finanzprodukten zur Kapitalentlastung
  • Beaufsichtigung von „Emerging Risks“: Aufsicht in Bezug auf Datenmanagement, Datenqualität, IT Sicherheit, Governance-bezogene Risiken und dem Brexit

Konferenz der Europäischen Kommission zum Solvency II Review 2020

Die Europäischen Kommission kam am 29. Januar 2020 zu einer Konferenz zum Thema „2020 Solvency II review: Challenges and opportunities“ zusammen, um die Herausforderungen und Chancen der Überarbeitung der Solvency-II-Richtlinie zu diskutieren. Die Konferenz zielte ferner darauf ab, Ideen darüber zu sammeln, ob neue Risiken oder Entwicklungen, denen die Versicherer ausgesetzt sind oder sein werden, regulatorische Maßnahmen erfordern würden.

Valdis Dombrovskis, Exekutiv-Vizepräsident der Europäischen Kommission sowie der EIOPA-Vorsitzende Gabriel Bernardino hielten Hauptreferate. Die Diskussionen wurden auf vier Panels organisiert, die die zu überprüfenden Bereiche abdeckten und einen weiteren Austausch über die Zukunft des europäischen Versicherungssektors ermöglichten. Die Liste der Redner umfasste Experten aus der Versicherungsbranche, der Aufsichtsbehörde, der Zivilgesellschaft und des Europäischen Parlaments.

OLG Frankfurt: Dynamiken und die (un)verzichtbare Provisionsverzichtsklausel

Mit dem Urteil des OLG Frankfurt vom 03.12.2019 zum Aktenzeichen 16 U 109/17 ist ein Rechtsstreit mit hoher Praxisrelevanz für den Versicherungsvertrieb zu Ende gegangen. Gegenstand der Auseinandersetzung war der Anspruch des Versicherungsvertreters auf Fortzahlung von Dynamikprovisionen über das Ende des Vertretervertrages hinaus.

Der Fall hatte ein Jahr zuvor durch das vorhergehende Urteil des Bundesgerichtshofs unter Versicherern und Vertrieben für Aufregung gesorgt. Seinerzeit hatte er entschieden, dass Provisionen für dynamische Erhöhungen von Versicherungsverträgen als „verzögert“ ausgezahlte Abschlussprovisionen im Sinne der §§ 92 Abs. 2, 87 Abs. 1 Satz 1 HGB zu qualifizieren sind und damit dem ursprünglichen Abschlussvermittler des dynamisierten Vertrages zustehen. Das Problem für die Branche: Eine Vielzahl von Versicherern und Vertrieben zahlten und zahlen die Dynamikprovisionen nicht an den ursprünglichen Abschlussvermittler, sondern an den Bestandsbetreuer zum Zeitpunkt der dynamischen Erhöhung des Versicherungsvertrages aus. Durch das Urteil bestand und besteht also für die betreffenden Versicherer und Vertriebe die Gefahr, „doppelt“ zahlen zu müssen, nämlich nicht nur an den Bestandsbetreuer, sondern auch an den zwischenzeitlich ausgeschiedenen Abschlussvermittler.

EIOPA veröffentlicht methodische Grundsätze für Versicherungs-Stresstests

Am 3. März 2020 hat EIOPA die finalen methodischen Grundsätze für Stresstests von (Rück-) Versicherungsunternehmen veröffentlicht.

Bereits am 22. Juli 2019 hat EIOPA dazu ein Diskussionspapier herausgegeben (siehe Blog-Beitrag vom 25. Juli 2019), das bis Mitte Oktober 2019 konsultiert wurde. Kommentare und Anpassungsvorschläge zum Diskussionspapier sind auf der EIOPA-Seite öffentlich verfügbar und wurden von EIOPA zum Teil in das finale Methodenpapier integriert.

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