Aktuelles zur Taxonomie-VO: EU verabschiedet Delegierten Rechtsakt mit Screening-Kriterien und Konsultation zum Delegierten Rechtsakt zu Art. 8 Taxonomie-VO (KPIs) endet

Delegierte Verordnung zur Festlegung der technischen Bewertungskriterien 

Der delegierte Rechtsakt inklusive der beiden AnhĂ€nge mit technischen Screening-Kriterien zu den ersten beiden Umweltzielen (Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel) wurde am 21. April 2021 von der EuropĂ€ischen Kommission genehmigt (siehe auch Blog-Beitrag vom 27. April 2021). Nach dem nun die Übersetzung der Dokumente in allen Amtssprachen der EU vorliegt, konnte der Delegierte Rechtsakt am 4. Juni 2021 formell von der EU-Kommission verabschiedet werden.

Wie erwartet, wurden die Screening-Kriterien fĂŒr die AktivitĂ€t „Versicherung“ nicht geĂ€ndert. Dennoch betont die EU-Kommission, dass es sich bei der EU-Taxonomie um ein lebendes Dokument handelt, das im Laufe der Zeit weiterentwickelt wird. Insbesondere die technischen Screening-Kriterien werden einer laufenden ÜberprĂŒfung (alle 3-5 Jahre) unterzogen.

Der delegierte Rechtsakt wurde nun an den EU-Rat sowie an das EU-Parlament ĂŒbermittelt. Beide haben zunĂ€chst vier Monate Zeit, um den Vorschlag zu prĂŒfen, wobei diese Frist um weitere zwei Monate verlĂ€ngert werden kann. Nach der anschließenden Veröffentlichung im Amtsblatt der EU tritt der delegierte Rechtsakt in Kraft.

Delegierter Rechtsakt zu Art. 8 Taxonomie-VO (KPIs)

Der Entwurf des delegierten Rechtsakts zu denen im Rahmen der Taxonomie-VO zu veröffentlichenden Kennzahlen (KPIs), die (RĂŒck-)Versicherer im Rahmen der Erweiterung der nicht-finanziellen ErklĂ€rung veröffentlichen mĂŒssen (siehe auch Blog-Beitrag vom 12. Mai 2021), wurde bis zum 2. Juni 2021 konsultiert. Der Entwurf basierte auf den von den EuropĂ€ischen Aufsichtsbehörden (ESAs) veröffentlichten Stellungnahmen (siehe auch Blog-Beitrag vom 3. MĂ€rz 2021), wobei die EIOPA-Opinion nicht vollstĂ€ndig ĂŒbernommen wurde, sodass sich fĂŒr Versicherer einige Änderungen ergeben.

Statt der zunĂ€chst angekĂŒndigten zwei Kennzahlen, die gemĂ€ĂŸ EIOPA-Opinion berichtet werden sollten, veröffentlichte die EU-Kommission im Entwurf des delegierten Rechtsakts jeweils eine Tabelle bezogen auf die VersicherungstĂ€tigkeit sowie auf die Kapitalanlage von Versicherern.

Mit Blick auf die VersicherungstĂ€tigkeit hat sich fĂŒr Versicherer nicht viel geĂ€ndert. Nicht-Lebens- und RĂŒckversicherer mĂŒssen offenlegen, welcher Anteil der „gebuchten BruttoprĂ€mien“ aus bestimmten Nicht-Leben-Produkten – im VerhĂ€ltnis zu den gesamten gebuchten BruttoprĂ€mien aus diesen Produkten -, auf VersicherungstĂ€tigkeiten entfĂ€llt, die in der EU-Taxonomie als ökologisch nachhaltig identifiziert wurden. Weiterhin ist anzugeben, welcher Anteil hiervon rĂŒckversichert ist.

Hinsichtlich der Kapitalanlage von Versicherern sind laut aktuellem Entwurf deutlich mehr Kennzahlen zu veröffentlichen als ursprĂŒnglich geplant. Hierbei handelt es sich vor allem um Kennzahlen, die die Zusammensetzung von ZĂ€hler und Nenner erlĂ€utern, mit dem Ziel, die Kennzahlen leichter interpretieren zu können.

In einigen Bereichen schaffte der delegierte Rechtsakt zudem Klarheit bzw. Erleichterungen, u.a.:

  • FĂŒr die Erstanwendung ab dem 1. Januar 2022 ist bezogen auf das GeschĂ€ftsjahr 2021 fĂŒr die Kapitalanlagen nur ĂŒber die Taxonomie-Eignung (“Taxonomy-Eligibility“) zu berichten. Eine AktivitĂ€t ist “eligible“ soweit fĂŒr diese AktivitĂ€ten technische Screening-Kriterien in einem der beiden oben genannten AnhĂ€ngen des delegierten Rechtsakts vorliegen.
  • Erst ab dem 1. Januar 2023 ist ĂŒber das “Taxonomy-Alignment“ (Taxonomie-KonformitĂ€t) zu berichten, d.h. darĂŒber, ob die technischen Screening-Kriterien erfĂŒllt worden sind.
  • Nach derzeitigem Entwurf muss im Bericht im Jahr 2022 nicht ĂŒber die VersicherungsaktivitĂ€ten berichtet werden, auch nicht ĂŒber die “Taxonomy-Eligibility“, sodass die erstmalige Berichterstattung ĂŒber VersicherungsaktivitĂ€ten im Bericht, der im Jahr 2023 veröffentlicht wird, erfolgt.
  • Keine BerĂŒcksichtigung von Staatsanleihen und Anleihen von Zentralbanken im ZĂ€hler und Nenner der Kennzahl zu den taxonomie-konformen Investments.
  • Keine BerĂŒcksichtigung von Derivaten im ZĂ€hler der Kennzahl zu den taxonomie-konformen Investments.

Im ersten Jahr werden darĂŒber hinaus von allen Finanzunternehmen qualitative Angaben gefordert.

Dennoch bestehen weiterhin offene Fragen und Inkonsistenzen, z.B. bei der BerĂŒcksichtigung bestimmter Investments in ZĂ€hler und Nenner, sodass Änderungen am Entwurf erwartet werden. Laut derzeitigem Plan soll der finale delegierte Rechtsakt bis Ende Juni 2021 veröffentlicht werden.

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